Rhythm Thief [3DS]
Habe das Spiel nun mit 100% abgeschlossen - d.h. die Story durch, alle Filmchen, Geräusche, Sound-Discs und Bonus-Episoden freigespielt und zudem alle Rhythmus-Spiele mit dem höchsten Rang beendet, sodass ich das Spiel nun nach rund 14 Stunden Spielzeit wohl zur Seite legen werde. Zeit also für ein finales Fazit:
Rhythm Thief verfolgt einen etwas anderen Ansatz als normale Rhythmus-/Musikspiele, denn hier hat man nicht eine übergeordnete Mechanik, die den ganzen Rhythmus-Spielen zugrunde liegt und mit der man sich 40-50 Stunden lang beschäftigen mag, sondern es wird eine Geschichte erzählt, die einen immer wieder mit verschiedenen Minigames konfrontiert. Muss man beispielsweise mit der Geige ein bestimmtes Lied spielen, streicht man im Rhythmus über die Touchscreen-Saiten, während man im Kampf gegen bestimmte Gegner Rhythmen über die Knöpfe des DS imitieren muss oder in bestimmten Tänzen Moves auf dem Touchscreen nachahmt. So hat man hier eine Auswahl an 50 Rhytmus-Spielen, die sich in ihrem Prinzip natürlich oftmals wiederholen, aber immer weiter ausgebaut werden, sodass man hier durchaus an der Stange gehalten wird.
Dazu werde ich aber gleich noch genauer kommen, vielmehr möchte ich noch kurz den Rest des Spiels begutachten. Die Story, die im schönen Paris angesiedelt ist, macht beim Schauen durchaus Laune, auch wenn sie hoffnungslos überdreht ist - es geht immerhin um einen wiedererweckten Napoleon

Allerdings sind die Chraktere sympathisch, es gibt durchaus paar interessante Episoden und das ganze ist auch noch ganz hübsch gezeichnet und fängt dieses Pariser-Flair ganz nett ein, auch wenn ich mir hier sogar gerne französische Sprachausgabe (mit deutschen, englischen Untertiteln) gewünscht hätte. Aber gerade der Soundtrack allein hat mir schon so gut gefallen, dass ich in diesem Paris sehr gerne herumgewandert bin. Der Rest des Spiels fühlt sich ein wenig wie Professor Layton an - man wandert durch verschiedene Gebiete, kann Gegenstände anklicken um versteckte Objekte zu erhalten, spricht mit den Bewohnern etc. Dabei gibt es allerdings noch paar kleine Kniffe, dass eben auch viel optionales Zeug in Form von aufnehmbaren Geräuschen (wie das Hupen eines Autos oder das Klingeln einer Kasse) im Spiel versteckt ist, die man dann häufig für kleinere Rätsel braucht. Wenn die Sekräterin in den Pariser Archiven einen beiespielsweise nicht durchlassen möchte, muss man ihr ein Telefonklingeln vorspielen, damit sie davon abgelenkt genug ist, um sich an ihr vorbeischleichen zu können. Das ganze ist allerdings null kompliziert und das Spiel hält einen mit klaren Richtungsangaben eigentlich die ganze Zeit über an der Hand, was in mir ein wenig den Wunsch aufkommen ließ, noch mehr Spielräume und Kreativität beim Thema Rätsel zu haben. Immerhin ist der Großteil des Spiels fast zu jeder Zeit frei erkundbar und es wirkt auch nicht wirklich aufgedrückt, sondern gerade in Verbindung mit der Story durchaus nett und atmosphärisch.
Nun aber zum eigentlichen Herzstück des Titels: die Rhythmusspiele. An sicht macht das ganze bei einmaligen Durchspielen richtig Laune. Anfangs wirkt es noch etwas anspruchslos steigert sich dann aber bald im Schwierigkeitsgrad, sodass man tatsächlich überlegen muss, wie man am besten an die Rhythmusgeschichten rangeht und was die Musik da einem konkret sagen will. Es werden teilweise wirklich komplizierte Rhythmus-Kombinationen abverlangt, wo ich mir sogar vorstellen kann, dass einige - gerade mit einem schlechten Ton-/Rhythmusgedächtnis ausgestattet - in den späteren Rhythmuseinlagen ihre Probleme kriegen könnten. Mir hat's ganz gut gefallen und ich hatte auch Freude mich in einige zunächst komplizierte Geschichten reinzufuchsen und hatte zudem schnell meine Lieblingsspielchen gefunden, die ich immer wieder abseits der Story zwischendurch zocken wollte.
Dennoch muss ich jetzt erstmal einen ganzen Schwall an Kritik loslassen, denn das Spiel besitzt meiner Meinung nach einige Designmacken, die den Spielspaß doch mal versauen können.
- Rhythmusspiele mit Neigungssteuerung: es gibt eine Hand voll Spiele, welche die Gyrosteuerung des 3DS nutzen und es macht einfach Null Laune, weil es einfach keine zuverlässige Steuerungsmethode in diesem Titel darstellt. Nicht nur, dass es völlig spaßfrei ist, das Gerät wild hin und her zu bewegen (gerade wenn man wie ich zum Großteil in öffentlichen Verkehrsmitteln gespielt habe), so werden nicht alle Bewegungen im richtigen Timing einwandfrei erkannt. Hier die höchsten Ränge einzufahren, war teilweise eine richtige Qual...
- Es gibt meiner Meinung nach auch zu viel Vorlaufzeit, bevor ich in das eigentliche Rhythmusspiel einsteige. Wähle ich es aus der Liste aus, wird mir zunächst noch kurz der Schwierigkeitsgrad und die Steuerung des konkreten Minigames angezeigt, dann kommt meist noch viel Gelaber und wenn die Musik eingesetzt hat, muss man oftmals ebenfalls noch einige Sekunden warten, bis die ersten wirklichen Rhythmusymole auftauchen. So vergehen vom Anwählen des Songs bis zum ersten Anschlagen einer Taste schon mal 20-30 Sekunden (in den Extrembeispielen), was einfach in so einer Art Titel meiner Meinung nach viel zu lang ist. Gerade wenn man für den höchsten Rang spielt und man immer wieder neu resetten muss, seufzt man irgendwann nur noch vor sich her.
- Die Steuerung: in einigen extremen Fällen hatte ich irgendwie das Gefühl, dass die Steuerng gar nicht gut für den 3DS angepasst wurde. Teilweise kommen die Rhythmen und Schläge so schnell aufeinander, dass es richtig schwer wird, genau diese Bewegung auf dem 3DS zu imitieren, weil die Tasten teilweise zu klein sind, als dass man sie extrem schnell hintereinander drücken könnte. Für die Schultertasten gilt ähnliches - nicht selten war ich mir sicher, den Rhythmus genau wiedergegeben zu haben, wo sich herausgestellt hatte, dass das Spiel meinen zweiten Knopfdruck einfach nicht registriert hatte. Eigentlich ist das schon ein ziemlich schlechtes Zeichen für ein Rhythmusspiel. Man fuchst sich auch da in die Denkweise und die Motorik irgendwie rein, aber anfangs hat mir das ziemliche Probleme gemacht.
- Schwierigkeitsgrad: normalerweise lebt so ein Titel davon, dass sich die Stücke immer wieder steigern und dass es auch mehrere Schwierigkeitsgrade gibt, welche zur selben Musik einfach noch mehr abverlangen. Auch hier gibt es einen härteren Schwierigkeitgrad, den man allerdings erst nach dem Durchspielen freischaltet und der zudem auch komplett sinnfrei ist. Die ganzen Minigames haben exakt die selbe Symbolstruktur, das Spiel wird nur unverzeihlicher was die Genauigkeit und Präzision angeht. In Kombination mit der Tastensteuerung...meh.
- Und nun der wohl gewichtigste Kritikpunkt: die Fehlertoleranz. Man muss wissen, die Minigames kann man mit den Rängen E,D,C,D,B,A abschließen, die auch in einem sich langsam füllenden Balken durch präzises Spielen repräsentiert werden. Nun ist es aber so: es reicht 1 Fehler (!!!), also eine Note / einen Schlag, den man daneben haut und man fällt sofort in einem Rang nach unten - manchmal sogar mehr. Natürlich kann ich mich wieder hochkämpfen, aber die Minigames sind ALLE so aufgebaut, dass zunächst zwei relativ simple Abschnitte folgen und dann der dritte Abschnitt plötzlich im Schwierigkeitsgrad anzieht und anfängt zu fordern. Mit anderen Worten: ich kann 2/3 des Rhythmusspiels perfekt gemeistert haben, wenn ich dann gegen Ende auch nur EINEN Fehler mache, gibt es oftmals gar nicht mehr genug Symole, mit denen ich durch erneutes perfektes Spielen meine Leiste wieder auffüllen könnte. Wer das Spiel nur einmal durchspielt, dem wird das vielleicht nicht sonderlich negativ auffallen, aber wenn man überall den höchsten Rang erspielen möchte (was auch für das Freispielen einer Bonusmission klar gefordert wird), kann man an diesem System schon mal verzweifeln...
Fazit:
Rhythm Thief ist eine wirklich nette Kombination aus verschiedenen Gameplay-Elementen, die besonders gut funktionieren, wenn man sich für paar nette Stunden in Form eines Story-Durchgangs unterhalten und fordern lassen möchte, aber wenn man sich tiefer mit dem Spiel beschäftigt, dann merkt man doch einige Kritikpunkte, die nicht hätten drin sein dürfen. Ich persönlich steh auch eher auf Musikspiele, die sich ausschließlich einer einzigen, süchtig-machenden Mechanik widmen. Es hat eben einen Grund, warum ich z.B. Guitar Hero 200 Stunden oder Final Fantasy Theatrhythm seine 50 Stunden spielen konnte und Rhythm Thief bereits nach 14 Stunden fast komplett ausgereizt habe. Noch dazu kommen dann eben die teils argen Schnitzer, weswegen ich sagen würde, dass sich bloß die Hardcore-Fans dieses Genres, die was für unterwegs brauchen, das Spiel mal weiter anschauen sollten. Dennoch hatte ich viel Spaß auch wenn ich mich eben auch oft geärgert habe, weswegen ich diese Ambivalenz mit etwa
75 % ausdrücken möchte.