Dead Space [PS3]
Nach nun insgesamt vier Durchgängen bin ich wohl mehr als bereit, dieses Fazit hier zu schreiben.
Als ich von Dead Space gehört hatte, war der am meisten gebrauchte Vergleich wohl "ein Resident Evil 4 im All", was doch enorm vielversprechend klang, da Resi 4 wohl ganz klar -( na gut, zumindest für mich ) - , als ein Meilenstein der Videospielgeschichte gilt und das Genre damals revolutioniert hat.
Anmerkung des Autors:
An dieser Stelle musste ein ganzer Paragraph gekürzt werden, da er inhaltlich nichts mit Dead Space gemein hatte und in eine einzige RE4-Lobhudelei ausgeartet ist.
Der Punkt ist jedenfalls, dass meine Erwartungen zwar immer noch durchaus realistisch, aber durch eben diese vielen Vergleiche schon teils kosmische Ausmaße - no pun intended - erreicht haben. Es kam daher wie es kommen musste und Dead Space ist wie erwartet nicht das Überspiel für mich geworden, wie es das damals 2008 für einige überraschend gewesen ist, doch obwohl es einige gewichtige Kritikpunkte aufwies, auf die ich noch näher eingehen werde, und sich eine latente Enttäuschung breit machte, hatte ich dennoch eine Menge Spaß mit dem Titel - anders ließen sich meine vier Durchgänge in kurzer Zeit hintereinander auch gar nicht erklären.
Auf diesen positiven Aspekten soll auch erstmal der Fokus liegen.
Die dichte Atmosphäre und die Horror-Einschläge des Titels sollten wohl an erster Stelle genannt werden. Meine erste Session wird mir wohl unvergesslich bleiben, als man nach einem atemberaubenden Intro auf der Raumstation landet und dort mit seinen schlimmsten Alpträumen konfrontiert wird. Das Design des Raumschiffs, das nicht diesen kalten sterilen Look aufweist, sondern glücklicherweise eher an das Design eines rostigen Kahns aus den 80'ern erinnert, die Ambient-geladene Musik und vor allem die extrem gelungenen Soundeffekte gestalten das Abenteuer zu einer einzigen, Adrenalin-geladenen Achterbahnfahrt. Ich erinnere mich gerne zurück, als ich am darauffolgenden Tag immer noch fast eine Gänsehaut bekommen habe, als ich an all die mechanischen, leise durch die riesigen Hallen ertönenden, Ansagen gedacht habe oder den "Rennknopf" gar nicht erst betätigen wollte, weil zu sehr Angst hatte, um die nächste Ecke zu laufen und dort böse überrascht zu werden. Auch die Adventure-Einschläge haben dem Spiel sehr gut getan, weil man immer das Gefühl hatte, für Umwege und Erkundungseinlagen belohnt zu werden. Denn auch wenn man dadurch vielleicht mit mehr Gegnern konfrontiert wurde, wurde man immer doch mit genug Munition, Medipaks und Kohle entlohnt und das Auftunen seiner Waffen und das Aufsuchen des Shops hat natürlich frappierend an den Waffenhändler aus Resi 4 erinnert. Auch die Shootouts haben zunächst sehr positiv angemutet, weil man hier zur Abwechslung nicht einen Kopfschuss nach dem anderen zu erzielen versucht, und das Abtrennen der Gliedmaße hier als eine durchaus frische Idee wirken kann.
Das schönste an Dead Space sind allerdings die Magic Moments, die immer wieder ins Spiel eingestreut wurden. Zugegeben, nur allzu oft ist man in sich ähnelnden und Schlauch-artigen Korridoren unterwegs, aber wenn man dann mit spielerischer und grafischer Abwechslung konfrontiert wird, können einem schon mal die Augen übergehen. Nie werde ich wohl den Moment vergessen, als man einen Spaziergang auf der Außenhülle des Raumschiffes unternimmt und dabei einem drohenden Asteroidenregen ausweichen muss, die Kämpfe gegen die Bosse waren spektakulär und der Moment wo man riesige Hallen mit Blick aufs All betreten hat, konnte einem schon mal den Atem verschlagen.
Ich meine schaut euch das an - ich habe meine Lieblingsstelle aus dem gesamten Spiel bei einem meiner Durchgänge bloß abfotografiert und es sieht, wie ich finde, immer noch atemberaubend aus. Der Blick auf den Planeten und die Sonne, das Design der zerrottenen Raumstation und dazu dann die unglaublich gut gedämpften Sound-Effekte des Vakuums, wo man nur den eigenen Atem zu hören vermag - es war absolut fantastisch und ich habe es immer wieder genossen!
Dead Space hat also eindeutig einiges zu bieten, eine besonders gelungene Balance oder ein ausgeprägtes Maß an Abwechslung gehören aber eindeutig nicht zu den Stärken des Titels und das ist das große Problem. Insgesamt gibt es nur zwei (!) wirkliche, große Endgegnerkämpfe und ansttat mit spielerischer Abwechslung aufzutrumpfen, verläuft sich das Missionsdesign in permanente "Besuche dieses Gebiet und aktiviere den superwichtigen Schalter X, dann laufe zurück zu Punkt Y"-Geschichten. Dabei macht mir das gelegentliche Backtracking gar nicht viel aus - im Gegenteil, ich finde dadurch wirkt die Raumstation viel organischer und verzahnter, nur hatte ich oftmals das Gefühl mit Belanglosigkeiten ohne große Abwechslung konfrontiert zu werden. Und auch darüber hätte ich noch hinwegsehen können, wenn dafür die anderen Elemente des Spiels - wie etwa Story, Horror und Action - es kompensieren könnten, doch das Gegenteil ist der Fall. Nach etwa einem Drittel des Spiels habe ich die Horror-Mechanik fast komplett durchschaut, sodass keine wirklichen Überraschungen mehr aufgefahren wurden und statt sich stärker auf diesen Zweig zu konzentrieren, legt das Spiel ab dem zweiten Drittel den gesamten Schwerpunkt fast ausschließlich auf die Action, wobei man hier viel zu oft mit Situationen konfrontiert wurde, wo man in Räumen eingeschlossen ist und diese erst verlassen kann, wenn ein kompletter Berg an Gegnern vernichtet wurde oder man mit unbesiegbaren Monstern eingeschlossen ist und immer wieder flüchten muss. Statt also taktisch vorgehen zu können und die Stärken des Action-Systems zu nutzen, verwandeln sich die Shootouts eher in blinde Ballerorgien. Hier hätte eine besser abgestimmte Balance aus Horror- und cleveren Action-Elementen wahre Wunder bewirkt. Auch die Story scheint sich nach dem gelungenen Intro in Belanglosigkeiten zu verrennen und dreht erst in den letzten zwei Kapiteln wieder mehr auf, sodass man auch hier nicht erwarten kann, dass sie durch das gesamte Spiel trägt. Überhaupt hat Isaac als stummer Protagonist für mich überhaupt nicht funktionieren können, da die anderen Charaktere auch nicht sonderlich spannend rüberkommen und man sich wünschen würde, dass er in einigen Situationen mehr Emotionen zeigen würde- ihn sprechen zu lassen, scheint in Dead Space 2 die richtige Entscheidung gewesen zu sein.
Fazit: Insgesamt habe ich mir von Dead Space etwas mehr erhofft, aber mir ist durchaus bewusst, dass ich viel Jammern auf hohem Niveau betrieben habe. Das mehr als interessante Setting, der anfängliche Horror-Aspekt und die zahlreichen Magic Moments haben mich stets mit einer gewissen Vorfreude auf die nächste Spielesession zurückgelassen. Und auch wenn einige der Kritikpunkte im letzten Drittel wieder etwas nachgelassen haben, waren sie doch zu gewichtig, als dass ich Dead Space als wirklichen Überkracher empfunden hätte - und schon gar nicht als ernsthaften Konkurrenten zu Resident Evil 4. Auf den zweiten und dritten Teil habe ich jetzt auch nicht unbedingt Lust bekommen, weil ich eine Raumstation wie hier schon eigentlich als perfekten Mikrokosmos empfunden habe und man sich meines Wissens nach noch mehr auf die Action-Elemente konzentriert hat, was mich im Moment gar nicht reizt. Insgesamt für mich also ein solider
8.0/10 Titel.