Zombi U hat mir ein ganz intensives Spielerlebnis geboten, welches mir definitiv unvergesslich bleiben wird und ich bin froh, dass in Zeiten von einem mehr als enttäuschenden Resident Evil 6 Ubisoft doch den Mut hatte, ein Spiel auf die Welt zu lassen, das die Genre-Bezeichnung "Survival Horror" auch endlich wieder verdient hat - dies ist das Ergebnis der extrem gelungenen und dichten Atmosphäre und des doch durchaus innovativen Spielprinzips.
Man hätte eventuell annehmen können, dass dadurch, dass einem im "Normal-Modus" unendlich Überlebende zur Verfügung stehen, der Tod eines Spielcharakters weniger Bedeutung hätte, aber genau das Gegenteil trifft ein: da man im Idealfall mit einer Menge an Ausrüstung in die kalte, tote Welt hinausstapft, hat man einfach Schiss an der nächsten Ecke um die Ecke gebracht zu werden und eventuell sogar alles zu verlieren. Gleichzeitig geht man mit immer mehr Respekt durch die Areale, je länger man schon am Leben ist, weil jeder neue Fortschritt das Punktekonto höher schraubt und man dieses dann natürlich nicht wieder von 0 anrollen lassen möchte. Ich finde das Spielprinzip einfach genial, auch wenn es ein gewisses Frustpotenzial in sich birgt, denn nicht immer ist man vielleicht unbedingt motiviert weiterzuspielen, wenn man eben an einer ungünstigen Stelle gestorben ist. Auch das drumherum ist genau auf den Survival-Aspekt des Spiels abgestimmt. Das Echtzeit-Inventarsystem lässt die nötige Panik im Kampf aufkommen, wenn man im Eifer des Gefechts unter größtem Stress plötzlich noch eine Leuchtrakete aus den Tiefen seines Rucksacks hervorkramen muss, um noch gerade so zu überleben und obwohl die Kämpfe durchaus einen repetitiven Charakter haben, wenn man immer wieder mit seinem Schläger auf die Zombies losgeht, so kommt durch das Spielprinzip immer genügend Spannung auf. Dadurch dass man vor dem Tod diesen Resepekt hat, weil jeder einzelne Zombie das Aus bedeuten könnte, versucht man so gut vorbereitet wie nur möglich in die Kämpfe zu gehen, den Radar im Augen zu halten und sich für jeden Raum entsprechende Strategien zu überlegen. Denn nur so mindert man das Risiko, dass unerwarterweise plötzlich jemand von hinten angreift und ins Nirvana reißt.
Neben der tollen Spielidee ist aber zweifelsohne das größte Plus des Spiels die unglaublich dichte Atmosphäre, die sich eben nicht bloß durch die gefürchteten Jump Scares auszeichnet. Das Ding ist einfach furchteinflößend! Ohne zu übertreiben, lagen meine Nerven nach einigen der nächtlichen Sessions einfach nur blank, mir sind vor Panik einige Male laute Flüche entwichen und ich habe sogar ein körperliches Zittern verspürt, als ich aufgehört hatte - gruselig! Die Kulissen sind allesamt so hergerichtet, dass man ihnen das Endzeit-Szenario voll abnimmt, die Geräusche waren sehr stimmig (klopfende Rohre, wie in alten Häusern, wo man sofort hinter jeder Ecke etwas furchtbares vermutete) und auch die einzelnen Setpieces passen super ins Spiel. Ob es nun der extrem unheimliche Kindergarten ist, die Kulisse des gezeichneten Londons oder auch das Eindringen in eine Wohnung, wo man schon vom weiten laute Musik draus hören kann und diese immer lauter wird, je höher man dorthin aufsteigt, bis man dann endlich den Mut fasst die Tür zum entsprechenden Raum zu öffnen, um die absurde Szene zu erblicken - es ist einfach unheimlich! Es gibt wirklich einige erschreckende Szenen, sodass ich auch beim zweiten Mal durchaus Herzklopfen bekam, weil ich eben genau wusste, was auf mich zukommen würde. In den letzten Tagen habe ich mir zudem immer wieder paar einzelne Szenen aus Let's Plays herausgepickt, von denen ich wusste, dass sie entsprechend gruselig sind, um zu schauen, wie andere Spieler auf sie reagieren würden - höchst amüsant
Doch auch wenn Zombi U ein sehr intensives Erlebnis war, welches mich noch spät in die Nacht begleitet hatte, gibt es trotzdem einige Kritikpunkte, die nicht verschwiegen werden sollen.
Im Allgemeinen wirkt es nämlich einfach etwas unausgereift, sodass bei mir das Gefühl aufkam, dass hier noch viel Potenzial verschenkt wurde. Vor allem in technischer Hinsicht ist das ganze allenfalls mittelmäßig, denn obwohl durch die vielen optischen Filter und eine bestimmte Auswahl an Farbtönen der Artstyle extrem passend und atmosphärisch ausgefallen ist, wirkt die Umgebung auf den zweiten Blick grafisch relativ unspektakulär. Beispielsweise sind die Texturen bei näherem Hinsehen sehr niedrig aufgelöst, es gibt keine reflektierenden Oberflächen und auch die Charaktermodelle strotzen nicht unbedingt voller Details. Aber ganz ehrlich: man spielt diesen Titel nicht aufgrund der Technik - der etwas fade Beigeschmak bleibt aber trotzdem, weil locker mehr drin gewesen wäre.
Obwohl ich damit keine wirklich gravierenden Probleme hatte, sollen stellvertretend für die ganzen Miiverse-Kommentare und auch die sonstigen Meldungen die vielen Glitches und Bug-Probleme angesprochen werden, die teilweise einen gamebreaking-Charakter haben und auch sonst sehr ärgerlich sind, wenn man beispielsweise nicht an seine Ausrüstung kommt, weil der letzte Überlebende in einer Wand stecken geblieben ist. Vor allem erwähne ich es, weil Ubisoft, was den angekündigten Patch angeht, einfach nicht in die Puschen kommt, was angesichts eines 3-Monatigen Spiels schon arg lächerlich ist.
Ansonsten gibt es noch so paar Feinheiten, bei denen ich mir vielleicht noch mehr Entwicklungszeit gewünscht hätte. So empfand ich das Ende ab der Arena beispielsweise als wenig passend und außerdem hätte ich mir noch mehr offenere Gebiete erhofft, die wirklich gezeigt hätten, dass man sich in einem verwüsteten London bewegt. Zwar gibt es immer wieder mal Telefonzellen und ähnlich markantes zu sehen, aber ein so tolles offenes Gebiet, wo im Hintergrund die Londoner Tower Bridge emporragt, gibt es eigentlich nur ein Mal zu bewundern, was auch hier wieder den Geruch des verschenkten Potenzials verbreitet.
Fazit:
Diese Kritikpunkte muss sich das Spiel eindeutig gefallen lassen, dennoch würde ich den Titel ganz klar als ein Must Have für die Wii U einstufen, sofern man auch nur ansatzweise etwas mit Horror-Spielen am Hut hat - spätestens wenn Ubisoft den Patch rausbringt. Es ist ein ganz intensives Spielerlebnis, welches von der dichten Atmosphäre und dem einzigartigen Spielprinzip lebt, welches die ganze Zeit über an der Stange hält und auch zum erneuten Durchgang einlädt, um seine persönliche Lernkurve immer weiter sichtbar zu machen. Endlich hat Survival Horror wieder einen neuen Namen und über einen Nachfolger, der all diese Kritikpunkte beherzigt und sich bei der Entwicklung etwas mehr Zeit lässt, würde ich mich sehr freuen! Meine Wertung würde wohl bei etwa 86 % liegen.
















