Eternal Sonata
Juhu, ein Rollenspiel steht an und damit wird wohl erneut meine Eigenart aus mir herausbrechen, diesbezüglich etwas längere Beiträge zu verfassen

Ich habe nun 5 Stunden reingespielt und werde sicherlich in diesem ersten Beitrag auch ein paar allgemeine Worte zum Spiel finden können, aber generell möchte ich das eher später als Gesamteindruck im "Zuletzt durchgezockt"-Thread aufgreifen und mich hier lieber der Story und den einzelnen Stationen des Spiels widmen und beschreiben wie sie so auf mich wirken. Damit geht es auch zuerst los:
Wie einige vielleicht schon wissen, spielt sich die erlebte Geschichte in einer Art Fiebertraum des berühmten Komponisten Frédéric Chopin ab, den man in den letzten Stunden seines Lebens auf dem Totenbett begleiten darf. Dabei ist die Verwebung hier besonders interessant. Es wird zwischenzeitlich nicht nur immer wieder die reale Welt eingeblendet, die den schlummerden und leider sterbenden Chopin zeigt, während man die Charaktere selbst in der Traumwelt steuert, sondern auch Chopin tritt in seinem Traum als spielbarer Charakter auf, der den einzelnen Charakteren um sich herum sogar enthüllt, dass sie sich eigentlich bloß in seiner imaginativen Welt bewegen. Aber was sind nun die Bestandteile dieser Traumwelt?
Das Spiel beginnt mit der Vorstellung von zwei Charaktergruppen, die zunächst unabhängig voneinander eingeführt und gespielt werden, später dann aber aufeinander treffen. Zu Beginn wird als eine der ProtagonistInnen "Polka" vorgestellt - ein Mädchen, welches in einer wunderschönen Blumenstadt "Tenuto" zusammen mit ihrer Mutter aufgewachsen ist, welche aber auch eine ungnädige Last mit sich führt: sie kann Magie verwenden - beispielsweise um Menschen zu heilen. In anderen Rollenspielen ist dies meistens eine erfreuliche Ausgangslage, doch im Falle der Welt von Eternal Sonata wird dies mit einer unheilbaren Krankheit gleichgesetzt, die den Träger dieser Magie letztendlich in einen frühen Tod führen wird (Oh mein Gott, kann man eventuell als Parallele zu Chopin sehen - er der gesegnet mit seinem kreativen Genie war, aber leider trotzdem so jung sterben musste- vielleicht etwas hineininterpretiert, aber...) - als wäre man damit nicht schon gestraft genug, wird sie zudem von den anderen gemieden, weil sie diese Magie als eine ansteckende Krankheit fürchten. Polka ist dies durchaus bewusst und sie beschließt mit der kurzen Zeit, die ihr noch bleibt, so vielen Menschen wie nur möglich zu helfen. Dabei trifft sie auf Chopin, der sie in seine Traumwelt einweiht, sie zwar davon nicht 100% überzeugt ist, aber trotzdem beschließt ihr nur noch kurzes Leben oder "Traumdasein" so zufrieden und hingebungsvoll wie möglich zu verbringen. Als ersten Plan sehen die beiden an, den Herrscher Count Waltz im Forte Castle aufzusuchen, um ihn zu fragen, warum seine von ihm geförderte "Mineralien-Medizin" so billig verhökert wird. Auf diese Weise hat Polka nämlich keine Chance ihre genau so effektive und aus Blumen gewonnene Medizin in der Handelstadt "Riterdando" zu verkaufen, weil alle anderen natürlich zur Alternative greifen.
Zwischendurch wird immer wieder auf die andere Protagonisten-Gruppe umgeschwenkt. Zwei Jungen, Allegretto und Beat, die in eben dieser Handelsstadt um ihr Überleben kämpfen müssen, weil die Preise und vor allem die Steuern auf den Lebensmitteln sehr hoch sind. Deswegen kommen sie nicht drum rum, auch mal Brot stehlen zu müssen, um es unter sich und unter anderen Kindern in einer ähnlichen Lage aufzuteilen. Nur, auf der Mineralien-Medizin liegen wohl keine Steuern und sie ist komischerweise extrem billig - da dies den beiden recht merkwürdig vorkommt, beschließen sie nach einem kurzen Dungeon in der Kanalisation die Stadt am nächsten Morgen zu verlassen, um sich zum Herrscher Count Waltz durchzuschlagen, um ihm diese Misstände in der Stadt aufzuzeigen.
Der Punkt an dem sich diese beiden Gruppen nun treffen, wird nach einem Bossfight aufgedeckt, den man als Polka und Chopin nicht gewinnen kann - ein starker Kerl mit einem Monokel, der nach irgendwas sucht und diesen Kampf bloß als Zeitvertreib ansah. Die beiden wachen erst wieder bei einem netten Mädchen auf, welche die zwei gefunden und sie zu sich nach Hause genommen hatte, um sie zu versorgen- irgendwelche kleinen Viecher, Agogos, die sich normalerweise Menschen nicht nähern, aber seltsamerweise dafür Polka gerne in ihrer Nähe haben, hatten sie diesbezüglich dort hin geleitet. In dieser Stadt, nahe eines Waldes, wacht man also auf und trifft dort auf die beiden Jungs und da sie schnell erkennen, dass sie den selben Weg aus ähnlichen Gründen einschlagen wollen, hat man nun eine Party von 4 Mitgliedern als Team, wobei ich natürlich vor allem Chopin als Teammitglied auswähle - ist einfach zu cool. Auf dem Weg zum Count bin ich jedenfalls an einigen sehr schönen Orten vorbeigekommen, die zudem teilweise recht lebendig aussehen - beispielsweise weil zahlreiche Sporen von Pusteblumen durch die Lüfte gleiten. Der Count selbst wurde übrigens auch schon in einer Zwischensequenz eingeführt - sonderlich sympathisch wirkt er nicht. Er hatte von seinem Ratgeber wohl erfahren, dass irgendeine Person oder Stadt sich gegen ihn verschworen hat und ihn stürzen möchte - was er aber relativ gelassen hinnimmt und bloß herasufinden möchte, wer diese Person/Stadt in dieser Hinsicht mit entsprechenden Ressourcen aus dem Hintergrund versorgt.
An dieser Stelle muss ich erwähnen, dass das Spiel an manchen Stellen immer kurz mit einigen Ausschnitten aus der Biographie Chopins (des wahren Chopins) versorgt wird, wobei diese dann auch immer mit von Chopin komponierter Klaviermusik begleitet werden und dazu thematisch auch sehr passend sind! Im ersten Kapitel "Rainddrops", wo es nebenbei gemerkt auch ein Gewitter gab, wurde beispielsweise das Regentropfen-Prelude gespielt - und nach der Zwischensequenz mit dem Count, wo es darum ging, dass er eventuell gestürtzt werden soll, kam die Revolutions-Etüde zum Einsatz, die ich, nebenbei gemerkt, sogar selber mal gespielt habe - eine richtig tolle Idee, gerade wenn sie weiterhin so passend eingesetzt wird!
Zum Schluss gab es allerdings noch eine weitere, relativ wichtige Story-Enthüllung: als ich auf die Ziegen-Schäferin "Viola" traf, wurde sie von menschenähnlichen, aber verhüllten Kreaturen angegriffen, die ebenfalls in der Lage waren Magie einzusetzen - auch ihnen würde also nur noch wenig Zeit zum Leben bleiben. Das wichtige daran war aber, so wie mich Viola informierte, dass diese Kreaturen einst Menschen waren, die zu viel von der vom Count geförderten Mineralien-Medizin genommen haben und nun als Nebeneffekt eben zu diesen Wesen verkommen waren. Natürlich stellt sich die Frage also: weiß der Count von diesen Nebeneffekten und wenn ja, was für ein Interesse sollte er daran haben, seine Untertanen in so eine Lage zu bringen, wenn er die Medizin bewusst billig verhökert? Das ist die große Frage, mit der ich ihn konfrontieren werde, sobald ich ihn, nun auch mit Viola an meiner Seite als 5. Party-Mitglied, aufgesucht habe. Hier habe ich aber erst mal pausiert.
Tja, was soll ich sagen: Eternal Sonata hat mich sofort in seinen Bann gezogen! Die Ausgangslage mit der Magie ist innerhalb des Rollenspieluniversum ziemlich interessant, weil es einfach mal was anderes ist und vor allem die Verquickung mit den verschiedenen Erzählebenen und Themen aus dem wahren Leben von Chopin ist bislang sehr gelungen und lässt es einfach zum perfekten Spiel für mich werden. Dabei ist der gesamte Look teilweise überwältigend gut! Die Umgebungen sind alle sehr hübsch anzusehen, besitzen immer wieder schöne Licht oder Umgebungseffekte, aber gerade die Charaktere sind die absoluten Highlights - teilweise hat man wirklich das Gefühl, man schaue sich einen Animé an, so herrlich sind sie gezeichnet und animiert worden! Die Musik tut da ihr übriges - sind zwar nicht unbedingt große Ohrwürmer, was aber teilweise auch daran liegt, wie komplex sie sind - viele orchestrierten Stücke und viel Klaviermusik, so habe ich es jedenfalls gern und im Spiel selbst funktioniert das wunderbar. Ein großes Plus geht auch an das Kampfsystem! Es ist meiner Meinung nach eine sehr gelungene Mischung aus rundenbasierten und Echtzeitkämpfen und bietet einige Faktoren, die man in jedem Zug beachten sollte. Funktioniert jedenfalls einwandfrei und macht einfach nur Spaß - habe auch bislang jeden möglichen Kampf bestritten und meine Charaktere jetzt auf Level 11 bringen können. Was in den 5 Stunden jetzt noch nicht allzu negativ aufgefallen ist, ist die Linearität, die sich schon jetzt aber relativ erkennbar macht. Nur habe ich eben noch kaum was von dem Spiel gesehen und kann noch gar nicht abschätzen, wie sich das später auswirken könnte- im Moment habe ich jedenfalls meine blanke Freude daran gefunden und das Spiel scheint für mich ein absoluter Treffer zu sein!
Leider habe ich für Eternal Sonata eigentlich gerade überhaupt keine Zeit, weil sich meine Semesterferien langsam dem Ende zuneigen - besser gesagt ich bin jetzt bis zum Unistart genug mit Unikram, Praktika etc. versorgt, sodass es wohl etwas dauern kann, bis ich das Spiel wieder einlege. Aber einen kleinen Appetit-Anreger wollte ich mir vorher auf jeden Fall gönnen! Ein schwerer Fehler....