Postet hier eure selbstgeschriebenen geschichten

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der pate911
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Beitrag von der pate911 »

Hallo,

hier könnt ihr eure eigenen Geschichten die ihr selbst geschrieben habt Posten. Bitte nur Geschichten die ihr erfunden habt, also keine Geschichten aus dem Internet oder ähnliches.

Ich habe mir die Zeit genommen und habe eine eigene Geschichte geschrieben. Ich hoffe die Geschichte gefällt euch, und Ihr könnt mir eine rückmeldung geben :mrgreen:

Der Wegweiser



Mein Name ist Isaac und bin 15 Jahre alt und gehe noch in die Schule. Ich lebe zusammen mit meinen Eltern in einem großen Haus. Wir leben hier schon seit 3 Jahren in diesem Haus. Früher haben wir in einer anderen Stadt gewohnt, da aber mein Vater hier eine gut bezahlte Arbeit gefunden hat, sind wir hierher umgezogen.
Ich bin ein Einzelkind und so soll es auch bleiben. Ich will keine Geschwister haben, denn sonst muss ich immer auf die aufpassen und darf nie mit Freunden ausgehen. Ich kann schon sagen, dass ich zufrieden mit meinem Leben bin. Aber man weiß nie, wann sich das Leben ändern wird.
Ich und meine Freunde treffen uns jeden Tag und wir erzählen uns Geschichten, die wir vielleicht schon mal gehört haben, Geschichten, die wir mal geträumt haben oder Geschichten, die wir einfach frei erfunden haben.


Um 8:00 Uhr bin ich aufgewacht und habe mich für die Schule vorbereitet. Morgens frühstückte ich nie, da ich mir immer in der Pause was zum Essen gekauft habe. Nachdem ich mich fertig gemacht hatte ging ich in die Schule. In der Schule angekommen, winkten mir schon meine Freunde zu. Wir sprachen darüber was wir in der Wochenende gemacht haben. Wir haben uns alles mögliche erzählt.
In der ersten Stunde hatten wir Sport, dazu mussten wir in die Sporthalle gehen. Auf dem Weg zur Sporthalle ist uns etwas aufgefallen: wir sahen einen Wald, den wir noch nie zuvor gesehen haben. Meine Freunde und ich sahen uns den Wald ein wenig genauer an. Der Wald war nicht lang von der Sporthalle entfernt.
Uns ist noch was aufgefallen, der Wald war sehr dunkel. Die Bäume sahen schrecklich aus, auf dem Boden lagen Blätter von den Bäumen. Wir gingen sehr nah an den Wald heran, aber hatten nicht den Mut den Wald zu Betreten. Wir entschieden zunächst nicht in den Wald rein zugehen, da wir Sport hatten.
Im Sport mussten wir verschiedene Übungen absolvieren wie zum Beispiel Bockspringen.
Nachdem Sportunterricht richteten wir unsere Augen wieder auf den geheimnisvollen Wald, als wir auf dem Weg zur Schule waren. In der Pause haben wir nachgedacht, ob wir überhaupt in den Wald reingehen sollen.
Den Wald hatten wir noch nie zuvor gesehen, wir wussten nicht was wir tun sollten.
Sollten wir es unseren Eltern sagen, oder sogar unseren Freunden?!
Meine Freunde meinten, da könnten Monster auf uns zu kommen oder uns könnte etwas passieren.
Wenn uns wirklich was passieren würde, würden sich unsere Eltern sorgen machen am Ende hätten wir alle ärger gekriegt. Das wollten wir nicht riskieren. Wir suchten verzweifelt nach einer Lösung aber fanden keins. Wir standen da, ohne zu wissen was sich in den Wald verbirgt. Als die Pause um war, gingen wir in unseren Klassenzimmer und machten mit den Unterricht weiter. Den Unterricht konnte keiner von uns richtig folgen, da wir alle nur an den Geheimnisvollen Wald gedacht haben.




Nachdem Unterricht haben wir beschlossen, dass wir einfach reingehen sollten und dann würden wir sehen was sich dahinter verbirgt. Wir liefen zum Wald. In der nähe befanden sich keine Personen außer uns. Wir standen vor dem Wald, wie am morgen war der Wald dunkel und man konnte nicht hineinschauen was sich in den Wald befindet. Vielleicht war es auch ein ganz gewöhnlicher Wald aber das habe ich nicht gedacht.
Ich war mir ganz sicher, dass es kein gewöhnlicher Wald war sonder ein besonderer war.
Wir standen nun vor dem Wald. Ich sah nur noch meine Freunde und die Dunkelheit. Wir hatten keine Ausrüstung dabei,wie zum Beispiel eine Taschenlampe, wir gingen mit leeren Händen in den Wald. Wir machten den ersten Schritt. Plötzlich haben wir alle angefangen zu zittern. Mein Herz schlug Sekunde zu Sekunde schneller. Irgendwas sagte mir, ich solle einfach weiter in den Wald reingehen. Vielleicht war es mein Schicksal oder unser Schicksal, herauszufinden was sich in dem Wald befindet.
Ich habe mich entschlossen mit meinen Freunden weiter zu gehen. Auf einmal hörten wir alle ein komisches Geräusch. Es war so als ob es und angst einjagen würde. Das tat es aber nicht, wir sind dennoch weiter in den Wald hineingegangen. Wir haben uns alle sehr langsam bewegt, weil wir alle angst hatten. Ich habe mich ganz gut umgesehen, konnte aber nicht viel erkennen außer der Dunkelheit. Plötzlich sahen meine Freunde und ich etwas glitzerndes auf dem Boden. Wir näherten uns den unbekannten Objekt, und sahen eine kleine Truhe. Einen Moment lang haben wir nachgedacht, ob wir die Truhe öffnen sollten. Wir haben uns entschieden, dass wir es öffnen. Langsam fasste ich die Truhe an, sie war schon an der Seite etwas beschädigt. Die Truhe war dreckig und nass. Ich habe die Truhe ein wenig geöffnet, doch ich konnte nicht viel erkennen, deshalb packte mich der Mut die Truhe ganz zu öffnen.
In der Truhe befand sich ein leuchtender kleiner Ring. Ich habe den Ring aufgesetzt aber es passierte nichts, deshalb steckte ich den Ring erstmals ein.
Keiner von uns hatte eine Idee was der Ring zu bedeuten hatte. Wir gingen weiter, und auf einmal sah ich Licht am Ende es Weges. Wir rannten so schnell, als wäre der Teufel hinter uns her. Wir erreichten den Ausgang. Wir gingen raus und sahen eine Straße vor uns. Auf einmal haben wir bemerkt, dass wir in der Straße sind wo wir immer zur Schule laufen. Wir drehten uns alle und sahen keinen Wald mehr. Da war nichts mehr außer einer Straße. Wir wussten nicht was mit dem Wald passiert sein konnte. Wie kann sich ein Wald einfach in Luft auflösen, fragten wir uns.
Wir wussten nicht was wir machen sollten.

Erstmal gingen wir nachhause, damit wir keinen ärger von unseren Eltern bekommen würden. Meine Freunde meinten ich solle den Ring bei mir behalten.
ls ich Zuhause ankam, habe ich von alldem nichts meinen Eltern gesagt. Ich ging in mein Zimmer und versteckte den Ring in meiner Schublade.
Ich war sehr müde, deshalb legte ich mich ins Bett.


TEIL 1

Fortsetzung folgt...

Geschrieben von: Samir Mohammadi


Mit freundlichen Grüßen

der pate911
Ich mach den kurdenIhre träume wahr!
Geh nach nordwest Stadt erleb die kurden am Block!
Ich lass das Ghetto beben, Ghetto leben bricht von jedem Hinterhof wo die kurdischen Kinder leben!
Das ist der Sound für die kurden, araber, die deutschen, für alle schwarzafrikaner!
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Re: Postet hier eure selbstgeschriebenen geschichten

Beitrag von rainbow six »

Wollen wir den Thread net einfach kombinieren mit anderen literarischen Ergüssen wie Gedichten oder Gedanken.

Hätte dann evtl noch was auf Lager. ^^
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mellow
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Re: Postet hier eure selbstgeschriebenen geschichten

Beitrag von mellow »

super thread!!!
ich leg gleich mal los.
diese kurzgeschichte ist übrigens ebenfalls meine erste "veröffentlichung" -> kommt in die abi-zeitung, 1300 exemplare :D meiner meinung nach passte die thematik überhaupt nicht zum abi, aber mir wurde es angeboten, also schlug ich die bitte nicht ab ;)
kritik ist selbstverständlich erwünscht!



Buchstaben über der Stadt

Mit einem Scheppern schlug der Telefonhörer auf den harten Fliesen auf, bevor er unweigerlich in seine Einzelteile zerfiel.
Überrascht schaute ich zu Boden. Ich musste gerade den Arm sinken gelassen haben, sodass das Ding unaufhaltsam aus meinen feuchten Fingern geglitten sein muss. Zersprungenes Plastik lag nun neben meinen nackten Füßen. Barmherzig hatte es meine Zehen verschont.
Noch von dem Aufprall wiegte ein Teil der zerbrochenen Schale auf den kalten Fliesen hin und her. Ich starrte es an und wartete darauf, dass es damit aufhörte. Stattdessen weigerte es sich widerspenstig, bäumte sich auf und tanzte lebhaft vor meinen Augen. Lachend sprang es mir auf die Füße, animierte die anderen Überreste meines kaputten Telefonhörers, mitzumachen und sprang enthusiastisch in meine Spüle.
Ich schloss die Augen. „Werd nicht verrückt“, murmelte ich mir selbst zu, „der Hörer ist genauso lebendig wie die Salami in deinem Kühlschrank.“
Als ich die Augen öffnete, lag die zerbrochene Schale und der Rest des Hörers ruhig und leblos neben meinen Füßen, als hätte er nie etwas anderes getan. Dafür färbten sich die Fliesen schwarz und weiß zu einem Schachbrett.
Seufzend hob ich den Blick und tapste zum Fenster. Die Plastikscherben mussten warten.
Die Welt vor meinem Fenster war wirr und schnell und liebloser als es ihr erlaubt war. Lichter rasten durch die Dunkelheit, gefolgt von Lichtern, die wiederum den Lichtern vor ihnen hinterher eilten. Lichter auf dem Boden, in der Luft, Badezimmerlampen sprangen an- und wieder aus, eine Straßenlaterne flackerte, das ganze Hochhaus flackerte, erstrahlte und erlosch.
Eine Welt strahlte mir entgegen, in der es nur zu zweit zu ertragen war, und meine Einsamkeit reflektierte mein flackerndes Spiegelbild im Fenster. Lichter erloschen und flackerten auf, rasten vorbei und zwischendurch erschien ein riesengroßes Gesicht mit ausdruckslosen Augen und blassen Wangen, umringt von wirren Haaren.
War ich denn nirgendwo vor meinen Gedanken sicher?
Ich tapste zurück zur Spüle und hielt ein Glas unter den Hahn. Es dauerte, bis ich merkte, dass ich vergessen hatte, jenen aufzudrehen. Binnen Zehntelsekunden hatte der dünne Strahl das Glas zum Überlaufen gebracht. Wie konnte er meine ganze Hand tränken?
Ich wischte jene an der Shorts ab und trank langsam einen Schluck. Bei dem Versuch das Flackern der Küchenlampe nicht wahrzunehmen, fiel mir plötzlich auf, dass die Scherben des Telefons weg waren. Verschwunden, wie vom Erdboden verschluckt. Auch ich verschluckte mich heftig, stellte hastig das Glas zurück in die Spüle und wandte mich um, um den kaputten Hörer zu suchen, doch er lag genau neben meinen nackten Füßen.
Benommen starrte ich auf die Schale. Sie wippte wieder.
Ich verwarf die Idee, mich über alles zu wundern und machte mich auf die Suche nach dem Handfeger. Ab in den Müll damit, bevor mir die wippende Schale noch eigenhändig auf der Nase tanzte.
Ich ertastete den Handfeger in der hintersten Ecke unter meiner Spüle, und gerade, als ich den Kopf aus dem Unterschrank herauszog, beendete ein lautes BZZZ! das Flackern in der Küche. Erschrocken über das plötzliche Erlöschen der Deckenlampe, haute ich mir den Kopf an. Verärgert rappelte ich mich auf, schmiss wütend die Tür des Unterschrankes zu und trat mitten in die Telefonhörerscherben. Schreiend merkte ich, wie sich die scharfe wippende Plastikschale erbarmungslos in meine Fußsohle bohrte. Ich knallte den Kehrbesen auf den Boden und ließ mich wimmernd zu Boden sinken. Mit dem Rücken zum Unterschrank zog ich unter Schmerzen das Plastikteil aus meinem Fuß. War das geschehen, blieb ich kraftlos neben der Heizung sitzen.
Die Lichter von draußen erhellten meine nun dunkle Küche. Die Außenwelt warf Schatten an meine Wände und ließ mich erschaudern. Mit spitzen Fingern zeigten die Schatten auf ein eingerahmtes Bild von mir und einer anderen Person. Angestrengt starrte ich es an und versuchte, die Person neben mir zu erkennen. Aber ich hatte keine Ahnung, wer sie war. Anscheinend hatte ich sie vergessen.
Seufzend rappelte ich mich auf und wischte im Dunkeln die Scherben zusammen. Ab in den Müll mit dem blöden Ding. Der Mülleimer war voll. Also beschloss ich, die Überreste des Telefons noch mit in die Tüte zu stopfen und das Bündel dann unten in die Mülltonne zu schmeißen.
Nachdem ich die Wohnungstür geschlossen hatte und zum Aufzug schlurfte, tat mein Fuß plötzlich höllisch weh. Erst jetzt nahm ich wieder den Schmerz der Verletzung wahr.
Summend transportierte der Aufzug mich ins Erdgeschoss. Die Zahlen sausten an mir vorbei. Stunden vergingen, bis ich unten ankam. Oder waren es Sekunden?
Benommen stapfte ich hinaus aus dem Hochhaus. Eine eisige Kälte schlug mir entgegen. Ich sah an mir herunter. Noch immer hatte ich Shorts und T-Shirt an. Ich hätte schwören können, den Mantel angezogen zu haben.
Der Weg zu den Mülltonnen schien endlos zu sein. Die Lichter und die Dunkelheit erschlugen mich. Ich blieb stehen und blinzelte. Zu kontrastreich war das eilige, laute Flackern der Welt.
Ich starrte das Hochhaus hinauf und zählte zehn nach oben, um meine Küche zu erkennen. Es brannte Licht.
Ich wandte meinen Blick gen Himmel. Sterne funkelten mir entgegen. Plötzlich spürte ich unter meinen Füßen den kalten Asphalt. Die Schuhe musste ich oben gelassen haben. Mir blieb keine Zeit zur Verwirrung, denn plötzlich war mir, als hörte ich eine Stimme in meinem Ohr. Sie flüsterte leise. Doch sie klang lieblich. Mir kam die Stimme bekannt vor und ich versuchte mich zu erinnern, vom wem sie stammte. Gedämpft nannte sie meinen Namen. Ich erkannte diese Stimme. Sie stammte von dem Mädchen auf dem Bild in meiner Küche. Plötzlich leuchteten Buchstaben über der Stadt. Die Stimme an meinem Ohr las die Buchstaben laut vor. Plötzlich war mir, als hörte ich sie durch den Hörer meines Telefons. Mit dem grellen Leuchten sagte sie leise: „Ich liebe dich nicht mehr.“ Das hatte sie auch vor einer Stunde gesagt. Durch meine feuchten Finger glitt die Tüte mit dem zerbrochenen Telefon. Dieses Mal hob ich sie nicht auf.
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rainbow six
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Re: Postet hier eure selbstgeschriebenen geschichten

Beitrag von rainbow six »

Krasse Story!
Und cooler Titel, Tomte ftw. ^^
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Gin
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Re: Postet hier eure selbstgeschriebenen geschichten

Beitrag von Gin »

Dito,
die Geschichte gefällt mir total vom Stil und ist auch
einfach gut geschrieben find ich.
Toad: "Naja, Gin hat, wie schon bekannt ist, eine absolut bescheuerte Spielweise."
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Cyber Zéro
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Re: Postet hier eure selbstgeschriebenen geschichten

Beitrag von Cyber Zéro »

Ich habe im Januar dieses Jahres am Schreibwettbewerb der HAZ teilgenommen. Die Geschichte ist aber etwas länger, hab' die max. Länge (max. 3 Seiten Word) voll ausgenutzt ^^
___________________________________________________________

L’accident

Die Straße hatte ihre besten Tage schon hinter sich, das merkte David sehr deutlich, als er mit seinem roten Opel über die alte, und scheinbar nicht oft befahrene Landstraße fuhr. Kleinere Schlaglöcher „zierten“ den Weg und er hatte Mühe, seinen Wagen ruhig zu halten. Die Sonne war fast untergegangen und es wurde langsam dunkel. Seine Augen wanderten von der Straße zum Beifahrersitz. Seine Freundin Stephanie schlief, trotz des schlechten Zustandes der Straße, mit dem Kopf an der Scheibe angelehnt, tief und fest. Wie kann man bei DER Straße schlafen? Sein Blick blieb in ihrem Gesicht. Sie sieht echt niedlich aus, wenn sie schläft.
Es war ihr erster gemeinsamer Urlaub, ihr Ziel die Hafenstadt Lorient, im Süden der Bretagne, Frankreich. Aufgrund von Stephanies Flugangst hatten sie sich entschlossen, mit dem Auto zu fahren. Drei Tage waren sie nun schon unterwegs, hatten mehrere hundert Kilometer hinter sich gelassen und befanden sich nun auf dem Weg nach Rennes, um dort zu übernachten. Sie hatten die Autobahn verlassen, da ihr Hotel außerhalb der Stadt lag. Die letzte Ortschaft hatten sie vor rund einer viertel Stunde passiert. Wiesen, Weiden und vereinzelnd kleinere Wälder formten nun die Landschaft. Dunkelheit überzog den Himmel. Super, jetzt ist die Straße nicht nur verlassen, sondern auch noch unheimlich. Er schaltete das Licht an. Der Opel stoppte an einer Kreuzung. David schaute, ob irgendwo ein Auto zu sehen war, was natürlich nicht der Fall war. Es ist ja nicht umsonst eine einsame Straße. Er lächelte, und trat aufs Gas.

Das Unglück ereignete sich nur wenige Sekunden später. Ein schwarzer BMW, mit belgischem Kennzeichen, prallte mit Davids Wagen zusammen. Der Belgier war scheinbar auch in der Annahme gewesen, dass auf der Straße kein Auto mehr fährt und hatte, ohne das Licht anzuschalten, das Gaspedal durchgetreten. David hatte ihn nicht sehen können, da die Straße, von der der Belgier gekommen war, eine scharfe Kurve machte, bevor sie auf die Kreuzung traf. Bäume erschwerten zusätzlich zur Dunkelheit die Sicht. In der Mitte der Kreuzung stehend, traf ihn die volle Wucht des Autos. Der BMW bohrte sich förmlich in die Fahrertür des Opels. David verspürte einen starken Schmerz in seinem Bein, hatte aber keine Zeit, diesen Schmerz richtig zu realisieren. Der Wagen wurde eingedrückt wie eine Blechdose, Metall knirschte und Scheiben zersplitterten. Glassplitter verteilten sich im Innenraum des Wagens. Alles geschah in Bruchteilen von Sekunden – der Opel überschlug sich. Stephanie!, schoss es ihm durch den Kopf, doch bevor seine Augen den Beifahrersitz erreichten, schlug er mit dem Kopf gegen etwas hartes. Etwas sehr hartes. Schwärze setzte sich vor seine Augen.
Nach dem Aufprall setzte wieder die Stille des Abends ein. Der Mond war kurzzeitig hinter den Wolken hervorgekommen, sein Licht fiel auf die Kreuzung und brach sich in den unzähligen Glassplittern, die auf der Straße verteilt waren. Blutspuren waren zu erkennen.

Krachend fiel die Tür ins Schloss - sie hatte ihn rausgeschmissen. Pierre Dupent griff nach seine Reisetasche, die sie ihm „großzügigerweise“ noch zusammengepackt hatte, und ging langsam zu seinem Motorrad, das in der Einfahrt stand. Sie hatte ihn tatsächlich aus dem Haus geworfen. Alles nur wegen dieser kleinen Affäre, darüber hätten wir doch reden können.
Doch scheinbar wollte sie nicht darüber reden. Er fluchte leise und verstaute seine Tasche auf dem Motorrad. Gerade mal einen Monat hatte diese Beziehung gehalten. Neuer Rekord!
Die Sonne war schon fast untergegangen. Um möglichst schnell bei seiner Wohnung in Rennes zu sein, entschloss er sich, eine Abkürzung über eine kleine Landstraße zu nehmen. Sie befand sich zwar in einem schlechten Zustand, dafür würde er aber schnell unter der Dusche stehen können. Er setzte den Helm auf, zündete den Motor und fuhr davon. Au revoir, rief er, ohne zurückzublicken.
Fassungslos stand Pierre vor den Überresten des Wagens. Es war ein Opel, soviel konnte er noch erkennen. Das Fahrzeug befand sich mitten auf der Fahrbahn. Scheinbar hatte es sich überschlagen, stand nun jedoch wieder auf den Rädern. Er hatte schon von weiten sehen können, dass etwas Schlimmes passiert seien musste. Der Anblick war grauenvoll: Das Auto, oder was noch davon übrig war, war völlig demoliert. Glassplitter, die auf der ganzen Straße verteilt waren, knirschten unter seinen Schuhen, als er sich dem Opel näherte. Beide Personen waren bewusstlos, der Innenraum mit Blut beschmiert. Oh mein Gott, was ist hier passiert? Beim BMW sah es auch nicht besser aus, der Fahrer war ebenfalls bewusstlos. Pierre ging zu seinem Motorrad. Hilfe holen. Er suchte sein Handy, dann viel ihm ein, dass dieses noch bei seiner Freundin, pardon, Ex-Freundin, lag. Er fluchte laut. Was sollte er nun tun? Er unterdrückte die Panik. Was sollte er nur tun. Ihm blieb keine andere Wahl: Der nächste Ort war nicht weit entfernt, er würde hinfahren und von dort Hilfe holen. Etwas Besseres fiel ihm nicht ein. Er fluchte abermals, schwang sich auf sein Motorrad, vergaß dabei sogar seinen Helm, und gab Gas.
Das Geräusch des Motors schallte durch die Nacht.

»Steh auf, Soldat !« David öffnete langsam die Augen. Ein Mann in einer grauen Uniform stand vor ihm und brüllte ihn an. Erst jetzt bemerkte er den Lärm um sich herum. Es war ein unerträglicher Lärm. Wo bin ich hier? David schaute sich um. Er saß in einem Graben, mit dem Rücken an Holzlatten angelehnt. Es regnete stark und der Boden bestand nur noch aus Matsch. Sein Blick wanderte wieder zu dem Soldaten, der ihn weiterhin anbrüllte und mit der Hand über den Grabenrand zeigt. Der Krach wurde immer lauter. Flugzeuge waren zu hören, einige Meter recht von ihm stand ein weiterer Soldat, der mit einem Maschinengewehr auf irgendetwas schoss. David betrachtete die Uniform genauer. Feldgrau war sie, auf der rechten Brustseite sah er den Hoheitsadler mit Hakenkreuz. Wehrmacht !
Seine Augen wurden größer, erst jetzt realisierte er, wo er hier war. Er saß nicht in irgendeinem Graben, er saß in einem Schützengraben. Und der Soldat mit dem MG war nicht irgendein Soldat, er war ein deutscher Soldat. David blickte an sich herunter – auch er trug eine Uniform, ein Gewehr lag neben ihm. Was ist hier los? Er wollte aufstehen, bemerkte aber, dass sich seine Beine nicht bewegten. Ein weiterer Versuch, doch sie zuckten nicht einmal. Ein Schmerz durchzog seinen Körper. Da waren Schusswunden. Schusswunden am Oberschenkel, Blut tropfte heraus. Und immer noch dieser unerträgliche Lärm. Hinter ihm schlugen mehrere Granaten ein, Mörsergranaten, Dreck und Schmutz wurde aufgewirbelt, er sah kaum etwas. Was passiert hier? Der Schmerz wurde immer unerträglicher, er biss die Zähne zusammen.
Etwas klirrte neben ihm. Als er den Kopf nach links drehte, sah eine Handgrante vor sich liegen. Der Soldat, der ihn anfangs angebrüllt hatte, lief davon und rief etwas zu seinen Kameraden. Eine Explosion. Dunkelheit.
David riss die Augen auf, Schweiß stand ihm auf der Stirn. Doch er war nicht mehr im Krieg. Er lag in einem Bett und starrte an die Decke. Wo bin ich nun schon wieder? Neben ihm piepste ein Automat, Blutbeutel hingen an dem Bettgestell. Wo auch immer er hier war, er wollte hier weg. Ganz egal wie, er wollte hier weg. David versuchte aufzustehen, hob sein linkes Bein an. Ein stechender Schmerz durchfuhr seinen Körper und schoss in seinen Kopf. Tränen flossen aus seinen Augen. Doch sein Wille war stärker als der Schmerz. Er wartete einige Minuten, bis die Schmerzen einigermaßen verflogen war, biss die Zähne zusammen und versuchte es aufs Neue. Eine Ewigkeit später hatte er es, trotz der Qualen, geschafft, sein linkes Bein über die Bettkante zu hieven. Auch seinen Oberkörper hatte er etwas auf die linke Seite drehen können, als eine Frau mit weißem Kittel zur Tür hereinkam. Sie sah ihn, rannte aus dem Raum und schrie etwas auf französisch. Kurz darauf traten zwei Männer ein, hoben ihn zurück ins Bett und fixierten ihn. David verstand die Welt nicht mehr.

Dass David überhaupt überlebt hatte, grenzte an ein Wunder. Die Verletzungen des Unfalls waren sehr schwer gewesen, die Ärzte hatte kaum Hoffnung gehabt Doch er hatte sie alle überrascht, er war aus dem Koma erwacht. Sein Bewusstsein hatte er sich hart erkämpfen müssen. Sein Überleben war das Ergebnis eines Kampfes. Ein Kampf mit dem Tod, den David, vorerst, gewonnen hatte. Dennoch war es nur die erste Runde gewesen, der Kampf war noch lange nicht vorbei. Seine Gesundheit würde er sich, Stück für Stück, erkämpfen müssen.
Pierre stand vor der Glasscheibe und schaute in den Raum, in dem David lag. Er schlief, neben ihm saß Stephanie, die den Unfall nahezu unversehrt überstanden hatte. Ganz im Gegenteil zu ihm. Es würde Jahre dauern, bis David wieder völlig gesund sein würde. Wenn überhaupt. Er wusste genau, wovon er sprach. Vor einigen Jahren verunglückte er mit einem Motorrad, seine Freundin, die mit ihm gefahren war, starb dabei. Pierre selbst überlebte, wenn auch knapp. Auch er hatte gegen den Tod gekämpft, auch er hatte sich seine Gesundheit erkämpft. Die Parallelen beider Unfälle waren erschreckend.
Seine Hilfe war für ihn nicht nur selbstverständlich, sondern war auch eine Art der Wiedergutmachung gewesen. Seine Freundin hatte er damals nicht retten können, den Schmerz, den er durch den Verlust erleiden musste, wollte er keinem anderen Menschen wünschen. Es war zwar albern, aber dass er es diesmal geschafft hatte, alle zu retten, war für ihn ein Ausgleich. Und eine Erleichterung. Ballast fiel von seiner Seele und er fühlte sich, das erste Mal seit Jahren, wieder richtig gut.
Als er gerade gehen wollte, bemerkte Pierre, dass David aufgewacht war. Stephanie lächelte durch die Scheibe und deutete an, dass Pierre herein kommen sollte. Zeit mich vorzustellen, dachte er, klopfte an die Tür und betrat den Raum.
Zuletzt geändert von Cyber Zéro am So 22. Aug 2010, 17:50, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Postet hier eure selbstgeschriebenen geschichten

Beitrag von mellow »

@ zero: gefällt mir. was hat die haz dazu gesagt? plazierung...?


hab hier auch noch was. ist jedoch schon etwas älter.
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Kind sein


Ich komme herein und sehe sie. Sie sitzt auf ihrem Bett und weint.
Ich bleibe stehen und komme zu Atem. Sie weint und zerfrisst damit meine Brust, mein Inneres, mein Alles.
Wieder und wieder schnäuzt sie ins Taschentuch und als sie den Kopf hebt und mich ansieht, schluchzt sie nur noch mehr.
Ich weiß wieso sie weint. Sie weint nur um mich. Weint nur, weil ich ihr entgleite, weil ich nicht mehr kann, weil sie mir zuviel wird, wenn sie weint.
Ich muss sie trösten, ich sollte sie trösten, müsste mich auf sie stürzen und mit tröstenden Worten nur so eindecken, doch ich stehe starr und bewegungslos bei geöffneter Tür, während ihre zwei Wellensittiche oben auf ihrem Ast neugierig von mir zu ihr schauen. Oh, wie liebt sie diese Viecher. Was für eine Liebe bringt sie auf für sie, für mich, für diese verdammte Welt, dass sie weinen kann um alles.
Ich bin wie versteinert und kann mich und sie nicht retten. Die Erde sackt ab unter uns, wir rutschen in den Strudel, die Gemäuer stürzen ein, alles, was wir einmal hatten, ist hin und nur, weil ich es nicht mehr will.
Endlich bewege ich mich, seufze und lehne mich an den Türrahmen, halte mich an ihm fest. Sie ist mir einfach zu viel. Es ist mir zu viel, dass ich ihr wichtig bin. Ich kann das Gefühl nicht aushalten, ihr weniger geben zu können und zu wollen als sie es verdient.
In meiner Verwirrtheit stehe ich da und helfe nicht, nein ich tröste noch nicht einmal. Sie ist zu viel für mich. Ich kann sie nicht halten, weil sie zu viel ist.
Endlich hebt sie den Kopf und sieht mich an. Ihre Augen sind ein loderndes Meer voller Liebe, voller Verzweiflung, voller Angst und auch den letzten Moment alles was wir hatten zu retten sehe ich bewegungslos und flach atmend an uns beiden vorbeirauschen. Ich kann nichts sagen. Ich kann zu ihrem Schluchzen nichts erwidern. Ich kann sie nur anstarren und wissen, dass sie ganz allein wegen mir weint. Weil ich gesagt habe, dass ich sie nicht mehr liebe.
Und plötzlich stürze ich aus dem Zimmer, schmeiße mich raus aus dem, was mich das ganze letzte Jahr belastet hat, renne aus dem Haus, stehe vor der Haustür und fange an zu weinen wie ein kleiner Junge.
Sie darf das nicht sehen. Weil sie denkt, dass ich stark bin. Weil sie nicht wissen darf, dass ich mit all dem nicht umgehen kann.
Nun höre ich nicht auf zu rennen. Ich muss weg von ihr. Sie sprengt mich. Sie zerstört mich mit ihren Emotionen, mit ihrer Liebe. Sie zerstört mich mit ihren Blumen. Sie zerstört mich mit ihrer Zukunft. Sie zerstört mich mit ihrem Lachen.
Bin ich grausam? Bin ich grausam, weil eine wunderbare Liebe mich zerstört? Bin ich herzlos? Bin ich kalt? Bin ich kalt, weil ich sie abweise, obwohl sie das ist, was richtig sein soll?
Ich kann nicht stehen bleiben. Ich muss sie abschütteln. Ich renne durch die Wiesen, über die Felder, gebe auf nichts Acht, ich renne nur und wische mir die Augen, die immer weiter tränen. Ich soll nicht weinen. Ich weine doch nur um sie. Ich weine, weil ich grausam bin und sie enttäusche, weil ich ihr Geflenne nicht aushalte und sie nicht wie ein starker Mann trösten kann. Ich will es nicht mal, weil sie mir auf die Nerven geht, doch das zu spüren ist grässlich und so weine ich.
Ich kann mich selbst nicht mehr ausstehen. Ich will endlich, dass sie von mir abfällt und mich in Ruhe lässt.
Ich will wieder jung sein. Ich will ein kleiner Junge an seinem ersten Einschulungstag sein, keine Sorgen außer die Aufregung auf die Schule, Freude auf die Schultüte, Streit mit dem besten Freund, Genervtheit über das Einmaleins. Genau so sorglos möchte ich sein. Eis wann immer ich will. Nichts, wofür ich mich entschuldigen brauche. Keine Mädchen, die als heulende Laster an mir hängen. Nichts dergleichen. Keine Schul- oder Jobprobleme. Ich will einfach grinsende Kumpels, Fußball spielen bis ich im Schlamm ausrutsche und dann, wenn ich heimkomme, wartet ein warmes Essen auf mich. Oh, was gäbe ich drum wieder klein zu sein.
Doch nun sitze ich hier. Ich bin zum Stillstand gekommen, weil ein Bach meinen Weg versperrt. Und ich sitze da, beobachte kleine Frösche und zupfe am Gras. Und mir ist es, als würde meine Freundin mit einem weißen Nachthemd bekleidet und Blumen im Haar um mich herum tanzen und lachend meinen Namen rufen.
Ich schüttele den Kopf, halte mir die Ohren zu. Ich will sie nicht mehr. Sie soll weg bleiben.
Ich lasse meinen Oberkörper ins Gras sinken. Vögel fliegen über mir. Sie erinnern mich an ihre verdammten Sittiche. Ich schließe die Augen, doch das Singen der Vögel lässt nicht nach. Ich möchte verschwinden.
Ich bin froh weg von ihr zu sein und umklammere das hohe Gras. Nasses Tau kitzelt mein Gesicht. Die Vögel zwitschern, als wäre nichts geschehen. Als hätte nie ein Junge mit braunem Haar und grauem Kapuzenpulli gerade einem Mädchen mit den schönsten Locken und den leuchtendsten Augen gesagt, dass er sich jeden Tag wünscht, sie und ihre beschissenen Wellensittiche würden da hin gehen, wo sie hergekommen waren. Die Vögel am Himmel berücksichtigen nicht sein Geschrei, nein, es ist ihnen egal, wie der Junge seine Freundin angeschrieen und geschimpft hatte, nur weil sie da und nur, weil sie nett zu ihm war. Die Vögel veranstalten das tollste Singkonzert.
Ich frage mich, wie ich weiter leben soll ohne sie, mit ihr, mit ihren vorwurfsvollen hübschen Augen in meinem Kopf, wie sie leise fragt, was sie falsch getan hätte, dass ich so reagierte. Oh, wie zerfressen mich diese Augen innerlich.
Ich drehe mich auf den Bauch, tauche mein Gesicht in das nasse Gras und hoffe sie nie mehr sehen zu müssen.
Ich erkenne mich nicht. Ich erkenne sie nicht. Was soll ich tun?
Schließlich stehe ich auf und schreie den Wind an. Ich schreie und schreie, bis ich das Gefühl habe stärker zu sein als er. Und selbst dann schreie ich weiter.
Ich will frei sein, ich will mich unter Kontrolle haben, wieso gelingt mir das nicht?
Mein Rachen fühlt sich rau an, doch ich schreie weiter. Je länger ich schreie, desto weniger denke ich nach. Ich will für immer schreien. Ich will nie wieder denken. Ich will wieder ein Kind sein. Bitte.
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Re: Postet hier eure selbstgeschriebenen geschichten

Beitrag von Cyber Zéro »

Gab leider keine Platzierungen für die restlichen 1200 Teilnehmer :cry:
War nicht unter den ersten 3, mehr weiß ich nicht ^^
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GevatterTod
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Re: Postet hier eure selbstgeschriebenen geschichten

Beitrag von GevatterTod »

Hmmm will auch hier reinposten, hab aber nichts aktuelles.
Trotzdem hab ich was ;)

Ist der Anfang einer Geschichte, die ich mal mit 16 angefangen hab zu schreiben. Ist nicht, sonderlich viel - wie gesagt nur der Anfang. Aber andererseits will ich hier ja unbedingt was schreiben :ugly:

PS: Für Rechtschreibfehler und schlechte Formulierungen hafte ich nicht, das haben damals noch meine Eltern :augenbrauen:



SCHRAUBEN UND MOTOREN





1. Kapitel

Die Stadt marschierte langsam durch die Wüste von NAME DER WELT .
Eigentlich war die ganze Welt nichts weiter als ein riesiger Sandkasten, auch wenn sie zahlreiche Sümpfe, Ozeane, Tropenwälder, Gebirge und Täler hatte. Genau genommen war sie alles andere als eine Wüste, doch seltsamerweise würde keiner ihrer Bewohner dem widersprechen, falls man sie als eine solche bezeichnete. Wahrscheinlich liegt das ganz einfach daran, dass die Meißten niemals ihre dreckige Stadt verlassen, um mal rauszugucken was außerhalb auf sie wartet. Nein, - wieso auch , wenn doch überall eh nur haufenweise Sand sein soll?
Doch die einzigen Bürger, die wirklich von einer Wüste umgeben sind, sind die von Loag'Hard. Eine runtergekommene, von mehreren korrupten Räten beherrschte Stadt. Geprägt vom Lärm zahlreicher Motoren, Dampfmaschienen, Druckventilen und anderem Zeug, welches sowieso niemand versteht und auch niemand so ganz genau verstehen will, weil er sich sonst Sorgen machen müsste, dass man ihn damit beauftragt sich um diese Geräte zu kümmern.
Und genau diese Stadt wanderte gerade auf ihren riesigen Metallbeinen gemütlich durch die Wüste.


2. Kapitel

Gemütlich dachte der Mechaniker Hobbs. "Gemütlich" war genau das Wort, das wohl am ungeeignetsten war, um seine momentane Lage zu beschreiben, - überhaupt verlief sein ganzes Leben irgendwie ungemütlich.
Er klemmte zwischen zwei Zahnrädern fest, die er eigentlich hätte reparieren sollen, damit die Maschienen wieder einwandfrei liefen. Doch einwandfrei lief garnichts.
>>All' das andere Zeug<< murmelte Hobbs während er versuchte nach seiner Zange zu greifen.
>>Das Zeug mit dem niemand was zu tun haben will ... und ausgerechnet ich ließ mich damals freiwillig zum Beinwarter ausbilden.<<
Auch wenn es bereits über 10 Jahre her ist, dass er seinen Dienst antrat, verfluchte er sich täglich dafür, weil er in Getrieben rumklettern musste, die ihn mühelos zermahlen könnten ohne dass er es überhaupt noch rechtzeitig merken würde, um wenigtsens ein >>Oh<< zu stöhnen. Das einzig Gute an seiner Arbeit - er würde garantiert irgendwann rasch zerquetscht werden und solange als grobe Pfütze am Boden liegen bis ein anderer "freiwilliger" Warter ihn finden würde. Ein Tod mit dem man sich anfreunden konnte, wenn man bedenkt wie die meißten anderen in Loag'Hard starben - oder besser gesagt umkamen.
Die dumme Masse, und daraus bestand die Stadt hauptsächlich, verlor ihr Leben oftmals dadurch, dass sie einfach die Tatsache nicht beachtete, dass sie sich in einer Stadt auf 36 Metern hohen Metallbeinen durch die Wüste bewegte. Da konnte es schnell passieren, dass man beim Öffnen einer falschen Tür, über den Rand viel. Leider nicht nur über diesen, sondern unterwegs zum Boden auch durch ein breites Spektrum an verschiedenen ätzenden und giftigen Gasen. Die Vielfalt dieser ganzen Wolken würde jeden Chemiker Loag'Hards vor Freude in die Luft springen lassen, wenn er sich nicht schon vorher selber in diese gesprängt hätte. Denn seitdem der Rat zur "Erhaltung der Bewegung der Wüsten-Wander-Stadt in ihrem jetzigen Sein durch weitere Fortbewegung" eine Entwicklung von neuen Treibstoffen angefordert hat, wurden Chemiker von Tag zu Tag sogar seltener als die Freiwilligen für den Beinwarter-Posten. Aber wenn sich Hobbs nicht schnell was einfallen ließ, so würden die Beinwarter in dieser Hinsicht wieder eine starke Konkurrenz für die Chemiker werden.
>>Krans!<< brüllte er nach Luft ringend >>Verdammt komm' her und hilf mir! Ich ersticke hier.<<
Gleich darauf erschien eine recht kleine Gestalt, die man getrost zur Vereinfachung als eine Kugel bezeichnen konnte. Hobbs meinte immer, es wäre wesentlich anstrengender um Gehilfe Krans rumzugehen, als rüberzuspringen und bei genauer Betrachtung würde dem sofort jeder zustimmen. Dennoch war er für den Ingenieur-Warter in den engen Maschienenräumen unverzichtbar, da er mit seiner erdrückenden Masse auch eine ebenso erdrückende Kraft mitsich brachte.
Er griff nach Hobbs' Bein und zog ihn mit einem einzigen Ruck raus, so dass sein Vorgesetzter auf dem Boden aufschlug.
>>Wenn ich gewusst hätte, dass du mich so rausreist, dann wär' ich doch lieber bei den Zahnrädern geblieben<<
Er rieb sich den Kopf und guckte danach auf seine Hand, ob er nicht blutete.
>>Lauf'n die Maschienen wieder richtig, Sir?<< fragte der Gehilfe.
>>Siehst du die Zahnräder?<<
>>Ja.<<
>>Drehen sie sich?<<
>>Nur ganz langsam, weil ein Rad das hängt schief raus, Sir.<<
>>Das reicht mir.<< Hobbs klopfte sich provisorisch den Dreck von der Arbeitskleidung, da er der Meinung war, es würde irgendwie dazugehören, wenn man beschloss mit etwas fertig zu sein.
>>Komm, wir gehen was trinken.<<
So sehr er seine Stadt auch verachtete, für eines musste der Warter sie doch loben: Ihre allgemein niedrige Arbeitsmoral. Ärzte beschlossen öfters während einer Operation Pause zu machen, Polizisten waren zu faul Verbrechern hinterher zu laufen und Schriftsteller hatten keine Lust auf die Rechtschreibung zu achten. Da viel auch ein einfacher Ingenieur, der mal seine Arbeit nicht erledigte gar nicht auf.
Mit diesen Gedanken im schmerzenden Kopf und seinem runden Kumpanen im Rücken machte er sich auf den Weg in den nächsten Pub.


3. Kapitel


Nur einige Motoren und Getriebe weiter stand jemand im Schatten eines riesigen Gewindes. Eigentlich stand diese Person nicht nur, - es war viel schlimmer:
Sie wartete. Jeder mehr oder weniger gesunde Menschenverstand sagt uns, dass jemand der es nötig hat in einem Schatten an einem so unpassenden Ort wie einem Maschienenraum zu warten nichts gutes im Schilde führen kann. Dieses Mal sollte keine Ausnahme sein.
>>Gedulde dich noch ein bißchen<< sprach die Person zu sich selbst >>Nicht mehr lange und du wirst die Früchte deiner Arbeit ernten können.<<
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Re: Postet hier eure selbstgeschriebenen geschichten

Beitrag von rainbow six »

Mit richtigen Geschichten kann ich leider nicht dienen, also kommen hier einfach mal zwei "Gedichte". Vielleicht ist es empfehlenswert den Thread in "Postet hier eure selbstgeschriebene Lyrik" umzubenennen. ;)

Mal was Englisches weil ich die englische Sprache so gern hab ^^

Glances

A sudden, fast gaze
Pretending like I didn't notice
There, it happend again
A freezing cold running down my back

I feel warmth but yet distance
Those eyes have something to tell, so
Why don't they tell me?


Moonlight Romance

Feeling the heat
Your breath on my skin
Your scent, Your view amazes me
Passion overwhelming
This can't be true
Knowing this will not last forever

If this is a dream
Please never wake me up
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Re: Postet hier eure selbstgeschriebenen geschichten

Beitrag von GevatterTod »

Oh, da hab ich auch ein englisches Gedicht:




As I was going on the stair,
I met a man who wasn't there.
He wasn't there again today.
I wish to God he'd go away.




Ok, es ist nicht von mir, aber kann mir einer sagen von wem es ist?
Denn ich finde es einfach nur zu gut.
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Re: Postet hier eure selbstgeschriebenen geschichten

Beitrag von rainbow six »

GevatterTod hat geschrieben: Ok, es ist nicht von mir, aber kann mir einer sagen von wem es ist?
Denn ich finde es einfach nur zu gut.
http://www.hycyber.com/VERSE/antigonish.html
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Daniel
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Re: Postet hier eure selbstgeschriebenen geschichten

Beitrag von Daniel »

Das Gedicht kommt in leicht abgeänderter Version auch zu Beginn und Ende des Films "Identität" vor. Vielleicht kennt es ja auch jemand daher ;)

"When I was going up the stairs,
I met a man who wasn't there.
He wasn't there again today,
I wish, I wish he'd go away."

"Ich ging die Treppe rauf und sah
dort einen Mann, der war nicht da.
Er war auch heute nicht mehr dort,
ich wollt', ich wollt' er ginge fort."
Bild
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Re: Postet hier eure selbstgeschriebenen geschichten

Beitrag von mellow »

:usk:
Spoiler: anzeigen
Selten so ein komisches Gefühl bei einem Date gehabt.
Ich schmeiße mein Fahrrad in die Büsche und streiche mir die Haare aus dem Gesicht. Vor mir liegt die Schule, an der ich Abi gemacht habe, einsam und grau im gelben Feld. Die Sonne brennt auf sie herab und hat sämtliche Grünflächen drum herum in den letzten Wochen der Sommerferien vertrocknen lassen.
So recht weiß ich nicht, was ich hier will und ob herzukommen die richtige Entscheidung war. Und trotzdem will ich ihn sehen.
Beim Gedanken an den Jungen, der mich auf den Stufen des Pausenhofs erwarten wird, steigt mir die Röte ins Gesicht. Ich bleibe vor dem leeren Schulgebäude stehen und atme tief durch. Meine Hand gleitet in meine Tasche und zieht das Handy heraus. Ohne, dass ich es bewusst steuere, ist die SMS von gestern Nacht aufgerufen. „Morgen 18.00 an unserm bekannten Platz.“ Mein Handy erkennt die Nummer nicht wieder. Der Absender wurde vor einem Jahr aus dem internen Telefonbuch gelöscht.
Ich sehe auf die Uhr. Es ist kurz vor 6.
Die Hitze knallt vom Himmel auf mich herunter. Ich fühle mich klebrig und wische mir über die Stirn. Wer hätte gedacht, dass es doch noch so heiß wird am Ende dieses Sommers.
Ich versuche mir den Jungen vorzustellen, in dem ich einst meine Zukunft gesehen habe und, der nun auf mich treffen wird. In meinen Gedanken sehe ich einen schlanken Jungen, ein Stück größer als ich. Er trägt ein schwarzes Band-Shirt, eine weite schwarze Hose und dunkelrote Chucks. Das Gesicht unter dem Cap bleibt ein hautfarbener Fleck.
Ich schließe fest die Augen. Was auch immer mich erwartet, ich werde es erst sehen, wenn ich auf den Pausenhof laufe.
Ich schlucke. Und dann bewegen sich meine Füße.
Verwirrt denke ich: Es ist unerhört, dass er mich in den Wahnsinn treibt, nachdem er sich zwei Jahre lang nicht gemeldet hat. Es ist sowieso unerhört, dass er mich um ein Treffen bittet. Noch unerhörter ist es, dass ich überhaupt komme.
Ich bleibe stehen. Ich weiß genau, dass er auf den Treppen gegenüber des Schulgebäudes sitzen wird. Dort, wo wir immer saßen. Ein Schritt trennt mich von seinem Anblick.
Dies ist der Moment. Ich könnte abhauen. Und genau das sollte ich. Mein Verstand weiß das genau.
Und dann laufe ich. Ich weiß, dass er weiß, von welcher Richtung ich komme. Ich kam immer aus dieser Richtung. Ich weiß, wo er sitzt. Er saß immer schon dort.
Die Sonne scheint mir ins Gesicht. Ich blinzle, doch ich kann ihn nicht erkennen. Ich laufe schneller. Ich will ihn sehen.
Jemand sitzt auf den Stufen. Er trägt eine schwarze Hose, ein schwarzes Shirt mit Aufdruck und dunkelrote Chucks.
Ich stehe vor ihm. Ein Baum erstreckt sich vor die Sonne und gibt mir klare Sicht.
Das ist nicht der Junge, der bis vor zwei Jahren mein Freund war. Das ist ein Mann.
Er steht auf und sieht mir in die Augen.
Ich habe mir eingeredet, dass er mir egal ist. Ich habe es sogar geglaubt. Und doch fühle ich nun meinen Herzschlag in meinen Venen so heftig pumpen, dass ich Angst habe, er reißt mich entzwei.
Er trägt dasselbe Cap. Denselben Gürtel. Denselben Ausdruck, als er mich mustert. Und doch ist er viel erwachsener als früher.
Und plötzlich zögert er nicht mehr und wirft die Arme um mich. Stocksteif lasse ich es mit mir geschehen. Ich spüre seine Nähe ganz deutlich. Mein Kinn liegt nicht mehr auf seiner Schulter. Er ist gewachsen. Vorsichtig lege ich meine Arme um seinen Rücken. Er fühlt sich an wie jeder andere Junge. Aber bei jedem anderen Jungen erlaubt mein Puls mir das Atmen noch.
Erst nach einer Weile spüre ich den Unterschied: Er riecht anders. Anders, als andere Jungen, aber kein Junge riecht gleich. Er riecht gut. Er riecht toll. Er riecht -
Endlich löst er unsere Umarmung auf und sieht mir ins Gesicht. Er sagt meinen Namen, spricht ihn so aus, als würde er sich damit alles in Erinnerung rufen, was mich ausgemacht hat.
„Anna“, wiederhole ich und es kommt mir vor, als wäre der Name auch nur eine Nummer in seiner Liste.
Er lächelt und zieht mich an der Hand zu sich auf die Stufen.
„Es ist unglaublich warm“, sagt er, während ich mich neben ihm nieder lasse.
„Das ist es“, sage ich und starre zu Boden.
Ich spüre seinen Blick auf mir. Ich möchte ihn nicht ansehen.
„Dabei hat es an Siebenschläfer geregnet“, wirft er ein.
Das erscheint mir in dem Moment so passend und unpassend zugleich, dass ich laut loslache. Auch er lacht.
Das Eis bricht. Und das auch noch so schnell. Er sieht mir noch immer in die Augen, als ich nicht mehr lache. Ich grinse. Er grinst. Ich sehe ihn mit mir am Neujahrsmorgen mit dem größten Kater meines Lebens vor dem Haus meiner Eltern die Überreste der Feuerwerkskörper der letzten Nacht aufsammeln. Unser Atem stieg von unseren Mündern in hellen Wolken in den Himmel. Ich trug dicke Handschuhe, er hatte die Hände in seinen Jackentaschen vergraben. Ich lief ins Haus und holte ihm die Handschuhe meines Vaters. Und während wir die Feuerwerkskracher zusammensuchten und durch den dicken Schnee stapften, blieb er stehen und nahm meine behandschuhte Hand. Er küsste mich das erste Mal und mir war so schwindelig, dass ich mich an ihm festhalten musste, um nicht hinzufallen. Leons dunkle Haare schauten keck unter den Seiten seiner Mütze hervor. Er grinste, ich grinste, der Schnee glitzerte und die roten Böller strahlten.
Dasselbe Grinsen empfange ich nun und sauge es begierig in mir auf. Es erinnert mich daran, wie schön es ist, bei ihm zu sein, macht mich aber auch darauf aufmerksam, wie gefährlich es sein kann.
„Es ist wirklich lange her, seit wir uns das letzte Mal gesehen haben“, sagt er langsam und kickt einen Stein vor sich weg. Obwohl er gar nicht so viel Kraft investiert hat, fliegt der Stein mit nur wenig Entfernung zum Boden einige Meter weit, bis er aufkommt und hüpfend zum Stillstand kommt.
„Zwei Jahre und 1 ½ Monate“, antworte ich und beiße mir auf die Zunge. Vor dem Treffen habe ich genau ausgerechnet, wie viel Zeit vergangen war. Trotzdem soll er nicht wissen, wie viel ich darüber nach gegrübelt habe.
„Tatsächlich?“, fragt er und kratzt sich am Kopf, „Es kam mir gar nicht so lange vor.“ Er sieht mich an. „Wie geht es dir?“
„Muss, muss“, antworte ich träge.
„Ach sind wir jetzt bei den Floskeln angekommen?“, fragt er und stößt mir spielerisch in die Seite, „dann mach ich direkt weiter: Und sonst so?“
Ich sehe ihn an. Die dunklen Strähnen sind ein Stück länger als sonst, doch genauso keck wie an jenem Neujahrsmorgen lugen sie unter seiner Kappe hervor.
Ich bin verwirrt, weiß nicht, wie ich antworten soll.
„Ach, Annie“, sagt er liebevoll und es ist derselbe Tonfall, den er schon damals gebrauchte, als er mit mir im Auto seines Vaters saß, er am Steuer und ich als Beifahrer. „Was soll das bedeuten, 'Du willst dich verwirklichen?!'“, hatte ich unter Tränen gerufen, „und warum soll man deswegen nicht mehr zusammen sein können?!“ „Ach, Annie“, sagte er zärtlich und fuhr mir mit der Hand über die Wange. Für den Moment, in dem er mich berührte, kam mir das alles nicht mehr so schlimm vor. Er machte gerade mit mir Schluss, weil er nach dem Abi eine Menge ausprobieren wolle, wie er sagte. Doch seine Hand war warm, sie war an meiner Wange, berührte meinen Hals. Ich kann mich daran erinnern, gedacht zu haben: Genieß die Berührung seiner Hand, du wirst sie nie mehr wieder spüren, es ist aus, aus, aus...
Und nun berührt diese warme Hand meine Wange, strich mir vorsichtig die Haare aus dem Gesicht, fuhr hinab zu meinem Hals.
„Ach, kleine Annie“, sagt er leise und ich sehe ihn wieder neben mir im Auto sitzen, in Schlips und Kragen, der Abiball war gerade vorüber. Ich rieche das Leder der Sitze des Audis und höre mich verzweifelt fragen: „Warum denn schon ab morgen?“
„Ich möchte es so“, sagte er damals und seine Hand fand langsam meine, „ich hab so viel vor.“
Ich war beschwipst und das wusste ich, trotzdem zuckten verwirrte Tränen meine Wangen hinunter und fielen auf mein Ballkleid. Meine Füße brannten von den hohen Schuhen.
„Es tut mir Leid“, sagte er leise und drückte meine Hand.
Ich zog sie weg, riss die Autotür auf und rannte hinaus in den strömenden Regen. Als ich vom Auto zur Haustür lief, veränderte sich für einen kurzen Moment alles: Der Himmel wurde hell, der Boden von weißem Schnee bedeckt, rote Böller leuchteten auf der Straße. Leon, der ja eigentlich im Auto saß, stand neben mir, streckte die Hand nach mir aus und alles war perfekt. Doch das war nur eine ein halbes Jahr alte Szene aus meinem Leben.
Klatschnass stand ich vor der Haustür und wartete, während der schwarze Audi noch immer an der Straße stand. Ich wartete und wurde immer nasser, doch er stieg nicht aus, er folgte mir nicht. Nach einer gefühlten Ewigkeit kramte ich den Schlüssel aus meiner Tasche und floh ins Haus. Noch während ich die Tür aufriss, hörte ich, wie er den Motor anließ um davon zu fahren.
Nun lächelt er mich an und kriegt es fast hin, dass ich den Ärger und die Wut auf ihn vergesse. Sein Blick ist intensiv. Es ist der intensive Blick, der mein Leben schon auf den Kopf gestellt hatte, als die Lehrerin ihn vor über drei Jahren das erste Mal mit in die Klasse gebracht, vorgestellt und auf den leeren Platz neben mich gesetzt hatte.
„Sei ehrlich. Wie geht es dir wirklich?“
Ich hole tief Luft, zögere. „Die Wahrheit hast du nicht gar nicht verdient!“, fahre ich ihn an.
Er lacht. Die Grübchen bilden sich auf dieselbe Weise wie früher. „Ach komm. Du wirst mir wohl kaum erzählen, dass du seit zwei Jahren täglich an mich denkst und mir nachtrauerst, oder? Also, erzähl doch mal.“
Ich sehe ihn ernst an. Es war ein Fehler, sich diesem Jungen hinzugeben und auch nun weiß ich, dass es wieder einer ist.
Er erwidert meinen Blick.
Ich kann nicht reden. Ich möchte ihm nicht sagen, dass er Recht hat. Zugleich fühle ich mich entwaffnet, da jeder Versuch es zu leugnen nach einer Lüge aussehen würde.
„Oh Annie“, sagt er gerührt. Ich fühle mich elend, benutzt. Dabei hat er ja bis jetzt noch gar nichts Schlimmes gemacht.
Ich spüre seine Nähe. Seine Anwesenheit nimmt mich gefangen. Sein Bein berührt meines, seine Hand hält meine bestimmend in ihrem Griff.
Sein Blick wirkt geheimnisvoll auf mich. Meine Gedanken kommen nicht an der Frage vorbei, ob er zurückgekehrt sei, um mir zu sagen, dass er wieder mit mir zusammen sein möchte.
„Erzähl du doch“, sage ich nun so gleichgültig wie nur möglich, „wie sieht es aus bei dir? Hast du dich nun verwirklichen können?“ Ich möchte es nicht, trotzdem ist klar die Verachtung in meiner Stimme zu erkennen.
„Oh ja“, sagt er und blickt auf den Pausenhof, als würde er die Ereignisse der letzten zwei Jahre ordnen, „ja, ich habe wirklich viel erlebt.“
„Fühlst du dich jetzt kompletter?“, frage ich. Es klingt abwertend.
„Weißt du“, er sieht mir scharf in die Augen, „für mich gehören einige Erlebnisse zum Leben dazu. Es gibt Dinge, die man getan haben muss... Du musst einmal einen hohen Berg bestiegen haben... Einmal schnorren gehen... Oder Sex mit einer Nutte haben. Du musst dich beispielsweise auch einmal von einem geliebten Menschen trennen, um zu erfahren, wie weh das tut. Verstehst du?“
Sprachlos nicke ich. Was er sagt entspricht nicht meinen Idealen, nicht dem, was ich vom Leben erwarte. Doch aus seinem Mund ergibt es so viel Sinn.
„...Hätten wir das alles... denn nicht zusammen...?“, frage ich hilflos.
Energisch schüttelt er den Kopf. „Nein, Annie. Das sind Dinge, die man allein erfahren muss. Das ist alles zu extrem für eine Beziehung.“
Ich nicke und verstehe ihn vollkommen. Seine Ziele, seine Vorstellungen – er hat sie verwirklicht. Ich sehe ihn an und finde ihn wundervoll.
„...Wobei... es gibt eine Sache, die wir zusammen tun könnten, wenn du das möchtest“, sagt er vorsichtig und sieht mir wieder in die Augen.
Er ist derselbe Junge wie früher. Nur als Mann. Er ist mein Junge, war es immer. Das spüre ich.
Wieder nicke ich.
„Ich möchte etwas ausprobieren... Was zu meinen Erfahrungen dazu gehören sollte“, sagt er schließlich, „allein kann ich das nicht.“
„Ich werde dir helfen!“ Plötzlich bin ich Feuer und Flamme. Was auch immer er tun will – ich will es mit ihm zusammen tun. Ich wollte es die letzten zwei Jahre, wollte es, während er mit mir zusammen war und wollte es schon, seit die Lehrerin ihn das erste mal auf den freien Platz neben mich gesetzt hat.
„Es kann sein, dass es dir erst mal unangenehm ist“, sagt er leise und schaut mich unsicher an.
„Das ist mir egal“, antworte ich. Ich verrenne mich und das schon wieder, ich weiß es. Aber ganze zwei Jahre habe ich auf ihn gewartet und nun ist der da.
„Wenn du es möchtest, lasse ich dich danach nie wieder los“, sagt er.
„Versprichst du es?“, frage ich. Nein, ich frage nicht, ich flehe.
„Ich verspreche es dir“, sagt er mit fester Stimme.
Die Sonne neigt sich, die Schatten wachsen. Er sitzt neben mir und hält meine Hand. Alles ist so perfekt. Er ist perfekt. Er ist das, was ich immer wollte. Und nun ist er da.
Ich habe keine Ahnung, was er mit mir vorhat. Es ist mir egal, so lange ich bei ihm bin.
„Bist du bereit?“, fragt er.
„Immer“, antworte ich und lächle.
Er rückt an mich heran und legt den Arm um mich. Er ist mir so nah, wie er es seit dem Abend auf dem Abiball nicht mehr war. Ich spüre seinen Atem und höre seinen Herzschlag, der nur durch meinen übertönt wird.
Er sieht mir mit diesem intensiven Blick in die Augen. Ich zittere.
Dann küsst er mich. Der Kuss ist fordern und bestimmend. Ich spüre sein Gewicht auf mir, während er meinen Oberkörper auf den Boden drückt.
Ich wehre mich nicht. Er hat die Gewalt über mich. Und genau so soll es sein.
Ich spüre, wie geil er ist. Seine Küsse sind wild, seine Hände schnell. Er presst sich an mich und ich finde es toll.
Er hält inne. In seiner Hand blitzt etwas. Und noch während ich versuche, meine wirren Gefühle zu ordnen, saust ein Schmerz durch meine Brust. Er stiehlt mir den Atem und jede Möglichkeit, Luft zu holen.
Ich öffne die Augen und sehe, wie er das Messer wieder und wieder in meine Brust bohrt.
Absurderweise denke ich: Welch eine fantastische Idee.
Seine blitzende Hand hebt und senkt sich. Messerstiche bohren sich unaufhaltsam in meine Brust, in meinen Bauch. Ich sehe ihn an. Er schaut mir in die Augen. Er will genau mitkriegen, wie ich nun aussehe.
Ich schreie nicht, ich winsele nur. Zum Schreien fehlt mir die Luft und als ich noch Luft hatte, wusste ich nicht, weshalb ich schreien sollte.
Blut rinnt über den Steinboden. Leon neben mir hält inne. Das Messer fällt Zentimeter neben meinem Gesicht zu Boden. Glänzendes, rotes Blut klebt an seiner Spitze.
Er schaut mich an. Er ist so hübsch. Für mich war er immer der Junge. Er ist der Junge für mich. Er lächelt.
„Lass mich...“, röchele ich und stelle entsetzt fest, dass ich kaum mehr reden kann.
Fragend zieht er die Augenbrauen hoch.
„Lass mich... nie wieder...“, presse ich schwer hervor. Ich sehe ihn nur noch verschwommen. Interessiert blickt er auf meine Brust, auf das Messer neben mir, mir wieder ins Gesicht.
„Lass mich nie wieder los!“, bettle ich, während ich sterbe. Er lächelt und steht auf. Die dunkelroten Chucks sind direkt neben mir. Ich schaue zu ihm hoch und finde ihn toll.
Als meine Kräfte mich verlassen, entfernen sich seine Schritte und er geht, ohne sich nochmal umzusehen.
:ugly:
ALLES EGAL, ICH WERD POKEMONTRAINERIN
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