So, auch hier nochmal.
FINISHED. Konnte mich selbst nicht bremsen. Was für ein genialer Titel:
Habe es heute in einem ganztägigen Kraftakt nach ~16h (mit wenigen Sidequests) beendet. Und was soll ich sagen? Das war das intensivste Spielerlebnis, das mir Rockstar je geboten hat. Die Spielzeit mag für einen solchen Titel recht niedrig erscheinen, aber genau das war auch mehr als gut so. Wo ein GTA IV bei 86 Missionen schon bei rund der Hälfte langweilig ist, dort hat man bei einem Red Dead Redemption nach der Hälfte schon locker fünf Mal gedacht, man habe das Finale bereits erlebt. Natürlich wiederholen sich die Missionstypen immer mal wieder, aber langweilig wird es nicht zuletzt dank dem genialen Dead-Eye-Kampfsystem niemals. Frustmomente muss man ebenfalls mit der Lupe suchen. Habe mich im gesamten Spiel vielleicht drei oder vier Mal geärgert und letztendlich war der Ärger nie von Dauer. Optisch ist das Ding auch mal über alle Maßen erhaben. Licht- und Schatteneffekte sind absolute Schmankerl, die Weitsicht ist absolut imposant (wenngleich Just Cause 2 hier die Nase vorn hat) und abwechslungsreiche Schauplätze von weit überschaubaren Grünflächen über respekteinflößende Canyons bis hin zu verschneiten Berggebieten wissen immer mal wieder zu überraschen und zu beeindrucken. Der gediegene Western-Soundtrack unterstreicht das Feeling jederzeit passend und meist dezent, sodass hier zahlreiche atmosphärische Highlights präsentiert werden. Spielerisch hat man alles ausgemerzt, was in vorherigen Open World Spielen aus dem Hause RockStar genervt hat. Schwer zugängliche Minispiele wie Bowling oder Billiard aus GTA IV hat man durch die gängigen "Pub Games" ausgetauscht (Würfel- und Kartenspiele). Durch das Camping mit seiner praktischen Reisefunktion kann man schnell und bequem überall speichern (!) und sich zwischen den Missionen auch zu jedem auf der Karte platzierten Wegpunkt hinwarpen. Wer darauf keinen Bock hat, darf auf meine Hauptkampagnen-Nettospielzeit noch gut und gerne 5h draufrechnen. Ein Handy gibt es übrigens nicht

und das Pferd steuert sich im Vergleich zu den Autos bei GTA IV auch absolut stressfrei. Obwohl die Kutschen diesen Nervpart dieses Mal für sich vereinnahmen. Nebenmissionen gibt es auch endlich wieder zahlreich. Es gilt, verschollene Bürger aufzufinden, Streitigkeiten zu klären, Überfälle zu vereiteln, Diebesgut wiederaufzutreiben und Bandenverstecke hochzunehmen. Des Weiteren warten die üblichen Farmertätigkeiten auf den guten John Marston wie Kuhherden voranzutreiben, Wildpferde zuzureiten und natürlich massenhaft wildes Vieh abzuschlachten.

Irgendwie muss man im Wilden Westen ja überleben. Allein das Setting bietet also schon mehr innovative Möglichkeiten zum Nebenverdienst als in einem Großstadtszenario überhaupt auszuschöpfen gewesen wären. Das tatsächliche Highlight des Spiels, ist aber die Geschichte. Dabei laufen Western doch im Grunde immer gleich ab. Gut und Böse sind von Beginn an bekannt. Im Verlauf stattfindende Seitenwechsel werden weitestgehend gemieden und am Ende läuft alles auf den großen Showdown hinaus. Rockstar erlaubt sich hierbei aber, das ganze ein klein wenig auszuschmücken. "Ein klein wenig" sei dabei aber mit Vorsicht zu genießen. Die Zutaten sind wie folgt: Man nehme einen möglichst kantigen, aber dennoch liebenswerten Titelhelden, führe die Spieler durch geschickt integrierte und hervorragend eingesprochene Zwischensequenzen behutsam und gemächlich an dessen Lebensgeschichte heran und integriere nach und nach immer beklopptere aber vollkommen glaubwürdige Charaktere ohne jemals albern zu werden. Dabei nimmt man sich die Zeit, die Beziehungen dieser Charaktere zum "Helden" zu formen, indem man weite Reitwege bspw. immer wieder dazu nutzt, "intimere" Gespräche aufzubauen. Und das abermals ganz ohne aufkommende Langeweile. Schlussendlich lasse man den Hauptcharakter diesen Leuten helfen, sodass sie ihm was schulden und trete schließlich im Kollektiv zum Showdown an den bösen Buben heran. Das wars? Pustekuchen. Und jetzt? Immer noch nicht. Jetzt aber? Nö! Und wenn der böse Bube dann nach vielen weiteren Stunden und abermals völlig anderen Charakteren endlich geschlagen ist und man nach stundenlangem "eine Mission noch, dann gehts aber in die Falle" wehmütig dem Abspann entgegensieht, geht es plötzlich doch noch weiter. Nur um zum Schluss abermals eine dicke Überraschung aufzufahren, die zwar im Endeffekt abzusehen war, einen jedoch letztendlich mit weit geöffnetem Mund im Antlitz des definitiven Finales zurücklässt.
So wird es gemacht und ich bereue es gerade richtig, jetzt nicht aufhören zu können, da es nebenher noch so viel zu tun gibt und auch der Multiplayer noch gesuchtet werden will.