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Über den Sinn und die Funktion der Liebe
Es gibt Tage an denen ich mich frage wie dieses Gefühl eigentlich entsteht.
Bei anderen Gefühlen ist das ganze meist recht simpel, nehmen wir als
Beispiel Angst. Angst entsteht aus dem primitiven Instikt dass man fürchtet
etwas oder jemand könnte einem ein Leid zufügen.
Doch wie verhält es sich mit der Liebe? Die Liebe ist im Gegensatz zu anderen
Gefühlen wie Angst oder Wut nicht berechenbar und nicht unterdrückbar,
außerdem ist sie nicht perfekt zu imitieren.
Wo kommt nun dieses Gefühl her? Definitiv kann ich sagen, dass sie sich nicht
auf den Urinstinkt der Fortpflanzung zurückführen lässt. Dies würde nur den
rein sexuellen Akt im Sinne der Sicherung zur Weiterbestehung der eigenen Art
definieren. Die Liebe geht zweifelsohne über dieses Stadium hinaus und hat
rein biologisch eigentlich keinen Sinn.
Warum gibt es die Liebe dann? Das ist wohl eine der schwersten Fragen der
sich die Menschheit stellen kann und mit Sicherheit nicht eindeutig zu
beantworten.
Ist die Liebe eine Erfindung der Menschen? Da sie bei keiner anderen Spezies
dieses Planeten auftritt liegt diese Frage nahe. Solch eine These setzt aber
vorraus, dass es Menschen gegeben haben muss, die die Liebe als ganzes
verstanden haben, denn wie sollte man etwas erfinden, dass man nicht
versteht? Somit wage ich zu behaupten, dass sich die Liebe, ebenso wie andere
Gefühle, im Laufe unserer Geschichte langsam entwickelt und etabliert hat.
Das wiederrum führt zu der Frage was denn der Auslöser für ihre Entwicklung
war. Eine Frage die wohl niemand jemals beantworten kann und ich erspare mir
an dieser Stelle sämtliche vermutungen über ihre Herkunft. Sicher ist, dass
eine Welt ohne Liebe für uns heute nicht mehr vorstellbar wäre. Ein Mensch
der nicht lieben kann kann sich nicht Mensch nennen, denn die Liebe ist etwas
das uns im elementaren als Menschen definiert und von anderen Tieren
abgrenzt.
Aus meiner Sicht ist es unmöglich die Liebe wissenschaftlich zu erklären da
die Wissenschaften etwas logisch definieren müssen. Da Liebe aber so abstrakt
und fernab jeder Logik ist wäre es banal auch nur einen Moment über eine
solche Art der Definition nachzudenken.
Ich sehe die Liebe als die stärkste Form der Zuneigung die ein Mensch fähig
ist zu entwickeln. Und hierbei rede ich nicht über die Liebe die Menschen
gegenüber ihren Haustieren oder Gegenständen entwickeln. Es geht um die Liebe
zu anderen Menschen, und auch hier nicht um eine Liebe zu Eltern oder
Freunden.
Gehen wir einfach mal davon aus, dass es am Anfang einen Menschen gab welcher
sich aus irgendeinem Grund teilte. Somit gab es zwei Menschen die nur
zusammen vollkommen waren da sie sich gegenseitig ergänzen konnten. Und auch
jede neue Generation von Menschen war als einzelner nicht vollkommen. Es gab
für jeden ein passendes Gegenstück durch das beide vollkommen wurden.
Projiziert man diese Auffassung auf unsere heutige Welt kommt man dem Sinn
der Liebe schon recht nahe.
Das einzelne Individuum ist nicht ganz. Wir brauchen unser passendes
Gegenstück um ein Gefühl der Vollkommenheit zu erreichen. Doch unsere Welt
ist groß, die Suche nach einem exakt passenden Gegenstück scheint fast
unmöglich. Und es gibt etliche Menschen die sich sehr ähneln, sodass es
außerordentlich schwer sein kann genau herauszufinden wer nun passend ist.
Ich sehe die Liebe somit als eine Art Instikt der uns sagt, dass wir
möglicherweise unser passendes Gegenstück gefunden haben. Ich benutze hier
bewusst das Wort "möglicherweise" da es, wie schon gesagt, fast unmöglich
ist, dass exakt passende Gegenstück zu finden, sodass man sich meist mit
einem Stück welches sehr nahe an dieses Idealstück herankommt zufrieden gibt.
So passiert es, dass sich ein Mensch in einen anderen verliebt. Er ist in dem
Glauben, dass der andere Mensch all das bietet um selbst vollkommen zu werden
und er selber das bietet, damit der andere vollkommen wird.
Da aber jeder Mensch eine andere Tolleranzgrenze besitzt wenn es darum geht
wie weit der andere von der eigenen Definition des Idealstücks abweichen darf
passiert es nicht selten, dass diese Liebe einseitig läuft und sich somit
kein kompletter Mensch findet.
Und eben durch diese Toleranzgrenze lässt sich auch erklären wie es zu einer
erneuten Spaltung dieser neuen, vollkommenen Menschen kommen kann. Denn
Menschen entwickeln sich jeder für sich im Laufe ihres Lebens weiter. So kann
es entweder dazu kommen, dass sich die Toleranzgrenze des einen verändert und
der Partner plötzlich nicht mehr als Gegenstück geeignet ist. Oder es kommt
dazu, dass sich der eine so verändert, dass er aus der Toleranzgrenze des
anderen fällt und somit ebenfalls nicht mehr als Gegenstück in Frage kommt.
Deshalb fällt es nach so einer Spaltung mindestens einem Teil schwer darüber
hinwegzukommen, denn es bedeutet dass man erneut auf die Suche gehen muss.
Die Liebe versteht sich also als etwas, dass uns signalisiert dass wir
vollkommen sind. Verliebt sein versteht sich daher als Zeichen, dass man ein
passendes Stück gefunden hat um Vollkommenheit zu erlangen und man daher
alles in seiner Macht stehende tun sollte, um dieses Stück zu erlangen.
Weiter kann ich mit gutem Gewissen sagen, dass sich die Suche nach Liebe als
die Suche nach dem Sinn des Lebens versteht. Für mich ist der Sinn des Lebens
zu lieben und geliebt zu werden.






