
0riginalname: Spider-ManStory
Alles in allem führt Peter Parker (Tobey Maguire) ein ziemlich durchschnittliches Schüler-Leben, auch wenn er selbst es höchstwahrscheinlich eher als unter dem Normalmaß bezeichnen würde, immerhin hat seine Existenz in entscheidenden Punkten ein gewisses Defizit aufzuweisen. Weder hat er ein so wohlhabendes Elternhaus in der Hinterhand, wie einige seiner Schulkameraden, insbesondere sein bester Freund Harry (James Franco). Dieser Aspekt stört Peter allerdings weniger, kommt er doch mit Onkel und Tante, seinen nächsten Angehörigen seit dem frühen Tod seiner Eltern hervorragend aus. Ganz anders leider, als mit Mary Jane (Kirsten Dunst), ihres Zeichens Peters Mitschülerin und vor allem sein großer Schwarm. Außer schmerzlich unverbindlicher Freundlichkeit hat sie jedoch nichts für Peter übrig. Und dies wird ihm auch bei einer Klassenexkursion in ein Forschungslabor, das unter anderem mit gentechnisch veränderten Spinnen aufwarten kann, mal wieder deutlich vor Augen geführt. Den unscheinbaren Biss, den ihm einer der erbgutmanipulierten Achtbeiner verpasst, nimmt er nicht zuletzt deshalb lediglich beiläufig zur Kenntnis. Am nächsten Morgen erfährt er allerdings buchstäblich am eigenen Leib gewisse Modifikationen, die beim besten Willen nicht durch einen postpubertären Entwicklungsschub erklärt werden können. Während sich seine Kurzsichtigkeit in signifikanter Art und Weise in ihr Gegenteil gewandelt hat und sein Körper vom einen Tag auf den anderen Proportionen annimmt, die gemeinhin Monate schweißtreibender Besuche eines Fitnessstudios erfordern, machen ihm nicht zuletzt die klebrigen Fäden, die unvermittelt aus neuen Öffnungen an seinem Handgelenk hervorschießen, klar, das da offenkundig etwas Außergewöhnliches stattgefunden hat. Setzt er zunächst seine neugewonnenen Fähigkeiten zuvorderst in eigener Sache ein, bringt ihn ein ebenso trauriges, wie einschneidendes Ereignis schließlich dazu, Fertigkeiten, wie das mühelose Schwingen von Hochhausdach zu Hochhausdach dem Ziel der freischaffenden Senkung der Kriminalitätsrate zu stellen. Allerdings tritt ihm dabei plötzlich ein gleichermaßen mächtiger, wie verschlagener Gegner in Gestalt eines grünlich gepanzerten Erzschurken, der sich selbst den grünen Kobold nennt, entgegen und schon ist er mittendrin in einem gefährlichen Spiel, dass nicht nur seine angebetete Mary Jane, sondern vor allem auch Harrys Vater, den Industriellen Norman Osborn (Willem Dafoe) einbezieht, der zur finanziellen Konsolidierung seines Unternehmens einen waghalsigen Selbsttest der neuesten Erfindung seiner Forschungsabteilung vorgenommen hat.
So hat es also ein weiterer Vertreter der ganz prominenten Comic-Superhelden auf die Leinwand und nun auf DVD geschafft. Mit dem entsprechendem Budget, das die Oberbosse der kalifornischen Traumfabrik gerne ihren potentiellen Mega-Blockbustern anvertrauen. Da sich das finanzielle Engagement bekanntlich mehr als ausgezahlt hat, läge die Befürchtung nahe, dass sich "Spiderman" auch inhaltlich dem Kassenschlagerprinzip Marke Hollywood angepasst hat, sprich, viel Effektgewitter mit flacher Story und ebensolchen Figuren. Jedoch, das Kapitel "Spiderman" darf in der Abteilung "enttäuschte Erwartung im positiven Sinne" eingeordnet werden. Denn eins darf man dem Drehbuch des Films nun wirklich nicht nachsagen, nämlich dass es sich nicht bemühte, bei der Darstellung seinem gesamten Hauptpersonal gerecht zu werden. Allzu komplexen Tiefgang sollte vom Zuschauer natürlich auch nicht anvisiert werden, aber der Film schafft es, in seinen "persönlichen" Momenten interessanter und spannender zu sein, als in den Action-Sequenzen und das liegt keinesfalls an einer mangelnden Qualität der letzteren Szenen, denn das schon angesprochene Budget für den bunten Budenzauber ist sichtlich gut angelegt worden und sorgt für den einen oder anderen überaus unterhaltsamen Knalleffekt. In der Zeit dazwischen gönnt sich "Spiderman" dann allerdings auch verhältnismäßig viel Raum, um das Innenleben seiner Protagonisten mit Leben zu füllen, was als Nebenwirkung nicht zuletzt ein gesteigertes Interesse am Wohl und Wehe der Mitspieler zur Folge hat; ein Umstand, der wiederum dem Spannungspegel der visuellen und akustischen Showeinlagen sehr entgegenkommt.
Passend dazu ist auch die Besetzung der Hauptrollen geraten. Mal abgesehen davon, dass man Tobey Maguire trotz seines fortgeschrittenen Alters den Teenager tatsächlich abnimmt, ist der ansonsten nicht gerade auf den Part des strahlenden Helden abonnierte Darsteller wie geschaffen für eine Rolle, die hauptsächlich von der Unsicherheit der Figur (und ihren trotzdem vollbrachten Großtaten) lebt. Und auch Willem Dafoe gibt einen Widersacher, dem die meiste Zeit eine gehörige Portion Ambivalenz in seiner Charakterisierung erlaubt wird, ganz im Gegensatz zum typischen "Böser-geht's-gar-nicht-Schurken". Die weibliche Hauptrolle wird zwar mal wieder etwas zu stiefmütterlich behandelt, aber Kirsten Dunst macht das Beste daraus und schafft sich so durchaus ein gewisses Profil, was nicht zuletzt der Liebesgeschichte zugute kommt. Wie zum Beispiel in der veregneten Kopfüber-Kussszene, die trotz standesgemäß comichafter Überhöhung den einen oder anderen echten romantischen Schimmer durchscheinen lässt (ganz ungeachtet der wenig gefühlvollen Drehbedingungen; hatte Tobey Maguire doch in diesem Moment aufgrund seiner Lage und einer wenig atmungsaktiven Maske hauptsächlich damit zu kämpfen, die Luft bis zum erlösenden "Cut" anhalten zu können).
Der Erfolg bei der Umsetzung des gelungenen Skripts zeigt sich im übrigen auch daran, dass es durchaus nicht an Momenten fehlt, in denen Pathos und Sentimentalität in leichten Überdosen auftreten, dies aber, anders als in vielen anderen Produktionen, trotzdem nicht wirklich negativ aufstößt, einfach deshalb, weil die dargestellten Gefühle zumindest nachvollziehbar bleiben.
Und unter Umständen ist es auch nur der durch die genannten Vorzüge besonders betonte Kontrast, der dann den einen oder anderen Schwachpunkt, wie die gelegentlich etwas zu lustlose Aneinanderreihung der superheldengerechten Rettungstaten oder den zu langen und im Verhältnis zu der vornehmen Zurückhaltung des Restfilms zu brutalen Showdown, besonders hervorstechen lässt, was dem guten Gesamteindruck zwar leichteste Kratzer verpasst, aber eigentlich nur verhindert, "Spiderman" als absoluten Überflieger zu qualifizieren (abgesehen davon, sollte die bereits anvisierte Fortsetzung doch zumindest theoretisch die Chance zu einer Steigerung haben, auch wenn dies nach allgemeiner Lebenserfahrung natürlich nur wieder ein frommer Wunsch bleiben wird).
Laufzeit: 116:12 min.
Regie: Sam Raimi
Altersfreigabe: FSK 12
Sender: ORF 1, Pro 7
Um?: 20.15
Recht amüsant und immer kurzweilig, schaut rein
Edit:
Kommt n bisschen Spät ne x_X
stay sic

