Kapitel 12
Link sah sich wachsam um. Sie waren in einem schwarzen Gang gelandet der spärlich von Fackeln erhellt wurde. Auf der anderen Seite des Ganges war eine weitere massive Tür, dieses Mal allerdings aus Holz. Sie gingen auf die Tür zu und drückten sie auf. Dahinter war eine gigantische Halle. Dort gab es den Gang durch den sie gekommen waren und zwei Treppen. Die Eine führte nach oben, die Andere nach unten. Aber niemand hielt sich dort auf. ,,Welche sollen wir nehmen?’’, fragte Link.
,,Ich würde sagen die die nach unten führt. Wir müssen erst nachschauen ob mein Vater noch lebt, wenn das hier vorbei ist braucht Hyrule einen Führer. Ich bin noch nicht alt genug dafür. Falls er noch lebt hält Ganondorf ihn bestimmt in den Kerkern gefangen, und die sind normalerweise unten.’’ Link nickte. Zelda hatte Recht, sie mussten zuerst den König befreien, danach würden sie sich um Ganondorf kümmern.. Sie gingen zu der Treppe auf der rechten Seite, sie führte nach unten. Sie eilten die Treppe hinunter und landeten in einem schwarzen Gang. Hier hingen noch weit weniger Fackeln als weiter oben. Sie gingen immer tiefer hinein und es wurde immer finsterer.
Es begann nach Verwesung zu riechen. ,,Was riecht hier denn so widerwärtig?’’, fragte Zelda. Link zuckte mit den Schultern. Desto weiter sie kamen umso stärker wurde der Geruch. Ein Stöhnen drang aus dem Gang zu ihnen. Einige Gestalten standen in gebückter Haltung etwa 20 Meter vor ihnen. Ihre Gesichter waren eingefallen und die Augen hatten einen leeren Ausdruck. Verwestes Fleisch hing an ihnen herab und kleine Insekten krochen darin herum. Sie verströmten einen fast schon betäubenden Gestank. Die Zombies bewegten sich mit einem grauenvollen Schrei auf Link und Zelda zu. Der Schrei wirkte eine magische Wirkung aus. Link und Zelda erstarrten. Normalerweise dauerte diese Wirkung einige Sekunden, aber bei ihnen nur Bruchteile davon. Link und Zelda griffen gleichzeitig an. Die Zombies fielen mit einem lauten Stöhnen auseinander und es gab ein saftiges Geräusch als sie auf dem Boden aufschlugen.
Es waren noch zwei Zombies übrig und der eine stieß einen weiteren Schrei aus während der andere sich auf Link zu bewegte. Der eine Zombie schrie immerweiter, während der andere sich immerweiter auf Link zu bewegte. Er konnte nur hilflos mit ansehen wie der Zombie langsam auf ihn zuschlurfte. Er kam bei Link an, schlurfte aber noch um ihn herum. Plötzlich sprang der Zombie ihn an und klammerte sich um Link. Er wurde durch den Gestank fast ohnmächtig und kleine Insekten, die sich an dem fauligen Fleisch des Zombies labten, krochen auf ihm herum. Er wollte schreien als sich die fauligen Zähne des Zombies in seinen Nacken gruben, aber er konnte sich nicht rühren.
Link fühlte wie ihm das Leben langsam ausgesaugt wurde, und er konnte nicht einmal etwas dagegen tun! Dann stoppte der Zombie mit seinem Schrei. Link packte den einen Arm des Zombies und zog daran um ihn herunter zu reißen. Er hielt auf einmal den fauligen Arm des Zombies in der Hand. Er schleuderte ihn angewidert gegen eine Wand wo er mit einem schmatzenden Geräusch aufschlug. Link rammte dem Zombie den Ellbogen in die Bauchgegend und er wurde zurückgeschleudert. Link fühlte wie im etwas Fleisch aus dem Nacken gerissen wurde und schrie. Der Zombie prallte gegen die Wand und zerfiel. Den anderen Zombie hatte Zelda inzwischen erledigt. Link fühlte wie Blut ihm am Hals hinab lief. Er legte seine Hand auf die Wunde und konzentrierte sich kurz. Die Blutung stoppte. Link konnte begrenzt Heilzauber wirken, aber später musste er sich richtig um die Wunde kümmern.
,,Geht es dir gut?’’, fragte Zelda besorgt. ,,Nur ein Kratzer...’’, sagte Link mit einem Schmerzverzogenem Lächeln. Sie gingen weiter. Der Gang wurde immer enger und dunkeler, Fackeln gab es hier keine mehr. Zelda entzündete eine kleine Flamme in ihrer rechten Handfläche um Licht zu spenden. Sie gingen immer tiefer hinab. Dann sahen sie eine dicke Stahltür. Link öffnete sie und sie schwang mit einem Quietschen auf. Er hörte das Rascheln von Stroh aus der Kammer. Zelda trat vor Link und hielt ihre Hand mit der Flamme in den Raum. Link erkannte eine Gestalt die in der Ecke auf einem Strohlager kauerte.
Zelda ließ sich auf die Knie fallen, löschte die Flamme und umarmte die Gestalt. ,,Vater, geht es dir gut?’’, flüsterte sie besorgt. ,,Zelda?’’, hauchte die Gestalt ungläubig. ,,Was ist mit dir passiert?’’ Zelda half der Gestalt auf. Link entzündete eine kleine Flamme in seiner linken Handfläche. Zelda trat zur Seite und Link sah einen alten Mann. Sein Gewand, was früher vermutlich ein prächtiges Aussehen gehabt hatte, war an zahlreichen Stellen zerrissen. In seinen grauen Haaren hing verkrustetes Blut und er sah so aus als hätte er seit Tagen nicht geschlafen. In seinem Gesicht waren zahlreiche blutige Schnitte. ,,Vater, das ist Link, er hat mich beschützt.’’ Der König brachte ein schwaches Lächeln zu Stande. ,,Ich danke dir, Link.’’ Er ging einen Schritt und torkelte. Zelda half ihm wieder auf. ,,Was hat Ganondorf dir nur angetan?’’, fragte Zelda erschrocken.
,,Glaub mir, das willst du nicht wissen... Aber was ist mit dir? Vor einer Woche warst du noch ein kleines Mädchen und jetzt bist du schon fast eine Frau!’’ Zelda lächelte ihn an. ,,Das ist eine lange Geschichte, ich erzähle sie dir später. Nun solltest du aber erst einmal von hier verschwinden, wir haben Ganondorf noch nicht aufgehalten.’’ Der König wurde bleich. ,,Geht nicht zu ihm! Er wird euch beide töten! Er besitzt eine Kraft die ihr euch nicht vorstellen könnt!’’ Zelda sah ihn freundlich an. ,,Keine Sorge, wir sind auch ziemlich mächtig.’’ Link trat aus dem Türrahmen heraus und Zelda half dem König hinaus. Sie gingen langsam den Gang zurück, der König war erschöpft. Link lief vor ihnen um den König, falls nötig Deckung, zu geben. Als sie in der Halle ankamen musste der König kurz verschnaufen. ,,Wohin können wir deinen Vater bringen, Zelda?’’ Sie überlegte. ,,Wie wäre es mit der LonLonfarm?’’, sie wandte sich an den König. ,,Dort müsstest du erst einmal sicher sein.’’ Er nickte. ,,Ich glaube dazu reichen meine Kräfte noch...’’ Sie gingen durch die großen Türen und verließen Ganondorfs Festung. Der Weg über den Marktplatz verlief ereignungslos. Als sie beim Eingang zur Stadt ankamen sahen sie dass die Zugbrücke eingebrochen war und zur Hälfte im Burgraben lag. Sie halfen dem König über die Brücke und dann wandte er sich noch einmal an Zelda.
,,Bitte seid vorsichtig, ich will nicht das er euch tötet.’’ Er machte eine kleine Pause. ,,Zahle es ihm heim was er den Hylianern angetan hat!’’, sagte er leise. Dann drehte er sich herum und ging langsam in Richtung LonLonfarm. Zelda und Link sahen ihm noch eine Weile nach, dann drehten sich herum und gingen zurück zu Ganondorfs Festung.




