So, nachdem ich das Ende sacken lassen konnte, will ich noch mal ein Fazit zum Spiel insgesamt ziehen. Und wie es sich gehört, fange ich mal mit den Positiven Dingen an (leichte Spoiler).
Da wäre vor allem das nochmals verbesserte Kampf- bzw. Deckungssystem, das die Kämpfe flüssiger und dynamischer macht. Nachdem man in Teil 1 gerade zu mit Waffen überschüttet wurde und es in Teil 2 eigentlich immer nur eine brauchbare Waffe gab, hat man hier nun einen sehr guten Zwischenweg gefunden. Waffen gibt von jeder Art 5-7, zudem lassen sie sich mit diversen Aufsätzen individualisieren, perfekt. Wobei manche Waffen sich nicht nur in ihren Statistiken unterscheiden, sonder sich wirklich komplett anders verhalten und z.B. explosive Kügelchen verschießen. Hat mir ebenfalls sehr gut gefallen.
Die Fähigkeiten der Charakter wurden sinnvoll um 2 Stufen erweitert, wobei ich mir für jeden Charakter lieber eine zusätzliche Fähigkeit gewünscht hätte. Aber so konnte man wenigstens die Charakter aus Teil 2 1:1 übernehmen incl. ihrer ausgebauten Fähigkeiten.
Und die Gegnertypen sind diesmal sehr verschiedene, es gibt endlich auch mal richtig große, richtig mächtige Gegner und auch solche, die nicht „nur“ mit Waffen und Kräften attackieren, sondern rein in den Nahkampf gehen oder ihre Kollegen verbessern. Zwar sind es im Endeffekt immer nur Geth, Reaper oder Cerberus und alle anderen Rassen fallen komplett hinten runter, aber gut, seis drum.
Auch gut ist, dass das nervige Scannen der Planeten endlich wegfällt. Oder die Idee das Gewicht der Waffen mit der Aufladezeit seiner Kräfte zu verknüpfen. Oder dass sich die Crew der Normandy übers Schiff bewegt und mal hier oder dort anzutreffen ist. Oder die kurzen Abschnitte, die man mit der Taschenlampe absolvieren muss, boten auch mal etwas Abwechlung.
Überhaupt kommen gerade in den letzen Stunden des Spiels das Kriegsgefühl und die Bedrohung durch die Reaper sehr gut rüber. Und auch davor hat man das Gefühl etwas echt Bedeutsames zu tun (wären da nicht die komischen Nebenmissionen). Leider nimmt Cerberus ein imo viel zu große Rolle ein, da sie im Vergleich zur Reaperbedrohung einfach nichts sind.
Aber jetzt mal zu den größeren Kritikpunkten. Da wäre z.B. der Day One DLC. Meinetwegen kann Bioware sowas machen, aber einen nicht unwichtigen Charakter einfach aus dem Spiel zu schneiden geht einfach nicht. Man braucht ihn zwar nicht für die Mission, aber er gibt doch wichtige Hintergrundinfos.
Dann ist da noch der DLC aus Teil 2, insbesondere „The Arrival“, der ein Bindeglied zu Teil 3 darstellt, am Anfang aber nicht mal kurz erwähnt wird. So wird Shepard von der Allianz angeklagt und ich weiß noch nicht mal, warum er jetzt genau im Gefängnis sitz.
Noch schlimmer ist dann die Entscheidung den Multiplayer direkt mit dem Singleplayer zu verknüpfen und das ohne die Möglichkeit eines MP-Ersatzes im SP. Zwar soll man die Maximalpunktzahl auch so durch alle „richtigen“ Entscheidungen erreichen, aber ich fühle mich trotzdem verschaukelt. Zum Glück ist die Bereitschaft für das Ende dann doch nicht so entscheidend, aber ich hoffe, dass das nicht in späteren Spielen Schule macht.
Und dabei ist der Online-Modus gar nicht mal so schlecht. Zum Glück haben die Entwickler darauf verzichtet auf das Standard Team Deathmatch oder ähnliches zu setzen, sondern einen Horde-Modus daraus gemacht, der dank der verschiedenen Kräfte echte Abwechslung bietet.
Leider gibt es im Singleplayer nur noch 6 Charakter, aus denen man wählen kann, was ich sehr schade finde, da man gerade am Anfang in seiner Auswahl doch stark eingeschränkt ist und nicht mehr so viel mit den verschiedenen Kombinationen rumprobieren kann. Zudem vermisse ich einen Kroganer oder Salarianer im Team. Oder z.B. Thane, der mir auch sehr gut gefallen hat. Stattdessen muss ich mit EDI vorliebnehmen, oder eben James. Wobei ich James besser ertragen konnte, als manch anderer. Und aufgrund der wenigen Gefährten gibt es auch einige Fähigkeiten nicht mehr, z.B. Ziehen, Werfen oder Schockwelle (außer man spielt den entsprechenden Typ).
Die von anderen angesprochenen technischen Schwächen habe als nicht so krass erlebt, bzw. gabs die auch schon in den vorigen Teilen (Figuren poppen auf, verschwinden während Gesprächen, Sätze werden abgebrochen, etc.).
Was mir auch noch aufgefallen ist, z.T. hat man in den Gesprächen nicht mehr wirklich die große Auswahl und beide Antwortmöglichkeiten laufen in eine ähnliche Richtung. Immerhin hatte ich das Gefühl, dass manche Entscheidungen echt hart sind, imo härter als in den Teilen davor, das war dann schon echt cool. ABER, viele Entscheidungen aus den vorigen Teilen wirken sich viel zu wenig auf das Spiel aus. Habs eben noch mal am Anfang von meinem 2. Durchgang gemerkt, man kann die Kollektorenbasis zerstören oder nicht, es ist egal, da Cerberus so oder so Reapertech einsetzt (oder eben die Sache mit den Rachni, und ich wette bei den Forschungsdaten vorn Morlin zur Genopharge ist es genauso). Ach und sein Gesicht kann man immer noch nicht richtig importieren,
Das größte Ärgernis ist aber eben das Ende, ganz nett inszeniert, in sich aber überhaupt nicht schlüssig:
1. Was soll das mit der Normandy? Wieso sind auf einmal alle Leute von der Erde wieder auf der Normandy?
2. Woher kommt Anderson (bei Unbekannten kann man es sich ja noch irgendwie hinbiegen)?
3. Was soll der Schwachsinn mit dem God Child, das einem am Ende nur 3 Auswahlmöglichkeiten gibt. Vor allem mit der Begründung, dass sich synthetisches Leben immer gegen seine Schöpfer wendet. Und was habe ich dann bitte ein paar Stunden vorher mit Geth und Quarianern gemacht??? Was ein Unsinn, außerdem widerspricht es allem, was die ME Philosophie (falls man das so nennen kann) ausgemacht. Das Bild ein paar Posts drüber bringt es ja sehr gut zum Ausdruck.
4. Keine der Entscheidungen aus den 3 Teilen hatte auch nur einen Fitzel Auswirkungen auf das Ende. Sie dienten nur dazu am Ende die Militärstärke zu erhöhen. Und damit bekomme ich am Ende eine zerstörte, halb zerstörte oder noch heile Erde und das wars. Mir würden auf anhieb einige Dinge einfallen, wie man die Entscheidungen oder eben die Zusammensetzung seiner Flotte dazu hätte nutzen können, um das Ende zu variieren. Aber nein, da hat es Bioware echt verkackt
Die Indoktrinationstheorie klingt recht plausibel (die Bäume rund um den Strahl waren mir z.B. gar nicht aufgefallen und sind imo der stärkste Hinweis, zusammen mit dem besten Ende und dem kurzen Atmen von Shepard). Mal sehen, was davon nach dem DLC übrig bleibt, oder ob das Ganze nur eine halbgare Idee von Bioware war, die nicht zu Ende gedacht wurde und noch als Rest übrig blieb. Dann hätten sie wirklich den Bock abgeschossen.
Nichtsdestotrotz habe ich schon meinen 2. Durchgang gestartet, das Spiel macht eben trotzdem verdammt viel Laune!
9/10