Nicht jeder weiß einfach, was er in seinem Leben machen soll. Manchmal sind ihm/ihr auch die Möglichkeiten verbaut oder arg erschwert. Nach dem Abi im Jahre 2006 wusste ich nicht genau, was ich wirklich machen wollte, schickte Bewerbungen an Unis, aber wurde aufgrund des großen Andrangs nicht genommen (und ja, weil ich auch nicht den entsprechenden NC hatte - etwas, was eh totaler Schwachsinn ist. Aber zu dem Thema könnte man eh Seiten vollschreiben und diskutieren. Ich halte davon einfach wenig und bin der Meinung, dass man von mir aus Eignungstests macht oder eine Art Probesemester, so wie es z.B. an der Uni Wien gehandhabt wird. Nur, wer im 1. Semester entsprechende Leistungen bringt, darf weiterstudieren. So wird aber jedem wenigstens eine Chance gegeben und nicht einfach nur der Streber genommen, der nen 1,5 Abischnitt hat, sich aber dennoch nicht für ein Medizinstudium eignet oder was auch immer.

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Ein Jahr lang also hatte ich keine direkte Aufgabe, also jobbte ich und machte Praktika. Man fühlte sich blöd, weil man ständig gefragt wird "Na, was machste jetzt?" / "Hast du schon was gefunden?" Verdammt, nein. Sonst würde ich es dir schon sagen.
Als wenn das das Allerwichtigste im Leben ist. Anstatt mal richtig hinzuhören, ob es dem Menschen, der da gerade vor der steht, "gut geht" und er möglicherweise auch andere Probleme hat. Es belastet einfach sehr, wenn man überhaupt nicht weiß, wie es weitergehen soll.
"Glücklicherweise" bekam ich 2007 eine Zusage von der Uni Potsdam. Seitdem studiere ich dort Rechtswissenschaften, bin jetzt im 7. Semester. Ich beneide alle, die bereits ihr 3-Jahres-Studium (Bachelor) erfolgreich hinter sich gebracht haben. Wäre jetzt auch schon gern fertig, aber ich bin noch mittendrin und das Schlimmste steht mir auch noch bevor (das Examen / 1. juristische Prüfung), aber bis dahin muss ich erstmal noch meinen letzten großen Schein, meine restliche Praktikumszeit und noch eine andere Schlüsselquali absolvieren.
Der Druck ist unheimlich groß, die Studenten untereinander ziemlich feindselig und wenig hilfsbereit. Vielleicht ist es auch nur "mein Jahrgang", aber ein teilweise so unsoziales Verhalten habe ich selten erlebt. Jeder andere wird als potentieller Konkurrent und somit als Gegner angesehen. Bloß keine Infos rausgeben, das könnte den anderen ja bevorteilen!

Es verschwinden Bücher aus der Bibliothek bzw. wurden sie zumindest in irgendein falsches Regal abgestellt, weil der Student zu faul war, es an den richtigen Platz zurückzubringen. Also findet man es wohl erst in ein paar Jahren wieder.
Zudem ist es regelmäßig der Fall, dass fallrelevante Artikel aus diversen juristischen Zeitschriften (die man dringend für die Bearbeitung einer wissenschaftlichen Hausarbeit benötigt) einfach rausgerissen werden! Natürlich hat die Uni auch nur ein Exemplar - ganz toll. Ehrlich, sowas nennt sich Kommilitone = Mitstreiter?!
Und wäre dies auch nicht genug, so muss ich leider (ohne jegliche Übertreibung) sagen, dass Jura das so mit unbefriedigenste Studienfach ist, was man so wählen kann. Warum? Weil deine Benotungen auf reiner Willkür getroffen werden. Es ist so und daran lässt sich auch nichts rütteln. (Berechtigte [!]) Remontrationen nach Klausuren und Hausarbeiten laufen eigentlich regeläßig ins Leere. All das bestätigen sowohl momentane Kommilitonen, als auch Leute, die bereits ihr 1. und 2. Examen geschrieben haben. Es gibt unglaublich viele Tiefs und ganz ganz selten mal ein Hoch. Man muss allen Bekannten und der Familie klarmachen, dass eine "Vier" (=Bestanden) wirklich etwas Gutes ist und sie deshalb einen nicht mitleidig ansehen, sondern einem jubelnd um den Hals fallen sollten.
Unser Prof sagte, dass über 90% der Anwälte "bei uns" ihr Examen mit der Note "Vier" machen - das sagt doch eigentlich schon alles aus. Warum gibt es überhaupt 18 Punkte, wenn über 90% nur 4-6 Punkte erreichen? Achja und mindestens die Hälfte fliegt übrigens durch das Examen.
Jetzt fragt ihr euch sicher: Warum zum Teufel studierst du das noch? Tja, manchmal frage ich mich das auch. Allerdings bin ich jemand, der eine Sache zu Ende bringt, wenn er sie angefangen hat. Ich will es mir wahrscheinlich auch ein wenig selbst beweisen, was sich leider teilweise extrem negativ auf meine Gesundheit niedergeschlagen hat. Dennoch gibt es wirklich Tage, wo mir die Materie Spaß macht, das Fällelösen spannend ist und ich dann wirklich auf das Ergebnis gespannt bin. So ganz falsch ist es einfach nicht, als dass ich sagen würde "Stopp, es geht nicht mehr".
Zwar spiele ich momentan mit dem Gedanken, sofern ich das 1. Examen denn bestehe, danach mich etwas anders zu orientieren, aber noch bleibt mir für diese Entscheidung noch genügend Zeit und es kommt gar nicht mal so selten vor, dass die Leute nach dem 1. Examen erstmal was anderes machen (ins Ausland gehen, ne Doktorarbeit schreiben, noch ein anderes Studienfach beginnen), um danach noch ihr Referendariat und ihr 2. Examen anzutreten. Denn nach dieser Knochenmühle namens Examen hat man eigentlich erstmal die Schnauze voll - so wurde mir jedenfalls berichtet.
Ich bin deshalb der Meinung, dass man sich lieber mal ein wenig mehr Zeit nimmt, um genau herauszufinden, was man machen möchte, bevor man irgendwas wählt und dann absolut unglücklich ist und das dann ner Zeit wieder abbricht. Das kommt sicher auch nicht besser an, wenn sich jemand irgendwo bewirbt, der 4x das Studienfach/die Ausbildung (was auch immer) gewechselt hat, als jemand, der sich ein Jahr Zeit nahm, um dann in seinem richtigen Bereich durchzustarten.
