Schreib- Thread

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Hobble
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Beitrag von Hobble »

Hi!

Ich weiß, so einen Thread in der Art gabs schon mal, aber da unsere Suche ja die allergeilste ist, hab ich den natürlich nich gefunden. Daher der einfacherhalber einfach mal einen neuen Thread.

Und ja, sorry, es ist viel Text, aber ich vllt gibs ja den einen oder anderen, der bei dem schönen Wetter was zu lesen braucht ;)
Wie einige vllt wissen, schreib ich ganz gern und ich hab mir diesmal mal ausnahmsweise vorgenommen, eine im Kopf schon fertige Geschichte auch mal zu Ende zu bringen. Bin allerdings noch net soo weit, daher gehts noch mit dem Lesen.
Würd einfach mal gern ein paar Rückmeldung hören. Kann man es lesen. Interessiert es überhaupt? Oder isses schon nach 10 Zeilen langweilig etc.
Ruhig auch die Wahrheit. Wer nach nem Absatz Schluss macht, weils zu langweilig ist, kann das ruhig sagen *g* Verkrafte Kritik ;)

Das Ganze ist übrigens aus dem Fantasy Genre (Richtung Herr der Ringe etc.) Wer damit natürlich von vornherein nix anfangen kann, läßt es gleich bleiben ^^


Nun dann, hier der Prolog plus erstes Kapitel von:


[b]Das Vermächtnis von Mawa[/b]


[b]Prolog[/b]

„In einem Loch im Boden lebt ein …“, Galeo unterbrach seine Erzählung.
„Was? Was lebt in einem Loch im Boden?“, ertönte von hinten eine Stimme.
„Ben, jetzt komm endlich raus! Wenn du ständig wartest und irgendwelchen Raupen beim nicht vorhandenen Wachsen zuschauen willst, dann ist jetzt nicht die rechte Zeit dafür!“
„Ja ja, schon klar. Und du machst natürlich immer genau das, was wir eigentlich tun sollten. Du weißt schon, dass wir Holz sammeln sollen?“, Ben setzte einen dieser fragend- skeptischen Blicke auf, die Galeo hasste.
„Ja!“, antwortete er und schaute betreten auf den Boden. Eigentlich hatte er seiner Mutter gar nicht mehr zugehört, da war er schon aus dem Haus und Richtung Wald gelaufen.
„Nun sag schon, was lebt denn nun im Boden in einem Loch?“
„Na, ein Hob!“
„Was ist ein Hob und wie geht die Geschichte weiter?“
„Ein Hob ist ein Hob und was die Geschichte betrifft… ich glaube nicht, dass ich sie dir jetzt erzählen will. Sie scheint mir hervorragend zu sein, aber leider ist sie sehr alt.“
Ben öffnete zwar den Mund, um etwas zu erwidern, überlegte es sich aber anscheinend doch wieder anders und ging schweigend neben Galeo tiefer in den Wald hinein.
Es war noch früh am Morgen des 25. März. Im nördlichen Teil des Königreichs Herean, namentlich in Astako und ganz genau genommen im angrenzenden Vergessenen Wald, war der laubbedeckte Boden noch mit einer zarten Schneehaube bedeckt. Nur hier und dort, wo ein wenig Sonne der vergangenen Tage sich den Weg durch das dichte Blättergeflecht gebahnt hatte, war das braun-gelbe Laub vieler vergangener Herbste zu erkennen.
„Verdammt. Es ist schweinekalt“, schnaufte Galeo.
Tatsächlich war es für den Norden des Landes nicht ungewöhnlich, dass im März noch eine leichte Schneeschicht den Boden bedeckte. Doch die Kälte dieser Tage hatte selbst für diese hart gesottene Region etwas Fremdes. Der Schnee auf den Ästen drückte die Bäume herunter, was sie noch bedrohlicher aussehen ließ, als dass dies im Wald eh schon der Fall war. Ben jedenfalls machte dieser Wald bei Zeiten Angst. Obwohl er jede Woche viele Stunden in ihm zubrachte, um Holz und Nahrungsmittel zu besorgen, konnte ihn hier von einer Sekunde auf die nächste die blanke Furcht packen. Der Wald war zum größten Teil der Ernährer Astakos und es schien Ben, dass die Bäume sehr wohl um ihre wichtige Rolle für die Menschen wussten und dass sie sie nur zu gern in vollem Maße auskosteten, indem sie die Menschen von Zeit zu Zeit erschreckten. Ja, Ben würde sagen, dass der Wald lebe… und Galeo würde Lachen. Vermutlich hatte er Recht. Galeo pflegte zu sagen: „Bis ich die Bäume nicht wandern sehe, werde ich diesen Unfug nicht glauben“ und bis heute hatten sich die Bäume nicht bewegt. Zumindest nicht in Gegenwart von Ben und Galeo oder irgendwem sonst aus dem Dorf.
Nicht nur ihre Familien waren abhängig von diesem Wald, sondern förmlich jeder im Dorf. Astako lag fern ab von allen Straßen und Handelswegen des Königreiches. Wollte man es freundlich formulieren, könnte man sagen, die Menschen führten ein beschauliches Leben in sehr naturnaher Umgebung. Was manch einer wohl als wunderschön bezeichnen würde, war allerdings in der Realität ein hartes Leben, oft genug gekennzeichnet durch die Angst ums Überleben. Da eben Jenes vornehmlich durch den großen, im Südwesten an das kleine Dorf angrenzenden Wald gesichert schien, respektierten die Bewohner die Eigenheiten der Bäume. Ging man in den Wald, so tat man dies würdevoll und ruhig und man besorgte sich nie mehr, als es notwendig war. Das war eine Faustregel, deren Verletzung drastische Folgen haben konnte, wie die Vergangenheit des Öfteren gezeigt hatte. Auch wenn Galeo den Bäumen kein Leben zusprechen wollte, so war es nicht zu verleugnen, dass der Wald ein Eigenleben zu führen schien und auch über die Tiere in gewisser Art und Weise herrschte. Denn es war vorgekommen, dass, nachdem einige gierige Menschen des Dorfes zu viel gewildert hatten, wochen- ja monatelang kein Tier zu finden war. Zumindest war es so, wenn man den Geschichten der alten Frauen Glauben schenken wollte.
„Hey, Ben, sieh mal dort!“, Galeo schien ganz entzückt vor Freude. Vor Aufregung zitternd zeigte er nach rechts ins tiefe Unterholz.
„Wow… Galeo, das ist der blanke Wahnsinn. Da ist…Schnee!! Und…Bäume!“, Ben schlenderte weiter. Er hatte Galeos Euphorieausbrüche noch nie verstanden. Er wäre wahrscheinlich auch mit einem Wobalt völlig aus dem Häuschen zu bekommen. Dabei hatten sich diese kleinen, wuseligen Tierchen, die den ganzen Tag anscheinend nichts als hektisches Putzen zu tun hatten, schon zu einer kleinen Plage ausgeweitet. Sie kamen aus dem Wald ins Dorf und putzten sich dort. Und wahrlich, Ben hasste es.
„Galeo? Kommst du? Vergiss den Wobalt! Du kannst ihm im Dorf bei seinen ekelhaften Putzversuchen zuschauen! Wir brauchen das Holz!“
„Wobalt? Nein, nein. Wobei… Das wäre auch nicht schlecht. Wo du letztens schreiend davon gerannt bist, als der eine seinen….“, Galeo gluckste vergnüglich.
„GALEO!“
„Ja, schon gut. Aber das ist es nicht! Schau doch mal näher!“, Ben konnte ein verräterisches Blitzen in Galeos Augen erkennen. Es verriet nichts Gutes.
Ben war umgekehrt und lugte nun noch einmal genauer in das Unterholz. „Siehst du es?“ Tatsächlich, ein langbeiniger, schlanker Körper war im schwachen Licht der verhüllten Sonne auszumachen. „Du willst doch wohl nicht…?“ Vorwurfsvoll wanderte Bens Blick zu Galeo. Dieser grinste nur weiter verschmitzt. Galeos Hände wanderten an den Rücken.
Jetzt ist er vollkommen durchgeknallt, dachte Ben. Aufzuhalten war er auch nicht mehr. Aus eigener, leidlicher Erfahrung wusste Ben, dass Galeo, sobald er einen Bogen in Händen hielt, nicht zu bremsen war. Er war das, was Ben als „Freak“ bezeichnen würde. Ben liebte es eigene Worte zu erfinden, für einen Umstand, den die althergebrachte Sprache nur unzureichend zu beschreiben vermochte. Und eben jenes „Freak“, was wohl am besten mit „fanatisch“ zu übersetzen wäre, passte so perfekt auf Galeo, dass Ben sich selbst auf die Schulter hätte klopfen können. Galeos Vorliebe für den Bogen war so groß, wie eben sein Bogen, den er um das Schwert machte. Ben vermutete ja, dass es daran lag, dass Galeo als Kind mit dem Schwert gespielt hatte und es ihm dabei den rechten, kleinen Zeh abgetrennt hatte. Auch wenn sein Freund dem sicherlich nie zugestimmt hätte, so bezeichnete er sich selbst doch immer wieder zu gern als „körperlichen Krüppel“. Jedenfalls war er Jahre danach mal mit einem der wenigen Reisenden ins Gespräch gekommen und der hatte ihm von seinen Bögen erzählt, die er herstelle. Galeo war davon hin und weg gewesen und hatte davon ausgehend seine Liebe zum Bogen gefunden. Heute nahm er seinen ersten selbst geschnitzten Bogen überall mit hin, auch dorthin, wo er ihn natürlich nie brauchte. Im Prinzip brauchte er ihn nämlich eigentlich gar nicht. Aber er war stolz darauf, dass er bereits mit jungen sechzehn Jahren einen tadellosen Eschebogen hatte bauen können. Der jetzt drei Jahre alte Bogen hatte nur wenig von seinem alten Glanz behalten. Es war lediglich ein abgenutztes Stück Holz, gespannt durch eine schmierige Hanfschnur, die nicht einmal richtig spannte. Aber er war stolz darauf. Nur würde er damit niemals ein Tier auch nur ansatzweise treffen. Das war Ben sehr genau bewusst, sodass er die folgende Szene mit völliger Gelassenheit und einem hämischen Grinsen im Gesicht hinnahm. Das Reh war so sicher, wie es nur eben ging in einem Wald.
Galeo, im Schnee sanfte Fußspuren hinterlassend, verließ den sich windenden Pfad und machte einige langsame Schritte auf das Reh zu. Dieses fraß noch immer völlig unbekümmert an der nassen Rinde eines Baumes, an der der Schnee durch die wenigen Sonnenstrahlen erwärmt worden war. Sein Ohr zuckte nervös. Galeo hielt inne.
Das sieht derartig dämlich aus, dachte Ben, dass er es wirklich ernst meinen muss. Er überlegte kurz, ob er nicht einfach mal eine dumme, aber vor allem laute, Frage an Galeo stellen sollte, damit das Reh aufmerksam wurde. Er entschied sich dann aber doch dagegen, weil er in Galeos Unvermögen grenzenloses Vertrauen hatte. Dieser tat nun einige weitere Schritte, wobei er mit den tief hängenden, toten Zweigen einer alten Tanne kämpfte. Diese brachten ihn schließlich leicht aus dem Gleichgewicht. Er drohte hinterrücks auf seinem Allerwertesten zu landen, doch in letzter Sekunde krallten sich seine Hände an den Stamm und er konnte einen Sturz und den unweigerlich folgenden Lärm verhindern. Erleichtert seufzte er einmal tief und machte einen Schritt nach vorn, um sich sicheren Halt zu geben. Dabei verfing sich jedoch sein Bogen in den oberen Zweigen, was einen Nadelregen für Galeo bedeutete, der daraufhin unvermittelt aufjohlte. Das Reh hob kurz den Kopf obgleich des Lärms und machte sich postwendend davon. Galeo jaulte auf und setzte kurz entschlossen dem Reh nach.
Ich hätte es wissen müssen, dachte Ben. „Galeo! Warte verdammt noch mal!“ Und schon war er ins Unterholz gesprungen und hechtete von einem freien Platz zum nächsten. Zweige, Nadeln und Schnee stürzten auf ihn ein, doch er ließ sich nicht beirren. Abseits der Wege war es im Wald durchaus nicht ungefährlich und er wollte, wenn es eben ging, noch mehr Unannehmlichkeiten heute vermeiden. Und Galeo allein irgendwo im Wald war mit Sicherheit eine solche Unannehmlichkeit. „Eins muss man ihm lassen… Rennen kann er“, stöhnte Ben. „Galeo! Wa(aaha)rte!
Ben blieb stehen. War das nicht gerade ein Schrei gewesen? Er konnte auch Galeos lautes Durch-den-Wald-Poltern nicht mehr hören. Nun ging er vorsichtig weiter voran, bis er ein Wimmern vernehmen konnte. „Galeo?“
„Ich bin hier. Hilfe!“, die Stimme zersprang fast vor Selbstmitleid.
„Wo?“, es war niemand zu sehen. Im Wald herrschte nach dem Aufruhr nun absolute Stille. Sogar die Vögel schienen ihr Lied über dem Spektakel vergessen zu haben.
„Na, hier unten du Trottel! Ich bin in diese Mördergrube gefallen!“
Noch ein paar Schritte und Ben konnte ihn sehen, wie er da in sich zusammen gesunken mit verkreuzten Beinen dasaß und in seinen Händen einen zerbrochenen Bogen hielt.
„Was fällst du auch immer in irgendwelche Löcher? Schau, jetzt hast du deinen Bogen zerbrochen. Wäre es wenigstens irgendein wichtiges Körperteil gewesen.“
„Sehr witzig! Ich lache dann nachher. Immerhin wohne ich nicht darin….Hey, was ist denn das?“, Galeo warf den in zwei Teile zerbrochenen Bogen beiseite und warf sich nach vorn. Auf allen Vieren krabbelte er einige Ellen und schob ein paar braune Blätter beiseite. Plötzlich hielt er ein frühlingsgrünes Blatt in Händen.
„Wie kann das sein? Grün? Noch kein Baum hat seine ersten Blätter in diesem langen Winter?“, warf Ben skeptisch, aber höchst interessiert ein.
„Es ist kein Blatt“, flüsterte Galeo. „Schau nur! Es ist rund und flach. Da sind kleine Verzierungen und Zeichen in einer Sprache, die ich nicht verstehe.“
Ben kletterte in die etwa vier Ellen tiefe „Mördergrube“, wiegte das Ding in seinen Händen und betrachtete das grüne Etwas ebenfalls näher. „Nein, die Zeichen kann ich auch nicht lesen. Sie haben keinerlei Ähnlichkeiten mit einer unserer Sprachen. Ob es wohl wertvoll ist?“
„Keine Ahnung! Aber ich nehme es mit. Es kann auf jeden Fall nicht schaden!“







[b]1. Kapitel [/b] ~~~ Träume ~~~

[i]„Aus den Träumen von gestern, werden manchmal die Alpträume von morgen.“
(Zitat nach ‚Vor den Hagen’, Hob- Autor)[/i]

Die Nebelschwaden verdichteten sich zunächst, bis ihr eigenes Grau sich verformte: krankhaft, schmerzlich. Aus dem Grau schälte sich mit wachsender Kraft das dunkle Grün der Natur. Nur die Ränder blieben grau erhalten. Er erkannte einen Wald; einen schrecklich verformten, dunklen und schwarzen Wald. Jeder Hauch von Grün, der ihm eben noch den Eindruck eines gesunden Waldes vermittelt hatte, war verschwunden. Wenn er genauer hinschaute, waren die Bäume vielmehr schmerzlich verzogene Nebelschwaden: unstetig, unruhig, unheimlich. Ein geheimnisvoller Blitz durchzuckte für den Bruchteil einer Sekunde die Szenerie und öffnete ihm den Blick für eine kleine Stelle irgendwo tief in diesem gigantischen Wald. Von irgendwoher kam ein stetiges, ruhiges und behagliches Licht, doch es war schwach und mühte sich vergeblich gegen das Grau. Er trat näher heran und konnte das kräftige Grün des Grases und der Bäume beinahe schmecken. Ja, es schmeckte grün und es war herrlich. Das Licht erlosch.
Schwärze umfing ihn. Nicht einmal der graue Nebel war ihm geblieben. Undurchdringliche, unbeschreibliche Finsternis wog ihn schwankend hin und her. Er konnte nicht sagen, ob er stand, schwamm oder flog. Es war Nichts um ihn und er war Nichts inmitten dieses allfassenden Dunkels. Dann donnerte etwas von oben… war es oben? Er konnte es nicht sagen. Genauso hätte es aus der Erde kommen können… Es donnerte etwas an ihm vorüber. Ein schmaler, goldener Lichtstreifen so schien es ihm zunächst. Zu seiner Überraschung und Freude flogen immer mehr dieser wundersamen Streifen durch das Schwarz und eröffneten ihm, je stetiger sie fielen oder flogen, ein Bild. Ein ungenaues Bild, nur verschwommen durch den Regen von Licht und Schatten sichtbar. Er erkannte einen Baum. Nicht die Art von Baum, die er zuvor im Nebelgrau gesehen hatte. Dieser Baum war tot und allein. Die Erde auf dem er einst gewachsen war, war rostig rot und schwarz zugleich. Nichts als schwarze Erde und weit entfernt eine Bergkette. Der Schimmerregen fiel an einer Stelle stärker. Die Wurzeln des Baumes blühten kurz auf. Ein starkes Licht versuchte die Dunkelheit des Ortes zu durchschneiden. Kraft! Das Licht erlosch.
Strahlende Helle! Als Galeo die Augen aufschlug, wurde er von dem gleißenden Licht draußen geblendet. Der Schnee bedeckte noch immer den Waldboden in Astako und die tief stehende Sonne reflektierte ihr junges Licht in alle Himmelsrichtungen. Galeo schlug die Augen wieder nieder und drehte sich um. In seinem warmen Bett war es alle mal besser auszuhalten als dort draußen. Schnee war ja schön und gut. Aber nicht im März! Wobei er sich tief in seinem Inneren zugestehen musste, dass er froh war, dass der Schnee und das Licht ihn geweckt hatten. Das Tageslicht war ihm dann doch lieber als diese undurchdringliche Finsternis aus seinem Traum. Es war jetzt bereits der vierte Tag nacheinander, dass er unter solchen und ähnlichen Alpträumen litt. Doch es war das erste Mal, dass sich ein Traum wiederholte. Das hatte er noch nie erlebt. Im Grunde war ihm bis vor wenigen Tagen noch nicht einmal bewusst gewesen, dass er überhaupt träumte. Während alle anderen jeden Morgen aufs Neue mit einem fröhlichen „Du errätst nie, was ich heute Nacht geträumt habe! Hoho!“ begannen, konnte er immer, nicht ohne Stolz obgleich seiner Einzigartigkeit, betonen, er wenigstens habe heute Nacht nicht geträumt. „Du bist krank, mein Sohn. Hoho! Träumen ist das Atmen der Nacht!“, war die stetige Antwort und wie in einem alten einzuhaltenden Ritual antwortete Galeo miesmutig: „So wunder ich mich jedes Mal, warum ich die Nacht überlebt habe.“ Seine Gegenüber glucksten dann immer vergnüglich und begannen schließlich ihre ausufernden Traumgeschichten zu erzählen.
Alles Mumpitz, dachte Galeo. Und überhaupt, wer hat den Morgen eigentlich erfunden? Ich hasse ihn. Und wie um seine Worte zu unterstreichen drehte er sich im Bett nochmals um, zog die doppelt übereinander gelegten Felle (im März!!!) näher zu sich und hoffte, dass das ganze Dorf ihn an diesem Morgen vergaß. Heute konnte ja mal alles anders sein. Immerhin hatte er geträumt.
„Galeo!“ Er öffnete die Augen ein Schlitz weit. „Galeo!!!“ Er schloss die Lider wieder. “GALEO!!!”
Jetzt war es aus. Seine Mutter, ein laufendes Chaos, wie er fand, stand neben seinem Bett. Plötzlich spürte er einen Druck auf seinem großen Zeh und er jaulte auf, als ob ihm jemand einen Pfeil in seine tiefsten Eingeweide geschossen hatte. „Maaaa“, es war mehr ein Schrei als eine Bitte. Seine alte Kriegsverletzung war immer wieder das gern gesuchte Ziel seiner Mutter.
„Mein lieber Sohn! Was haben wir heute für einen Tag?“
„Ich…ich weiß nicht? Ich denke heute ist ein Tag später als gestern und zwei Tage früher als übermorgen. Ich glaube nicht, dass das schlimm ist?“
Die Lippen seine Mutter bebten. Ihre dunklen Augen glitzerten vor Zorn. Es war nicht die Zeit um Späße mit ihr zu treiben.
„Es ist der Dritte des Mondlaufs, irgendwann viel zu früh morgens“, leierte Galeo herunter.
„Und?“, ihre Hand glitt für Galeos Empfinden wieder viel zu nah an seinen großen Zeh.
„Und…heute…ist Marischen- Fest?“, seine Augen strahlten. Wie konnte er das nur vergessen haben? Traditionell fand am ersten Vollmond des dritten Mondlaufs das Marischen- Fest statt. Es war eine heilige und heidnische Tradition (die Drei war eine heilige Zahl, der Vollmond aber ein heidnische Symbol voller Lebenskraft) in Astako, dass man sich am diesem Abend mit einem großen Feuer unter dem angeblichen Spross des Weltenbaumes von den Wintergeistern lossagte. Im Prinzip sollte es lediglich ein Überbleibsel aus längst vergangenen Zeiten sein, waren doch die Geister seit Goads Erkenntnis auf Erden vertrieben.
„NEIN!“, fauchte seine Mutter. „Das Marischen- Fest wurde schon vor einer Woche abgesagt. Wie sollen wir die Wintergeister verabschieden, wenn sie sich momentan bei uns häuslich eingerichtet haben? Du solltest wissen, dass man Naturgeister selbst gewähren lässt und nur reagiert. Dränge niemals einen Naturgeist!“ Dieser Ausspruch bestätigte Galeo abermals darin, dass die Mission im Namen Goads, nämlich den Glauben auszutreiben, in Astako nur auf wenig fruchtbaren Boden gefallen war. Obwohl bereits Generationen verstrichen waren, lebte der Glaube an die Geister uneingeschränkt weiter.
Seine Mutter fing plötzlich an in ihren Taschen zu kramen, fand anscheinend was sie suchte und eilte durch die Tür hinaus.
Galeo schaute ihr mit leicht schüttelndem Kopf hinterher. Wenn er es nicht besser wüsste, würde er sagen, seine Mutter sei dezent konfus. Doch er wusste es besser und auch wenn sie so manches Mal ein etwas unkoordiniertes Verhalten an den Tag legte und das Eine und das Andere gerne mal vergaß, so schwebten die wichtigen Dinge doch immer wie eine dunkle Wolke über ihren Kopf und zur richtigen Zeit, fuhr ein kleiner Blitz aus dieser Wolke auf sie nieder und schlagartig wusste sie, was zu tun war. Es wäre ein faszinierendes Phänomen gewesen, wenn es Galeo nicht des Öfteren zur Weißglut gebracht hätte und stetig bringen würde. Dinge, die ihn betrafen, verwandelten sich nämlich mit Vorliebe, so schien es ihm, in kleine Blitze.
„Galeo, was ich vergessen hatte, du Tollpatsch!“, keifte es gut hörbar aus dem anderen Ende des Hauses. „Du stehst jetzt sofort auf und begibst dich zur Mühle. Wir brauchen das Mehl für diesen Monat. Es ist der Dritte, wie du ja schon selbst erkannt hast.“ Sie ließ die Tür nach außen mit einem endgültig wirkenden „Rumms“ in den Rahmen fallen. Der Tag war für Galeo gelaufen.

Allen Widrigkeiten zum Trotz hatte er nach geraumer Zeit an den Frühstückstisch geschafft, der ihm allerdings wenig Erquickendes zu bieten schien. Außer altem Brot und den letzten Resten eingemachter Marmelade, deren genauer Inhalt ein Geheimnis seiner Mutter war – Galeo schätze, dies beruhe auf der Tatsache, dass sie einfach keine richtige Marmelade machen konnte – bot der Tisch nichts, um den ganz anscheinend katastrophalen Tag in ein positiveres Licht zu tauchen. Galeo verzog gerade obgleich der sich unregelmäßig bewegenden Marmelade das Gesicht, als sein Vater, ein gestrenger Mann, den Raum betrat. Er schien im Gegensatz zu seinem Sohn kein bisschen verschlafen und ebenso wenig schlecht gelaunt. Sein Tischlerberuf hatte ihn zu einem Hünen von Mann gemacht, der aber nicht nur durch seine Statur, sondern auch durch eine gehörige Portion geschickten Denkens beeindruckte. Das war Galeo sehr wohl bewusst und er war nicht wenig stolz auf seinen Vater, der hohes Ansehen im Dorf besaß, doch erging es ihm irgendwie mit seinem Vater ähnlich wie mit seiner Mutter, in Bezug auf ihren Sohn waren beide äußerst streng und setzen ihm immer wieder zu.
Doch heute Morgen schien sein Vater bester Laune. Galeo schätze, es lag an den wenigen Sonnenstrahlen heute.
„Du errätst nie, mein Sohn, was ich heute Nacht geträumt habe.“ Sein Vater setze sich, schnitt sich ein viel zu dickes Stück Brot ab und schob es schier in seinen Mund. Dabei schaffte er es noch seinen Sohn schelmisch anzugrinsen.
„Ach du meine Güte… jetzt geht das wieder los“, seufzte sein Sohn und biss vor lauter Erschütterung bedenkenlos ein großes Stück des Brotes ab.
„Ich war nämlich ziemlich weit entfernt von hier. Jetzt, wo ich es sage, scheint es mir, als dass ich in Epirus war.“, er schaute schmatzend an die Decke und tat so, als musste er überlegen. „Ja, doch, es war die Allee von Epirus. Und du errätst nicht, was mir dort passiert ist...“
Galeo verdrehte die Augen. „Es wird schon nicht so schlimm gewesen sein…“, sagte er und fügte leise hinzu: „Anders als bei mir.“
„Bitte was? Ich mag ja so langsam alt werden und irgendwann wirst du kräftiger und vielleicht klüger sein als ich, mein Sohn, aber ich bin nicht taub.“, seine plötzlich ernsten Augen durchbohrten seinen Sprössling.
Dieser verfluchte sein Plappermaul. Er sollte endlich lernen seine Gedanken vom Reden zu trennen, aber es gelang ihm stets nur mangelhaft. Er konnte nun nicht mehr als ein grummliges Brummen von sich zu geben. Es wusste nicht, was er sagen sollte. Die Wahrheit war kategorisch ausgeschlossen.
„Nun?“, sein Vater schien neckisch und besorgt zugleich zu schauen, aber in jeden Fall bestimmt, eine Antwort zu erhalten.
„Ach Paps, du hast so Recht. Irgendwann werde ich kräftiger und klüger sein und auch taub bist du sicherlich nicht. Aber ich fürchte, dass du auf dem besten Weg zur Schwerhörigkeit bist. Ich bin gespannt, ob deine anderen Vorraussagen auch so schnell eintreffen werden.“, Galeos blaue Augen blitzten die ur-braunen seines Vaters an.
„Seit wann murmelst du dir dann etwas in deinen nicht vorhandenen Bart?“, frotzelte ihn sein Vater.
„Seit dem mein Vater langsam vergesslich wird und mir innerhalb zweier Wochen bereits das dritte Mal versucht den gleichen Traum aufzutischen. Du wirst unglaubwürdig, Paps!“, Galeo stand auf, selbst beeindruckt von seinem geschickten Ausweichmanöver, klopfte seinem Vater tröstlich auf die Schulter, als ob dieser eine Schlacht verloren hätte, und ging hinaus. Eine Schlacht war immerhin gewonnen, doch der Krieg dieses Tages schien dennoch verloren. Nach ein paar Schritten an der frischen Luft war seine gute Laune wieder verzogen.

Zu allem Überdruss begann es an diesem Morgen auch noch wieder zu schneien. Nicht genug damit, dass das Marischen- Fest ausfallen würde – wie hatte Galeo das nur vergessen oder besser: verdrängen können? – nein, die Naturgeister schienen die Menschen von Astako auch noch mit weiterem, entsetzlichen Schnee plagen zu wollen und wenn sie es nicht waren, so war es halt wer anders und wenn es nur die von Goad so genannten „Mulekole“ waren. Dem Jungen war es egal. Was interessierte ihn die Ursache? Die Wirkung und das Ergebnis war es, was für den Menschen zählte. Es war Galeos tiefste Überzeugung, dass ein Mensch allein nie alle Ursachen zu kennen vermochte und trotzdem, so dachte er, muss der Mensch doch glücklich leben können. Der Schluss war also, dass man sich um das große Ganze nicht zu sorgen brauchte, solange man mit den Gegebenheiten im wahrsten Sinne des Wortes zu Recht kam.
Und als ob Galeo sich dem drohenden Wetter mit seinen tief hängenden, mit unzähligen Schneeflocken voll gestopften, grauen Wolken ergeben wollte, stapfte er mit miesmutigem Gesicht und durch das Gewicht des großen Getreidesackes auf seinem Rücken tief gebeugt, durch das fast verlassene Dorf. Es wäre ja auch zu viel verlangt gewesen, wenn die gemeinsame Mühle des Weilers zumindest in der Nähe seines Heimathauses gestanden hätte. Stattdessen war es ein viertelstündiger Fußmarsch bis ans andere Ende des Ortes, wo der Fluss Leben sich sein Bett gesucht hatte.
Das Wort „Dorf“ beschrieb Astako dabei im Grunde nur unzulänglich. Vielmehr war es eine Häuserschaft, eine Ansammlung von mehreren, recht einfach gebauten Hütten, die den Menschen im Sommer, wie im Winter den nötigen Schutz vor der Witterung boten. Es waren ihrer im Endeffekt vielleicht fünfzehn solcherlei Gebilde.
Doch die Menschen hier störte ihre Situation eigentlich wenig. Selbst wenn Galeo manchmal daran dachte, in die weite Welt zu ziehen und einmal richtige „Städte“ zu sehen, oder zumindest das, was er sich darunter vorstellte, so besann er sich später doch immer wieder zurück auf seinen Geburtsort und sagte sich, dass das Leben hier doch im Prinzip alles böte, was der Mensch zum Leben brauche. Das war ihm dann auch wohl ernst und so Unrecht hatte er nicht. Die Dorfgemeinschaft war von alters her so organisiert, dass die Menschen miteinander lebten, anstatt gegeneinander. Für Galeo war dieser Umstand selbstredend, doch hatte er gehört, dass dies vor allem in größeren Städten wie Rhun oder Epirus eben nicht selbstverständlich war. Für die kleine, abgelegene Ortschaft Astako war diese Struktur aber die einzige Überlebensmöglichkeit. Es gab genau eine Bäckerei, eine Gastwirtschaft, eine Molkerei, einen Tischler und bis vor kurzem auch einen Schmied. Durch Tauschhandel fanden die verschiedenen Produkte so auch immer ihren zugedachten Empfänger. Natürlich bedurfte es darüber hinaus der Eigenversorgung. So benutzte natürlich die Bäckerei die Mühle am meisten, jedoch war es nicht unüblich für die Haushalte sich in gewissem Rahmen eigenes Mehl herzustellen. Ebenso war es für jeden Hof selbstverständlich einen eigenen Garten und ein Stück Land zu bewirtschaften, um davon auch in schlechten Zeiten zehren zu können. Dieses Prinzip sorgte zwar nicht für eine Luxusgesellschaft, aber das Leben gestaltete sich friedlich und einfach.
Astako lag darüber hinaus im Schatten des Vergessenen Waldes, der mit seinen Pflanzen und Tieren das Dorf im Notfall praktisch alleine versorgen konnte. Anderseits lag unweit entfernt der Nebelsee, der gespeist wurde vom Fluss Leben, dessen Name eine doppeldeutige Anspielung einerseits auf den „Lebensspender“ Fluss darstellte und zum anderen die Umkehr des „N-e-b-e-l“s beim See charakterisierte. Der Fluss war ein friedfertiges, vollkommen nebelloses Gewässer. Der See dagegen schien reichlich abstoßend. Es konnte herrliches Wetter im ganzen Königreich Herean sein, doch über dem See hielt sich vehement und mit ungeheurer Kraft ein Nebelgebiet, welches zumeist alle Versuche, auf den See hinaus zu fahren, unterband. So sagte man doch auch dem See unheimliche Kräfte zu. Galeo empfand dies zwar als genauso großen Unsinn wie beim Vergessenen Wald, doch wäre auch er niemals bei dichtem Nebel auf den See hinaus gefahren. Ihm tat es eine Vielzahl von Menschen gleich, sodass es kaum Fische aus dem See gab. Außerdem war Fischen seit einiger Zeit sowieso nicht mehr möglich, denn seitdem der Winter bereits im November mit voller Kraft den Norden des Landes in seine unerbitterlichen Klauen genommen hatten, war der See stets zugefroren gewesen und bis heute noch nicht wirklich aufgetaut.
So blieb Galeo im Grunde der Gang zur Mühle nicht erspart, da der Getreidemeister die Menschen bereits gebeten hatte, etwas mehr für sich selbst zu sorgen. Die Vorräte in krisenhaften Zeiten neigten sich bedenklich schnell dem Ende. Und Galeo konnte in eben diesen dürftigen Tagen nicht noch einmal erwarten im Vergessenen Wald einem Reh zu begegnen, wie dies letztens der Fall gewesen war. Schicksalsergeben und tief in Gedanken versunken, ging er also voran, während der Schneefall mehr und mehr zunahm.
Es waren zu dieser morgendlichen Stunde nur wenige Menschen des Dorfes auf den Beinen. Er begegnete lediglich dem Bauern Magoté, der seinen Kühen zum Frühstück das wenige Heu brachte, welches er noch übrig hatte.
„Es wird Zeit, dass der Frühling sich blicken lässt“, hatte er Galeo zugerufen und dieser war erschrocken hochgefahren. Schneeflocken flatterten in sein Auge.
„Wem sagst du das, Magoté? Ich habe dieses elende Weiß auch endgültig satt. Meinetwegen kann der Winter nächstes Jahr eine Pause einlegen.“
Der Bauer hatte freudlos aufgelacht. „Ich glaube nicht, dass er dir diesen Gefallen tun wird. Mein kleiner Zeh sagt mir, dass etwas Böses im Anmarsch ist.“
„Etwas Böses?“, hatte Galeo misstrauisch gefragt. Wenn er etwas an diesem Dorf hasste, dann seinen unerträglichen Aberglauben.
„Ach, frag mich nicht. Ich bin nur ein armer Bauer. Ich weiß von nichts und doch sagt mir mein kleiner Zeh…“, er hatte danach abgebrochen, den Kopf geschüttelt und gesagt, er müsse jetzt die Kühe füttern. „Noch mehr tote Kühe kann ich mir nicht leisten.“ Tatsächlich waren ihm diesen Winter einige erfroren und hatten den ansonsten angesehenen und gut ausstaffierten Bauern in arge Bedrängnis gebracht.
Kurz darauf hatte Galeo noch den Schmied und Neu-Bauern Modon getroffen, wie er eine kümmerlich kleine Menge Hafer zu seinen zwei Pferden transportierte. Ihm hatte bereits das vorletzte Jahr übel mitgespielt, als er seine Frau durch einen Blitzschlag und seine Schmiede in der Folge durch seine Trauer verloren hatte. Er war ein bemitleidenswerter Mensch, den Galeo seitdem kaum mehr Lächeln sah und heute nur noch zwei Pferde besaß, die er ab und zu gegen kleine Entgelte verlieh. Neben seinem kleinen Ackerstück war dies seine einzige Einnahmequelle. Er hatte Galeo nicht bemerkt und dieser war seinerseits nicht darauf erpicht gewesen, ein Gespräch mit ihm anzufangen. So war er zügig vorbeigegangen.
Einen weiteren Menschen traf Galeo auf seinem Weg und dies war zugleich der seltsamste Typ, den er je gesehen hatte. Er war komplett in einem grau-silbernen Umhang eingehüllt und nur sein kaltes Gesicht lugte unter einer großen Kapuze hervor. Der große, hagere Mann war augenscheinlich nicht von hier, aber Galeo zweifelte sogar daran, dass er überhaupt aus dem Königreich Herean kam. Er vermochte es nicht genau zu beschreiben, aber eine mehr als merkwürdige Unwirklichkeit umgab diesen doch auf irgendeine Weise faszinierenden Mann. Eine fragwürdige Aura ging von diesem silbernen Herrn aus. Galeo überkam das Gefühl, dass er eigentlich kein Gespräch mit diesem Menschen führen wolle. Inbrünstig betete er zu Yddras, dass er ihn nicht ansprechen würde.
„Entschuldigen sie, mein Herr?“, krächzte die raue, starke und dunkle Stimme des Mannes, die irgendwie widersprüchlich zum eher knochigen Äußeren des Mannes stand.
Galeo, den Kopf tief gesenkt, entschied sich dazu, diese Anrede überhört zu haben. Er trottete weiter, bemüht ein möglichst abwesendes Gesicht zu machen. Was war so seltsam an diesem Mann? Er schien doch nur ein Wanderer zu sein, der, nebenbei bemerkt, gewisse Manieren besaß.
„Junger Freund?“, die diesmal laut und kräftig ertönende Stimme erfasste Galeo und ließ ihn stoppen. Obwohl er sich später selbst ohrfeigen konnte für diese törichte Tat, blickte er erwartungsvoll auf zu dem Fremden und sagte: „Ja bitte?“
„Ich wünsche die heutige Nacht in diesem… beschaulichen… Dorf zu verbringen.“, entgegen der höflichen Sprechweise, behielt er unanständiger Weise seine Kapuze auf. Galeo konnte nur das feine, weiße Gesicht mit den funkelnden Augen erkennen, die scharf auf ihn gerichtet waren. Ein Schauer überkam ihn. „Gibt es hier eine Möglichkeit für Reisende zu einem erschwinglichen Preis unterzukommen?“
Galeo nahm den schweren Getreidesack von seiner Schulter, richtete sich auf und versuchte annähernd so groß und würdevoll zu wirken, wie der Mann. Es gelang ihm nicht.
„Sie reisen? Bei diesem Wetter? Was treibt sie in unser Dorf?“, es war wieder einer diese Momente wo Galeo später an seinem eigenen Verstand zweifelte. Ihm schien es fast, als ob dieser Gegenüber ihm die Gedanken noch im Kopfe herumdrehte, sie verzwirbelte und nach seinem Gutdünken veränderte. Es gefiel ihm nicht.
„Es tut mir Leid, aber ich fürchte meine Angelegenheiten sind meine Sache und gehen sie nichts an. Ich würde sie bitten, meine Frage zu beantworten!“, die Stimme klang diesmal weder stark, krächzend noch höflich. Sie war lediglich so eisern und kalt, wie der Blick dieses Mannes auf Galeo ruhte.
„Entschuldigen sie. Es ist nur… Wir haben so selten Besuch.“, wand sich Galeo heraus. „Aber sie haben Glück, wir haben eine kleine Taverne in dieser Richtung, die auch zwei Zimmer vermietet. Dort werden sie Unterschlupf finden.“ Er zeigte unsicher in die Richtung, in der die kleine Taverne stand.
„Ich danke ihnen vielmals für die Auskunft!“
Da traf es Galeo wie ein Blitz während eines schweren Gewitters. Er hatte damit gerechnet, aber es nicht erwartet. Denn kaum hatte sich der verwirrende Blick des Mannes vom ihm gelöst, schienen seine Gedanken wieder atmen zu können und dieses wirre Etwas in seinem Kopf schien sich aufgelöst zu haben. Da überkam ihn ein Gedanke an den Bauern Magoté, wie er von „dem Bösen“ gesprochen hatte. Die böse Aura dieses Mannes strich ihn, wie ein eiseskalter Windzug im Winter. Er fröstelte kurz, dann war das Gefühl verschwunden.
Der Mann schritt mit knirschenden Schritte, obgleich des Schnees unter seinen Füßen, in die gezeigte Richtung davon und ließ sich nicht anmerken, ob er Galeos Gedanken noch gelesen hatte oder nicht.
Für den Jungen stand fest, dass er heute Abend im Tanzenden Pony mit Sicherheit kein Bier trinken würde.

Als Galeo wenig später schließlich die Mühle erreichte und die leicht morsche Treppe ins Obergeschoss erklommen hatte, traf ihn endlich der erste Lichtblick – nicht Blitz - des Tages. Auf der anderen Seite der mit unzähligen Spinnenweben durchgezogenen Wassermühle stand Ben, der gerade seinerseits einen wuchtigen Sack Getreide in die kleine Vorrichtung kippte, die das Korn über eine für Galeo unverständliche Konstruktion zwischen die zwei großen Mühlsteine transportierte.
„Guten Morgen, Galeo“, ertönte laut Bens Stimme, um das Krächzen der Mühle und des Wasserrades zu übertönen.
„Morgen. Woher wusstest du, dass ich es bin?“, sagte Galeo skeptisch und stellte seinen Sack in die Ecke.
„Nur einer kann so laut stöhnend und stampfend hier herauf kommen“, spottete Ben und lachte vergnügt auf.
Galeo entschied, nicht weiter auf die Sticheleien seines Freundes einzugehen. Dass es so das Beste war, hatte er schon vor einiger Zeit erkannt. Denn ließ er sich darauf ein, so kam stets nur eines dabei heraus: Eine herbe Niederlage für Galeo. Irgendwie war Ben wohl etwas wortgewandter, sodass er Galeos Worte nicht nur einmal mitten in einem Streit so verdrehen und austauschen konnte, dass Galeo am Ende selbst gar nicht mehr wusste, was er gesagt, geschweige denn, welche Meinung er eigentlich vertrat.
Vielleicht hing es damit zusammen, dass Bens Mutter die Gelehrte des Dorfes war. Das bedeutete, dass sie zusammen mit dem Ältesten und einem gewählten Mitglied des Dorfes den Rat des Dorfes bildeten, der alle wichtigen Entscheidungen, die das Dorf anbelangte, zu treffen hatte. Galeo hatte höchsten Respekt vor Bens Mutter und vor allem vor deren Wissen. Erst Recht, seitdem sie auch die wöchentlich stattfindenden „Horas“ leitete. Dies waren Weiterbildungsstunden für den Nachwuchs des Dorfes, in denen Traditionen wie das Marischen- Fest oder Phänomene wie die Naturgeister erläutert und weitergegeben wurden.
Im Gegensatz zu Bens eher „geistiger“ Familie, war Galeo dagegen praktisch orientiert. Sein Vater war ein exzellenter Handwerker und fertigte im Alleingang alle wichtigen Möbel und Häuser im Dorf. Er war ein strenger Mann und immer darauf bedacht, seinem Sohn Ordnung und Arbeit beizubringen. Galeo empfand dabei schon ein wenig Stolz, denn er hatte bereits eine Vielzahl von Techniken des Vaters gelernt und, wie er fand, teilweise sogar schon verfeinert.
Nur diese Mühle, die sein Vater vor vielen Jahren der Dorfgemeinschaft gebaut hatte, die hatte Galeo noch nie recht verstanden. Es war ihm ein Wunder, wie der kleine Fluss das Wasserrad in Bewegung setzen konnte, welches seinerseits dann wieder diese zwei riesigen Mühlsteine zu drehen vermochte, die das Getreide so fein zerkleinerten, dass man am Ende das begehrte Mehl erhielt.
Galeo wurde durch Bens Stimme aus seinen Gedanken gerissen.
„Sag mal, hast du heute morgen auch von diesen Neuankömmlingen gehört?“, er setzte den inzwischen zweiten Sack an.
„Mehrere? Nein, gehört habe ich davon noch nichts, doch habe ich einen auf dem Weg hierher getroffen.“, gab Galeo möglichst gleichgültig zurück. Es war nicht ungewöhnlich, dass Fremde Astako passierten. Es war an der Nordgrenze Hereans neben Epirus das letzte Dorf vor der Grenze und letzteres lag beträchtlich weiter im Osten. Wanderer zwischen den Königreichen machten daher häufiger hier halt. Zumindest war das die offizielle Variante, für die sich Galeo nun entschieden hatte. Alles andere, so sagte er sich, war doch nur Weibergewäsch.
„Und?“
„Was ‚und’? Er war ein ziemlich unsympathischer, komischer Kauz, wenn du mich fragst. Aber du weißt so gut wie ich, dass viele dieser Königswanderer komische Käuze sind. Beeil dich mal lieber mit deinem Reinschütten da.“
„Es läuft so schnell es geht, aber bei Trichtern dauert das nun mal.“, erwiderte Ben und wurde dann nachdenklich. „Ich rede nicht von Königswanderern. Es sind zwei Soldaten des Königs von Herean hier gestern Nacht aufgetaucht.“
„Dann haben wir gleich drei Neuankömmlinge. Denn der Kerl, den ich gesehen habe, war mit Sicherheit kein königlicher Soldat oder ich bin ein Wombat.“
„Dann wollen wir hoffen, dass du Recht hast, sonst fang schon mal gleich an deinen…dich zu putzen“, kicherte Ben.
Bleib ruhig, Galeo, sagte er sich. Zwei Sticheleien am Morgen waren zu ertragen. Einfach nicht darauf reagieren.
„Ich fand ihn nicht besonders witzig.“
„Den Witz? Ich schon!“
„Dummkopf! Diese seltsame Gestalt. Auch wenn es natürlich nichts Ungewöhnliches ist, irgendwie war der Typ nicht ganz astrein. Ich meine, wer rennt schon in einem silbernen Anzug durch die Gegend?“
„Du hast ja Recht, das klingt mehr nach einem großen Spinner, als nach einem Soldaten. Von Leuten, die in silbernen Umhängen durch die Gegend laufen, hab ich jedenfalls noch nie was gehört.“
„Und was war jetzt mit den Soldaten?“, fragte Galeo.
„Was soll schon mit ihnen sein? Zwei von ihnen sind heute Morgen angekommen und haben sich das eine Zimmer im Gasthaus genommen. Keiner weiß so genau, was sie hier eigentlich wollen. Es muss schon einige Zeit her sein, dass Leute des Königs bei uns hier im Dorf waren. Aber ich finde es absolut aufregend. Ich würde diese Kerle gerne mal genauer kennen lernen.“ Ben war nicht mehr zu halten. Er schwelgte von den tapferen Taten der königlichen Wache in den vergangenen Kriegen gegen Mawa, den stolzen Rüstungen der Rittern und der umwerfenden Fähigkeiten der Leute mit ihren Pferden, ihrem superben Schwertkampf gar nicht erst zu sprechen.
Schlimm genug, fand Galeo, dass Ben von einer sprachlichen Ohnmacht in die nächste fiel, obgleich dieser angeblich so wahnsinnig tollen Soldaten, nein er ließ auch noch absichtlich, da war er sich ganz sicher, die beeindruckenden Bogenkünste der berittenen Kämpfer weg. So war der Vortrag für ihn kaum mehr zu ertragen und er war froh, als Ben endlich den Getreidesack absetzte und sich anschickte nach unten zu gehen, um dort das fertige Mehl in Empfang zu nehmen. Falls er vorhatte ihn von unten noch weiter voll zu quatschen, so war er zumindest in der Lage die Falltür zu schließen, sodass er nicht mehr als entferntes Grummeln hören würde.
Doch er brauchte keine weiteren Maßnahmen ergreifen. Ben beendete seinen Vortrag mit einem sehnsüchtigen Seufzen und machte sich gedankenverloren auf den Weg nach unten, während Galeo langsam mit seiner Arbeit begann.

Es war ein Traum. Er wusste, dass es ein Traum war, doch konnte er ihm nicht entfliehen. Und im ersten Augenblick wollte er ihm auch gar nicht entfliehen. Wenngleich die Tatsache, dass er schon wieder am Träumen war, zunächst Furcht einflößend war, so beruhigte ihn doch die Szenerie, die sich vor seinen Augen abspielte. Die schrecklich konturlosen, nichts sagenden, unmenschlichen Visionen der letzten Träume waren fortgewischt und er tauchte in eine wirkliche, menschliche Welt ein. Er befand sich in einer großen Kirche, die prächtig geschmückt und voller Menschen war. Sein Blick schwebte über sie alle hinweg und richtete sich vorne am Altar auf ein glänzendes Paar. Der Mann trug eine Krone, die Frau war in strahlendes Weiß gekleidet. Die Gesichter der Menschen hellten sich auf, sie klatschten. Von irgendwoher erklang Musik, welche von einem Instrument gespielt wurde, das er noch nie zuvor vernommen hatte. Es war schöne, fröhliche Musik. Dann erstarb sie. Und mit der Musik erstarb das Licht vor seinen Augen und die Geräusche der Menschen erstarben. Alles starb. Nur ein Schrei durchbrach schließlich das unendlich unmenschliche Dunkel. Ihm folgten unzählige weitere. Die Musik blieb aus, doch das Licht leuchtete leicht wieder auf. Er sah einen Menschen neben einer Frau knien. Der Mann hatte eine Krone auf.
Daneben stand die Frau in Weiß. Finsternis!

Der folgende Tag dagegen schickte sich für Galeo an, ausnahmsweise mal erfolgreich zu werden. Am Morgen erfuhr er, dass er heute praktisch von all seinen täglichen Pflichten befreit war. Sein Vater, dem er eigentlich heute bei der Herstellung einiger einfacher Tische für Magotè hatte helfen sollen, hatte kurzerhand beschlossen, heute, wo es mal einmal nicht schneite, in den Wald jagen zu gehen. Das war eine Tätigkeit, die er, und wirklich nur er, im Stillen genießen und ausführen wollte.
Das gab Galeo die willkommene Gelegenheit sich endlich einen neuen Bogen anzufertigen. Er war untröstlich gewesen, als er nach der Freude über den gefundenen Stein, den neuen Zustand seines Bogens realisiert hatte. Immerhin hatte der Bogen ihn durch drei Jahre voller Erinnerungen begleitet. Nichtsdestotrotz oder vielleicht gerade deswegen musste ein Neuer her. In der Werkstatt seines Vaters graste er die Ecken nach möglichem Holz ab, welches er für seinen Bogen benutzen konnte. Doch er fand unter den zahlreichen Abfällen wenig brauchbares, langes Holz. Das Bild des Bogens hatte er bereits detailliert im Kopf und er ließ keine weiteren Änderungen daran mehr zu. Er wäre im Notfall in den Wald gegangen, um eine Esche eigenhändig zu erschlagen. Er war allerdings heilfroh, dass ihm dies erspart blieb, denn Bens höhnende Worte hatte er sich schon vorstellen können: „Wie kannst du für vier dünne Ellen Eschenholz, eine ganze 100-jährige Esche fällen?“.
Irgendwo in einer dunkeln Ecke unter einer beträchtlichen Sägespanschicht fand Galeo dann allerdings das gesuchte Eschenholz, welches mit einer genügenden Dicke und Länge gesegnet zu sein schien. Seit dem letzten, lieben Bogen vertraute er nur noch auf dieses Holz. Es war fest und biegsam zugleich, aber vor allem war es zumeist sehr gerade.
Nach diesem Erfolg hetzte Galeo in eine weitere Ecke des Raumes, wo fein aufgestapelt eine Reihe von Kieferholzplatten lag, die sein Vater häufig für massive Möbel benutzte. Die Kiefer war für ihre Härte bekannt und genau diese Eigenschaft wollte sich auch Galeo zu Nutze machen. Er schnappte sich einige davon und setzte sich vor der Tür auf die von seinem Vater und ihm kunstvoll gestaltete Bank. Es war, vor allem im Sommer, eine Art Lieblingsplatz von ihm, wo er unter anderem auch schon seinen ersten Bogen selber fertig gestellt hatte. Man wurde auf der Bank sitzend so wundervoll von den Sonnenstrahlen umspielt und hatte einen fantastischen Blick auf fast das ganze Dorf und all die Aktivitäten, die darin vorgingen, sodass es für Galeo einfach eine Freude war hier zu sitzen und für sich zu arbeiten. Nicht zum letzten Mal wünschte sich Galeo den Sommer herbei.
„Ich hasse Schnee“, sagte er zu sich selber und fegte mit der Hand die beträchtliche Schneedecke herunter und ließ sich nieder.
Er war mit seinem Messer dem Eschenstab noch nicht lange zu Leibe gerückt, da gesellte sich Ben zu ihm. Seine Mutter brauche ihn heute Morgen nicht weiter, sodass er etwas Zeit habe, erklärte er.
„Soso, du bist also fest entschlossen, einen neuen Bogen zu bauen? Ich hatte ja gehofft, dass du dir diesen Irrsinn nach dem Reinfall vor ein paar Tagen endlich aus dem Kopf geschlagen hast.“, meinte Ben und ließ sich auf die Bank neben Ben fallen.
„Da kannst du noch lange darauf hoffen. Irgendwann werde ich berühmt sein für meine Bogenkunst. Warte es nur ab!“, erwiderte Galeo ohne den Kopf von seiner Arbeit zu nehmen. Er schnitzte weiter fleißig und sorgfältig eine Kerbe in das obere Ende des Eschenstabes. „Mit diesem Bogen werde ich Ziele weit über 30 Ellen entfernt treffen können. Ich habe vor, ihn noch besser zu machen, als den Alten!“
„Das bezweifele ich doch sehr. So ein Bogen, wie du ihn dir da gerade baust, ist doch was für Kinder. Der kommt niemals weiter als zehn bis fünfzehn Ellen.“
Der Stoß hatte sein Ziel nicht verfehlt. Galeo war nicht dumm und er musste sich eingestehen, dass Ben nicht so falsch lag. Doch das veranlasste ihn nur noch hitziger auf das Holz einzuritzen. Er hatte inzwischen eine Kerbe fertig und begann etwas übermütig die Rinde abzuschälen.
Eine Zeitlang saßen beide still auf der Bank. Die Sonne, ein seltener Gast dieser Tage, schien ihnen wärmend auf den Pelz und beide genossen es sichtlich. Um sie herum versprühte alles seltsam viel Leben, als ob Tier und Mensch gleichermaßen die wenigen Sonnenstrahlen so gut als möglich zu nutzen gedachten. Das Zwitschern der Vögel war so laut, wie seit langem nicht mehr und mehrere Hasen kreuzten ihren Weg. Aus dem Dorf war lebhaftes Brüllen, Muhen und Hämmern zu hören, sowie geschäftige Aktivitäten zu sehen.
Galeos Groll verflog und er hatte bereits eine neue Idee, seinen Bogen noch besser zu machen. Die Rinde war inzwischen komplett entfernt und er begann damit kunstvolle Runen in das glatte Holz einzugravieren.
„Was schreibst du?“, fragte Ben nach einiger Zeit interessiert. „Ich wusste gar nicht, dass du dich mit alten Runen auskennst.“
„Da kannst du mal sehen. Ich habe noch ganz andere versteckte Fähigkeiten.“, grinste Galeo. „Ich kriege diesen Bogen schon auf 30 Ellen!“ Er machte eine Pause. „Nun, eigentlich habe ich keine Ahnung, was ich da schreibe. Ich denke mir die Runen gerade selber aus.“
„Warum nur war mir das so klar?“
„Lästere du nur, aber meine ausgedachten Runen haben den Vorteil, dass ich Alles und Jeden mit ihnen ausdrücken kann. Ich verstehe sie immer und es ist immerhin mein Bogen.“
Ben dachte eine kurze Weile über diese Sichtweise nach und kam schließlich zu dem Schluss: „Aber was bringen dir deine Runen, wenn nur du sie verstehen kannst und niemand sonst? Sprache und Schrift ist doch dazu da, sich gegenseitig auszutauschen.“
Darauf konnte Galeo schließlich gar nichts mehr erwidern. Er war erschüttert über diese nüchterne Analyse und er war geschlagen. Trotzdem fühlte er sich mehr denn je mit seinem Bogen verbunden und versah die ganze Oberfläche mit solcherlei Zeichen, deren Bedeutung sich nur ihm offenbarte. Nach einer Weile war er sogar wieder stolz auf sein Werk.
Die Welt schien wieder in Ordnung. Wieder saßen sie schweigend eine gehörige Weile dort und schienen es sich gut gehen zu lassen. Bis Ben nach ungezählten Augenblicken etwas gedankenverloren fragte: „Hast du in letzter Zeit Alpträume?“ Ein dunkler Schatten schien sich Galeos zu bemächtigen. Tatsächlich hatte er auch heute Nacht wieder geträumt. Er konnte nicht sagen, ob es direkt ein Alptraum war, aber allein die Tatsache war beunruhigend genug. Er erwiderte erst nichts und schnitzte zunächst die zweite Kerbe am unteren Rand fertig, der er sich kurz zuvor gewidmet hatte.
„Hilf mir mal bitte!“, bat er, statt eine Antwort zu geben. Er stand auf, drückte den Bogen langsam durch bis er nicht mehr weiter wollte, um ihn dann wieder ein Stück weit zu entspannen. „Nimm die Hanfschnur da drüben und wickele sie einfach hier herum.“, er nickte auf die obere Kerbe. Ben tat wie ihm geheißen und befestigte so gut er konnte die stabile Schnur. „Und jetzt hier unten! Aber so stramm es geht! Es muss ganz genau sitzen!“
Ben bückte sich und tat auch dies zu Galeos Zufriedenheit. „Ich bin gleich wieder da!“, rief dieser und verschwand in der Tür.
Wenig später kam er mit einem Bottich Leinöl und einem Pinsel wieder heraus. „Damit er auch gut vor Feuchtigkeit geschützt ist“. Ben nickte.
Momente verstrichen, in denen Galeo eifrig begann den Bogen mit dem Öl achtsam zu bestreichen. „Ja, ich hatte einige Alpträume die letzte Zeit!“, begann er schließlich zaghaft. Woher weißt du das?“
„Ach weißt du… ich dachte es mir einfach. Nein, wirklich, ich weiß es nicht. Mir ist es vorhin nur so herausgerutscht, weil ich selber in letzter Zeit ungewöhnlich viele habe. Wenn es zumindest welche in der Art wären, weißt du, wo man von bösen Drachen durch eine endlos dunkle Höhle gejagt würde und gerade dann, wenn der Drache einen bei lebendigem Leibe auffressen will, aufwacht. Solche hatte ich bereits häufiger und ich kann zumindest sagen, dass das alles Unsinn ist, was ich mir da nachts zusammen träume. Aber in letzter Zeit sind es merkwürdig konturlose Träume. Weißt du, als ob ich in der Luft hinge und ich keinen Halt mehr hätte und gleichermaßen durch fremde Mächte gezwungen bin, einem Schauspiel beizuwohnen, dem ich eigentlich nicht zuschauen möchte. Ich sehe tote Wälder, Seen, Berge und einiges mehr.“
„Und es will sich ein Licht durch das Dunkel schälen zu dir hin und doch kann es dich nicht erreichen und du selbst kannst dich in der Leere ja nicht einmal bewegen.“, Galeo hatte aufgehört den Bogen zu bearbeiten. Das Zwitschern der Vögel erschien ihm dumpf gegen die Töne, die sein Ohr erreichten. Ben hatte in Worte geformt, was sein Herz ihm sagte.
„Aber wie kann das sein, dass wir beide zur gleichen Zeit von denselben Alpträumen… Hey!“, Galeos Stimme erhob sich. „Was gibt es da zu glotzen? Unser Haus ist nicht zu verkaufen und wenn es der König persönlich haben wollte!“
Vor ihnen auf dem Weg standen zwei groß gewachsene und ziemlich breite Männer in voller Rüstung. „Hereans Sol- Soldaten“, flüsterte Ben.
Vom stolzen Soldatentum dieser zwei war allerdings nicht viel zu sehen, dachte Galeo. Eher schienen beide peinlich berührt. „Netter Bogen, den du da baust, Junge! Willst du damit Riesen erschießen? Alles andere wirst du damit wohl kaum treffen!“, höhnte einer von ihnen.
„Dann können sie sich ja gerne mal als Zielscheibe für den ersten Übungsschuss bereitstellen, wenn sie sich da so sicher sind!“
Die Stimme kam von Ben. Galeo schaute seinen Freund unglaubwürdig an. Er hatte gerade für ihn und gegen seine Vorbilder Partei ergriffen.
„Komm lass uns weiter, wir sollten Bericht erstatten!“, drängte sogleich der andere und die beiden Soldaten verschwanden hinter der Biegung der Straße.
Galeo starrte inzwischen ungläubig seinen Freund an und brachte kein Ton hervor.
„Was?“, zischte dieser scharf, als er den Blick schließlich von den verschwundenen Soldaten auf Galeo richtete.
„Du…du hast...du hast mir gerade geholfen.“
„Ach wirklich? Habe ich gar nicht gemerkt!“, spottete Ben. „Natürlich habe ich das. Du bist mein Freund.“
„Aber Soldaten…du…“
„Hör doch auf! Hast du nicht gesehen, wie zwielichtig die beiden aussahen? Das ist ja eine Schande für den König, dass solche Hornochsen königliche Rüstungen tragen“, ereiferte er sich. „Kommen hier her, führen sich auf wie wer weiß wer. Das ist wirklich eine Schande.“
Galeo hielt es jetzt irgendwie für angebracht, Ben wieder zu beruhigen. „Und weißt du inzwischen, was die beiden hier wollten?“
„Nein, weiß ich nicht genau. Aber man munkelt, dass der König die Zahlungsfähigkeit der Dörfer auskundschaften will, da der raue Winter und das angenehme Leben in Rhun wohl ordentlich an den Vorräten genagt haben.“, antwortete Ben. „Und dann schickt der solche Halunken hier zu uns…eine Schande ist das!“
„Das ist so typisch. Da wollen die in ihrer Notlage dann auch noch die kleinen Dörfer schröpfen.“, erwiderte Galeo. Er hatte seinen Bogen beiseite gestellt und widmete sich nun mit seinem Messer den Kiefernplatten, aus denen er beabsichtigte, stabile Pfeile zu erstellen. „Und den Träumen hilft das auch nicht weiter. Wollen wir es einfach als Zufall abtun? Weißt du, ich glaube ja nicht an diesen Übersinnlichen-Hokuspokus…weißt du?“
„Vielleicht hast du Recht“, sagte Ben, plötzlich wieder nachdenklich. „Vielleicht sehen wir Gespenster. Aber ich höre eine Stimme tief in mir drin, die mich etwas anderes lehrt. Leider verstehe ich sie nicht.“

Der Abend war zwar schon angebrochen, doch so dunkel wie es inzwischen war, hätte es nicht sein müssen. Nachdem die Sonne fast den ganzen Tag über einen kleinen Achtungserfolg gegen die Wolken errungen hatte, war der Himmel wieder an der festen Hand der grauen Eminenz und diese war nicht gewillt, die Menschen zu schonen. Kaum war die Sonne hinter dem Horizont verschwunden, schneite es wieder so heftig, als ob es etwas nachzuholen gäbe, weil es ja schließlich den ganzen Tag über nicht geschneit hatte.
Galeo, der trotzdem draußen im inzwischen wieder zugeschneiten Garten stand, fand sogar, dass es noch viel dichter schneite, als sonst, so als ob die graue Eminenz auch noch den tagsüber verlorenen Schnee wieder ersetzen wollte. Warum er nun bei diesem Sauwetter draußen herumwandelte und sich so langsam in einen Schneemann verwandelte, wusste er auch nicht so genau. Vor einiger Zeit wäre er vielleicht einfach ins Bett gestiegen, hätte geschlafen und am nächsten Morgen wieder aufgewacht. Doch inzwischen überkam ihn fast regelmäßig eine seltsame Angst, wenn er ins Bett stieg. Obwohl er wusste, dass er nur träumte. Es war kaum mehr auszuhalten, fand Galeo.
Und darum stapfte er nun im schwachen Licht der Lampe in eisiger Kälte draußen planlos herum. Er wusste nicht, was er zu finden glaubte oder wen oder was er überhaupt suchte. Seinen Vater hatte er zumindest als letztes auf seiner Rechnung. Doch eben jener legte ihm plötzlich seine riesige Pranke auf die Schultern und gesellte sich zu ihm. Galeo ahnte bereits Böses und erwartete innerhalb der nächsten Augenblicke die schwierige Frage, was er denn hier draußen treibe. Er entschied sich deshalb schnell ein ungefährlicheres Thema aufzugreifen.
„Es ist eine Schande, dass wir dieses Jahr das Marischen- Fest nicht feiern wollten.“, sagte er ohne seinen Vater anzublicken.
„Schande? Wie kommst du darauf, dass es Schande ist? Es ist eine Schande, wenn jemand nicht das Gute tut, was man von ihm erwartet. Wenn man sich wissentlich für das Böse ausspricht oder auch nur sich nicht für das Gute ausspricht. Das ist eine Schande.“
„Du glaubst also nicht, dass es eine Schande ist?“
„Es kommt drauf an, für wen es eine Schande sein soll. Ich denke nicht, dass es für uns eine ist. Schau doch, wir konnten es einfach nicht feiern. Es war ja nicht so, dass wir es nicht feiern wollten. Insofern ist deine Aussage bereits falsch gewesen.“, er schaute Galeo scharf an und trotz der Dunkelheit konnte Galeo den bohrenden Blick spüren. „Wichtig ist einfach nur, dass wir es trotz guter Absicht nicht konnten. Es sind höhere Mächte am Werk, die uns von unseren Gewohnheiten abhalten und wir sollten uns mit diesen nicht anlegen. Yddras weiß, was gut und was schlecht ist.“
„Yddras, der Weltenbaum?“, fragte Galeo skeptisch. „Paps, das sind doch alles heidnische Gedanken. Laut Goad gibt es keinen Weltenbaum.“
„Ich weiß, was die modernen Kleriker sagen und ich weiß, was ich glaube. Manchmal muss man das Falsche sagen, um das Richtige denken zu dürfen, Galeo. Yddras existiert, glaube mir. Schau dir doch nur einmal den riesigen Baum hinter unserem Haus an. Hast du ihn jemals bewusst angeschaut? Bäume sind großartige Wesen. Sie sind in sich perfekt und es ist eine göttliche Perfektion in ihnen. Gerade mein Beruf lässt mich das immer wieder spüren.
Darum sage nicht, dass es eine Schande ist, dass wir das Marischen Fest nicht gefeiert haben. Wir konnten es nicht, weil Yddras etwas anderes vor hat. Der Weltenbaum ist größer als wir, auch wenn sich Goads Wissenschaft nur schwerlich damit abfinden kann. Auch die Naturgeister werden uns nicht böse gesinnt sein, denn auch sie stehen unter dem Willen des Weltenbaumes. Vielleicht wissen sie bereits mehr, als wir Menschen.“ Er machte eine kurze Pause, um die Worte sacken zu lassen, um dann fortzufahren: „Und eben weil Yddras sich um jeden guten Menschen kümmert, solltest du dir keine Sorgen machen, Galeo. Ich weiß nicht genau, was dich hier nach draußen treibt bei Schnee und Kälte, aber es wird nichts Gutes sein. Ich sollte dich eigentlich nur im Auftrag deiner Mutter ins Haus holen. Sie befürchtet, dass du dir hier draußen den Tod holst.“
„Es ist schon in Ordnung. Mir geht es gut.“
„Das tut es nicht. Aber dir soll gesagt sein, dass du niemals alleine bist. Niemals!“, sein Vater umarmte ihn einmal sanft und ging zurück ins Haus. „Komm gleich nach! Bitte!“
Er ließ Galeo etwas ratlos zurück. Er wusste nicht, was er von dieser Belehrung halten sollte. Irgendwie erschien ihm beinahe alles, was sein Vater gesagt hatte mehrdeutig und es schien ihm, als ob er fast genau wüsste, was seinen Sohn betrübt und dass er selbst dort nicht weiterhelfen konnte. Aber die größte Frage, die Galeo quälte war: War er das, was sein Vater „gut“ nannte?

Galeo wand sich von einer Seite, auf die nächste. Die Wärme der Sonne war längst der Kälte der Nacht gewichen, über dessen Existenz nicht einmal die zwei warmen Fälle in seinem Bett hinwegtäuschen konnten. Doch war es nicht die Kälte von außen, die ihn lange nicht einschlafen ließ. Dann wurde alles schwarz und die Zeit erstarrte.
Es war ein ewiger Augenblick und wieder umfing ihn Schwärze. Graue Fäden mischten sich unter die Eintönigkeit der Dunkelheit und durchsiebten sie. Schwarze, graue, dunkelblaue Wellen entstanden und es entstand der Eindruck eines großen, gefährlichen Meeres. Die Wellen schlugen höher und es wirkte wie ein unheimlich stilles und damit abstraktes Unwetter auf hoher See. Eine See voller Schwärze. Fast hatte er es erahnt, da brach sich von unterhalb der Wasseroberfläche ein kümmerliches Licht seine Bahn. Wie eine feste Säule inmitten des Sturms stand das Licht im Dunkel und erhellte es. Die im Licht gespeicherten Farben zerliefen in der Umgebung. Das dunkle Einerlei verfärbte sich zu einem natürlichen Blau und er konnte die Schönheit des Gewässers erahnen. Doch die Hässlichkeit der Schwärze war nachhaltiger und blieb. Das Licht erstarb. Die Farben erstarben.
Zurück blieb allerdings ein merkwürdig klares Bild. Doch hatten sich die wellenförmigen Linien in einen Bergrücken verwandelt, der mit seiner Prächtigkeit den Horizont zum Erblassen brachte. Er fühlte sich schwere- und haltloser denn je. Es schien ihm, dass er über ein schier unendliches Gebirge flog, doch er konnte kein Hochgefühl empfinden, wie es die freien Vögel taten. Wenngleich das Bild vor seinen Augen prächtig war, so war es doch auch farblos, unheimlich, tot. Es war eine leblose Welt, die sich ihm dort zeigte. Und doch wusste er, dass es Hoffnung gab. Er wartete dieses Mal geduldig. Sicher, ob dem, was da kommen mochte. Da war es endlich! Ein königliches Gefühl. Vom farblosen Himmel fiel ein purer Lichtstrahl herab, der das farblose Gestein färbte, der den farblosen Himmel erleuchtete, der die farblose Welt lebenswert machte. Dann fiel ihm auf, dass der Strahl einen Teil des Berges besonders ausleuchtete. Aus einer Höhle, so schien es ihm, kam ebenfalls ein mysteriöses Licht. Zwei Quellen? Es verwirrte ihn, doch konnte er nicht lange darüber nachdenken. Die Lichter erloschen. Das Traumtor wurde verschlossen. Er öffnete seine Augen und blickte in ein besorgtes Gesicht. „Du hast geschrieen, Galeo.“ Er schaute seine Mutter an. „Ich habe nur geträumt…nur geträumt.“

Einige Stunden waren vergangen und einige Schrecken waren überwunden, als sich Galeo zusammen mit Ben erneut auf den Weg in den Wald machten. Zum ersten Mal schien es ihm, dass sich die Tage in Astako genauso wiederholten, wie die Träume in der Nacht.
Am Morgen war seine Mutter noch von Fürsorge erfüllt gewesen. Sie hatte sich ungewöhnlich viel um Galeo gekümmert: ihm ein umfangreiches Frühstück bereitet, ihm kaum Hausarbeit aufgehalst und viel allein gelassen. Mütter schienen so eine Art sechsten Sinn zu haben, wenn es darum ging, ihren Sohn richtig zu behandeln. Galeo war ihr unendlich dankbar, dass er am Morgen einige Zeit frei hatte, „um über Alles“, wie seine Mutter gesagt hatte, „nach zu denken!“. Tatsächlich fühlte sich Galeo innerlich so schwach und klein, wie noch nie. Er wusste, dass diese Träume ihm hatten etwas sagen wollen, dass sie etwas bedeuteten. Auch die Worte seines Vaters verdichteten den Nebel mehr, als dass sie ihn aufgelöst hatten. Ben schien es nicht anders zu gehen. Er hatte heute Morgen kaum ein Wort gesagt. Selbst ihre übliche, nickliche Bemerkung zur Begrüßung war einem nachdenklich „Hallo“ gewichen.
Der freie Morgen war jedenfalls nicht auf fruchtbaren Boden gefallen. Dies hatte seine Mutter anscheinend auch bemerkt und war zu einer anderen Taktik übergegangen: Beschäftigung, zwecks Ablenkung. So wurde er dazu verdonnert, Holz aus dem Wald zu holen.

Und ohne es zu wissen, schloss sich damit für Galeo der Kreis. Er verließ das Dorf. Die Träume verließen ihn. Schicksal?

„Und? Hast du heute wieder vor auf lebende Tiere zu schießen?“ Ben war anscheinend aus seiner Trance aufgewacht und hielt es für nötig, zumindest ansatzweise an sein normales Verhalten anzuknüpfen. Er deutete viel sagend auf den neuen Bogen, den Galeo erneut auf dem Rücken hatte.

Sie hatten den Wald noch nicht ganz erreicht. Die Träume hatten ihn noch nicht ganz verlassen. Zeit?

„Wenigstens habe ich nicht vor, ihn noch mal zu zerstören.“, bemerkte Galeo. „Ich fühle mich einfach nur sicherer, wenn ich ihn dabei habe, das ist alles.“
„Sicherer? Seit wann fühlst du dich unsicher?“ Bens Augen funkelten zu ihm herüber. Galeo spürte, dass er die Antwort wusste.
„Seit diesen Träumen. Ich weiß nicht, wie andere Menschen so gut mit Alpträumen leben können. Nein, ich kann es wirklich nicht verstehen.“
Ben nickte nur und erwiderte nichts.

Sie erreichten den Waldrand. Es ist der Traumrand. Ende?

Der Schnee der letzten Tage war noch immer nicht vollständig geschmolzen. Zwar reckten hier und da bereits die ersten jungen Blumen ihre Körper durch die Schneedecke zur Sonne hin, doch insgesamt ähnelte der Wald eher einem Wunder-Winter-Wald, als einem Frühlings-frohen- Forst, wie es hätte sein müssen. Sie folgten den frischen Fußspuren in den Wald hinein.

Der Wald umschloss sie. Sie waren gefangen. Die Träume sind fort. Sie sind frei.

„Ben? Denkst du, dass ich verrückt bin, dass ich mich so vor diesen Alpträumen fürchte? Ich meine, Träume sind doch nicht gefährlich. Ein Bogen und ganz besonders ein Schwert ist gefährlich, aber doch keine Träume. Wieso erfasst mich diese unendliche Angst dann?“
„Ich weiß es nicht. Ich weiß es wirklich nicht. Weißt du, als ich gestern die Stimme in mir drin erwähnte, die mir etwas zu sagen versucht? Es ist keine normale Stimme mehr.“
„Was heißt das?“
„Es ist ein Schrei! Ein Schrei, der mich nicht nur erfasst, wenn ich schlafe, er ist auch am Tag in meinen Kopf.“

Der Kreis schließt sich. Der Schrei erstirbt!

„Und bald wird genau dieser Schrei uns zu unermesslichen Ruhm führen!“
Schwärze! Stille! Ein Augenblick des Bewusstseins. Ein Blick. Soldaten? Schmerz. Unendlicher Schmerz. Schwärze und Stille.





Nun dann, das wärs erstmal. Vllt haben ja einige durchgehalten ;)
Wenn nicht, dann eben nicht ^^
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Beitrag von Censhock »

hoffe man kann hier auch FF posten die man gefunden hat o.O

naja hab einen ganz guten (imo) gefunden der aber sehhhhhhhhhhhhhhr lang ist^^


Der Hylianer rieb sich den Schweiß von der Stirn. Seine zittrigen Hände fuhren wieder zu dem, an dem seine Seele so hing, ihn festigte, ihn Halt gab und doch... sein Untergang war. Er drückte es an sich, spürte die dunkle Aura die davon ausging. Und doch... war es sein Wunsch gewesen was mit Hyrule passierte? Oder der Wunsch von ihm?
Er sah zerfetzte Banner, Blut, grausam hingeschlachtete Menschen, das Massaker zweier aufeinander prallenden Welten...
Brauchte es nur jemanden, der den Wunsch aussprach? Seine Hände zitternden. Er hätte die Macht, wenn er den Wunsch aussprach und doch... wäre er nur eine Marionette. „Tu es!“, drang die verführerische Stimme aus dem, was er vor sich hielt. Langsam dämmerte ihm, was für ein Wissen er haben könnte, wenn er es tun würde. Doch in Wirklichkeit wäre er... „Du wärst der Herrscher über alle!“, kamen die Worte. Sie fluteten seinen Körper durchdrangen jede sowieso schon angefressene Barriere, fraßen sich in sein Gehirn und blieben dort hängen, als wären sie in das klebrige Netz einer Spinne geraten.
Dem Mann schwindelte. Ein Satz, ein ganz normaler Satz. Er würde das Weltbild zu seinen Gunsten verändern. Er hängte sich das verführerische Medaillon um und sprach den Wunsch... den Wunsch, der ihn alles kosten sollte, was ihm je etwas bedeutet hatte.
„Ein Wunsch, der tief aus deinem Inneren kommt, kann dich zerstören, wenn er tatsächlich wahr wird.“
Bald würde er die Bedeutung dieses Satzes verstehen, den sein Lehrmeister immer wieder gesagt und den er immer als Mumpitz abgetan hatte. Bald würde er begreifen, doch im Moment starrte er nur verzückt auf die schwarzen Strudel, die sich um ihn herum erhoben, sah nicht, dass sein Körper sich verzerrte, auflöste, sah nicht, dass alles Licht und Leben aus ihm wich wie Dampf aus einem Kessel. Er sah seinen Lehrmeister nicht, der im selben Moment mit verzerrtem Gesicht in die Kammer stürzte, hörte dessen Stimme nicht, die ihm zurief, dass er zu schwach wäre, um zu kontrollieren, was er entfesselte.
Er merkte nicht einmal mehr, dass er sich ihm an den Hals warf, ihn aus dem Strudel zu zerren versuchte, er spürte nur vage, wie ihn noch etwas fortriss, in ein Vakuum der Realität.
Dann spürte er gar nichts mehr.



"The Legend of Zelda
A Shadow's Summoner"


Kapitel 1

Link fröstelte ein wenig, als er zum ersten Mal seit langer Zeit wieder die Treppen des Schlosses hinaufstieg, die zum Thronsaal führten. Es war ungewöhnlich kühl für die Jahreszeit, der Himmel war grau und kein Vogel war zu hören, obwohl die Schlossgärten normalerweise vor Vögeln nur so wimmelten.
Dennoch bereute Link nicht, zurück nach Hyrule gekehrt zu sein - er blickte aus einem hohen Fenster nach draußen in den Schlossgarten, in dem er damals die Prinzessin zum ersten Mal getroffen hatte und musste dabei ein wenig lächeln. Oh, sie war so ein Wildfang gewesen - und zu solch einer edlen Frau hatte sie sich gewandelt. Fast war er nervös bei dem Gedanken, ihr wieder gegenüberzutreten, doch sein Entschluss stand fest. In Hyrule wurde er dringender gebraucht als in den Wäldern.
Er blieb vor dem hohen Tor stehen, ein Soldat erkannte ihn, nickte ihm freundlich zu und öffnete das Tor.
Link betrat den Thronsaal, in dem er zu seiner eigenen nur die Prinzessin vorfand, die auf ihrem Thron neben dem des Königs saß. Sie erhob sich, als Link eintrat. "Link!", sagte sie erfreut, raffte ihr vortnehmes Kleid etwas zusammen und kam die Stufen vom Podest herab, um ihm entgegen zu gehen. "Was für eine Freude, das der Wind dich wieder hergetragen hat. Wie ist es dir ergangen?"
„Ich kann nicht klagen, Eure Hoheit“, antwortete Link und verbeugte sich. „Doch in den Wäldern wird meine Anwesenheit nicht länger benötigt und der Deku-Baum meinte auch, dass es notwendiger wäre, hier im Schloss zu sein. Er drückte sich wie immer etwas rätselhaft aus.“ Er zuckte mit den Schultern. „Und wie sieht es hier in Hyrule aus?“
"Etwas knappe Ernte im Süden wegen des vielen Regens", sagte Zelda lächelnd. "Aber nichts Ernstes." Sie zögerte. "Ich wollte gerade ein wenig im Garten spazieren gehen... möchtest du mich begleiten?"
„Sehr gerne, Hoheit.“ Link war immer froh, in der Nähe der Prinzessin zu sein - auch wenn es lange gedauert hatte, bis es ihm gestattet worden war, sich ihr überhaupt zu nähern, bei seinem Rang. Er war nicht einmal offiziell zum Ritter geschlagen worden, doch inzwischen schienen ihn die Meisten im Schloss akzeptiert zu haben.
Gemeinsam gingen sie über die glänzenden Marmorkorridore hinaus in den Garten, dessen Farben etwas blass wirkten, was allerdings nur am grau verhangenen Himmel lag. „Ich hoffe, Ihr könnt meine Dienste hier gebrauchen“, meinte er, nur um die Stille zu brechen.
"Selbst wenn nicht, du kannst dich auch gerne einfach mal ein wenig ausruhen, du musst erschöpft sein vom ganzen Umherreisen", sagte Zelda und öffnete eine Türe, die hinaus in den Schlossgarten führte. "Ich werde Ihre Majestät einfach bitten, dir bitte ein Zimmer herrichten zu lassen, dann kannst du so lange bleiben, wie es dir beliebt." Sie lächelte ihn an.
„Ich danke Euch, Prinzessin“, antwortete er und lächelte zurück. Ihm gefiel, wie sie ihn behandelte, so völlig anders als die hochrangigen Ritter und Soldaten, die ihn einfach nur für einen Störenfried hielten. Er sah in ihre strahlend blauen Augen, so schöne, klare Augen - Link lief etwas rosa an und wandte den Kopf ab, wobei sein Blick auf eine Statue fiel, die in seiner Nähe stand. „Ach ja, an dieser Statue habe ich mich einst vor den Wachen versteckt, als ich damals in das Schloss eingedrungen bin“, lächelte er. „Du unten, am Fuß des Sockels gibt es nämlich eine kleine…“ Hier stutzte er allerdings, wandte den Kopf zur wolkenverhangenen Sonne und wieder zurück zu der Statue. „Das ist merkwürdig, der Schattenwurf ist völlig falsch…“
"Hm?" Zelda folgte seinem Blick und sah dann auf ihre eigenen, schwachen Schatten hinab. "Du hast Recht... Der Schatten ist auch viel stärker als unserer. Eigenartig." Sie wandte sich um, um nach eventuellen anderen Lichtquellen zu suchen.
Das gefiel Link nicht besonders, auch wenn er nicht genau sagen konnte, warum. „Ich weiß nicht, Hoheit… mir wäre lieber, wenn wir wieder hineingehen würden.“ Er schüttelte misstrauisch den Kopf. „Schwarze Magie tarnt sich auf vielerlei Art und Weise - vielleicht sollten wir Impa um Rat fragen…“
Er wandte sich um und drängte die Prinzessin sanft wieder in Richtung des Eingangs, dabei war ihm einen Augenblick lang, als hätte er hinter sich ein Flüstern gehört, doch als er sich umdrehte, war da niemand.
Er grinste schief - scheinbar wurde er tatsächlich schon paranoid. Kopfschüttelnd folgte er Zelda, die auf ihn wartete, sich aber scheinbar keine weiteren Gedanken darum machte. Sie war froh, dass er wieder an seiner Seite war, und erzählte ihm, was alles in seiner Abwesenheit geschehen war, und als sie ihn bat, ihr doch zu erzählen, was er erlebt hatte, konnte er gar nicht anders, als sie anzulächeln und ihr alles zu erzählen, was sie wissen wollte.

Nur Tage später waren es Tausende von ihnen. Sie kamen aus jedem Fleck Schatten, der existierte, und verbreiteten ebenjenen nur weiter. Link bereute es, sich von Zelda abgelenkt haben zu lassen, dann hätte man vielleicht noch etwas unternehmen können. Er wusste, dass er sich auf seinen Gefahreninstinkt verlassen konnte.
Nun hatte er ein Problem, stellte er nüchtern fest, als er mit letzter Mühe unter den sirrenden Klingen der schemenhaften Gestalten hindurchtauchte und seinerseits einen Schwerthieb gegen das Wesen führte. Es war ein Volltreffer, wie schon unzählige Male vorher, doch diese seltsamen Schattenkreaturen schienen nicht zu wissen, wie man umfiel und starb. Link dagegen wurde langsam müde und er rettete sich mit letzter Kraft durch eine schmale Tür in einen sichereren Teil des Schlosses, einen der noch von Impas Bannkreisen geschützt war.
Er schlug im letzten Augenblick die Tür zu und erschrak, als er hinter sich eine Bewegung erahnte und fuhr herum - aber es war nur die Prinzessin, Zelda.
Sie schrak zurück, als er die Klinge gegen sie richtete. "Ich bin es nur", sagte sie dann ruhig. "Link, hier sind wir noch eine Weile sicher. Impa und ich können das Siegel noch halten, aber ich weiß nicht für wie lange." Der weiße Rock der Prinzessin war an einigen Stellen eingerissen und Blut quoll ihr aus einer Platzwunde an der Stirn über das schöne Gesicht.
Er ließ die Klinge sinken, lehnte sich an die Wand und rutschte langsam daran herunter. "Ich hoffe, zumindest für ein paar Stunden. Ich muss zugeben, dass ich am Ende bin. Sie... sterben einfach nicht, egal, was ich ihnen antue..."
Er vergrub das Gesicht in den Händen und atmete tief durch, dann hob er den Kopf und lächelte schwach. "Weiß man zumindest schon, was genau diese... Dinger eigentlich sind?"
"Nein", sagte Zelda leise und schritt über den Marmorboden zu ihm und setzte ich dann ganz langsam neben ihm. Sie legte ihm tröstend die Hand auf die Schulter. "Du bist uns eine große Hilfe. Wir haben noch eine Chance, zu gewinnen. Durch die Bannkreise kommen sie nicht durch."
Link griff nach der Hand, die auf seiner Schulter lag und seufzte. "Ja, aber... es schmerzt mich bei dem Gedanken, was sie einstweilen in der Stadt anrichten könnten. Sie machen keine Gefangenen, das ist jedenfalls klar..."
Sein Blick fiel auf die Blutspuren auf dem Kleid der Prinzessin. "Seid Ihr... schwer verletzt?"
Sie schlug für einen Augenblick die Augen nieder. "Nichts schlimmes, es geht mir gut." Sie musterte ihrerseits seine zerrissene Kleidung. Der Schild hatte viele Kerben mittlerweile. "Komm", sagte sie dann. "Ich werde mich um deine Wunden kümmern."
"Sind nur Kratzer", winkte er müde ab. "Nayrus Umarmung hat das Schlimmste abgehalten..." Er erhob sich und schien für einen Moment nicht zu wissen, was er sagen wollte.
"Prinzessin, ich... es tut mir leid, aber auf dem Weg durch das Schloss habe ich Euren Vater gesehen. Er hat es nicht geschafft." Erwandte sich ab. "Tut mir Leid."
Zelda starrte einen Moment lang zu ihm hinauf, ihre wunderschönen, himmelblauen Augen weit geöffnet. Dann wandte sie ihr Gesicht zum Boden, ihr Schmuck klimperte leise, ein seltsam zartes Geräusch in der bedrückenden Stille, die über Hyrule gekommen war. Sie vergrub das Gesicht in den Händen, und ihre schmalen Schultern bebten ein wenig. Aber ehe Link etwas tun konnte, erhob se sich doch wieder. Tränenspuren glänzen neben dem dunklen Blut auf ihren Wangen. "Lass uns eines der höher gelegenen Zimmer aufsuchen. Dort ist es nicht so gefährlich wie hier." Sie wandte sich um und schritt vor.
Link fühlte sich hilflos. Gerne hätte er etwas Tröstendes gesagt oder Zelda Hoffnung gegeben, aber alles, was er sagen wollte, blieb ihm im Hals stecken, also nickte er nur, schob sein Schwert zurück in die Hülle und folgte ihr.
Wer war für den Angriff verantwortlich? Und was war der Grund dafür? War Ganon zurückgekehrt? Aber nein, das konnte nicht sein - das passte nicht zu dem ehemaligen Gerudokönig. Dieser mochte grausam sein, keine Frage. Herrschsüchtig und wahnsinnig, aber selbst er hatte einen gewissen Sinn für Menschlichkeit und Gnade behalten.
Link schüttelte seine Überlegungen ab und bemerkte, dass er einige Schritte zurückgefallen war. Rasch holte er die Prinzessin ein und sah sie vorsichtig von der Seite an. "Wie sieht es mit den Überlebenden in diesem Teil aus?", fragte er, nur um etwas zu sagen.
"Besser", sagte die Thronerbin kurz angebunden. "Die Schatten sind noch nicht in den Katakomben. Durch Felsen können selbst sie nicht durch. Selbst wenn das Schloss eingenommen wird, können wir durch die Katakomben in die Berge fliehen. Ich werde keine weiteren Opfer dulden."
Er nickte erleichtert. "Gut, wenn ein paar der alten Goronenschächte noch begehbar sind, können wir vielleicht die Bergbewohner um Hilfe bitten. Niemand kennt das Gebirge besser als Darunias Volk und wenn wir sogar noch hoch zur..." Er hielt inne, als sie gemeinsam einen Korridor betraten, durch dessen schön verzierte Glasfenster das trübe Sonnenlicht groteske Schemen auf den kalten Marmorboden warf. Links Hand kroch vorsichtig in Richtung seines Schwertgriffs.
"Prinzessin... wie stark ist das Siegel hier an dieser Stelle...?", wisperte er. Hier stimmte etwas nicht... warum bewegten die Schatten sich? "Gibt es noch eine zweite Route nach oben?"
Auch Zelda hatte es bemerkt und war stehen geblieben. Ihre Augen verharrten auf den bunten Glasscheiben. "Ja, aber dafür müssten wir durch den Ballsaal, und dessen Siegel ist heute Nacht gebrochen. Wir müssen hier entlang..." Sie raffte ihren Rock zusammen. "Komm. Schnell."
Link folgte der Prinzessin durch einen schmalen Gang, immer wieder Blicke über seine Schulter werfend, doch noch war alles ruhig. Noch. "Verdammt, wie schaffen es diese Dämonen nur, jede noch so kleine Schwachstelle in den Bannkreisen zu finden?", brummte er in sich hinein und wäre beinahe in Zelda gelaufen, als diese abrupt vor dem beeindruckenden, halboffenen Tor des Ballsaals stehen blieb.
Flüsternde Stimmen waren aus dem Raum zu hören, die flüsternden Stimmen, die nichts bedeuteten und die die seltsamen Kreaturen ununterbrochen von sich gaben.
Und dem Geräusch nach zu schließen waren es viele Stimmen...
"Link, hier können wir nicht durch. Es sind zu viele, das schaffen wir niemals." Sie drehte sich zu ihm um. "Lass uns zurückgehen und... pass auf!"
Gerade im letzten Augenblick hatte sie ihn zu Boden gedrückt, ehe einer der Schatten durch ihn hindurchgeglitten wäre. Zelda hatte erst einmal gesehen, was mit einem Menschen passierte, durch den einer dieser Dämonen geglitten war, und das hatte ihr gereicht.
Link hatte kaum Zeit, der Prinzessin einen dankbaren Blick zuzuwerfen, denn das schemenhafte Wesen reagierte schneller, als ihm lieb war. Etwas Klingenartiges zuckte in seine Richtung, ob Schwert, Klaue oder Arm konnte er nicht feststellen, jedenfalls war es erschreckend präzise und nur dank seiner schnellen Reflexe schaffte Link es, dem Hieb auszuweichen und das Wesen mit seiner eigenen Klinge niederzuschlagen.
"Der steht gleich wieder auf", keuchte Link atemlos. "Lasst uns verschwinden - habt ihr noch einen anderen Weg in Reserve?"
"Wir können nur wieder zurück", sagte Zelda, "aber das ist wahrscheinlich besser, als stehen zu bleiben." Sie wartete erst gar nicht auf seine Antwort, sondern drehte sich wieder um und eilte die Treppen hinauf. "Sobald wir in der Bibliothek sind, sind wir in Sicherheit."
Die Bibliothek... natürlich, das erschien logisch, hier waren einige sehr mächtige alte Zauberbücher aufbewahrt und Impa verstand es meisterlich, jede noch so kleine magische Strömung in einen undurchdringlichen Schild zu verwandeln. Vermutlich wartete die Shiekah bereits dort auf sie.
Link konnte es nicht erwarten, dorthin zu kommen, vor allem, da hinter ihm bereits das kalte Zischen des niedergeschlagenen Schattens ertönte. Hals über Kopf stürmte er der Prinzessin hinterher.
Es war erstaunlich, wie viel Energie die Prinzessin an den Tag legen konnte, wenn es darauf ankam. Sie hatte ihren weißen Rock mit beiden Händen fest umklammert, als sie vor Link herlief. Die bunten Fiberglasfenster warfen verzerrte Muster auf ihren Körper und immer wieder zuckten schwarze Schatten durch die Gänge; leise Vorboten der Gefahr, die allgegenwärtig war.
Eine Treppe folge der nächsten, und irgendwann brannten wieder Fackeln an den Wänden. Sie waren der Gefahrenzone entkommen. Zelda stieß eine schwere Holztüre auf und stolperte durch einen Hintereingang in die Bibliothek.
Krachend fiel die schwere Tür ins Schloss, unverhältnismäßig laut für eine einzelne Tür - sie musste zigfach mit allen möglichen Sorten Magie verstärkt worden sein, vermutete Link.
Ein Blick in die Mitte des Raumes bestätigte seinen Verdacht - ein komplizierter Runenkreis war in die Mitte der Bibliothek gezeichnet worden, in dessen Mitte die rätselhafte Shiekah saß, regungslos, in ihre Beschwörungen versunken.
Immer wieder erstaunte den Hylianer ihre Macht, Dunkles abzuwehren, aber wie sie selbst einmal gesagt hatte - "Wer in den Schatten lebt, kennt auch ihre Schwächen."
"Die Flure sind nicht mehr sicher, Impa", sagte Zelda atemlos und stolperte, unsicher auf den Beinen, nach vorne. Link eilte schnell an ihre Seite, stützte sie etwas, und sie warf ihm einen dankbaren Blick zu, den er zaghaft erwiderte. "Es ist wieder ein Kreis gefallen. Und ich habe das Gefühl, dass es immer mehr werden."
Die Shiekah seufzte nur leise und öffnete dann die Augen. "Ihr solltet Euch nicht zu sehr verausgaben, Hoheit. Ihr habt seit vier Tagen nicht geschlafen. Ihr seid am Ende Eurer Kräfte."
"Ich werde das Schloss nicht aufgeben", sagte Zelda und ließ sich auf einen Sessel sinken, lehnte ihre Hand an den Kopf. Ihre Wunde pochte.
Link biss sich auf die Lippen, ließ den Blick über den großen Raum schweifen, in dem sich rund zwanzig Überlebende gesammelt hatten - keine Soldaten, sondern Bedienstete, Küchenpersonal, Zeldas Kammermädchen und zwei oder drei alte Veteranen, die kaum noch für den Schwertkampf tauglich waren. Kinder und alte Leute, überlegte er bitter. Nichts, was einem Ansturm standhalten würde.
Er warf Zelda einen Seitenblick zu. "Ihr solltet euch wahrlich ausruhen, Prinzessin. Ihr werdet Eure Kraft noch brauchen..."
Wenn er nur wüsste, wer für den Angriff verantwortlich war…
"Ich kann mich nicht ausruhen. Ich muss mein Volk beschützen." Zelda stand wieder auf, knickte aber zur Seite weg. Sie fing sich am Sessel und zog dann missmutig einen ihrer Schuhe aus -- ihr war der Stöckel abgebrochen. "Auch gut. Ich werde auch barfuss dieses Schloss beschützen, wenn es sein muss."
"Ihr werdet niemandem helfen können, wenn Ihr mitten während eines Kampfes umkippen solltet", seufzte Link und drückte die Thronerbin sanft in einen Sessel. "Wir sind hier vorerst sicher, Ihr solltet wirklich zumindest für einige Stunden schlafen", meinte er mit einem Seitenblick auf Impa, die in letzter Zeit sicher kaum mehr Schlaf gefunden hatte als die Prinzessin, aber nicht müde, sondern nur sehr konzentriert wirkte.
"Auch ich werde mich zumindest für kurze Zeit niederlegen", meinte er. "Es hilft niemandem, wenn man halbtot in den Kampf zieht."
Zelda überlegte sich einen Augenblick lang, ob sie protestieren sollte, aber sie wusste, dass er Recht hatte. Sie ließ sich zurücksinken und seufzte. "Wahrscheinlich hast du Recht..." Dann sah sie ihn an und schenkte ihm ein Lächeln, ein kurzes nur, aber voller Wärme.
Er lächelte schwach zurück, wandte dann aber den Blick ab, schloss die Augen und ließ sich in einen freien Stuhl fallen. Bei den Göttinnen, er war wirklich am Ende seiner Kräfte, jetzt konnte er Herzklopfen wirklich nicht gebrauchen. Und das bekam er immer, wenn sie ihn anlächelte.
Jedenfalls würde er sie bis zum Allerletzten verteidigen, egal um welchen Preis...
Aber dafür musste er erst einmal wissen, wie diese Schattenkreaturen umzubringen waren, verdammt noch mal! Er knirschte mit den Zähnen, entschloss dann aber, sich einfach nur auszuruhen.
Hier in der Bibliothek schien es tatsächlich noch sicher zu sein. Keine Schatten waren zu sehen oder zu hören und den Menschen, die noch hier waren, war noch nicht alle Hoffnung genommen. Impa hielt sich abseits, und niemand störte sie. Prinzessin Zelda selbst blieb ein paar Minuten mit geschlossenen Augen in ihrem Sessel sitzen, aber irgendwann stand sie wieder auf und lief geschäftig herum, verteilte den Proviant, den man hatte retten können, versorgte mit ihrer heilenden Magie Wunden und sprach ihrem Volk Mut zu. Ihr eigenes Wohl kam ihr immer zuletzt, und solange nicht der letzte Säugling in den Schlaf gewiegt war, würde sie selbst auch keine Ruhe finden.
Der Tag ging vor den Fenstern dahin, und man entzündete Öllampen. Licht, so vermuteten Link, Zelda und Impa jedenfalls, müsste die Schatten abschrecken. Es würde ruhig im Lager.
Irgendwann kam die Prinzessin zu Link und hielt ihm ein paar Scheiben Brot und einen Krug Wasser hin. „Hier, nimm“, sagte sie sanft. „Und dann lass mich deine Wunden sehen.“
Er lächelte ihr dankbar zu und nahm den Krug und das Brot entgegen. "Es ist nur eine Schnittwunde an meiner Schulter", meinte er. "Eines dieser Biester war mir zu schnell und hat mich erwischt." Er zeigte auf einen Riss in seiner Tunika. "Seltsamerweise blutet es aber nicht und tut auch kaum weh, fühlt sich nur ein wenig taub an..."
"Hmm." Zelda strich die Tunika beiseite und befühlte vorsichtig Links Haut. "Ja, ich habe diese Wunden schon gesehen. Sie sind wirklich seltsam. Bisher scheint meine Magie sie aber heilen zu können. Ich hoffe, es bleibt so." Sie ließ die Hände in den Schoß sinken. "Würdest du die Tunika bitte ausziehen?" Wenn es sie in irgendeiner Art und Weise bewegte, das zu sagen, ließ sie sich nichts anmerken.
Link jedoch zögerte und wurde etwas rosa um die Nase, kam der Aufforderung aber nach. Gleichzeitig verdrehte er den Kopf, um selbst einen Blick auf seine Verletzung werfen zu können, was daran scheiterte, dass sie sich über seine Schulter hinunter über seine Schulterblätter zog. "Könnt... könnt Ihr sehen, wie schlimm es ist?", fragte er zögerlich. "Ich kann es nicht sehen und spüren auch nicht wirklich..."
"Mir wäre es fast lieber, das hier wäre eine richtig böse Fleischwunde", seufzte Zelda. "Da weiß ich wenigstens, wie schlimm es ist. Aber das hier..." Sie strich über Links nackte, blässlich wirkende haut. Es war keine Wunde zu sehen, nur war die Haut kalt und farblos. "Tut das weh?", fragte sie und zwickte ihn leicht.
"Kaum", schüttelte Link den Kopf. "Ich kann es zwar spüren, aber nur sehr dumpf, als wären mehrere Schichten Stoff darüber..." Er seufzte. "Ich möchte nicht wissen, was passiert wäre, wenn dieses Ding mich am Kopf erwischt hätte, oder womöglich an..."
Weiter kam er nicht, denn in derselben Sekunde krachte jemand durch die Holztür in die Bibliothek, ein Soldat mit völlig zerrissenem Kettenhemd, fehlendem Helm und mehreren scheußlich schwarzen Schnittwunden im Gesicht, diesen Wunden, die nicht bluteten... aber bei ihm sahen sie zehnmal schlimmer aus als bei Link, als seien die Schatten von allen Seiten auf ihn eingestürzt. Er sah nicht aus, als sei er überhaupt noch in der Lage zu stehen, doch er kämpfte sich tapfer weiter, in die Richtung der Prinzessin.
"Hoheit... Hoheit... es gibt... Neuigkeiten! Bitte... hört mich an!" Er kniff das Gesicht zusammen, als müsse er sich schwer beherrschen, nicht in Ohnmacht zu fallen. "Jemand... jemand ist hier. Hier im Schloss!"
Zelda kam schnell wieder auf die Füße und stützte den Mann. "Schon gut! Beruhige dich. Hier bist du in Sicherheit. Gebt ihm etwas zu trinken! Bitte, setz dich und erzähl, was du gesehen hast."
Der Soldat schob den angebotenen Krug ungeschickt beiseite und schüttelte den Kopf. "Nein... nein, keine Zeit, Hoheit. Ihr müsst fliehen, so weit ihr könnt." Er hustete, dabei quoll schwarzer Qualm aus seinen Mundwinkeln... nicht sehr viel, aber Link hatte es dennoch gesehen. "Diese... Monster gehorchen ihm, er behandelt sie, als wären sie seine Kinder... und sie... gehorchen ihm, versteht Ihr...?" Er blinzelte und starrte für einen Augenblick an die Decke, als hatte er vergessen, was er sagen wollte, riss sich aber dann zusammen. "Und er... verlangt, dass Ihr Euch ergebt und freiwillig zu ihm kommt..."
Zelda schwieg einen Moment. "Wo hast du ihn gesehen? Wer ist er... Ein Mensch? Es ist nicht Ganon, oder? Bitte, reiß dich zusammen", sagte sie, als sie merkte, dass der Blick des Mannes entrückte. Sie fasste nach seinen Schultern, wollte ihm ihre heilende Hand auflegen -- doch zu spät. Der Soldat war tot. Zelda schloss ihm die Augen, legte ihn sacht zurück und schwieg.
"Ich werde gehen", sagte sie dann und erhob sich.
"Das kommt überhaupt nicht in Frage!", fuhr Link hoch und zwängte sich ungeschickt in seine Tunika zurück. "Wenn Ihr Euch ergebt, dann hat der Angreifer bekommen, was er wollte und ich glaube kaum, dass es etwas Gutes ist." Er griff nach seinem Schwert. "Lasst mich gehen. Wenn es ein Mensch ist, kann ich ihn töten."
"Unter der Voraussetzung, dass unser Angreifer das Königreich in Ruhe lässt, bin ich durchaus bereit, mich zu opfern", sagte Zelda ruhig. "Und wenn er das nicht tun sollte, hat Hyrule noch immer dich. Wenn du sofort gehst, rennst du nur in deinen eigenen Tod. Link, bitte bring diese Menschen in die Katakomben und beschütze sie, so gut es geht."
"Das kann ich nicht zulassen", schüttelte Link den Kopf. "Wer weiß, was er mit Euch anstellen wird?", fügte er mit einem Seitenblick auf den toten Soldaten hinzu. "Ihr seid immerhin nun die Königin, die Menschen hier brauchen Euch!" Er warf einen hilfesuchenden Blick in Impas Richtung. "Impa, bitte, sagt uns, was Eure Meinung dazu ist!"
Impa stand langsam auf, verließ aber den auf den Boden gezeichneten Bannkreis nicht. "Hoheit, ich muss dem Herrn der Zeit zustimmen. Wir können nicht verantworten, Euch zu verlieren. Ihr seid die einzige Überlebende des Königsgeschlechtes. Euer Volk braucht Euch."
"Aber..." Zelda brach ab, sah hinüber in die ängstlichen Gesichter der Menschen. Dann sah sie zu Link und zurück zu ihrer Amme. "Also gut." Ihre Gestalt straffte sich wieder. "Wir fliehen zusammen in die Katakomben. Aber Link..." Sie wandte sich wieder ihm zu. "Du kommst mit uns. Solange wir nicht wissen, mit wem oder was wir es zu tun haben, erlaube ich dir keinen Kampf, es sei denn, es ist unverzichtbar für unser oder dein Leben. Kommt jetzt. Wir müssen eilen."
Link nickte grimmig. "Gut, wir werden ohnehin Mühe haben, jeden hier sicher aus dem Schloss zu geleiten. Ich weiß nicht, wie sicher die Wege zu den Katakomben sind..."
Er biss sich auf die Lippen. Genaugenommen waren die Wege überhaupt nicht sicher, aber das Risiko mussten sie wohl eingehen. Zelda hatte Recht, wenn sie sagte, dass es zu riskant war, gegen etwas anzutreten, das man noch nicht einmal kannte.
Link warf noch einen letzten Blick zu der Leiche des Soldaten und wurde das Gefühl nicht los, dass damit etwas nicht stimmte. Verdammt, aber was war es bloß?
Egal. Darüber würde er später nachdenken, jetzt galt es erst einmal, von hier zu verschwinden.
Eilig wurde das bisschen Gepäck zusammengepackt, was man hier gelagert hatte. Impa blieb zurück, sie wolle nachkommen, sobald die Gruppe im nächsten Bannkreisgebiet war. Einige der älteren Soldaten, darunter ein ausgedienter Offizier, leiteten die Gruppe vorne, Link und Zelda gingen als Nachhut.
Obwohl auf den Gängen zum Gebirge hin keine Fackeln mehr brannten und keine Bannkreise errichtet waren, begegneten sie keinen der offensiven Schatten. Es begleitete die Gruppe ein stetes leises, wortloses Flüstern aus allen Ecken und Winkeln, aber es kam zu keinem Zwischenfall.
Sehr zügig hatten sie die Keller erreicht und den Eingang zu den Katakomben. Zelda löste das magische Siegel auf der Türe und verschloss sie fest wieder, als sie alle in dem schmalen, unbeleuchteten Gang standen.
"Ich hoffe, Impa kommt schnell nach", sagt Zelda leise.
"Ich hoffe es auch", brummte Link besorgt und starrte die Türe an. "Ich weiß nicht, wie groß unsere Chancen ohne sie sind..." In ihm sträubte sich etwas, einfach loszugehen, aber er hatte wohl keine andere Wahl. Impa würde schon klarkommen, schließlich hatte sie Erfahrung mit dem Reich der Dunkelheit.
Trotzdem beschlich ihn ein unbehagliches Gefühl, als er Zelda durch den schummrigen Korridor folgte.

Impa stand alleine in der dunklen Bibliothek. Der Bannkreis brach und bröckelte. Nicht mehr lange, und er würde ganz brechen. Aber sie würde nicht weichen. Die Prinzessin und Link brauchten Rückendeckung. Und es wäre nicht das erste Mal, dass sie gegen die Schatten kämpfte. Sie war ja eine davon, die letzte vom Schattenvolk. Sie hatte keine Angst vor der Dunkelheit.
Sie pustete die letzte Kerze aus und schon merkte sie, dass die Schatten um sie waren. Sie glitten um sie herum, flüsterten und zischten, griffen jedoch nicht an, als hätten sie Angst vor ihr.
Oder als hielte sie jemand zurück.
"Ah. Eine Shiekah", durchschnitt urplötzlich eine ebenso flüsternde, aber messerscharfe Stimme den Raum. "Ich dachte mir bereits, dass Prinzessin Zelda, Auserwählte der Dunkelheit, nicht ohne Schutz sein wird..."
Die Dunkelheit flackerte, verbog sich und offenbarte eine schmale Gestalt, die plötzlich mitten im Raum stand, nicht weit von Impas gezeichnetem Bannkreis. Sie war ebenso schwarz und wabernd wie die Schattenkreaturen, wirkte aber dennoch auf seltsame Art und Weise menschlich, auch wenn es unmöglich war, Details an der Erscheinung zu erkennen. Trug er einen Mantel oder einen Umhang? War es Stoff oder nur ein weiterer Schatten? Waren das seine Haare, die ihm ins Gesicht hingen, oder auch wieder nur rauchige Schemen, die sein aschfahles Gesicht umspielten?
"Shiekah, Shiekah...", säuselte der Besucher, als erinnere er sich an etwas Angenehmes. "Vermutlich kennt Ihr mich nicht persönlich, aber ich bin mir sicher, dass Ihr schon einmal von mir gehört habt... In sehr alten Büchern vielleicht, alten Shiekah-Legenden oder Gruselmärchen für Kinder?"
"Ja. Ich hatte schon so eine Befürchtung, als ich die ersten Schatten sah." Impa blieb ruhig. "Ich hätte nicht gedacht, dass es Euch wirklich gibt. Also stimmen die Geschichten, die man sich unter meinem Volk erzählt hat?"
"Das Meiste ist frei erfunden, um kleine Kinder zu erschrecken", zischte die Erscheinung, schritt langsam auf Impa zu und zog dabei einen Strudel aus Dunkelheit mit sich. "Aber es stimmt, dass Euer Volk mich einst einfach in der Dunkelheit zurückgelassen hat, als ich es brauchte. Ihr seht ja, was aus mir geworden ist... Shiekah!" Diesmal spie er das Wort beinahe aus. "Aber ich bin bereit, euch zu verzeihen, immerhin hat meine Macht so um ein Vielfaches zugenommen." Der Schatten streckte eine Hand aus. "Ich lege keinen Wert darauf, Euch zu töten - lasst mich einfach nur durch, alles was ich will, ist die Prinzessin, sonst nichts..."
"Ihre Majestät ist meine Schutzbefohlene und ich werde Euch nicht weichen, solange noch ein Funken Licht und Leben in mir stecken. Ich werde Euch so lange aufhalten, wie ich es muss, um Prinzessin Zeldas Sicherheit zu gewähren." Impa machte sich zum Angriff bereit. "Im Übrigen habt Ihr mit Euren Schatten keine Chance gegen sie. Die Prinzessin trägt die Kraft des Lichtes in sich."
"Genau deshalb, Shiekah. Genau aus diesem Grund suche ich sie!" Die leeren Augen der Erscheinung weiteten sich. "Seid nicht dumm, flieht, solange Ihr noch könnt!"
Als Impa sich nicht rührte, nickte der Schatten, beinahe zufrieden. Gleichzeitig schien es in dem Raum sogar noch dunkler zu werden und der Schatten flackerte, als er auf merkwürdige Art und Weise an Kontrast, ja, an Präsenz zunahm. "Ganz wie Ihr wollt, Schattenkriegerin." Er streckte einen Arm zur Seite aus, mit einem schnappenden Geräusch erschienen drei unterschiedlich lange Klingen zwischen den Fingern des Schattens. "Dreipunktklingentechnik, eine uralte Shiekahkampfkunst... vielleicht seid Ihr damit vertraut?"
"Mein Meister beherrschte sie." Über Impas Lippen zuckte für einen Moment ein Lächeln. "Und ich bin nicht ganz ungeübt darin, diese Technik zu parieren, Schattenherr." Sie zog eine Klinge aus einem Halfter an ihrem Rücken. "Kommt, wenn Ihr euch traut."
"Dann brauche ich mich ja nicht zurückzuhalten..."
Plötzlich stand der Schatten direkt vor ihr und griff erbarmungslos an, dabei wechselten die Messer so schnell von einer Hand zur anderen, dass ein Normalsterblicher keine drei Sekunden lang überlebt hätte. Mal hielt er alle Klingen in der linken, dann wieder in der rechten Hand, ab und zu hielt er auch in jeder Hand jeweils ein oder zwei Messer. Schwarzes Metall sirrte, schlug gegen Impas silberne Schneide, doch diese schien eine nahezu undurchdringliche Verteidigung zu haben.
Leider kam sie auch nicht dazu, anzugreifen, aber sie hatte eine Technik. Selbst, wenn die alten Märchen ihrer Mutter damals gelogen gewesen sein mochten, jede Legende trug Wahres in sich. Und Schatten konnten nicht dort sein, wo Licht war. Impa musste nur zweit gewinnen, biss die Prinzessin und Link in Sicherheit waren.
Sie machte einen Satz und landete sicher auf einem der alten Bücherregale, und gerade, als der Schattenherr ihr nachsetzen wollte, warf sie ihm weißes Pulver entgegen, dass jeder Shiekah bei sich trug. Es gab einen gleißenden Lichtstrahl und für einen Augenblick, in dem alles weiß war, waren alle Schatten aus der Bibliothek verschwunden. Diesen Augenblick nutzte Impa, um aus der Bibliothek zu verschwinden. Sie floh zu den Katakomben.
Sie konnte den Schattenherren aufhalten. Töten konnte ihn niemand.
Wütendes Fauchen, als das gleißende Licht langsam verklang und die Dunkelheit zurück in die Bibliothek kehrte. Schatten krochen über den Boden, als der Schattenherr sich erhob und einen Blick in die Richtung warf, in die seine Gegnerin verschwunden war.
Flüsternd sammelten sich die Schattenkreaturen um ihren Herrn, der geistesabwesend durch die schwarzen Schemen strich, als streichle er ein Haustier. "Nein, nein, ist schon in Ordnung, meine Kinder. Sie ist gut, aber es ist nur eine Einzige. Wir machen das eben anders..." Er sah sich um. "Vorerst bleiben wir hier, wir haben alle Zeit der Welt. Die Prinzessin wird früher oder später zu uns kommen müssen, bis dahin werden wir es einfach genießen, wieder einmal physische Erscheinung zu besitzen, nicht wahr?"
Zischen war die Antwort, doch der Schattenherr schien es zu verstehen, denn er nickte nur, drehte sich um und verschmolz mit der Dunkelheit um ihn herum.
Und unaufhaltsam versank das ganze Schloss in einem Strudel der Schwärze.

Kapitel 2

Zelda blieb stehen und sah zurück. Der niedrige, kühle Gang der Katakomben in Richtung des Todesberges schien kein Ende zu nehmen, und Zelda meinte immer, einen modrigen Lufthauch zu spüren. Oder war das nur Einbildung?
Sie hatten Fackeln entzündet, aber hinter ihnen krochen ihre Schatten lang und zuckend über die grauen Tunnelwände. Es waren nur ihre Schatten, nicht die, die sie zu fürchten gelernt hatte. Aber für wie lange würde das wohl so bleiben?
Zelda wandte sich wieder um. Link war ebenfalls stehen geblieben und wartete auf sie. Sie waren ein Stückweit zurückgefallen, und endlich fand Zelda den Mut, um zu sagen, was ihr auf dem Herzen lag. „Wenn ich diesen Tunnel verlasse, werde ich meinem Volk Rechenschaft schulden“, sagte sie. „In Goronia haben ich die Leute aus Kakariko versammelt. Sie werden eine Rede hören wollen. Aber ich... ich weiß nicht mit welchen Worten ich ihnen Mut zusprechen soll.“
"Mit Ansprachen habe ich wenig Erfahrung", antwortete Link leise und senkte den Blick. "Aber vielleicht solltet Ihr ihnen einfach sagen, was passiert ist und welche Gefahren es gibt. Die Menschen müssen wissen, worauf sie sich vorbereiten müssen."
Er warf einen zögernden Blick über die Schulter. "Ich hoffe, dass Impa nichts zugestoßen ist", meinte er und stutzte, als er seinen eigenen Schatten sah, den er warf, der aber seltsam dünn wirkte, zu blass. Aber das war wohl nur Einbildung, er kniff die Augen zu und wandte sich wieder um. "Wir werden sie brauchen, wenn wir den Goronen die Situation erklären wollen..."
"Es ist sehr lange her, dass Hyrule unter einer solchen Bedrohung war." Zelda raffte ihren Rock wieder zusammen und schloss zu Link auf. Sie war noch immer barfuss, und langsam stach die Kälte in ihren Zehen. "Und Impa ist meine geringste Sorge. Sie ist eine Shiekah. Sie hat schon einiges überlebt. Und ich wüsste, wenn sie stürbe... Los, komm. Der Abstand zu den anderen sollte nicht zu groß werden."
Link folgte der Prinzessin und war erleichtert, als der scharfkantige Felsboden flacher und die Kälte weniger schneidend wurde. Sie näherten sich eindeutig Goronengebiet - es wurde wärmer und der Boden begehbarer. Blieb nur zu hoffen, dass die Goronenstadt noch unberührt von den Schatten war, aber die urtümliche Magie der Felsenbewohner stand Impas Bannkreisen glücklicherweise nicht viel nach, also bestand Hoffnung.
"Wir werden Darunia um Unterstützung bitten müssen", meinte Link um die Stille zu brechen. "Ich hoffe nur, dass er die Situation auch begreift..."
"Wenn nicht, werde ich ihm das Schloss zeigen. Ohne meine und Impas Magie wird es mittlerweile eingenommen worden sein." Zeldas Blick war starr auf den Boden vor sich gerichtet. "Ich kann ihm nicht erlauben, mein Land in einer Situation wie dieser im Stich zu lassen. Er mag der Häuptling der Goronen sein, aber ich bin noch immer die Königin dieses Reiches!" Stolz hob sie das Kinn an und schritt weiter.
Link schwieg, denn er kannte die Launen des Goronenhäuptlings gut. Er war zwar gerecht und stolz, konnte aber oft sehr zurückweisend sein, kam ganz darauf an, in welcher Laune man ihn vorfand.
Link hoffte einfach, dass die Tatsache, der Blutsbruder des Felsbewohners zu sein, ausreichen würde, um ihn um Hilfe zu bitten.
"Ähm... Er ist anfällig für Schmeicheleien und Musik", fügte Link hinzu. "Vielleicht könnt ihr ihn so mild stimmen..."
"Er steht unter meinem Befehl, sollte dir das entgangen sein", sagte Zelda streng. "Und wenn er uns Hylianern die Hilfe verweigert, werden auch die Schutzwälle der Goronen nicht lange halten. Wenn wir nicht zusammen halten, wird Hyrule schneller gefallen sein, als er Felsenfilet sagen kann. Ich werde mit ihm reden, und er soll einen Botschafter zu König Zora schicken. Und zur Not werde ich selbst die Gerudo um Hilfe bitten. Aber ich werde mein Königreich beschützen, und wenn es am Ende doch mein eigenes Opfer bedeutet."
Link hob abwehrend die Arme, als hätte die Prinzessin ihn persönlich angegriffen. "Ich bin sicher, er wird sich nicht weigern, wenn er verstanden hat, worum es geht."
Er blieb kurz stumm und sah Zelda nach, die vor ihm durch die Gänge stolzierte, todmüde aber zu stolz, es zuzugeben. "Es wird nicht Euer Opfer erfordern", meinte er dann plötzlich. "Dafür sorge ich."
"Wollen wir es hoffen", sagte Zelda leise, konnte aber nicht verhindern, dass sie lächeln musste. Er zeigte seine Zuneigung nicht oft, und wenn, dann eher in seinem Beschützerdrang, aber sie nahm es zur Kenntnis. "Ich werde mit Darunia reden, und dann sehen wir weiter."
Kaum, dass sie ausgesprochen hatte, erklang von vorne ein Ruf. Sie hatten die Katakomben hinter sich gebracht. Es fiel Fackelschein in den Gang und man hörte das Stimmengewirr von Hylianern und Goronen in der Ferne.
Langsam wechselten die Temperaturen auch von warm zu heiß - Goronia war nahe am Todesberg erbaut, viel zu nahe, fand Link. Aber die Goronen scherten sich ja bekanntlich nicht um Hitze.
Sie betraten die Goronenstadt durch einen schmalen, gut versteckten Gang, vorbei an einigen Donnerblumenknospen, an denen Link besonders vorsichtig vorbeiging. Bei diesen Gewächsen konnte man nie wissen.
"Es scheint so, als wüssten sie bereits, dass wir kommen", meinte er nüchtern, als er die runden, dauerlächelnden Gesichter der Felsenbeißer sah, die sich ihnen interessiert, aber keineswegs überrascht zuwandten. "Wir sollten so schnell wie möglich Darunia aufsuchen und dann erst einmal rasten."
Zelda sorgte erst einmal dafür, dass die Goronen gut auf die Überlebenden aus dem Schloss aufpasste, ehe sie, von Link gefolgt und von einem Goronen geführt, die Kammer des Häuptlings aufsuchte.
Der Gorone kündigte sie an und hielt dann den Stoffvorhang mit dem Emblem der Goronen beiseite, um die zwei Hylianer eintreten zu lassen.
Zelda blieb in der Mitte des Raumes stehen. Es war lange her, dass sie dem Weisen des Feuertempels gegenüber gestanden hatte, und seine imposante Gestalt schüchterte sie doch etwas ein, aber sie besann sich schnell. Sie knickste kurz und suchte dann mit straffer Haltung den Blick aus den schwarzen Augen des Goronen. „Es sind traurige Umstände unseres Treffens, Darunia“, sagte sie.
Link sah schon beim Eintreten, dass der Häuptling nicht unbedingt in fröhlichster Laune war. Er bedachte Zelda und sogar Link mit einem wahrhaft finsteren Blick - jemand, der ihn nicht kannte, hätte vermuten können, er wäre eben tödlich beleidigt worden.
"Graphit und Bimsstein!", fluchte der Gorone urplötzlich los und hieb mit seiner riesigen Faust gegen die Wand. "Traurige Umstände, traurige Umstände - bringt mir denn niemand gute Nachrichten?" Ebenso plötzlich jedoch schien er sich wieder zu beruhigen - zumindest verhältnismäßig. "Nun, sprecht, Prinzessin von Hyrule. Und sprecht schnell, ich habe meine Zeit nicht gestohlen!"
Zeldas Miene änderte sich nicht einen Deut. „Zuerst einmal, Häuptling, bin ich die Königin von Hyrule. Mein Vater ist einem unbekannten Angreifer zu Opfer gefallen. Offenbar steht Hyrule vor einer Invasion. Das Schloss dürfte mittlerweile eingenommen sein. Ich weiß nicht, wie es um Kakariko steht, aber angesichts der Tatsache, dass fast das ganze Dorf sich hierher geflüchtet zu haben scheint, dürfte sich auch diese Frage von allein beantworten. Ganz offenbar hat ihr Anführer – wer auch immer das ist – es auf mich abgesehen. Eine Wache, die leider verstorben ist, hat mir berichtet, dass man mich ausgeliefert sehen will. Wir brauchen alle Unterstützung, die wir bekommen können.“
Darunia brummte etwas in goronischem Dialekt in sich hinein und rieb sich das Kinn. "Das klingt nicht besonders erfreulich, Prinzessin… oder Königin... was auch immer." Er schien für einen Moment mit den Gedanken weit entfernt zu sein. "Nun, Eure Familie hat uns immer unterstützt, ihr könnt auf unsere Hilfe zählen. Doch zuerst erzählt mir mehr, ich brauche nähere Informationen." Er lehnte sich zurück und Link dachte schon, er sei völlig ruhig, doch im nächsten Moment fuhr der bullige Gorone wieder auf. "Und was soll das hier eigentlich, beim tollwütigen Dodongo! Wir haben Gäste, bringt ihnen Erfrischungen, zum Drachen noch mal!"
Zelda zuckte diesmal ein wenig zurück, aber dann versuchte sie an einem brüchigen Lächeln. "Vielen Dank für deine Unterstützung. Was unsere Angreifer angeht... Nun..." Sie warf Link einen hilfesuchenden Blick zu. "Ich kann mir gar nicht erklären, woher sie kommen. Sie waren einfach da, wie wenn sich eine Wolke vor die Sonne schiebt. Sie haben keine Materie und nichts scheint sie zu verletzen. Mit Bannkreisen und Licht haben wir sie einigermaßen unter Kontrolle halten können, aber im Grunde können wir nur vor ihnen weglaufen."
Darunia warf den - für Goronenverhältnisse - äußerst hektisch hereinwuselnden Goronen einen bitterbösen Blick zu, wandte sich dann aber zurück an Zelda. "Habt Ihr alles probiert? Wie genau sehen sie aus?"
Link nahm mit gemischten Gefühlen den glatt geschliffenen und reich verzierten Steinbecher entgegen, den einer der Goronen ihm reichte. Er kannte dieses goronische Getränk - es war scharf wie die Hölle und knirschte zwischen den Zähnen, aber es abzulehnen wäre unhöflich gewesen. "Wie... Schatten", antwortete er anstatt der Prinzessin, die ihren eigenen Becher ebenfalls nicht sehr begeistert musterte und nahm einen kleinen Schluck. "Sie haben annähernd menschliche Form, aber können durch die kleinste Ritze schlüpfen und aus ihren Armen Klingen formen und Ähnliches." Weiter kam er nicht, denn der goronische Sake brannte wohl soeben ein Loch in seine Magenwand - zumindest fühlte es sich so an.
Zelda beobachtete Links Reaktion auf das Getränk beunruhigt und starrte dann auf ihren eigenen Becher. "Sie scheinen nicht durch Wände zu kommen, daher ist Gononia wohl vorläufig noch sicher. Wir haben die Türen zu den Katakomben wieder hinter uns geschlossen, aber ich bin mir sicher, dass sie früher oder später einen Weg durch die Türschlitze finden. Wahrscheinlich ist es nur eine Frage der Zeit, bis auch Goronia fällt. Wir müssen dringend die anderen Völker benachrichtigen."
Link hustete und versuchte krampfhaft zu lächeln, obwohl ihm die Tränen in den Augen standen. Woraus brauten die Goronen dieses Teufelszeug nur? "Jedenfalls wäre es ratsam, wenn Eure Schamanen die Eingänge versiegeln, das hat sich bisher als recht wirkungsvoll erwiesen."
Darunia antwortete nicht, sondern wandte sich um - eine gute Gelegenheit für Link, den Sake in einen Topf zu kippen. "Das erinnert mich an eine alte Geschichte... Sagt, ist Impa in der Nähe? Ich wünsche, sie zu sprechen..."
"Sie hat uns Rückendeckung gegeben und wird nachkommen." Zeldas Tonfall ließ erahnen, dass sie nicht duldete, dass etwas anderes passierte. "Ihre Bannkreise waren neben meiner Magie das Wirksamste, was wir bisher angewandt haben. Ich möchte, dass du jede Ahnung, die du über unseren Feind zu haben glaubst, auch mir erzählst. Stolz und Egoismus ist das Letzte, was ich in Zeiten der Bedrohung sehen möchte."
Link zog vorsorglich schon mal den Kopf ein und bereitete sich auf den kommenden Wutanfall vor - der aber ausblieb. Darunia warf Zelda nur einen sehr ernsten Blick zu.
"Seid Ihr mit der Geschichte Hyrules der achten Dekade unter König Girdion II bekannt? Es ist etwa tausend Jahre her, daher wird die Geschichte heute kaum noch jemand kennen..."
"Ich glaube, als kleines Mädchen darüber gelesen zu haben", sagte Zelda. In der Tat hatte sie in ihrem jungen Alter schon beträchtliche Teile der königlichen Bibliothek durchgelesen und war in der Geschichte Hyrules, seinen Mythen und legenden bewandert wie kaum ein anderer. Niemand verdiente das Triforcefragment der Weisheit so sehr wie sie.
"Gut, dann habt Ihr gewiss von dem Krieg gehört, der seinerzeit das Land durchzog. Nun, Impa kann Euch sicherlich mehr erzählen, aber laut den alten Schriften war es ein Krieg um ein einziges Artfakt, das ähnlich dem Triforce unbegrenzte Macht verleihen sollte. Aber das war eine Lüge." Hier machte der Goronenhäuptling eine Pause und seufzte. "Man weiß bis heute nicht wie, aber ein junger Shiekah schaffte es tatsächlich, seine Finger auf das Artefakt zu legen..."
Zelda ließ vor Schreck ihren Becher fallen, und das Getränk verteilte sich auf ihrem weißen Rock und dem Boden. "Oh... entschuldigt..." Sie kniete sich hin und nahm mit zitternden Händen den Krug wieder auf, aber schon waren zwei Goronen an ihrer Seite und baten sie, ihnen die Arbeit zu überlassen. Zelda blieb erst einmal sitzen. "Du redest vom Schattenherrn", sagte sie tonlos. "Jenem Shiekah, der die königliche Familie verraten hat. Der erste und einzige Verrat des Königshauses durch einen Shiekah. Bei den Göttinnen. Impa hat mir davon erzählt. Ich dachte immer, es sei wirklich nur ein Märchen gewesen. Und hieß es nicht in den Geschichten, er sei für immer im Land der Schatten eingesperrt?"
Für einen Augenblick machte Darunia einen hilflosen Eindruck. "Ihr fragt mich zuviel, ich bin mit der Geschichte der Shiekah nicht so vertraut... Wenn ihr stattdessen über die Goronischen Schlachten der sechsten Dekade hören wollt, dann..." Er fing den Blick der Prinzessin auf. "Schon gut. Alles, was ich weiß, ist dass derjenige, den man heute den Schattenherrn nennt, im Reich der Schatten verschwunden ist, kurz bevor er die Chance nutzen konnte, mit der Macht, die er bekommen hatte, alles zu unterwerfen. Ich weiß nicht wie und warum und auch nicht, was er hier suchen könnte..."
"Die weiße Magie, er ist hinter meiner Lichtmagie her." Zelda vergrub das Gesicht in ihren Händen. "Wir müssen auf Impa warten. Sie wird mehr wissen. Oh Nayru, hoffentlich ist sie ihm nicht begegnet." Es war das erste Mal, dass Zelda wirklich Angst um ihre Amme und Angetraute hatte, aber sie hatte die Legenden und Gruselmärchen der Shiekah schon als Mädchen gelesen und erinnerte sich gut daran.
Auf einmal fühlte sie sich unglaublich müde und hilflos.
"Sie kommt zurück. Ich bin mir sicher", meinte Link leise, der während Darunias Erzählung nur still dagesessen hatte und für einen Augenblick lang verspürte er das dringende Bedürfnis, eine Hand beruhigend auf Zeldas Schulter zu legen, hielt sich aber noch rechtzeitig zurück. Sie war eine Adelige und er höchstens einer ihrer Ritter. Also versuchte er es weiter mit Worten, obwohl er kein Freund großer Reden war. "Wir wüssten, wenn ihr etwas zugestoßen wäre, ganz besonders Ihr. Hat sie Euch nicht selbst ausgebildet?" Shiekah und ihre Schüler hatten immer eine spezielle Verbindung, das wusste er.
Zelda warf Link einen verzweifelten Blick zu und nickte dann ein wenig. "Ja, sie wird wohl noch kommen." Sie kam wieder auf die Beine und ordnete schnell ihre Haare ein wenig. "Ich... werde mich für heute zurückziehen, wenn es recht ist", sagte sie und versuchte, sich nicht anmerken zu lassen, wie verzweifelt und verängstigt sie war. "Ich brauche dringend Ruhe und Zeit zum Nachdenken..."
"Daran tätet ihr gut, Hoheit", antwortete Link mit einem besorgten Blick auf die schlanke und zerbrechlich aussehende junge Frau, auch Darunia nickte.
"Ihr müsst Euch ausruhen, wer weiß, was noch passieren wird", meinte er freundlich, nur um dann wieder urplötzlich wutschnaubend nach seinen Untergebenen brüllend. "Und warum sind meine Schamanen noch nicht bei der Arbeit, Gips und Vulkanasche noch mal!"
Darunia schien also wieder seine alte Laune wiedergefunden zu haben, so machte Link, dass er die Prinzessin schleunigst nach draußen begleitete. Sie brauchte Ruhe, und ein cholerischer Gorone war das Letzte, das sie nun brauchte.
Link ging dicht hinter Zelda, als sie den Tunnel vom Darunias Häuptlingskammer in Richtung der Stadt entlanggingen. Auf der andern Seite hatte sich eine beträchtliche Traube aus Hylianern und Goronen gebildet, die eine Gasse bildeten, als Link und Zelda aus dem Tunnel in den sanften Fackelschein der unterirdischen Stadt traten. Die Prinzessin sah ihren Untertanen in die Augen, als sie sich Schritt für Schritt vorwärts kämpfte. Überall sah sie Angst und Schecken in den Gesichtern von Jung und Alt. Diese Leute brauchten sie, wollten Rat und Trost von ihr hören, aber sie fühlte sich so unglaublich müde.
Sie riss sich zusammen. Sie musste an ihr Volk denken und ihr eigenes Wohl zurückstellen.
Mitten unter den Bürgern blieb sie stehen und erhob die Stimme: „Goronia ist erst einmal sicher. Vorläufig werden wir hier bleiben bis alle Wunden geheilt und alle Mägen gefüllt sind. Es werden Boten zu den anderen Städten geschickt werden, damit jeder von der Lage unseres Landes erfährt. Die Stadt ohne Erlaubnis, Begleitung und künstliches Licht zu verlassen ist untersagt. Jedwede ungewöhnlichen Vorkommnisse haben sofort mir, Link oder dem Goronenhäuptling gemeldet zu werden. Wenn jemand die Shiekah Impa sieht, möge man sie zu mir schicken.“ Sie zwang sich mit aller Kraft zu lächeln. „Ich werde nicht zulassen, dass Unheil wieder über dieses Reich kommt. Lasst die Schatten der Angst nicht euer Herz einnehmen.“ Damit senkte sie den Blick und ging langsam durch die tuschelnde Menge.
Link folgte ihr, darauf bedacht dass niemand ihr zu nahe kam, so wie sie aussah, brauchte sie dringend Schlaf und jetzt sollte sie niemand mit Bitten oder Fragen belästigen.
Jetzt bist du also wirklich zu ihrem Leibwächter geworden, überlegte der Hylianer halb bitter, halb schmunzelnd. Nun war es wirklich seine Aufgabe geworden, auf Zelda aufzupassen, vor allem da dieser rätselhafte Schattenherr hinter ihr selbst her zu sein schien.
Link sah der Prinzessin nach, die eines der Gästezimmer - oder vielmehr eine der Gästehöhlen - betrat und setzte sich dann neben die Türe hin, als der weiße Leinenvorhang davor hinter Zelda zugefallen war. Solange er hier etwas zu sagen hatte, würde sie ihre Ruhe haben.
Aber er hatte noch nicht lange dort gesessen, als er hörte, dass sie nach ihm rief. Als er aufstand und langsam den Vorhang beiseite strich, saß sie im Dämmerlicht der kleinen Kammer auf einem Feldbett, dass die Goronen wohl den Hylianern zuliebe aus Kakariko hatten herbringen lassen, denn Goronen schliefen bekanntlich nicht in Betten.
Zelda hatte die Krone und ihren Goldschmuck abgelegt und saß mit gefalteten Händen und offenen Haaren angelehnt an der Wand. Ihre Füße waren verdreckt vom langen Weg durch die Katakomben, ihr Kleid war an einigen Stellen eingerissen. Aber obgleich sie geschunden und müde aussah, war sie selbst jetzt noch, wie sie dort mit geschlossenen Augen ruhig an der Wand lehnte, majestätisch und wunderschön.
"Setz dich zu mir, bitte", sagte sie, sehr leise, und hob langsam die Lider. "Mir wäre jetzt unwohl, allein sein zu müssen. Ich hoffe, es macht dir nichts aus..."
"Natürlich nicht", beeilte Link sich zu versichern, obwohl ihm immer noch unbehaglich war, wenn er Zelda zu nahe kam - nach wie vor war es ihm eigentlich verboten, sich allein in einem Raum mit der Thronfolgerin aufzuhalten - auch wenn ihn jetzt wohl niemand mehr hinauswerfen würde, so wie damals, als er noch ein Kind gewesen war. Außerdem war Link in der Nähe der Prinzessin immer unsicher und gehemmt, was nun wirklich nicht nur an ihrem sozialen Status liegen konnte. Auf eine sehr seltsame Art und Weise schüchterte dieses blasse, schlanke Mädchen ihn ein - etwas, was nicht einmal der Großmeister des Bösen selbst damals geschafft hatte. Vorsichtig ließ sich der Krieger neben Zelda nieder, auf einen kleinen Sicherheitsabstand bedacht. "Ist alles in Ordnung mit Euch?", fragte er leise. "Ihr wirkt so... zerschlagen auf mich."
Sie seufzte schwer und sank etwas in sich zusammen. "Ich bin vollkommen ratlos", sagte sie. "Wenn Darunias Vermutungen stimmen, steht Hyrule ein schreckliches Unheil bevor, vielleicht noch ein schrecklicheres als Ganondorf seinerzeit. Ich mache mir furchtbare Sorgen um Impa. Der König ist gestorben und ich bin innerhalb von Minuten Verantwortliche für dieses Land geworden. Ich bin unglaublich müde... und ich habe Angst. Große Angst."
Link nickte langsam und wünschte sich, er wüsste mehr über dieses Schattenmonstrum - neben Zelda, Impa und Darunia kam er sich wie ein Idiot vor. "Das verstehe ich, Prinzessin... " Er warf ihr einen Seitenblick zu. "Oh, verzeiht, ich muss ja nun Königin sagen..."
Er blieb wieder für einige Sekunden still und nestelte an seiner Mütze herum. "Nun, Ihr sollt aber wissen, dass ich stets an Eurer Seite sein werde, solange ich noch ein Schwert führen kann..."
Sie lächelte ihn an. "Vielen Dank, Link", sagte sie. "Das weiß ich sehr zu schätzen. Glaub mir, das Wissen, dass du an meiner Seite bist, lässt mir mein Schicksal etwas leichter erscheinen, denn ich weiß, dass du es nicht leichter hast..." Sie schloss wieder die Augen, und es wurde erneut still.
Als Link sich nach einer Weile zu ihr umsah, war sie ein wenig zur Seite gerutscht, die Stirn an die Felsenwand gelehnt, und schlief tief und fest.
Link sah die Prinzessin noch lange an, wie sie da lag, von einer Sekunde auf die andere in Tiefschlaf gefallen. Sie musste wirklich zu Tode erschöpft sein. Zaghaft streckte er eine Hand nach ihr aus, wusste, dass er das eigentlich nicht durfte - aber nun war ihm das egal. Vorsichtig hob er sie ein wenig von der Felswand weg, legte sie sanft auf das Bett und breitete die dünne Felldecke über ihr aus. Auf Zehenspitzen schlich er dann zum Ausgang des Raumes und schlüpfte durch den Vorhang, nicht ohne ihr noch einen letzten Blick zuzuwerfen.
Doch dann verließ er die Höhle fast hastig. Für ihn lautete die Aufgabe nun, auf sie aufzupassen.
Er rannte fast jemanden um, als er sich hastig entschuldigen wollte, sah er, wen er vor sich hatte: Impa.
Ihre Haut war aschfahl, aber sie hatte den gewöhnten konzentrierten, strengen Gesichtausdruck. Doch ihre Augen verrieten Link sofort, dass sie Furchtbares gesehen haben musste. Ihr Brustharnisch war stark beschädigt, aber sie hatte keine offenen Wunden am Körper. Sie trug ihr Messer noch in der Hand, unter dem anderen Arm hatte sie ein dunkles Bündel geschlagen.
"Ist die Prinzessin wohlauf?!", fragte sie sofort, als sie Link sah.
"Sie schläft", entgegnete er, mit einem Blick über die Schulter. "Und sie braucht wirklich dringend Ruhe. Ihr auch, schätze ich", fügte er hinzu, als er den Zustand ihrer Rüstung sah, aber seine Neugier war dann doch stärker. "Was ist geschehen? Habt ihr gesehen, wer für den Angriff verantwortlich ist?"
"Sie schläft? Nayru sei Dank, ist sie doch zur Vernunft gekommen." Impa seufzte auf und entspannte sich merklich. "Lassen wir sie ruhen. Sie hat viel zu verkraften. Warte einen Augenblick." Impa trat in Zeldas Kammer und blieb dort eine Weile. Als sie herauskam, hatte sie das Stoffbündel nicht mehr bei sich und schien, da sie ihren Schützling mit eigenen Augen unversehrt gesehen hatte, noch zusätzlich beruhigt. "Sie wird sich zwar aufregen, aber was ich zu berichten habe, kann nicht warten, bis sie aufwacht. Komm mit, ich muss zum Häuptling."
"Da waren wir heute schon..." Link fühlte sich unbehaglich bei der Vorstellung, die Prinzessin alleine zurückzulassen. Andererseits, was sollte schon passieren, wenn er für ein paar Minuten gehen würde? "Schön, ich möchte ohnehin erfahren, was passiert ist", nickte er dann und streckte sich. "Ich muss wissen, wer verantwortlich ist und was man gegen ihn tun kann."
"Das ist es ja, Link", sagte Impa düster und schritt voran zu Darunias Kammer. "Ich befürchte, wir können nichts tun. Aber das werde ich mit der Prinzessin besprechen, sobald sie wieder bei sich ist. Hoffentlich geht es ihr danach besser, sie hat seit Tagen nicht geschlafen." Sie strich den Vorhang zur Häuptlingskammer beiseite. "Darunia. Es gibt schlimme Neuigkeiten."
"Das habe ich befürchtet." Darunia saß in seinem Thronsaal in der Mitte eines selbstgezogenen Runenkreises - viel urtümlicher und grober als die feinen Linien eines Shiekah-Siegels, aber nicht minder kräftig, dessen war sich Link sicher. Der Gorone öffnete eines seiner schwarzen Augen und erhob sich halb. "Bestätigt sich der Verdacht, dass der Körperlose wieder einen Weg zurück in unsere Welt gefunden hat?"
"Leider ja." Impa setzte sich dem Weisen gegenüber in den für Shiekah typischen Schneidersitz und stützte die Hände auf die Knie. Sie deutete auf einen kleinen Schnitt auf ihrem rechten Oberarm. "Die Wunden sprechen für sich. Ich kann mir nicht erklären, wie er es geschafft hat, aber ganz offensichtlich ist der Schattenherr aus den Legenden in unser Reich gedrungen. Und soweit ich das herausfinden konnte, ist er hinter der Königin her, um mit ihrer Lichtmagie nicht nur sich aus dem Schattenreich zu befreien, sondern unser Reich auch noch zu unterwerfen."
Darunia stieß einen goronischen Fluch aus und hieb mit einer Faust in seine flache Hand, was sich anhörte, als schlüge ein Felsen gegen einen anderen. "Wenn ich gewusst hätte, dass das möglich ist..." Er schielte Impa und Link an. "So, er ist also hinter der Zelda her, richtig? Haben wir eine Möglichkeit, ihn zu töten oder zumindest zu vertreiben?"
Link warf der Shiekah einen zweifelnden Seitenblick zu. "Sagtet Ihr nicht eben, man könne gar nichts tun? Gibt es denn nicht das Geringste, was wir ausrichten können?"
Impa hob schwach die Schultern und seufzte schwer. "Wie bekämpft man einen Schatten? Wenn ich nun die Möglichkeit hätte, in der Bibliothek nachzulesen, aber das Schloss ist gefallen. Niemand, der sein Leben liebt, sollte einen Fuß hineinsetzen. Ich habe die Katakomben mit mehren starken Siegeln versehen, wir sollten aus dieser Richtung also vorläufig sicher sein, bis uns etwas Besseres einfällt. Darunia, du solltest Boten ausschicken und die anderen Weisen und deren Völker verständigen. Wir brauchen allen Rat, den wir kriegen können. Und obwohl ich es bezweifle, vielleicht wissen Prinzessin Ruto und Nabooru noch etwas über diese alte Legende. Besonders die Zora waren immer stark mit dem Hylianischen Königshaus verknüpft, und ich habe mir sagen lassen, dass die Gerudo eine beachtliche Bibliothek im Geistertempel besitzen. Und, lasst uns realistisch sein, in die Wüste werden die Schatten nicht so leicht vordringen."
"Das stimmt, die Wüste gehört den Gespenstern, und diese sind den Schatten sicher ebenbürtig", nickte der Gorone und strich sich durch den drahtigen Bart. "Und der uralte Clan der Garo sorgt auch schon seit Jahrtausenden für die endlosen Sanddünen..." Er nickte. "Ich werde die anderen Völker warnen lassen, und glaubt mir, wir sind schneller als es den Anschein hat."
Dann jedoch warf er Link einen seltsamen Blick zu. "Blutsbruder... die Sicherheit der Prinzessin seien jedoch dir und Meisterin Impa überlassen, ich denke, ihr seid am geeignetsten dafür."
Link nickte. "Ich tue mein Bestes."
Impa wandte sich auch Link zu. "Link, ich werde das Schicksal der Prinzessin vorläufig gänzlich in deine Hände legen. Ich werde zu den Gerudo reisen und sie bitten, mir ihre Bibliothek ansehen zu dürfen. Wenn jemand weiß, wonach gesucht werden muss, dann bin ich das. Als Schattenweise ist es meine Aufgabe, über ebenjene die Ordnung zu bewahren. Außerdem heißt es, der Schattenherr sei einmal einer meiner Rasse gewesen, und ich werde nicht zulassen, dass jemand, dessen Aufgabe es ist, die königliche Familie bis in den Tod zu schützen, der Prinzessin etwas tun wird. Ich denke, es ist am besten, wenn ihr zwei vorläufig hier bleibt. Unter deinem Schutz und den Bannkreisen der Goronen seid ihr vorläufig sicher. Für dich bedeutet es dennoch gesteigerte Aufmerksamkeit. Verstanden, junger Held?" Sie lächelte ein wenig. Sie vertraute ihm.
Link gefiel der Gedanke zwar nicht, die einzige Person, die dem Gegner halbwegs etwas entgegenzusetzen hatte, jetzt gehen zu lassen, aber er nickte langsam. "Ihr könnt Euch auf mich verlassen - Ihr wisst, dass ich eher mein Leben geben würde, als die Prinzessin im Stich zu lassen."
Und das war die Wahrheit, wie er still zugeben musste. Er hatte versprochen, auf sie aufzupassen, und das würde er auch einhalten. Darunia schien beinahe zu erraten, was er dachte, denn er grinste fast vergnügt. "Oh, auf meinen Blutsbruder ist Verlass, darauf könnt Ihr einen Dodongo fressen!" Er griff nach einem eisernen Armreif, den er Impa reichte. "Hier, nehmt das und setzt es in die Statue am westlichen Ende von Goronia ein. Wir haben dort einen Geheimgang, der fast direkt in die Wüste führt."
Impa nahm den Reif an und bedanke sich mit einer Verbeugung. „Ich werde nur noch einige Vorkehrungen treffen und sofort aufbrechen. Es gilt, keine Zeit zu verlieren. Link, dir brauche ich es ja nicht zu sagen, aber behalt die Prinzessin im Auge. Ich habe die Befürchtung, dass sie sonst etwas Unüberlegtes anstellt. Entschuldigt mich und... hoffen wir, dass die Göttinnen uns beistehen.“ Damit verließ sie die Kammer und eilte durch Goronia zurück zu Zeldas Kammer. Die junge Prinzessin schlief noch immer, aber diesmal sah Impa sich gezwungen, sie doch zu wecken.
"Prinzessin..." Sie berührte Zelda sacht an der Schulter. "Prinzessin, wacht auf. Ich bin es, Impa." Als sie langsam und widerstrebend die Augen öffnete, lächelte Impa. "Ich bin froh, dass Ihr wohlauf seid."
"Impa!“ Zelda richtete sich auf. "Farore sei Dank, du bist unversehrt. Wie lange bist du schon hier?"
"Nur wenige Augenblicke. Bitte, Zelda, hört mir zu." Impa setzte sich zu ihrer Schutzbefohlenen auf das kleine Bett. "Das Schloss ist komplett eingenommen und ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, dass ich Gornonia als allzu sicher erachten würde. Und der Schattenherr ist definitiv hinter Euch her, auch wenn ich seine Gründe nur erraten kann. Wisst Ihr..."
"Darunia hat vermutet, dass es sich um den Schattenherrn handelt, ja. Der Shiekah, der die Hylianische Königsfamilie verraten hat und das Mediallon an sich gerissen hat."
Impa nickte. "Ihr seid in höchster Gefahr – mal wieder. Ich habe Euch... zu Eurer Sicherheit etwas mitgebracht." Impa beugte sich vor und langte nach dem dunklen Stoffbündel auf de Boden, das sie vom Schloss hergebracht hatte. Sie faltete den Stoff auseinander und hielt ein langes, graues Cape in den Händen.
Zelda griff langsam danach. Der Stoff war kühl und sehr weich. Weiße Verzierungen waren an den Säumen, und das Emblem der Shiekah prangte auf dem Rücken. "Was... ist das?"
"Ein Erbstück aus meiner Familie", sagte Impa und legte Zelda das Cape um die Schultern, band es vorne zusammen und zog ihr die Kapuze tief ins Gesicht. "Ich könnte es ein traditionelles Kleidungsstück meines Volkes nennen, aber das ist gelogen. Diese Umhänge sind sehr selten und sehr kostbar. Sie beschützen vor den Schatten und den Gefahren aus der Dunkelheit. Legt ihn nicht ab. Lasst am besten sogar die Kapuze auf. Ich denke, damit seid ihr sicherer als ohne. Ich muss jetzt gehen, ich werde zu den Gerudo reisen und ein wenig in ihrer Bibliothek lesen. Vielleicht haben sie alte Schriften der Shiekah und ich kann etwas über unsere Gefahr herausbekommen." Sie küsste die Prinzessin sanft auf die Stirn. "Link wird hier bleiben, um Euch zu beschützen. Hört auf alles, was er sagt. Ich sehe den Mut in seinem Geist und die Stärke in seinem Körper. Vertraut auf ihn. Die Göttinnen sind bei Euch, Zelda, vergesst das nicht."
"Danke, und viel Glück!", rief Zelda ihrer Amme nach, als die in gewohnt schnellem Schritt die Kammer verließ.

Zur selben Zeit war das Schloss von Hyrule buchstäblich nur noch ein Schatten seiner selbst. Die einst stolzen, festen Mauern des Königshauses waren nun schwarz verfärbt von all den Schattenwesen, die darüber krochen, die Fenster waren geborsten, die Fahnen zerrissen und die ehemals von Leben und Fröhlichkeit erfüllten Hallen waren nun dem ununterbrochenen Flüstern der Schatten gewichen. Tod und dumpfe, körperlose Kälte krochen träge durch die Gänge, kein Licht brannte, kein Siegel war mehr intakt und niemand mehr war am Leben.
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Beitrag von Censhock »

muss doppelpost machen damit es passt^^ sorry^^



Der Schattenherr selbst war davon nicht ausgenommen - Jahrhunderte war es nun her, dass sein Herz geschlagen hatte oder er so etwas wie Wärme empfunden hatte. Er spürte weder Schmerz noch Angst, aber auch nichts Angenehmes. Er hatte alles verloren, er hatte nichts mehr. Nicht einmal sich selbst, sogar seinen eigenen Namen hatte er inzwischen vergessen. Doch es schien ihn nicht zu berühren - nicht mehr. Er lungerte nur auf der Lehne des umgestürzten Throns herum und lauschte den zischenden, toten Worten der Schatten, die wie schmeichelnd um ihn herum strichen.
"Ihr habt sie nicht gefunden, richtig?" Er horchte in das tonlose Flüstern und nickte dann, als wäre eine Befürchtung eingetreten. "Ich weiß, meine Kinder, aber sie kann nicht ewig vor uns davonlaufen."
Kurze Pause. "Habt doch Geduld, meine Freunde! Ich verspreche euch, dass wir nicht mehr in die Leere zurückkehren müssen..." Er steckte eine Hand aus und fuhr mit seinen tauben Fingern durch eine der schemenhaften Kreaturen, eines der wenigen Dinge, die er auch tatsächlich spürte, wenn auch nur schwach. "Das Vergessen soll ein Ende haben, wir werden alle wieder lernen, Menschen zu sein. Menschen mit der Macht der Schatten..."
Langsam wichen die Schatten von ihm, als seien sie beruhigt, der Schattenherr erhob sich langsam von seinem Sitz und glitt lautlos durch die kalte Halle, in Richtung der Treppe, die ihn in die hohen Türme führen würde.
Früher oder später würde die Prinzessin freiwillig zu ihm kommen, wenn er sie richtig einschätzte.


Kapitel 3

Zelda wachte erst spät auf, da ihr noch immer die Müdigkeit und Erschöpfung in den Knochen saßen. Müde kämpfte sie sich aus der dünnen Decke und schlug die Kapuze des Umhanges zurück, auch wenn Impa sie gebeten hatte, das nicht zu tun.
Sie trat blinzend aus der Kammer heraus und sah sich um. Die Gastunterkünfte der Goronen lagen im höher gelegenen Teil der Stadt, und vorsichtig tat Zelda an das Geländer heran und sah hinab. In Goronia sah noch alles so friedlich aus, obwohl Darunia sein Volk gestern noch über die aufziehenden Gefahren gewarnt hatte. Die Goronen gingen ihren üblichen Aktivitäten nach, Zelda sah sie Metalle und Erze aus der Handelskammer unten vor Darunias Kammer hinaus- und hineintragen, es wurden Donnerblumen mit höchster Vorsicht abgetragen und gepflanzt. Zelda sah sogar eine Mutter ihr Kind füttern. Selbst bei den Neugeborenen waren die Unterkiefer schon mit enormer Kraft ausgestattet, stellte Zelda fest. Wenn Goronen nicht von Grund auf so friedlich wären, wären sie sicherlich gefährliche Gegner im Kampf...
Alles wirkte so normal. Und wenn Zelda dann an sich herabsah, den blutigen, zerrissenen Rock betrachtete und ihre nackten, wunden Füße, musste sie feststellen, dass all dies nur gute Miene zu bösem Spiel war.
Link lehnte nicht weit entfernt an der Felswand, offenbar soeben in ein Gespräch mit einem Goronen vertieft, der ihm ein kleines Paket überreichte. Link fing den Blick der Prinzessin auf, lächelte zaghaft und ging dann zu ihr hinüber, ihr das Paket entgegenhaltend. "Ich habe es geschafft, etwas Frühstück für Euch zu ergattern - es ist sicher nicht vergleichbar mit dem Essen, das ihr im Schloss bekommen habt, aber goronisch zubereitetes Fleisch ist weitaus genießbarer als der Sake..." Er räusperte sich. "Soweit es aussieht, scheinen die Siegel noch unberührt zu sein, wir haben also Zeit, um genug kraft zu sammeln", meinte er dann.
"Eine gute Nachricht, wie schön", sagte Zelda und lächelte erschöpft. Sie drehte sich um und strich energisch den Vorhang beiseite. "Lass uns zusammen essen, du brauchst die Energie genauso wie ich", bat sie und trat zurück in die Kammer, wo sie sich auf ihr Bett setzte. "Gibt es sonst irgendwelche Neuigkeiten?"
"Nein, eigentlich nichts, die Nacht war völlig ruhig." Link überlegte und rieb unwillkürlich seine Schulter - sie schien ihm plötzlich etwas steif zu sein. Ob er zu lange an der Wand gelehnt hatte? "Die Schatten scheinen sich nicht vom Schloss zu entfernen... Wir wissen noch nicht, ob das gut oder schlecht ist."
Er warf einen Blick auf das fast zu gut durchgebratenene Fleisch, das zwar annehmbar roch, aber nicht so aussah, als wolle er genau wissen, von welchem Tier es stammte und seufzte, dann jedoch fiel ihm etwas ein. "Oh, Hauptmann Viscen wollte Euch sehen, er meinte, sein Bein sei taub geworden, ob Ihr wüsstet, was los sei..." Link war es zwar unangenehm, die Prinzessin schon wieder zu strapazieren, aber außer ihr beherrschte nun niemand die Heilmagie. "Man sieht die Wunde nicht mehr, aber... nun, vielleicht wurde ja ein empfindlicher Muskel verletzt."
"Ein armer, geplagter und sehr tapferer Mann", seufzte Zelda und ließ sich von Link etwas Fleisch geben, sah es skeptisch an. "Ich werde mir seine Wunde mal ansehen. Ihn zu verlieren wäre ein schrecklicher Verlust. Er hat viel gesehen und eine gute Moral." Sie biss vorsichtig in das warme Fleisch und stellte fest, dass es besser schmeckte als aussah.
Link schwieg hier und kaute an seinem Stück Fleisch. Er hatte schon viele Kämpfe gesehen, hatte selbst an einigen teilgenommen und eines dabei gelernt - wenn man eine Verletzung nicht spürte, war das selten ein gutes Zeichen. Andererseits war am Bein des Soldaten eigentlich nichts zu sehen, außer dass seine Haut an Farbe verloren hatte.
"Vielleicht ist es nicht so schlimm - zu wünschen wäre es ihm jedenfalls..." Er machte eine kurze Pause und warf Zelda einen - wie er glaubte - unbemerkten Blick zu. Weiß der Teufel, warum es ihm gerade jetzt auffiel, aber sie war schön - ungeschminkt und geschunden wie sie war. Vielleicht so sogar schöner als mit all der Schminke und dem aristokratischen Benehmen, das sie am Hof so oft an den Tag gelegt hatte.
Zelda jedoch fing seinen Blick auf, errötete etwas und senkte schnell den Blick wieder, nahm einen Bissen. Sie war nicht oft mit ihm allein und hätte sich gewünscht, es nun unter anderen Umständen sein zu können, aber die Göttinnen wollten es offenbar nicht so. Sie aß schnell auf und strich sich die fettigen Finger unbeholfen am Rocksaum sauber. Normalerweise würde sie so was niemals tun, aber ihr Kleid war eh schon unbrauchbar geworden und auf Etikette konnte sie ein anderes Mal Wert legen. Sie war barfuss! Man sah ihre Knöchel! Besonders Link, der vor ihr saß, konnte fast schon ihre Waden sehen. Viel unziemlicher konnte sie sich wahrscheinlich schon gar nicht mehr benehmen.
Link bemerkte ihre Verlegenheit und bemühte sich, in eine andere Richtung zu sehen, konnte dann aber nicht anders, als seinen Blick wieder auf ihr schmales, schönes Gesicht zu richten.
"Ich... wollte euch noch etwas sagen, Hoheit...", fing er dann etwas unsicher an. "Es ist womöglich der falsche Zeitpunkt, aber..." Er fing ihren Blick auf und zog den Kopf ein. "Es ist nur so, weil ich nun doch schon lange in Eurer Nähe verbracht habe, da..."
Weiter kam er nicht, denn in derselben Sekunde polterte ein dicker Gorone in den Raum - Link war sich nicht sicher, ob er über die Unterbrechung froh war oder nicht. "Majestät... ich will Euch nicht stören, aber... ihr solltet Euch das ansehen..."
Zelda fuhr erschrocken herum, sie war ganz in Links Anblick versunken gewesen und ärgerte sich nun, dass er nicht hatte aussprechen können. "Was ist denn!", sagte sie, ein wenig ungehalten.
"Ich b- bitte vielmals um Verzweiflu... ähm, Verzeihung!", stammelte der Gorone, der sich offenbar sehr unbehaglich fühlte. "Aber es ist wichtig... es geht um den Menschen, den Soldaten... da pa- pa- passiert etwas mit ihm, ich weiß nicht, wie ich es beschreib- b- ben soll..." Er biss sich auf den Knöchel, wurde aber von Link angeherrscht. "Jetzt sag schon!"
"Ich glaube er... löst sich auf, Hoheit. Bitte, kommt mit!" Ohne ein weiteres Wort rollte sich das Wesen zusammen und purzelte aus dem Raum.
Jetzt war Zelda doch alarmiert und folgte dem Goronen schnell, Link dicht hinter sich. Sie wurde in eine der weiteren Kammern gebracht, wo der Hauptmann auf einem der Betten lag. Zelda schrie leise auf, als sie ihn sah – er war kaum mehr als eine durchsichtige Hülle seiner selbst. Sie konnte die falten des Laken durch ihn sehen.
„Bei Nayrus Weisheit, Viscen, was passiert nur mit dir!“ Sie kniete sich neben dem Bett nieder und wollte nach einer Hand greifen, fasste aber nur nach Luft.
Verzweifelt sah sie in sein Gesicht – oder dem Schatten, der davon übrig geblieben war. „Viscen, kannst du mich hören? Ich bin es, Prinzessin Zelda...“
"Prinzessin... Zelda?" Viscen öffnete mühsam die Augen, schien sie aber nicht zu sehen. "Wo seid ihr? Ich sehe nichts... es ist zu dunkel..."
Link warf einen beunruhigten Blick auf die Fackeln, die in dem Raum aufgestellt waren - es war taghell. Ein unangenehmes Gefühl beschlich ihn, als er den nur noch verschwommen sichtbaren Hauptmann sah. "Ich weiß nicht, vielleicht sollten wir besser..."
"Es ist... kalt", fuhr Viscen fort. "Ich weiß nicht, warum, aber seit heute Nacht fühle ich mich plötzlich so... schwach, so ausgelaugt." Er blinzelte, und für einen Moment lang verfärbte er sich schwarz, aber nur kurz. "Prinzessin? Seid Ihr noch da? Ich kann Euch nicht sehen..."
„Ich bin hier, ich bin hier!“, sagte Zelda beruhigend und stich mit ihren Fingern über Viscens Arm und Hände, auf der Suche nach etwas, wo sie mit ihrer Magie ansetzen konnte, aber da war nichts, kein Funken Leben. Es war, als sei der Hauptmann schon längst gestorben. „Ich werde dir helfen...“, flüsterte sie und spürte, dass ihr Tränen in die Augen stiegen. Sie konnte nichts tun.
"Bitte… helft mir!", flüsterte der Soldat und versuchte, sich aufzusetzen, doch er sank zurück. "Wo seid Ihr denn... ich sehe doch nichts..."
Er sackte regungslos zusammen und rührte sich nicht mehr, gleichzeitig begann seine Gestalt noch weiter zu verschwimmen und gleichzeitig trüb zu werden, rauchartig, fast so schwarz wie ein...
"Vorsicht, das gefällt mir nicht, Prinzessin", meinte Link plötzlich alarmiert, fasste Zelda an der Schulter und zog sie ein Stück zurück - nicht eine Sekunde zu früh, denn in der nächsten Sekunde zischte der Arm des Soldaten vor, doch es war kein Arm mehr, sondern die dunkle Klinge eines Schattens. Im buchstäblich letzten Augenblick konnte Link die Klinge mit seinem eigenen Schwert parieren und die Prinzessin aus der Reichweite des Schattens ziehen.
"Viscen!", brüllte er los. "Erinnert Euch, Ihr seid der Wachmann von Hy-..."
Ein weiterer Angriff ließ Link verstummen und er sah sich zurückgedrängt. Aus dem Hauptmann war plötzlich einer der flüsternden Schatten geworden, der nicht einmal mehr wusste, wer er war. "Viscen! Ich bin es, Link!"
Sinnlos, der Schatten griff an, ohne Gnade.
„Link! Das hat keinen Zweck, mit materiellen Waffen kannst du sie nicht besiegen!“, rief Zelda, die zurückgewichen war, als Link sein Kurzschwert gezogen hatte. Tatenlos musste sie mit ansehen, wie Link verzweifelt versuchte, den Schatten zurück zu halten. Sie hätte eingreifen können, aber nicht, ohne Link dabei zu treffen.
Sie wollte gerade einen Zauber wagen, als Link von dem Schatten zu Boden gerissen wurde und sich einen Augenblick lang fürchterliche Dunkelheit in der Kammer ausbreitete, und alle Fackeln erloschen. Zelda hob in purer Verzweiflung beide Arme über den Kopf, eine Lichtkugel zwischen den Handflächen tragend.
Sie konnte nur noch sehen, wie der Schatten auf sie zuschoss und sie an der Brust traf. Ein kalter Schauder überkam Zelda und es fühlte sich an, als würde der Schatten in ihren Körper dringen und sich in ihr ausbreiten, kalt und leblos. Dann sank sie zu Boden.
Link kam fast schneller wieder auf die Beine, als er umgerissen worden war.
"Prinzessin! Ist alles in Ordnung?" Er stürzte auf sie zu, im Hinterkopf ununterbrochen die Erinnerung daran, was mit Menschen passiert war, die von den Schatten verletzt worden waren. Es durfte nicht sein, es durfte einfach nicht! Viscens Schicksal von eben brannte zu stark noch in seinem Kopf...
Seltsamerweise - den Göttinnen sei dank - schien die Prinzessin allerdings völlig unversehrt, wie durch ein Wunder. Sie hustete nur einmal, als er vorsichtig ihren Körper aufrichtete und ihren Kopf stützte.
"Mir... mir geht es gut", sagte sie und hustete wieder. "Danke..." Sie richtete sich etwas auf und strich sich zittrig durch die wirren Haare. "Ist... Ist der Schatten fort?"
"Es scheint zumindest so." Link zog die Prinzessin behutsam auf die Beine und sah sich in dem Raum um. Nein, die Fackeln verbreiteten normales, angenehmes Licht und die Schatten, die sie warfen, waren von der völlig harmlosen Sorte. Viscen war fort, aber wo, das war Link ein Rätsel.
"Da haben wir allerdings wirklich Glück gehabt, wer weiß, was hätte passieren können?" Er hielt einen Moment inne. "Gott sei Dank ist Euch nichts passiert", fügte er dann leise hinzu.
"Ich glaube", sagte Zelda, die etwas entkräftet an der Wand lehnte, "ich glaube, er ist in mir drin..."
Link fühlte seinen Herzschlag aussetzen und für einen Moment lang konnte er Zelda nur fassungslos anstarren. "Das ist doch nicht Euer Ernst, oder?"
Horrorszenarien taten sich vor seinen Augen auf - gleich würde sich die Prinzessin in ein Schattenmonster verwandeln, oder sie würde einfach umkippen...
Zelda hustete nur wieder und winkte ab. "Mir geht es gut", sagte sie wieder. "Ich fühle mich wohl... Nur..." Sie presste die Hände auf die Brust und atmete tief durch. "Kannst du mir bitte etwas zu trinken besorgen?"
"Ja.. selbstverständlich.."
Verwirrt, besorgt und etwas planlos wandte er sich um und schickte sich an, den kleinen Raum zu verlassen, wandte sich am Ausgang aber noch einmal um, als befürchtete er noch eine verspätete Reaktion auf den Angriff des Dämonen. Doch der Prinzessin schien es tatsächlich soweit gut zu gehen, darum huschte er aus dem Raum, auf der Suche nach einem Goronen, der ihm sagen konnte, wo er etwas Wasser besorgen könnte.
Als er wiederkam, saß Zelda auf dem Bett, auf dem eben noch der Hauptmann gesessen hatte. Sie hatte die Hände im Schoß gefaltet und sah blicklos an die Wand.
Erst als Link ich den Tonkrug mit etwas klarem Wasser reichte, blinzelte sie und lächelte ihn an. "Vielen Dank", sagte sie und leerte den Krug gierig. "Ah, das tat gut." Sie reichte Link den Becher wieder. "So, und bevor wir noch einen dieser unangenehmen Zwischenfälle haben, gehe ich mir die anderen Verletzten ansehen. Vielleicht ist noch jemand infiziert. Möchtest du mich begleiten?"
"Ich möchte auf jeden Fall dabei sein", nickte er nachdenklich. "Wer weiß, wie viele der Leute hier verletzt wurden und ich möchte auch nicht darauf vertrauen, dass jeder Angriff so glimpflich endet wie der letzte hier..." Er kratzte sich geistesabwesend am Kinn und schien über etwas nachzudenken. "Was glaubt Ihr, ist mit Viscen passiert?", fragte er dann. "Wir können ihn nicht einmal begraben... es ist ja nicht einmal ein Leichnam zurückgeblieben - furchteinflößend, oder?"
"In einer der Legenden der Shiekah heißt es, dass eine zweite Bewusstseinsebene auf unserer Welt liegt", sagte Zelda ernst und erhob sich, um das Zimmer zu verlassen. "Ich muss zugeben, dass ich mich nicht genau erinnere, aber wenn Impa wieder hier ist, wird sie mir einige Fragen beantworten müssen. Vorerst reicht es mir, zu wissen, dass ich mit meiner Lichtmagie etwas gegen sie ausrichten kann. Und Link, für dich muss ich mir etwas ausdenken. Dein Schwert ist nur ein temporärer Schutz..."
Link schielte über seine Schulter hinweg den Schwertgriff an. "Es vermag sie nicht zu töten, das ist wahr, aber zumindest vermag ich sie damit abzuwehren..." Er zog eine Augenbraue hoch. "Es sei denn, Ihr habt eine bessere Idee?"
"Lichtpfeile", sagte Zelda nur. "Ich brauche aber meine Energie vorher für die Menschen. Danach werde ich die Pfeile, die du bei dir hast, mit meiner Magie belegen. Vielleicht haben die Goronen auch noch einige Pfeile hier -- du wirst sie brauchen."
Link erinnerte sich zufrieden an diese magische Waffe, die seinerzeit den Großmeister des Bösen effektiv von ihm ferngehalten hatten. "Stimmt, das heilige Licht sollte den Schatten mehr schaden als simples Metall." Blieb nur noch die Schwierigkeit, dass die Goronen kaum Gebrauch von Pfeilen machten und wohl auch nicht viele auf Lager hatten, aber darum würde er sich später kümmern. "Gut, lasst uns also nachsehen, ob noch Verletzte hier sind, wir sollten Überraschungen vermeiden, solange es noch nicht zu spät ist."
Sie fanden nichts, offenbar war Viscen der Einzige gewesen, der einen Kampf nur verletzt überstanden hatte, der Rest war unversehrt - oder tot im Schloss zurückgeblieben.
Dennoch hatte Link das schneidende Gefühl, dass er etwas übersehen hatte.

Als Zelda in dieser Nacht erwachte, war es in Goronia noch immer taghell. Man hatte überall Fackeln aufgestellt, die Luft war verbraucht und stickig, aber bisher war noch kein einziger Schatten durch die Katakomben oder den Haupteingang, geschweige denn den Todeskrater in die Felsenstadt gelangt.
Zelda richtete sich ein wenig auf und stockte dann. An ihrem Fußbett saß Link, den Kopf auf die Brust gesunken, und schlief. Er musste sehr erschöpft gewesen sein. Seit die ersten Schatten Hyrule überfallen hatten, hatte er wahrscheinlich kaum Zeit gehabt, um sich auszuruhen. Sie mutete ihm zu, das gewöhnt zu sein – aber heute war es doch vergleichsweise so friedlich gewesen, dass ihm wahrscheinlich irgendwann die Augen zugefallen waren.
Ohne ein Geräusch glitt Zelda von dem dünnen Bettchen. Sie kniete sich neben Link auf den kühlen Boden und legte ihm zärtlich die Decke um die Schultern.
Er tat ihr so Leid. Andauernd geriet sie in irgendwelche Schwierigkeiten und er musste ihr helfen. Langsam wurde es Zeit, dass sie all dies wieder gutmachte.
Link regte sich ein wenig im Schlaf, und einen Moment lang dachte sie, er würde aufwachen. Tatsächlich öffnete er für einen Augenblick die Augen, und einen stillen Moment lang sahen sie einander an, wie sie waren: Erschöpft, ratlos, mutlos. Und ganz nah beieinander. Sie spürte seinen Atem auf der Haut.
Dann sanken ihm wieder die schweren Lider hinab, und mit einem Seufzen sank er etwas mehr in sich zusammen.
Zelda lächelte. Dann beugte sie sich vor und hauchte ihm vorsichtig einen Kuss auf den Mundwinkel. "Warte hier auf mich, Link", flüsterte sie.
Dann stand sie auf und eilte aus der Stadt, ohne dass sie jemand gesehen hätte.

Kapitel 4

Es musste bereits heller Tag sein, als Link wieder aufwachte - natürlich konnte er das nicht sehen, so weit unter der Erde, aber das Goronenvolk schien schon seit Stunden auf den Beinen zu sein und zwischen ihren rollenden, kehligen Stimmen ließ sich auch die ein oder andere helle Menschenstimme vernehmen.
Fluchend richtete Link sich auf, verärgert darüber, einfach eingeschlafen zu sein wie ein Knappe bei seiner ersten Nachtwache - und bemerkte die Decke, die über ihm ausgebreitet gewesen war. Hatte ihn tatsächlich jemand zugedeckt? War etwas dran an dem Traum, den er gehabt hatte...?
Link warf einen vorsichtigen Blick auf das Bett der Prinzessin - aber sie war verschwunden. Einfach nicht da. Ihr Bett sah aus, als wäre es seit Stunden unberührt.
Einen weiteren leisen Fluch auf den Lippen eilte er aus der Höhle. Verantwortungslos von ihm, einfach einzuschlafen - hoffentlich war sie nicht weit weg...
Das zweite Mal in wenigen Tagen rempelte er Impa an. "Großartig, Herr der Zeit, großartig!", fauchte sie und packte ihn am Ohr wie einen kleinen Jungen. "Ich dachte, man kann sich auf dich verlassen! Hast du gar nichts dazugelernt?!"
Link fühlte sich hin- und hergerissen zwischen einer wütenden Entgegnung und schuldbewusstem Seufzen, aber am Ende siegte einfach nur der Schock darüber, das er am Ohr gepackt wurde und mit entsetztem Gesichtsausdruck riss er sich los und blickte in Impas finsteres Gesicht.
"Ihr seid zurück?" Mehr fiel ihm in dieser Sekunde nicht ein. Er wollte sich rechtfertigen, entschuldigen und sich über die Rückkehr der Shiekah freuen, aber alle Wörter blieben scheinbar in seinem Hals stecken. Stattdessen gab er nur ein einsilbiges "Ich muss die Prinzessin finden" von sich und rieb sich das schmerzende linke Ohr. Warum mussten Hylianerohren auch so spitz und lang sein...?
"Zu spät. Sie ist längst über alle Berge -- wortwörtlich. Ich wünschte, Nayru würde dir ein wenig ihrer Weisheit in den Kopf prügeln, mit Dins Kraft!" Impa schlug die Hände über dem Kopf zusammen. "Die Prinzessin ist so gut wie verloren. Das hast du wunderbar gemacht, Link, hervorragend. Hol deine Ausrüstung. Wir brechen unverzüglich zum Schloss auf. Vielleicht finden wir sie noch lebend."
"Was soll das heißen, zum Schloss!" Link fiel aus allen Wolken. "Wieso sollte sie denn dorthin gegangen sein, sie weiß doch, was dort lauert!" Er blickte Impa nach, die an ihm vorbeistolziert war und folgte ihr hastig. "Wartet doch, woher wisst Ihr das überhaupt?"
"Ich kenne dieses Mädchen seit ihrer Geburt. Sie ist pflichtbewusst bis in den Tod. Und ich habe ihr auch noch den Umhang gegeben... natürlich musste sie ausreißen! Sie wird von mir zu hören bekommen, wenn ich sie finde..." Energisch band sich Impa die Haare zu ihrem gewohnten, kurzen Zopf. "Link, stell dich nicht dümmer, als du bist. Ihr Königreich ist in Gefahr, und mit ihrer Lichtmagie hat sie eine aktive Chance, Hyrule zu verteidigen. Du kannst mir nicht erzählen, dass du dir nicht vorstellen kannst, dass sie versuchen würde, das Land im Alleingang zu retten. Gerade weil wir so ratlos dastehen! Sie hasst es, tatenlos zusehen zu müssen. Fragmentträgerin der Weisheit, hah! Eher der Torheit! Aber das habt ihr alle drei gemeinsam..." Impa rieb sich die Stirn. "Ich weiß nicht, wen ich zuerst verwünschen soll."
Link gingen in derselben Sekunde ähnliche Gedanken durch den Kopf und er biss sich wütend auf die Lippe, während er seine Ausrüstung schulterte. Wie hatte er nur so unachtsam sein können? Und wie hatte Zelda einfach so gehen können, und das gerade dann, als er geschlafen hatte? Er vermied es tunlichst, Impa ins Gesicht zu sehen und rempelte unhöflich einen Goronen an, der ihm zufällig in den Weg kam und ihm ein verblüfftes "Goro?" hinterher gluckerte.
"Schön, nehmen wir den Tunnel, durch den wir gekommen sind?", fragte er, etwas ruppiger, als er es beabsichtigt hatte. "Und sagt mir bitte, wenn ich noch etwas wissen sollte..."
"Ich werde dir alles auf der Reise erzählen." Die Shiekah schnallte sich grimmig zwei Klingen um und griff nach einigen Fackeln. "Wir gehen durch die Katakomben – die Bannkreise der Goronen halten noch. Aber freu dich nicht zu früh, je näher wir dem Schloss sind, desto fürchterlicher wird es. Ich hoffe, du hast keine Angst im Dunkeln", fügte sie bitter hinzu, ließ ihm aber keine zeit für eine Antwort. "Dein Schwert wird dir nichts nützen. Hast du keine magischen Waffen?"
"Ich habe meinen Bogen, mit Lichtpfeilen", antwortete Link knapp. Gestern noch hatte Zelda ihm diese Waffe gegeben, kurz bevor er eingeschlafen war und bevor sie verschwunden war... Wie verdammt noch mal pflichtbewusst konnte man eigentlich sein?
Aber mit Zeldas Magie an seiner Seite fühlte er sich sicherer, das stand schon einmal fest. Er musste nur mit den Pfeilen ein wenig aushalten...
Auf Impas fragend hochgezogene Augenbraue reagierte er nicht. "Ich nehme trotzdem mein Schwert mit - ohne es würde ich mir fast nackt vorkommen..."
"Glaub mir, das Gefühl kenne ich nur zu gut. Wenn man immer die Klingen am Körper hat, kann man irgendwann nicht mehr ohne sie schlafen..." Impas Lächeln war bitter. "Also dann, Held der Zeit. Es ist mir eine Ehre, mit Euch zu kämpfen. Auch wenn ich lieber darauf verzichtet hätte." Sie deutete auf den Durchgang, der zu den Katakomben führte. "Die Dunkelheit ist unser Ziel."

Zelda wusste mittlerweile, dass die Schatten ihr nichts anhaben konnten. Sie hatte den Weg durch die Katakomben heil überstanden, und auch hier im Schloss war es, als hätten die Schatten schnell verstanden, dass man sich mit einer wütenden, entschlossenen Prinzessin nicht anlegen sollte.
Durch Impas Umhang konnten die Verletzungen der Schatten ihr nichts mehr anhaben, und mit ihrer Lichtmagie nahm sie einen nach dem anderen in sich auf, um aus ihnen noch mehr Energie zu gewinnen. Sie fühlte sich großartig, als sie wie eine der Göttinnen selbst, gehüllt in ihr gleißendes Licht, durch das Schloss schritt und es von allen Schatten säuberte. Bald schon wichen sie vor ihr zurück, wenn sie kam, aber sie erwischte dennoch viele von ihnen. Ihr Licht war schneller.
Ein zufriedenes Lächeln schmückte ihre Lippen. Sie würde ihr Schloss zurückerobern, ganz ohne Impas und Links Hilfe. Sie war diesmal nicht die hilflose Prinzessin. Diesmal nicht.
Der Thronsaal schien ihr der Wirt der Dunkelheit zu sein. Zwar hatte sie etwas Angst, als sie den langen Korridor entlangging, aber dennoch vertraute sie in ihre Stärke. Sie hatte den Umhang und ihre Magie. Und das Triforce der Weisheit. Sie war die Weise des Lichts.
Sie würde den Schattenherrn dahin vertreiben, wo er hergekommen war. Und niemand würde jemals mehr wagen, Hyrule einnehmen zu wollen, solange Zelda hier herrschte.
Entschlossen stieß sie die großen Torflügel auf.
Er wartete bereits auf sie, im Schneidersitz auf der Lehne des Throns sitzend und ohne mit einer Wimper zu zucken, als sie in den Raum krachte.
"Oh, Eure Hoheit. Es ist schön, dass Ihr mich hier aufsucht... langsam habe ich Angst bekommen, Ihr würdet den Weg hierher nicht mehr finden..." Er erhob sich, wobei erheben nicht das richtige Wort war, er rutschte mehr von seinem Sitz hinab, um über den Boden zu gleiten wie ein Gespenst. Hunderte Schatten folgten ihm, halb durchsichtig, wild durcheinander kriechend und permanent aufgeregt flüsternd. "Und wie ich sehe, tragt Ihr sogar einen der Shiekah-Mäntel... die sind selten und ziemlich wertvoll, wisst Ihr das?"
"Ich bin die Königin dieses Landes und Weise des Lichts. Geht, oder ich werde Euch vertreiben müssen", sagte Zelda ungerührt und blieb in der Mitte des Raumes stehen. Die Schatten bildeten einen Kreis um sie, doch Zelda beachtete sie gar nicht. "Ihr wisst, dass mein Licht Eurem Schatten überlegen ist. Ergebt Euch. Vielleicht lasse ich Gnade walten."
Der Schattenherr erstarrte für einen Augenblick und schien tatsächlich zu perplex zu sein, um darauf zu antworten, denn er stoppte etwa drei Meter von Zelda entfernt und starrte sie einfach nur an - brach dann aber urplötzlich in lautes, hohles Gelächter aus. "Das meint Ihr nicht ernst, oder? Das glaube ich einfach nicht!" Genauso plötzlich jedoch beruhigte er sich wieder und schüttelte mitleidig den Kopf.
"Hört zu, Prinzessin... ich glaube, ihr habt die Situation nicht ganz verstanden. Hier geht es nicht um schwach oder stark, um die Überlegenheit des Lichts und die Unterlegenheit der Dunkelheit." Er hob beide Arme, schwarzer Qualm umströmte ihn wie ein weiterer Mantel, wie hunderte Bänder - vielleicht war es auch sein Körper, der sich stetig veränderte. "Nein, genau wegen Eurem Licht bin ich ja hier... Verströmt es, gebt mir alles, was Ihr habt... Tötet mich, lehrt mich Schmerz und Angst, bezwingt mich so oft Ihr wollt!" Kaltes Grinsen umspielte seine farblosen Lippen. "Ihr wisst nicht einmal, wer ich bin, oder...?"
Falls Zelda verwirrt war, ließ sie sich nichts anmerken. Stolz schob sie ihr Kinn ein wenig nach vorne und machte nicht einen Schritt zurück, als schwarze Schwaden an ihrem Mantel und dem weißen Kleid darunter zerrten. "Ich weiß, wer Ihr seid. Aber Ihr scheint nicht zu wissen, wer ich bin. Ich habe schon schlimmere Monster als Euch überlebt, Schattenherr!"
"Das bezweifle ich auch nicht, Hoheit." Der Schattenherr nickte, fast höflich. "Ich glaube Euch gerne, dass Ihr die Flammen der Hölle bezwingen könnt, wenn ihr wollt und ihr könnt mich garantiert ebenfalls ohne große Anstrengung zerstören..." Es schien dunkler zu werden im Thronsaal, gleichzeitig schien der Schattenherr zu wachsen und auf seltsame Art und Weise stabiler zu werden. "Aber so begreift doch, dass Euch das nichts nützen wird... Wie wollt ihr etwas auslöschen, das nicht einmal lebt? Ich sagte es bereits... Ich wünsche es mir, dass Ihr mich vernichtet, so oft ihr meinetwegen wollt... Aber ich werde jedes Mal wieder zurückkehren." Er hob seine schemenhaften Hände auf Augenhöhe und führte sie langsam zusammen, so dass er seine eigene Faust umklammern konnte. "Verschmelzung, Hoheit, Verschmelzung. Ihr gebt mir Eure Kräfte, ich Euch die meinen. Und so werde ich die gesamte Welt... verändern."
Jetzt wich Zelda zurück. Sie hatte begriffen, aber zu spät.
Mit einer Explosion aus weißem Licht jagte sie alle Schatten von sich, sei es auch nur für diesen Moment. Sie floh aus dem Thronsaal, und all ihre Gedanken waren bei Link. Ob er sie hören könnte, wenn sie nach ihm rief?

Der Weg war länger gewesen, als Link ihn in Erinnerung gehabt hatte - vielleicht lang das aber auch an seiner Angst um die Prinzessin, die jede Sekunde sterben konnte, und das alles auch noch wegen ihm. Und irgendetwas sagte ihm, dass sie dringend Hilfe brauchte. Hoffentlich fand er sie rechtzeitig...
"Impa", begann er, als sie gemeinsam die Wendeltreppe des Geheimgangs hinaufstiegen, die direkt in die Bibliothek führte. "Was genau ist unser Gegner? Weder Darunia noch Zelda konnten mir etwas Genaues sagen."
Impa schwieg, bis sie endlich am Kopf der Treppe standen. Dort drehte sie sich zu Link um. "Es ist viele Jahrhunderte her. So viele, dass es kaum noch jemand davon weiß. Die Prinzessin weiß vage davon, durch meine Lehren. Ich weiß es von meinem Meister. Du weißt sicherlich, dass es viele Artefakte gibt, die die Kraft der Göttinnen in sich tragen, nicht wahr? Die Okarina der Zeit und das Meisterschwert sind zwei davon. Aber es gibt noch wesentlich mehr. Die meisten davon hat man im Auftrag der Könige im Laufe der Jahre zusammentragen und wegschließen lassen. Eines davon war ein Medaillon. Das Medaillon, so sagt die Legende, war eines der stärksten Artefakte der Göttinnen. Aber niemand konnte es jemals finden.“ Impa seufzte leise. "Ein... Mann aus meinem Volk, ein Shiekah, hat das Medaillon in der Schattenwelt gefunden. Nun ja, du kennst die Geschichte ja. In den Händen einer bösen Seele bringen die Artefakte nur Unglück und Verderben. Unser Schattenherr... ist eine weniger größenwahnsinnige, aber viel ältere Version Ganondorfs. Er strebte nach Macht und fand sie in diesem Medaillon. Eine Quelle in der Bibliothek des Geistertempels sagte, dass das Medaillon die Schattenwelt nicht verlassen kann... Das heißt, solange der Schattenherr das Medaillon nicht aus der Schattenwelt befreien kann, ist er an sie gebunden. Und hier kommt Zelda dazu. Schattenherr und Weise des Lichts. Ich denke, du kannst es dir denken..."
Link senkte den Kopf. "Er könnte dann in beiden Welten dauerhaft existieren, ist dem nicht so? Er würde hier bleiben und alles in ein Reich des Zwielichts verwandeln..." Link dachte an Viscen und in welche Kreatur dieser sich verwandelt hatte und er fröstelte unwillkürlich. "Wie können wir ihn aufhalten? Wenn er wirklich direkt aus dem Schattenreich kommt - kann man ihn überhaupt töten?"
Impa lehnte sich leicht gegen die Ausgangstür des Geheimganges. "Ich weiß es nicht", sagte sie. "Aber ich befürchte, diesmal kannst du uns kaum helfen. Aber ich habe einen Plan. Hör zu." Sie drehte sich zu ihm und fasste Link fest an den Schultern. Sie fühlte die Kälte in seinem linken Arm und wusste, wie sehr die Zeit drängte. "Mit Schatten bin ich mehr vertraut als du. Dafür bist du mit der Prinzessin verbunden. Wir werden uns aufteilen. Ich kenne einen Weg, um ins Schattenreich zu gelangen; jedem Shiekah wird er gelehrt. Ich werde versuchen, von dieser Seite den Schattenherrn zu hindern. Aber du wirst die Prinzessin suchen. Und beeil dich, ich habe ein furchtbares Gefühl bei der Sache. Er ist hinter ihr her, und wahrscheinlich wirst du ihm vor ihr begegnen. Bring sie in Sicherheit und beschütze sie, falls nötig, mit deinem Leben. Ich werde dich unterstützen, so gut ich kann."
Link begann langsam zu ahnen, was ihm bevorstand - ein Kampf mit einem Gegner, den Waffen kaum bis gar nicht verletzen konnten. Vielleicht würden ihm die Lichtpfeile helfen, aber diese reichten auch nicht ewig… Dennoch nickte er. "Ich werde sie retten. Ich verspreche es."
Er sah Impa nach, die sich wortlos zurückzog und wandte sich dann von ihr ab. Sie würde ins Reich der Schatten wechseln und er war sich nicht sicher, ob er sehen wollte, wie sie das machte. Nein, außerdem galt es nun, Zelda zu finden - Link umklammerte nervös seinen Schwertgriff und verließ dann den Geheimgang, direkt in die Bibliothek. "Ich verspreche es!", flüsterte er noch einmal.
Dumpf schob sich die Tür hinter ihm zu, ohne einen Schatten zu Impa in den Geheimgang durchzulassen. Sie wartete einen Moment und hörte auf seine Schritte, die sich rasch entfernten. Sie wünschte dem jungen Krieger viel Glück, vom Grunde ihres Herzens. Wiedereinmal hing das Wohl des Landes von ihm ab. Wenn er die Prinzessin nicht retten konnte, wäre wohl alle Hoffnung für Hyrule verloren.
Impa malte einen kleinen Bannkreis auf den Boden des Geheimganges und fragte sich, ob Hyrule, in dem seit Anbeginn der Zeit Krieg um das Triforce und andere Artefakte geherrscht hatte, wohl jemals Frieden finden würde – und was werden sollte, wenn die zwei übriggebliebenen Fragmentträger stürben. Ganondorf war, Zusammen mit dem Fragmentstück der Kraft, in den Abgrund der Hölle verbannt, aber er konnte wiederkommen. Was, wenn es in Zukunft niemanden wie den Herrn der Zeit und die Weise des Lichtes gab, um ihn aufzuhalten?
Impa setzte sich im Lotussitz mitten in ihren Bannkreis, faltete die Hände auf Shiekah-Art und schloss die Augen.
Jeder Shiekah lernte, wie man das Schattenreich betrat. Die wenigsten taten es jemals in ihrem Leben. Impa war schon einmal dort gewesen, vor langer Zeit, als das Monster aus dem Brunnen in Kakariko ausgebrochen war.
Es war dunkel dort und kalt, und die Schatten waren überall. Sie waren nicht so bösartig wie hier, und als Shiekah konnte man sich dort einigermaßen sicher bewegen, aber das Schattenreich bedeckte jeden Lebenden, der es betrat, mit einem Mantel aus Schwermut, sodass manch einer es aufgegeben hatte, ins Lichte zurückzukehren.
Aber das war egal; Impa war die Weise der Schatten. Wenn jemand dies hier tun konnte, dann sie.
Sie hielt die Augen fest geschlossen, als sie in die Schatten hinabrutschte. Es war ein seltsames Gefühl, als würde man einen Teil von sich verlieren – als rutsche man aus dem eigenen Körper und ließ alle Farbe und Freude hinter sich.
Erst, als Impa nicht mehr schwindelig war und sie wieder das Gefühl hatte, sicher auf dem Boden zu sitzen, öffnete sie langsam die Augen.
Alles um sie war schwarz.
Impa erhob sich langsam. Auf dem Boden schien ihr Bannkreis ganz schwach in dunklem grau zu schimmern.
Sie wartete einen Augenblick, bis sich ihre Sicht klärte. Das Schloss sah noch aus wie vorher, aber... wie eine Silhouette seiner selbst. Alles schien wie eine uralte Sepiazeichnung. Es gab keine Farben mehr, nur noch unterschiedliche Kontraste.
Impa stieß die Türe zur Bibliothek auf und schloss sie fest hinter sich. Kein Schatten war hier zu sehen.
"Wo fängt man eine solche Suche an?", fragte Impa in die Stille hinein, zog ihre Messer aus den Halftern am Rücken und machte sich auf den Weg. Zuerst würde sie die offensichtlicheren Orte aufsuchen; den Thronsaal, die königlichen Gemächer, die Schatzkammer.
Er saß einfach nur da und starrte ihr entgegen, bewegte sich nicht einmal einen Millimeter, als Impa in sein Blickfeld trat.
Hier, an diesem Ort sah die dunkle Version des Schlosses seltsam unfertig aus, als hätte der Architekt keine Lust mehr gehabt. Statt der Wand mit den Fenstern war hier nur ein Loch, das scheinbar in die Unendlichkeit selbst führte, auch im Boden waren einige präzise quadratische Löcher, die nur Leere unter sich trugen.
Der ausgediente Shiekah, der am Fuß einer grotesk entstellten Statue saß, schien das als Tatsache akzeptiert zu haben, jedenfalls schien Impas Erscheinen ihn mehr zu irritieren. Jedenfalls, nach einer endlos scheinenden Phase der Regungslosigkeit hob er unendlich langsam den Kopf. "Wer auch immer Ihr seid… Ihr kommt spät…"
Alarmiert ging Impa in Abwehrpose. Der Mann ihr gegenüber war ein Shiekah, das sah sie sofort, aber es machte sie nicht weniger wachsam. Er trug die Ohren mit silbernen Ringen durchstochen; viele davon, er musste also dem Königshaus treu gedient haben. Am meisten erstaunte es Impa jedoch, dass er noch immer menschliche Gestalt hatte. Er sah kaum älter aus als sie, trotz der verwischten Konturen der Schattenwelt, doch sein Blick war leer.
"Wer seid Ihr? Sprecht!", befahlt Impa und überspielte ihre Überraschung mit der ihr gewohnten Schroffheit.
Der Shiekah sah sie an, als hätte sie ihn nur nach dem Weg gefragt und machte noch immer keine Anstalten, sich zu bewegen, doch sein verbliebenes Auge funkelte sie plötzlich erstaunlich lebendig an - vielleicht war das aber auch nur, weil das andere Auge vollends erloschen war. "Hier gibt es andere Dinge, die Ihr fürchten solltet, Fremde. Ein ehrloser Shiekah wie ich wird Euch nichts tun." Plötzlich kam doch etwas Bewegung in ihn, ein einzelner Finger fuhr über die dunkle Narbe, die ihn sein rechtes Auge gekostet hatte und sich bis hinunter zu seiner Lippe zog. "Doch falls Ihr wegen dem Medaillon gekommen seid... Ihr seid zu spät. Es wurde bereits genommen."
Impa lockerte ihre Haltung langsam, hatte die Hände aber noch immer fest um ihre Klingen gekrallt. Es war nichts ungewöhnliches, das Schattenvolk im Reich der Schatten anzutreffen, aber er war gänzlich unbewaffnet – zumindest konnte Impa keine Waffen sehen, was aber nicht zwangsweise bedeuten musste, dass er keine hatte – und wirkte... viel zu... ruhig. Als sei ihm egal, was auch immer passierte.
"Ihr habt mir meine Frage nicht beantwortet, Shiekah", sagte Impa schließlich und schob die Klingen zurück in ihre Halfter. "Wer seid Ihr, warum seid Ihr hier – und was wisst Ihr über das Medaillon? Ich bin in königlichem Auftrag unterwegs, also sprecht lieber freiwillig, eh ich Euch zwingen muss."
"In Euch steckt noch immer das Feuer der Lebenden, Shiekah…" Einen Moment lang schien er mit den Gedanken völlig abzuschweifen, doch als Impa bereits Anstalten machte, sich auf ihn zu zu bewegen, erhob er sich überraschend grazil und deutete eine Verbeugung an. "Atax ist mein Name, ich war einst Shiekah-Lehrmeister, bis mein Versagen mich meinen Körper und meine Kraft zurückzukehren kostete… Sagt mir, junge Kriegerin, welches Jahr ist auf der hellen Seite?", fügte er hinzu, mit einem ängstlichen Funkeln in seinem gesunden Auge, als fürchtete er die Antwort.
"Das dritte der hundertzehnten Epoche", sagte Impa nach einem kurzen Zögern. "Unter der Herrschaft der Triforcefragmentträgerin der Weisheit, ihrer Königlichen Hoheit Zelda die Erste. Nach dem Ableben des Königs Daphnos Johanson von Hyrule vor ein paar Tagen. Er fiel den Schatten zum Opfer."
"Bei den Göttinnen!" Atax wich unwillkürlich einen Schritt zurück. "Das heißt, es müssen… Jahrhunderte vergangen sein, seit…" Er hielt inne und wurde noch blasser, sofern das überhaupt möglich war, doch dann hob er den Blick und fixierte Impa mit einem fast panischen Gesichtsausdruck. "Aber Ihr seid von der hellen Seite… Ihr seid durch Shiekah-Magie hierher gekommen, nicht wahr? Ihr wurdet weder getötet noch verbannt… ist das richtig?"
"Der Schattenherr hat es geschafft, aus diesem Reich auszubrechen. Es ist eine Frage der Zeit, bis Hyrule fällt. Wir müssen schnell handeln. Wenn Ihr mir helfen könnt, Atax, solltet Ihr das lieber tun." Impa wandte sich zum Gehen. "Dass Ihr offenbar hier ein Geisterdasein führt, tut mir leid. Aber die Schatten darf niemand unterschätzen."
"Ich weiß, junge Kriegerin, denn ich bin selbst einer", nickte er ruhig. "Ich hätte auch längst selbst etwas unternommen, doch ein Schatten kann nicht seinen Ursprung töten. Und deshalb ist es sehr wichtig, dass Ihr hier seid." Er streckte sich und für einen kurzen Moment flackerte seine Gestalt, die danach allerdings viel schärfer und deutlicher schien als zuvor, als wäre er eben aus dem Halbschlaf erwacht. "Ihr müsst das Medaillon zerstören – denn es ist der Ursprung, der all die schwarzen Abbilder der Hylianer erschaffen hat. Ihr müsst schnell handeln, denn wenn mein Schüler auf der hellen Seite eine Lichtquelle gefunden hat, wird er nicht mehr davon abhängig sein…" Er griff in die leere Luft und materialisierte mit zischendem Geräusch einen schwarzen Kampfstock. "Ich werde Euch begleiten, zu Eurem Schutz… Es heißt, der Schattendämon Bongo-Bongo selbst treibt sich zur Zeit in der Nähe herum – und Ihr wisst, dass er der Hüter der Schwarzen Artefakte ist…"
"Ihr habt ihn um ein paar Jahre verpasst, Shiekah", sagte Impa mit eiskaltem Lächeln. "Der Herr der Zeit hat ihm vor ein paar Jahren den Garaus gemacht." Sie wandte sich wieder um und ging mit sicherem Schritt den gang entlang. "Und übrigens brauche ich keinen Schutz. Ich bin nicht umsonst die Weise der Schatten."
"In Eurer Welt mag er tot sein, doch die Dämonen sterben nie endgültig. Schon gar nicht, wenn es eine Ebene gibt, in der die Zeit nichts bedeutet", entgegnete Atax fast heiter und wies mit einer Hand auf eine Tür, die etwas weiter hinten in dem Korridor mitten im Raum stand, ohne Wände um sie herum. "Das Medaillon ist wie einst in der Schatzkammer, doch mir müssen einen Umweg über die Kerker machen." Auf Impas verwundertes Stirnrunzeln hob er beschwichtigend eine Hand. "Hier gelten die Regeln von Raum und Zeit nicht, hier kann jeder Raum auf jeden folgen – ich möchte nur sichergehen, den Kreaturen aus dem Abyss zu entgehen, darum möchte ich den direkten Weg vermeiden, Ihr versteht?" Er wartete auf keine Antwort, sondern wandte sich um und schlich auf die Türe zu.
Ohne zu widersprechen, folgte Impa ihrem unfreiwilligen Begleiter. "Ihr... wart Ihr auch einer, auf der Suche nach dem Medaillon? In den Legenden heißt es, dass viele Shiekah im Schattenreich gefangen wurden, weil sie die Macht suchten, aber nie wieder ins Helle zurückfanden... Seid Ihr einer von Ihnen? Man sagt eigentlich, dass die Schatten körperlos sind..." Fast verspürte Impa das Bedürfnis, die Hand auszustrecken und sich selbst zu überzeugen, ob Atax einen massiven Körper hatte.
Er lächelte ihr über die Schulter hinweg zu und schien ihren Gedanken erraten zu haben. "Hier in dieser Welt ist alles so massiv, wie es sein will… es mag schwer zu verstehen sein, aber selbst der Boden, auf dem wir stehen, ist nichts anderes als die Überreste menschlicher Seelen, die einfach vergessen haben was sie sind und nur mehr Bruchstücke alter Erinnerungen sind. Erinnerungen an ein… Schloss, beispielsweise. Wenn auch nur unvollständig." Er wies mit einer ausladenden Geste auf die so unfertig wirkende Version des hylianischen Schlosses, griff dann nach dem Türknauf und zog die Tür auf. Dahinter war nichts als Schwärze, er seufzte resigniert, schlug die Türe zu und fing an, eine Rune in die Luft vor dem Schlüsselloch zu zeichnen. "Da hier die Zeit nicht existiert, sammeln sich hier alle Seelen, die aus allen möglichen Gründen und in allen möglichen Zeitaltern verloren gegangen sind – wer weiß, vielleicht war selbst Bongo-Bongo einst ein Hylianer?"
Die Rune knisterte, Atax öffnete den Zugang und lächelte sanft, als sich diesmal dahinter ein schmaler, aschgrauer Steg offenbarte, der über das Nichts hinwegführte. "Seid ab hier vorsichtig, junge Kriegerin… Das sind die Erinnerungen an die Kerker, und sie sind nicht angenehm… aber weniger bewacht als die königlichen Hallen…"
Impa hasste es jetzt schon, wie er sie behandelte, als sei sie ein Laie. Sie war immer schon eine der Besten ihres Volkes gewesen -- alleine die Tatsache, dass sie den Großen Krieg überlebt hatte, in dem fast alle Shiekah ihr Leben hatten lassen müssen, bewies das. Aber dennoch hatte sie wahrscheinlich keine andere Möglichkeit, als ihm zu vertrauen. Wenn er hier wirklich schon seit so langer Zeit existierte, kannte er sich wohl auch am besten aus.
Sie hielt ihre Messer attackier- und abwehrbereit und folgte Atax dicht in den leeren Raum hinein.
Hier war es totenstill, obwohl der Raum endlos zu sein schien, in jede Himmelsrichtung. Außer dem schmalen Weg, der sich vor ihnen irgendwo in der Dunkelheit verlor, schien es hier nichts zu geben, bis auf einen schwachen Sog, der von unten heraufdrang und den Shiekah das Gefühl vermittelte, sich in schwindelerregender Höhe zu befinden. "Leere und Einsamkeit", summte Atax geistesabwesend und wankte vorwärts, wie ein Schlafwandler. "Konzentrier dich", fügte er hinzu und fiel unbewusst in seine alte Rolle als Ausbildner zurück – vermutlich merkte er es selbst nicht einmal. "Lass diesen Ort dich nicht mit sich zerren, folge einfach nur dem Weg…"
Er ging weiter, einen Weg ohne Ende, ohne Unregelmäßigkeiten, ohne Anhaltspunkte.
Hinter ihnen, am Anfang des Weges, fiel die Tür sanft klickend ins Schloss – und stürzte dann lautlos in die unendliche Tiefe.
Impa hatte sich geduckt und halb umgewandt; ob vor Schreck oder einfach nur Kämpferreflex, war nicht zu sagen. "Wisst Ihr überhaupt, wohin ihr geht?", zischte sie, als sie, rückwärts gehend, noch immer geduckt, weiter auf dem Balken balancierte.
"Nein. Erinnerungen sind schwach, der Weg ist jedes Mal anders", antwortete der Shiekah in einem Ton, als spräche er über das Wetter. "Und die Entfernung… wenn ein Menschenleben eine Maßeinheit für Strecken wäre, stellt euch ein Leben völlig allein in einem dunklen Kerker vor – so lang ist der Weg in etwa." Er lächelte freudlos. "Aber habt keine Sorge, hier vergeht Zeit nicht so wie auf der hellen Seite – es ist alles genauso wie euer Gefühl Euch sagt." Er ging weiter. "Es liegt also an Euch, wie lange wir brauchen… wenn die Tür vor uns auftaucht, sind wir da…"
Wenn es nach Impa ginge, wären sie schon lange da. Sie hatte furchtbare Sorge um die Prinzessin und auch um Link. Wer weiß, was ihnen alles zustieß, während sie Atax hinein ins Nichts folgte.
Auf einmal hielt sie inne. "Hört Ihr das auch?"
Atax blieb stehen und lauschte in die Leere. "Ich höre die Stimmen der Schatten, die hier geblieben sind – sonst nichts. Ist eine vertraute Stimme darunter?"
Impa starrte ihn kurz feindselig an, aber nichts trübte den lethargischen Blick seines einzelnen, blutroten Auges. Dann lauschte sie wieder in die Stille. "Ich weiß nicht, es klingt fast wie... wie... Zelda, seid Ihr das?"
"Wer ist Zelda?", fragte Atax nach und drehte sich im Kreis. "Wenn es sich um einen Schatten handelt… die wenigsten kennen noch ihre menschlichen Namen, ich weiß nicht, ob Ihr auf diese Wei-…" Doch dann hielt er abrupt inne und streckte eine Hand aus, als griff er nach etwas in der Luft. "Wartet, da stimmt etwas nicht… jemand ist da. Jemand, der noch kein Schatten ist." Sein Auge glomm erstaunt auf und wirkte für einen Moment so lebendig und aufmerksam wie noch nie zuvor. "Das ist aber erstaunlich… kennt Ihr dieses Mädchen, junge Kriegerin?"
"Das ist unsere Königin!", sagte Impa verzweifelt und versuchte zu lokalisieren, woher die schwache Stimme... die bloße Idee der Stimme Zeldas kommen mochte. "Das kann nichts Gutes bedeuten... Wisst Ihr, wo sie ist?!"
Atax schloss sein gesundes Auge und horchte auf die Stimme, lange, viel zu lange für Impas Geschmack, doch dann hob er den Kopf. "Sie ist im Schloss… im höchsten Turm, ganz oben… mit vielen Schatten…" Er wandte sich Impa zu und lächelte verträumt. "Interessante Königin habt Ihr da… sie ist selbst noch nicht zu einem Schatten geworden, kann aber Kontakt zu uns aufnehmen, hier unten… sehr interessante Königin." Er schulterte seinen Stab und richtete seinen Blick wieder in die Ferne, wo die Tür zur Schatzkammer sein sollte. "Aber wir müssen uns beeilen, ich kann nicht sagen, wie lange sie noch durchhält…"
"Sie ist die Weise des Lichts! Sie muss durchhalten! Der Herr der Zeit ist auf dem Weg zu ihr!", sagte Impa und musste im selben Moment daran denken, was nur passierte, wenn Link scheiterte.
Sie warf einen Blick hinab in die Tiefe, sah dann nach oben. Dunkelheit und endlose Leere, wohin sie sah.
So würde Hyrule enden, wenn Link scheiterte.
Und über allem schwebte kaum hörbar Zeldas um Hilfe rufende Stimme.

Zelda stolperte und schlug hart auf den Steintreppen auf. Sie spürte, dass ihr Blut über die Stirn rann, aber sie rappelte sich wieder hoch und eilte, eine Hand als Stütze an der Wand, weiter, weiter, höher in den Turm hinein. Hinein in eine Sackgasse und ihr sicheres Scheitern.
Sie hatte schon lange verloren, sie zögerte nur den Moment ihrer Resignation hinaus.
Schatten griffen nach ihr und ihrem Umhang. Zelda zerrte daran, aber es waren so viele... hinter ihr verlor sich alles in absoluter Dunkelheit. Als sie an ihren Beinen ihren Körper entlang krochen, warf sie den Umhang und damit ihren letzten Schutz einfach fort und rannte weiter. Lieber den Umhang als ihre Menschlichkeit lassen.
Die Zimmer im Turm standen leer und verlassen, als sie endlich oben angekommen war. Obwohl es nichts nütze, schob Zelda Riegel vor die schweren Holztüren, schob Möbiliar davor, obwohl ihre Arme zitterten. Sie fand ein paar Kerzen, entzündete sie, und stellte sie wie eine Barriere um sich herum auf.
Sie war verloren und in die Enge getrieben. Aber niemals würde sie aufgeben.
"Ihr seid ein mutiges Mädchen", flüsterte die Stimme des Schattenherrn aus dem Nirgendwo. "So kämpferisch… so lebendig. Ihr gebt nicht auf, auch wenn Ihr verloren habt…" Schwarze Nebelschwaden steigen zwischen den Bodenfliesen hervor und formten in der Luft die Umrisse ihres Verfolgers, der sie fast anzulächeln schien und ihr einladend eine Hand entgegenstreckte. "Ihr habt Euren Mantel verloren, Ihr seid erschöpft und niemand ist hier, der Euch helfen könnte… Macht es Euch einfach und kommt mit mir." Der Schatten materialisierte sich in dem Raum, der sofort fast stockfinster wurde, und sank elegant zu Boden. "Es tut auch nicht weh - und wird Euch das Ewige Leben gewähren… Ich verstehe nicht, warum Ihr Euch noch immer widersetzt…"
"Ich werde niemals eine von euch werden!", rief Zelda und wich weiter zurück, an das bunte Fiberglasfenster hinter ihr. "Vielleicht kann ich Euch nichts mehr entgegensetzen, aber ich weiß, dass ich nicht allein bin! Ich habe die Schlacht verloren, aber Ihr verliert den Krieg, Schattenherr!"
"Ich mache Euch keinen Vorwurf, Hoheit", meinte er ruhig und schloss die Augen. "Aber Ihr werdet alles verstehen, wenn Ihr erst die Welt durch unsere Augen seht… und wir durch Eure. Habt keine Angst…", fügte er hinzu und lächelte diesmal wirklich. "Ihr werdet verstehen… meine Quelle des Lichts…" Einen Moment lang stand er nur regungslos vor ihr und sah sie an.
Und dann schossen die Schatten durch den Boden empor und rissen Zelda mit sich, nach oben in den Turm. Das Letzte, was sie wahrnahm, war die unglaubliche Schwärze, die ihr in Mund, Augen und Ohren drang, sie lähmte und Besitz von ihr nahm.

Kapitel 5

Es war nur ein Gefühl in seinem Inneren, doch es nagte an ihm. Biss an ihm herum, fraß ihn innerlich.
Er hatte schon verloren. Er kam zu spät.
„Nein“, ermahnte Link sich selbst immer wieder, „du kommst rechtzeitig. Du wirst sie retten, du hast es versprochen.“ Doch sein Gefühl ließ sich nicht einfach so beschwichtigen, und es wurde sogar noch stärker, als er den Saal betrat und endlich denjenigen erblickte, der für die Katastrophe verantwortlich war.
Er hatte schon verloren.
„Du kommst zu spät“, meinte der Schattenherr, in einer Denkerpose am Sockel eines Königsdenkmals niedergekauert, neben sich drei lange Messer am Boden, und warf Link einen langen, traurigen Blick zu. „Du brauchst dir deshalb keinen Vorwurf zu machen, du hast es ja auch wirklich versucht – aber dennoch hast du verloren.“
„Selbst wenn, Schattenherr“, erwiderte Link ruhig und zog sein Schwert, das nach wie vor glänzte und das wenige Licht in dem Raum reflektierte – im Gegensatz zum Rest des Schlosses, der grau und stumpf geworden war. „Selbst wenn… ich habe einen Schwur geleistet, den ich einhalten werde.“ Trotzdem fühlte Link, wie etwas sich in ihm zusammenkrampfte… es musste noch Hoffnung geben.
„Das ist sehr ehrenhaft.“ Der Schattenherr erhob sich mühsam und hob seine Messer umständlich auf, die er sich lose zwischen die Finger klemmte. Damit schlurfte er langsam in die Mitte des Saales. Er wirkte müde, fand Link, auch waren keine Schatten mehr um ihn herum und er selbst wirkte auch ungewöhnlich dürr und substanzlos, fast, als sei er schon am Ende seiner Kräfte. „Aber leider wird es dir nichts helfen, Triforceträger des Muts. Sollte ein wahrer Krieger nicht wissen, wann er verloren hat?“
Der Triforceträger achtete nicht darauf, er ging in Position, bereit, jederzeit anzugreifen oder einen Angriff abzuwehren, doch der Schattenherr schien kein Interesse an einem Kampf zu haben, er stellte sich nur einige Meter entfernt von Link hin und breitete die Arme aus. „Du denkst, ich bin ein Monster, und aus deiner Sicht bin ich das wohl auch – aber du kannst mich nicht dazu bewegen, aufzugeben. Ich habe ein Versprechen einzuhalten. Millionen an Schatten warten darauf, endlich wieder das Licht sehen zu dürfen.“ Jetzt stiegen doch einige der Schattenkreaturen zwischen den zersprungenen Marmorfliesen hervor und strichen flüsternd um die Beine ihres Herrn, wie Katzen das bei ihren Besitzern taten. Der Schattenherr lächelte schwach und fuhr mit den Fingern durch die wabernden Schemen. „Sie haben all ihre Hoffnung auf mich geladen – es ist meine Verantwortung, ihre und meine Wünsche zu erfüllen, da kann ich keine Rücksicht auf das Leben einiger weniger Sterblicher nehmen.“
„Als seien diese Kreaturen fühlende Wesen!“ Link spürte, wie der Zorn in ihm hoch kochte, er umfasste den Schwertgriff fester und machte einige Schritte auf seinen Gegner zu, der ungerührt stehen blieb. „Ich werde nicht zulassen, dass du die Prinzessin und das Königreich einem Rudel an Monstern opferst!“
„Große Worte, Triforceträger… und ich verstehe deinen Standpunkt sogar.“ Der Schattenherr seufzte. „Doch all die Schatten, die du so verabscheust… sie waren alle einst Menschen.“
Kurz sah Link sich verwirrt. „Wie bitte?“
„Nicht jeder Sterbliche findet den Weg zum Licht der Götter, nachdem er vergeht“, nickte der Schatten und betrachtete nachdenklich die nachtschwarzen Klingen zwischen seinen Fingern. „Viele versinken in einem Reich, das nur aus Dunkelheit und Einsamkeit besteht… wie du es bald tun wirst, mein Freund.“
Unwillkürlich wandte Link den Kopf zu seiner linken Schulter, die inzwischen völlig gefühllos geworden war und schöpfte einen furchtbaren Verdacht, der sich in der nächsten Sekunde bestätigte.
„Ja, Triforceträger“, nickte sein Gegenüber, „Denkst du, du wärst so weit vorgedrungen, wenn du nicht ohnehin schon halb einer von uns gewesen wärst? So wie die Weise des Lichts selbst?“
Einen Moment lang war Link sprachlos, doch dann riss er sich aus seiner Apathie und stürzte sich brüllend auf seinen Gegner, seine Klinge raste sirrend auf den Schattenherrn nieder, der seinen Angriff fast lässig mit seiner Klingenhand parierte. Link taumelte, fing sich, griff weiter an, wehrte einen Gegenangriff ab, konterte – und stellte erfreut fest, dass sein nächster Treffer saß, seine Klinge riss die Kehle des Schattenherrns auf und versprühte schwarzes Blut – das sich in schwarzen Qualm verwandelte und verdampfte, noch ehe es den Boden berührte. Links Gegner hustete und glitt einige Meter zurück, machte aber keine Anstalten, zu sterben, er wischte nur mit seiner freien Hand über seinen Hals. Die beiden Schatten zischten bedrohlich, aber beruhigten sich sofort wieder, als ihr Herr eine beschwichtigende Handbewegung machte, und zogen sich zurück, durch die Mauern des Schlosses.
„Das war gut, Triforceträger“, nickte er, „Wäre ich noch am Leben, hätte mich das jetzt sicher umgebracht…“
Link antwortete nicht, er stürmte nur weiter auf den Schattenherrn los, hieb einige Male zu, Funken sprühten, als die Klingen aufeinander trafen, doch diesmal gelang dem Schattenherrn der Gegenangriff, er fing Links Schwertklinge zwischen seinen Messern auf, zerrte daran und zwang Link damit, sich bis auf wenige Millimeter seinem Gesicht zu nähern, wenn er seine Waffe nicht aufgeben wollte. „Das hat keinen Sinn, Triforceträger!“
„Lass Zelda frei! Lass sie in Ruhe, lass uns alle in Ruhe!“, quetschte Link verbissen zwischen den Zähnen hervor, doch er merkte selbst, dass er nur trotzig klang. Und natürlich imponierte er seinem Gegner nicht einmal ansatzweise, dieser lächelte nur und stieß den Herrn der Zeit nur unsanft von sich, der hart zu Boden fiel.
„Ich bewundere deine Entschlossenheit“, meinte der Schatten ungerührt. „Aber du kannst mich nicht töten. Um einen Schatten zu vernichten, musst du denjenigen töten, der ihn wirft, nicht wahr?“
Link rappelte sich auf und bereitete sich auf einen neuen Angriff vor. „Jeder Schatten lässt sich mit Licht vertreiben!“, erwiderte er düster, im Hinterkopf das nagende Wissen, nur noch wenige Lichtpfeile zur Verfügung zu haben. Doch wenn er richtig traf…
„Nein, völlig falsch…“ Die Klingen rotierten zwischen den Fingern und zeigten nun direkt auf Links Gesicht, der Schattenherr grinste triumphierend und hob belehrend einen Zeigefinger. „Licht ist notwendig, damit ein Schatten überhaupt existieren kann!“ Der Klingenarm schoss vor, Link schaffte es im letzten Moment, seinen Schild hoch zu reißen und die Messer abzuwehren, doch er sah sich trotzdem zurückgedrängt und das bleiche Gesicht des Schattenherrn grinste ihn über den Rand des Schilds hämisch an. „Da stellt sich doch die Frage – kann die Sonne eigentlich die Schatten sehen, die sie selber wirft, hm? Fragen wir doch Zelda!“
„Was hast du mit ihr gemacht!“, schrie Link und stieß seinen Angreifer zurück. Impa hatte ihm gesagt, dass der Schatten sie für irgendetwas missbrauchen wollte, aber was bei den drei Göttinnen war dieses „irgendetwas“?
„Willst du das wirklich wissen?“ Der Schattenherr ließ den Arm sinken, die Klingen verschwanden mit scharf metallischem Schnappen unter dem Ärmel seiner wabernden Kleidung und er wandte sich um. „Gut, wenn du schon so mutig warst, dich ernsthaft gegen mich zu stellen… ich warte auf dich. Auf dem Dach des höchsten Turms…“
Link hob sein Schwert ein weiteres Mal und wollte sich auf seinen Gegner stürzen, doch dieser zerfiel in derselben Sekunde zu schwarzen Rauchschlieren, die sich binnen Augenblicken verflüchtigt hatten.
Auf dem höchsten Turm… ich warte dort auf dich, Triforceträger…

Von einem Moment aus den anderen wurde es laut, und aus der Tiefe schien eisige Luft zu kommen. Impa blieb stehen, automatisch in Abwehrpose wie immer, und starrte an dem schmalen Steg vorbei in die Tiefe. "Was..."
Weiter kam sie gar nicht, denn tausende und abertausende von Schatten zogen auf einmal an ihnen vorbei, ohne ihnen etwas zu tun. Eiskalt waren sie und schienen direkt durch sie und Atax hindurch zu gleiten und dann waren sie so schnell gegangen, wie sie gekommen waren. "Was.. bei Nayru.. war das?", stieß Impa hervor.
„Die Schatten haben eine Lichtquelle gefunden!“, antwortete Atax hastig und blickte nach oben, so alarmiert wie noch nie. „Das bedeutet, dass sie das Mädchen haben!“ Er fuhr sich entgeistert über das Gesicht. „Bei den Göttinnen, ich hätte nicht gedacht, dass es möglich wäre, dass er…“ Er wandte sich um. „Wir müssen uns beeilen, Kriegerin! Wenn wir das Medaillon rechtzeitig zerstören können, hat sie vielleicht noch eine Chance!“ Er griff hinter sich – an den Knauf der Tür, die plötzlich hinter ihm erschienen war. „Ah… es ist soweit!“
Impa fragte sich noch, wo auf einmal diese Tür hergekommen sein musste, aber dann schloss sie zu Atax auf. "Was soll das heißen, sie 'haben sie'? Hat er die Königin umgebracht oder nur in Gefangenschaft genommen?", fragte sie, als sie neben dem seltsamen Shiekah stehenblieb.
„Weder noch“, antwortete Atax hastig und rüttelte am Türknauf. „Vermutlich nützen sie sie als Lichtspender, um auf der anderen Seite Gestalt annehmen zu können – das ist weitaus schlimmer, als nur getötet zu werden!“ Er fing an, wieder verschiedene Runen in die Luft zu zeichnen, als die Türe sich nicht öffnen wollte. „Und nun richtet sich jeder einzelne Schatten hier auf die Lichtquelle… das erklärt auch, warum der Ausgang plötzlich hier ist – es gibt hier nichts mehr, das unseren Weg aufhalten könnte.“ Auf den fragenden Blick seiner Begleiterin meinte er: „Ich sagte, die Länge des Weges richtet sich nach den Erinnerungen und deinem Willen – aber die Erinnerungen versuchen bereits, nach oben zu fliehen, auf dieser Seite werden sie schwächer.“ Mit einem Fluch stieß er die Pforte schließlich auf und zerrte Impa durch, eine Sekunde, bevor der Steg urplötzlich unter ihnen wegbröckelte. „Und darum wird auch unser Weg zwar leichter, aber über kurz oder lang verschwinden. Wir müssen uns beeilen…“ Er blickte auf. „Ah… ich denke, wir sind da.“
"Da?", wiederholte Impa und machte eine ausladende Geste. "Wo?!"
Um sie herum war nichts als Schwärze. Wieder standen sie auf einem schmalen Pfad, der aber alles andere als stabil aussah, zumindest verglichen zum letzten. Irgendwo in der Ferne, am Ende des Steges, schien etwas zu schimmern. Oder zumindest nicht ganz so dunkel zu sein wie der Rest. "Was ist das hier?", fragte Impa, als sie Atax folgte. "Erinnerungen an Räume? Das sind keine Erinnerungen, das ist mehr wie das Vergessen von Räumen! Es gibt keine Wände!"
„Ja“, nickte Atax traurig und tippte den Boden prüfend mit einem Fuß ab. „In dieser Welt geht alles verloren, auch die schwächsten Erinnerungen. Normalerweise werden sie ersetzt, wenn neue Erinnerungen dazukommen, aber jetzt, wo eine Möglichkeit besteht, in die Oberwelt zu wechseln, wird sich das Gleichgewicht verschieben.“ Er ging los, immer darauf bedacht, sicheren Boden unter den Füßen zu haben, was sich als nicht gerade einfach herausstellte – außerdem knirschte der Boden bei jedem Schritt unangenehm. „Die Oberwelt wird ein Refugium des immerwährenden Zwielichts werden, eine ganze Welt, die untot ist! Und das Schattenreich wird zu einer Einzigen Leere werden.“ Er schüttelte den Kopf und blinzelte dem kaum erkennbaren Objekt entgegen, das noch weit vor ihnen lag. „Das muss es sein… es hat sich hier so verändert, seit dem letzten Mal. Damals war das noch als Schatzkammer zu erkennen…“ Er kratzte sich am Kopf, stutzte dann aber und griff langsam nach seinem Stab.
Vor ihm erschien der Umriss eines Soldaten.
Dahinter noch einer. Und noch einer.
„Ah… es wäre ja auch zu einfach gewesen…“
"Es hätte mich auch gewundert, wenn der Schattenherr die Wurzeln seiner Existenz unbeachtet lassen würde..." Impa wog ihre Messer in den Händen und warf einen Blick hinab in die Tiefe. Sie wollte nicht erleben, dort hinabzustürzen, also war es wohl wieder an der Zeit für etwas Shiekah-Akrobatik.

Es war windstill.
Das war sogar noch untertrieben, es regte sich buchstäblich kein Lüftchen. Der Himmel war wie alles hier völlig farblos und man konnte die Umgebung weder als warm, noch als kalt bezeichnen. Als Link auf die Turmspitze hinaustrat, hatte er fast das Gefühl, selbst bereits im Schattenreich zu sein, so unwirklich erschien ihm der Ort. So tot.
Genau in der Mitte der kreisrunden Turmplattform wartete wie versprochen der Schattenherr auf ihn, im Schneidersitz in der Luft schwebend – aber etwas an ihm war anders. Er wirkte nun weniger wie ein Schatten als schon beinahe wie ein Mensch, detaillierter, kontrastierter und greifbarer als zuvor. Je näher Link ihm kam, desto mehr Details konnte er nun erkennen – dass der rauchige Mantel eigentlich des schlichte Gewand eines Shiekah-Adepten war, dass er eine Halskette trug – ja, sogar die Haare waren nun als solche zu erkennen: Dünne, schwarze Haare, die fast bis auf die Schulter fielen. Bei den Göttinnen - als er zum Schatten geworden war, hatte er unmöglich älter als sechzehn sein können, überlegte Link angesichts des schmalen, jugendlichen Gesichts.
„Du bist gekommen“, nickte der Beherrscher der Schatten und schwebte sacht zu Boden. „Natürlich kannst du nicht gewinnen, aber du wirst das Privileg haben, die Neugeburt einer ganzen Welt mitzuerleben! Es dauert nicht mehr lange…“
„Außer ich kann es verhindern!“, knirschte Link, riss sein Schwert aus der Hülle und stieß zu – diesmal spürte er deutlich, wie die Klinge auf Widerstand traf, sie durchbohrte den Schattenherrn bis zum Heft, schwarzes Blut spritzte auf den Boden, das sich diesmal nicht in Qualm auflöste… doch Links Gegner blieb so ungerührt stehen, als habe er ihn mit einem Stöckchen gepiekst, wankte nicht einmal ansatzweise, lächelte sogar noch!
„Ah, Herr der Zeit… das war gut. Ich habe das gespürt!“, summte er sacht erstaunt, griff an die Klinge, die aus seiner Brust ragte und hob seine von pechschwarzem Blut verschmierten Finger auf Augenhöhe. „Bei den Vergessenen Göttern, ich bin fast wieder vollständig…“
„Was hast du mit Zelda gemacht!“, brüllte Link, riss das Schwert aus der Brust des Schattenherrn und versetzte diesem einen harten Schlag mit dem Schild, den der Schattenherr allerdings kaum zu registrieren schien, sein Kopf ruckte nur für einen Moment zur Seite, kehrte aber sofort wieder in seine ursprüngliche Position zurück.
„Sie ist ein edles Kind… sie spendet uns ihre Kraft, die uns Schatten endlich wieder Substanz zurückgibt“, antwortete er mit glänzenden Augen. „Wir werden unsterblich sein – halb Licht, halb Sc
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Das hier ist der anfang einer Zelda-Story an der ich schreibe. Um mich auch rechtlich
abzusichern, sit hier ein kleiner Disclaimer:
Diese Geschichte enthällt Urheberrechtlich geschütze Namen von Personen, Orten, etc. Der
Autor hat nicht die geringste Absicht, mit dieser Geschichte einen Profit zu erzielen, denn sie
dient einzig und allein dem Zweck, des Autors Spaß am schreiben genüge zu tun. Sollten einige
Faken im Wiederspruch mit dem Inhalt der Spiele- oder Zeichentrickserie “The Legend of
Zelda”, so sind diese in voller absicht in die Geschichte eingebaut, um den Vortschritt der
selbigen zu gewährleisten.
Und jetzt gehts los...

Kapitel 1 - Im Auftrag des Königs


Der junge Mann in grün blickte vom prall gefüllten Beutel auf.
"Das ist alles?" frage er gleichgültig.
"Ihr erhaltet noch einen Bonus in zehnfacher Höhe, wenn sie wieder zurück ist," versprach der
König.
"Elf tausend Rubine, also?"
Der Rote König nickte ernst. "Elf tausend."
"Abgemacht." sagte der junge Mann und mit einer flinken Handbewegung fegte er den Beutel
vom Tisch und steckte ihn in seinen Gürtel. Er grinste den König schief an und verbeugte sich.
Die Augen des Königs verengten sich, denn die Gestik des Waldläufers schien überaus spöttisch
zu sein. Darauf drehte er sich um und ging aus dem kleinen Baumhaus, in dem sie sich
befanden, hinaus
“Vorsicht, Eure Majestät!” Rief ihm der Grünling hinterher. “Die eine Leitersprosse ist etwas...”
Doch bevor er den Satz zu Ende sprechen konnte konnte man draußen ein lautes Krachen, dem
ein noch lauterer Schrei folgte, hören. Der junge Mann kugeltes sich vor Lachen.
Eine Fee, die sich wärend der Unterhaltung zwischen dem Jungen und dem König unter dem
Fenstersims versteckt hatte kam ins Zimmer geflogen.
“Das war aber nicht sehr net von dir, Link,” sagte sie tadelnd.
“Ach, komm schon Navi. Wann hörst du schon mal einen König auf seinen Allerwertesten
fallen?”
Link beruhigte sich etwas, musste aber immer wieder breit grinsen. Sein Baumhaus im Kokiri-
Wald war anders als dass der anderen Waldbewohner. Zum einen war es etwas eng für seinen
Geschmack und zum anderen war es vollgestopft mit irgendwlchen Artefakten die er aus seinen
vielen Abenteuern gesammelt hatte. Der Stab von Byrna, ein Bogen, ein Fanghaken und eine
unmenge von Masken, die er aus Termina zurückgebracht hatte. Dort waren sie recht nützlich
gewesen, aber irgendwie schienen sie ihre mystischen Kräfte verloren zu haben, als er nach
Hyrule zurückgekehrt war. An der Wand hingen auch das kleine Kokiri-Schwert und ein Schild
mit dem hylianischen Embleem, dem Triforce. Seit er sich vor eimem Jahr dem Abenteurerleben
entsagt hatte, hat er keine Klinge mehr angefasst. Das sollte sich aber nun ändern. Mit ernstem
Gesicht nahm er den Schild von der Wand.
“Komm, Navi,” sagete er. Er tätschelte den Geldbeutel, der mit einem Glöckchenähnlichen
klang klimperte. “Gehen wir in die Stadt uns kaufen uns von dem Geld ein besseres Schwert als
diesen Zahnstocher dort.”

Die Stadt von Hylia war lebhaft wie eh und je. Händler boten lauthals ihre Waren an, Kinder
spielten auf den Straßen und die guten Bürger gingen ihrem Alltag nach. Da sich Link so Selten
wie möglich in der Stadt aufhielt, wusste er nicht wo die Schmiede war. Aber der Passant, den er
fragte, war freundlich genug, ihm die Richtung zu weisen. So stand er Wenige minuten unter
einem Schild auf dem stand “Gargons Waffenschmiede - Hochwertige klingen aus Todesberg-
Stahl”.
Der Schmied selbst war ein Gorone. Dies überraschte Link etwas, denn er hatte in Hyrule noch
nie einen Goronen außerhalb des Todesberges gesehen. Link räusperte um auf sich aufmerksam
zu machen (Er hatte großen Respekt vor den Goronen, nicht zuletzt weil sie physisch midestens
zwanzig mal stärker waren als er). Der Gorone blickte auf und grinste. “Was kann ich für dich
tun, Sir Link?”
Link blinztelte verdutzt. “Woher kennst du meinen Namen?” fragte er.
“Das dürfte dir wohl klar sein, denn du hast doch damals die Dodongo-Höhle freigräumt, nicht
wahr? Seit dem Tag bist du ein Held unter den Goronen.”
Link lächelte. Wie konnte er das nur vergessen. Er holte den Geldbeutel hervor und reichte es
dem Schmied. “Was krieg ich dafür?”
Gargon machte große Augen, als er den Inhalt sah, aber er gab das Säckchen sofort wieder
zurück. “Von dir kann ich doch kein Geld annehmen. Immerhin hast du mein Volk gerettet.”
Link schüttelte den kopf. “Ich bin ein ganz normaler, zahlender Kunde, wie jeder andere auch.
Nun sag schon, was krieg ich für tausend Rubine?”
Gargon plusterte seine Wangen auf und lies die luft durch seine gespitzten Lippen entweichen.
“Nun ja, für tausend ist schon was ordentliches drin. Ich mach dir ein Angebot. Komm morgen
früh einfach nochmal vorbei. Bis dahin habe ich dein Schwert fertig.”
“Na gut,” sagte Link. “Bis morgen dann.”

Als er sich wieder in Richtung Stadttor machte, hielt hin eine Wache auf.
“Ihr seid Link, nicht wahr?” sagte er in einem ton, der Link nicht so ganz passte.ER nickte kurz
und versuchte weiter zu gehen, aber die Wache hielt ihn auf.
“Ihre Hoheit, Prizessin Zelda, möchte euch unverzüglich sehen.”
Link sah die Wache scharf an “Ich bin nicht einer von Euch, also stehe ich auch nicht unter
eurem Befehl, Soldat.” Er legte eine besondere Betonung auf das letzte Wort.
“Aber einem Königlichem Diktat hat jeder Hylianer Folge zu leisten.” Die Wache überreichte
ein zusammengerolltes Blatt Pergament. Link öffnete es und begann zu lesen und mit jeder zeile
die er las wurden seine augen immer mehr zu kleinen Schlitzen der Wut.
Als er fertig gelesen hatte sagte er einfach: “Na schön, dann gehe ich eben zum Palast.”
Die wache schien etwas erleichtert.“Dann folgt mir, bitte,”
“Ich kenne den Weg,” sagte Link barsch und ohne auf die Antwort der Wache zu warten stapfte
er hinauf zum Palast.

Die Türen zum Thronsaal flogen mit einem ohrenbetäubenden Knall auf. Link marschierte
Schnellen Schrittes auf den Thron zu, auf dem Prinzessin Zelda saß. Als er direkt vor ihr stand
klatschte er ihr die Pergamentrolle vor die Füße.
“Was soll das?” fragte er wütend.
“Was soll was?” erwiederte die Prinzessin unschuldig.
“Tu nicht so scheinheilig. Warum hast du mich so ohne weiteres hierher bestellt?”
“Nun ja, Vater erzählte mir, dass du den Auftrag angenommen hast, also habe ich entschieden,
dass du sofort damit anfangen sollst.”
“Du bist hier von Batallionen von Wachen umgeben! Warum muss ausgerechnet ich dich hier
beschützen?”
Zelda stand auf und blinzelte verführerisch mit den Augen. “Nun sei doch nicht so. Willst du
mich denn gar nicht nach einem Kuss fragen?” Sie schloss die Augen und beugte sich vor um
ihn zu küssen. Link wich hastig mehrer schritte zurück, ein angewiederter Ausdruck auf sienem
Gesicht. “Lass das!” sagter er. “Ich bin kein heranwachsender, hormon-gesteuerter,
liebesverzweifelter Jüngling mehr. Falls du es noch nicht wissen solltest, ich bin mit Malon
zusammen.”
Zelda änderte schlagartig ihre haltung. Sie wirkte nun erwachsener, imposanter und vor allem
bedrohlicher. Link schien davon gänzlich unbeeindruckt. “Wenn es euch nun nichts ausmacht,
Eure Hoheit, dann werde ich mich nun zurückziehen. Ich werde mir ein Zimmer in der Stadt
nehmen und morgen mit eurem Vater die Einzelheiten dieses Auftrags besprechen.”
“Link!” schrie die Prinzessin. “Du kannst doch nicht einfach... Link! LINK!” aber er ignorierte
sie.
“Oh, mann Link!” sagte Navi genervt. “Wann wirst du diese blöde Sache endlich vergessen?”
“Wie denn? Sie war es doch , die mich verleugnet hat. Sie war diejenige, die ganze Sache
angezettelt hat. Lass mich jetzt in ruhe ich muss nachdenken.” In der Stadt mietete sich Link ein
immer in eine der vielen Gaststätten um den Marktplatz. Danach setzte er sich ins Schankhaus
und bestellte einen großen Krug Meet. “Du weißt aber schon, dass Alkohol keine Lösung für
deine Probleme ist.”sagte eine Stimme hinter ihm. Link drehte sich um und starrte direkt in
Malons tief-blaue Augen. “Du hast doch keine Ahnung,” widersprach ihr Link und wandte sich
von ihr ab. Malon setzte sich zu ihm und nahm seine Hände in die ihren. “Was ist los? Mir
kannst du doch alles sagen, mein kleiner Grashüpfer.” Damit wolde sie Link, wie sonst immer,
zum Lachen bringen, aber diesmal schaute er sie nur mit traurigen Blick an.
Malons Augen wurden so groß wie Teller. “Sag bitte nicht, dass...” Link nickte.
“Ich habs gewusst! Du hast immernoch gefühle für sie!” Sie sprang auf und wollte gehen, doch
er hielt sie zutück. “Das ist es nicht,” sagte er halb entschuldigend, halb verzwifelt. “Du weißt
doch, dass ich dich liebe. Setz dich. Ich erzähl dir alles was du hören willst.”
Malon setzte sich wieder hin, aber mit einem breiten Grinsen im Gesicht der Link verriet, dass
sie wieder einmal ihre Eifersuchtsnummer abgezogen hatte.
“Also,” begann er. “Heute Morgen ist der König zu mir in den Wald gekommen und hat mir ein
Angebot gemacht, das ich nicht Ausschlagen konnte. Er bot mir an, dass wenn ich die Prinzessin
auf eine Diplomatische Reise begleite, dann würde er mir elf tausend Rubine geben. Den
vorschuss von tausend Rubinen hab ich schon für eine neues Schwert ausgegeben.” seine Augen
leuchteten plötzlich. “Aber das wichtigste ist, von dem Rest können wir unsere Hochzeit
bezahlen!”
Malon binzelte, verdutzt. Dann wurden ihre Augen wässrig als Link sich vor sie kniete und sie
ansah. “Malon,” sagte er sanft. “Willst du mich heiraten?”
Sie brachte kein einziges wort heraus. Sie nickte nur und fiel ihm anschließend schluchzend um
den Hals. Link grinste als er die Jubelrufe der anderen Gäste in der Schankstube hörte. Er hatte völlig vergessen,
dass er alleine war.
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"Okay, uh, I'm lost, I'm angry. And I'm armed."
-Malcolm "Mal" Reynolds (aka. Nathan Fillion) from "Firefly"
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Beitrag von MFauli »

@Hobble: Kann´s sein, dass du die Geschichte schon mal gepostet hast? Div. Namen und die Art des Prologs kommen mir sehr bekannt vor.
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