Die Bilder zu diesem Test wurden mit einem Capture Board der Firma Fast erstellt.

Twisted Edge
Snowboarding

Das Testmuster wurde uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Mitsui Deutschland.

Ich kann mich noch gut an die Zeit der ersten Info's zu 1080 Snowboarding erinnern. Was wurde da nicht alles gesagt. Von "brauch doch keiner" bis "Snowboard auf der Konsole - wie soll das denn gehen". Nun, die Zeit hat gezeigt das sich viele sehr getäuscht hatten mit ihrer Einschätzung. 1080 ist auf seinem Gebiet immer noch unerreicht und hat mit seinen Erscheinen eine gewisse Masse an Nachahmern hervorgebracht. Nur eben nicht auf dem Nintendo 64. Das ist schade. Denn alle 1080 geschädigten, zu denen ich mich auch zähle kennen wohl mittlerweile jede Schneeflocke und wären dankbar über einen weiteren Vertreter dieses Genres. Lange hat es gedauert. Doch nun endlich ist mit Twisted Edge Snowboarding der zweite reinrassige Snowboardvertreter auf dem N64 erhältlich. Die Snowboard Kids zähle ich hier nicht mit rein. Die Vorraussetzungen waren eigentlich nicht schlecht. Man wußte was die Leute wollen, und mit der Firma Kemco hat sich auch keine unbekannte Firma dem Thema angenommen. Der Test sollte zeigen das Twisted Edge Snowboarding Nintendo's Snowboardhit nicht gefährlich wird. Trotzdem bietet TES einige Eigenschaften die 1080 nicht hat und die zeigen, wenn man sich ausgiebig mit TES beschäftigt das mehr in diesem Spiel steckt als bisher berichtet wurde. Nach dem Einschalten wird man den Eindruck nicht los das die Grafik bei weitem nicht mit 1080 konkurrieren kann. Dieser Eindruck sollte sich durch das ganze Spiel ziehen. Doch dazu später mehr. Nachdem der Vorspann abgelaufen ist präsentiert sich euch der Hauptbildschirm von Twisted Edge Snowboarding. Dieser bietet euch verschiedene Menupunkte zur Auswahl. Diese sind im einzelnen der Competition Modus, der Stunt Challenge, das 2P Spiel, das Training und die Options.
In den Options könnt Ihr neben den Einstellungen für den Sound, die Anzeige der Geschwindigkeit auch eure eigenen Highscores und Topzeiten anschauen die im laufe der Zeit anfallen. Das ein Blick da rein auch mal für große Augen sorgen kann werdet Ihr später im Test merken. Desweiteren könnt Ihr hier eure Savegames laden und speichern. Für einen ersten Kontakt mit dem spielerischen in Twisted Edge solltet Ihr ein paar Minuten im Training des Spiels absolvieren. Wählt einen Fahrer und eine Strecke, von denen jeweils zu diesem Zeitpunkt nur wenig anwählbar sind und begebt euch auf die Strecke. Das Training könnt Ihr später auch gut als Time Trial Modus nehmen der so nicht exestiert. Wie bei jedem Spiel in dem es um Zeiten geht findet Ihr natürlich auch zu TES einen entsprechenden Wettbewerb am Ende des Tests. Hat man sich hier ein wenig ausgetobt kann man sich an das Herzstück des Spiels wagen, dem Competition Modus. Der Startbildschirm des Competition Modus offenbart euch einen anwählbaren Wettbewerb. Dem Novice Cup. Weiterhin sieht man abgedunkelt den Medium Cup und den Expert Cup. Nachdem man den ersten Cup angewählt hat kommt man zur Fahrerauswahl, bei der zu Beginn 4 Boarder zur Verfügung stehen. Allen Fahrern gemein ist eine jeweilige Hintergrundgeschichte, die im Handbuch zu TES beschrieben ist. Ebenfalls unterscheiden sich alle Boarder in ihrer Nationalität. So z.b. Ganz der die deutschen Farben hochhält. Allerdings haben die Programmierer bei ihm wohl etwas getrunken. Denn wählt man einen Fahrer geben sie einen kurzen Spruch von sich. Was allerdings Ganz da abläßt ist mir bis heute nicht klar. Klingt schon lustig wenn er seinen Spruch abläßt. Was auch immer das ist. :-) Alle Boarder besitzen jeweils unterschiedliche Eigenschaften. Das geht los von der Fußstellung auf dem Snowboard über das Gewicht, die Beweglichkeit, die Geschicklichkeit und die Kraft des jeweiligen Boarders. Diese Eigenschaften werden euch unten rechts per Balkenanzeige angezeigt.
Habt Ihr euch für einen Boarder entschieden kommt Ihr zum Snowboard Bildschirm in dem Ihr das Board eurer Wahl wählen könnt. Auch hier stehen euch zu Beginn nur sehr wenige zur Auswahl. Die meisten müßt Ihr euch schwer erarbeiten. Auch die Boards unterscheiden sich voneinander. Im speziellen sind das Eigenschaften wie die Kantenkontrolle, die Biegsamkeit, die Länge und die Stärke des Boards. Von der Papierform her sind das zusammen mit den Fahrereigenschaften eine Menge Kombinationen. Aber so extrem wie es hier aussieht ist es nicht. Gravierendste Unterschiede bestehen in der Geschwindigkeit und vor allem dem Kurvenverhalten, das sehr wichtig ist. Habt Ihr ein Board gewählt wird euch die erste Strecke angezeigt. Beim ersten Kontakt merkt man auch hier das dies noch lange nicht alles sein kann. Denn neben dem Namen und Bestzeiten der Strecke wird ein Schwierigkeitsgrad angezeigt, der zu Beginn auf Easy steht. Nach einem Druck auf die A-Taste geht es auch schon los. Die ersten beiden großen Unterschiede zu 1080 bemerkt man sofort. Zum einen gehen in Twisted Edge Snowboarding 4 Fahrer an den Start und zum anderen starten diese nicht einfach vom Hang sondern aus einem kleinen Starthäuschen , aus dem sich die Boarder von einem Geländer abstoßen. Vor jedem Start wird unten am Bildschirm eine Anzeige für die Begleitmusik angezeigt. Man kann diese Anzeige auf dem Eintrag "Random" belassen, so das die Begleitmusik aus 10 Songs zufällig gewählt wird, oder man wählt per Steuerkreuz einen speziellen Song aus. So richtig überzeugt hat die Musik nicht. Es sind zwar einige ansprechende Songs dabei, aber an die Soundkulisse von 1080 kommt sie nicht heran. Für eure Jagd nach dem Sieg stehen euch verschiedene Anzeigen auf dem Bilschirm zur Verfügung. So eure momentane Position, die gerade gefahrene Geschwindigkeit und die momentane Fahrzeit. Wer noch ganz frisch die Steuerung von 1080 in der Hand hat muß ein wenig umdenken.
Am auffälligsten ist dabei das Sprung Feature. War man es bei 1080 gewohnt das der Boarder erst beim loslassen springt so tut er dies hier sofort. Auch bei mir dauerte es etwas bis ich mich umgewöhnt hatte. Auch der Z-Trigger, mit dem man die Landung beeinflussen konnte hat hier eine andere Aufgabe. Nämlich zum ausführen eines Moves. Macht man dies aus Macht der Gewohnheit nach einem Sprung endet das immer mit einem Sturz. Die Steuerung ist wie bei 1080 auch mit dem 3D-Stick und unterscheidet sich wiegesagt vor allem im Kurvenverhalten, von denen es reichlich in TES gibt. Und da dieses Feature oft über Sieg oder Niederlage entscheidet sollte man hier schon etwas Zeit in ein Training investieren. Zieht man den Stick zurück stellt der Fahrer sein Board quer und bremst somit ab. Die erste Strecke, Easy Slider ist etwas zum eingewöhnen und ist gut für den ersten Kontakt im richtigen Wettbewerb. Auch hier merkt man wieder die etwas blasse Grafik. Alles wirkt ein wenig farblos, was im ersten Moment den Spaßfaktor nach unten drückt. Auch wird man das erste Rennen garantiert nicht gewinnen. Die Gegner fahren gut und präzise. Andauerndes stürzen sollte man also vermeiden. Was aber nicht heißt man bekäme graue Haare bei der Gegner KI. Aber zu leicht wird es einem auch nicht gemacht. Nach einem Rennen wird die eigene Plazierung mit Punkten belohnt. Zumindest der 1. /2. und 3. Platz. Im gesamten Novice Cup erwarten euch 3 Rennen, an dessen Ende Ihr vorne sein solltet. Danach bekommt Ihr Zugang zum nächsten Cup. Angenehm ist das Speichern nach jedem Cup. Auch das man mitten im Rennen nochmal einen Neustart machen kann empfinde ich als gut. Denn oft macht ein kleiner Fehler das ganze Rennen zunichte. Was mir gefiel war das Geräusch des Boards wenn es durch den Schnee fährt. Dies kommt recht glaubhaft rüber. Auch das schreien und stöhnen der Boarder bei einem Sturz oder Zusammenprall ist OK. Was weniger beim fahren gefällt ist der Abdruck des Boards den es hinterläßt. Dies ist grafisch etwas unecht gelöst und wirkt nicht so richtig glaubhaft. Das hätte man besser machen können. Gerade bei Kurvenfahrten merkt man dies.
Hat man jeweils einen gesamten Cup geschafft bekommt man als Belohnung weitere Boarder und Snowboards dazu. Dies ist auch sehr wichtig. Denn mit jedem Cup steigt die Herrausforderung und vor allem der Spaß in Twisted Edge Snowboarding. Denn hat man die ersten 3 Cups gelöst geht es eigentlich erstmal richtig los. Jetzt lüftet sich auch nach und nach das Geheimnis um die Schwierigkeitsanzeige der einzelnen Strecken. Fährt man eine Strecke im Easy Modus sieht man ungefähr nur 33% der Strecke. Ab einem bestimmten Zeitpunkt jedoch eröffnet sich der Medium Modus und ein weiterer Teil der Strecke wird freigeschaltet. Da wo im Easy das Ziel war geht es nun weiter. Und selbst im Medium sieht man meist nur 50% der Strecken. Ziel ist also Hard bei dem euch aber wirklich abgedrehte und anspruchsvolle Strecken erwarten. Dies hat TES 1080 Snowboarding vorraus. Gerade Polar Paradies oder Glacier Gulch tun sich dabei hervor und lassen die reine Fahrzeit oft auf über 3 Minuten ansteigen. Highlight ist neben der abwechslungsreichen Streckenführung vor allem die Masse an weiten Sprüngen. Vergleichbar mit dem einzigen großen Sprung in 1080 auf der letzten Strecke. Fährt man die Strecken im Hard macht TES wirklich Spaß und ist vor allem anspruchsvoll, da sich eure Mitbewerber dem Schwierigkeitsgrad anpassen. Man hat wirklich sehr oft zu kämpfen um zu gewinnen. Eine hilfe auf dem Weg zum Ziel sind die überall zahlreichen Abkürzungen auf den Strecken, die es aber erstmal zu finden gilt. Auch hier ist das Training ganz gut. Allerdings sind immer nur die Strecken anwählbar die man im Competition Modus schon erfahren hat. Wem das alles noch nicht genug ist, der wird im letzten Cup, dem Mirror Cup nochmal gefordert. Hier fahrt Ihr, wie der Name schon sagt alles Spiegelverkehrt. Hat man sich die verwinkelten Strecken gerade mal halbwegs in normaler Richtung gemerkt, so wird dem hier noch eins draufgesetzt. Aber auch andere kleine Feature bekommt man jetzt zu Gesicht. So stehen plötzlich Banden auf der Strecke die im Easy garnicht da waren, oder es sind auf einmal Streckenteile offen die vorher zu waren. Das ist ein großer Vorteil und ein großes Plus in TES. Man erlebt immer wieder Überraschungen im Spiel. Und vor allem man wird für außergewöhnliche Leistungen belohnt.
Zum einen ist es eine große Herrausforderung auf allen Stecken in jedem Cup und Schwierigkeitsgrad erster zu werden. Schafft Ihr dies, bekommt Ihr für jeden Cup eine Twisted Edge Medaille die neben dem Namen des Cups zu sehen ist. Nun seid Ihr dort der ultimative Snowboarder. Eine echte Herrausforderung. Desweiteren kann man nur so das letzte Geheimnis in TES lösen. Nämlich den Tiny Fahrer der mit dem ebenfalls am Ende erreichten Kemco Board ein unschlagbares Duo darstellt. Denn jeder von uns freut sich wenn er für eine gute Leistung mit irgendwas belohnt wird. Auch sowas ist Motivation. Durch die Anzahl der Feature und Eigenschaften wird auch die Grafik etwas in den Hintergrund gedrückt, die aber bei besserer Optik noch mehr für Fahrspaß gesorgt hätte. Aber die blasse Optik zieht sich durch das ganze Spiel. Das ist sehr schade, denn mit dem abgedrehten Streckendesign hätte man einiges anstellen können. Es gibt zwar reichlich Abwechslung wie Eishöhlen, Stadt- und Tunnelfahrten. Aber die Präsentation hätte besser sein können. Im Laufe der Zeit wird auch ein weiterer Kritikpunkt entschärft der einem zu Beginn noch auffällt. Die Geschwindigkeit. Zu beginn denkt man oft das es relativ langsam ist. Aber mit der Zeit ändert sich dies. Dabei ist ein Blick auf die Geschwindigkeit oft wichtig. Denn nur ein paar km/h an einer Stelle langsamer und die Gegner ziehen vorbei. Hier muß man auf die Art des Einlenkens oder Springens genau achten. Oft entscheiden ein paar km/h über Sieg oder Niederlage. Was natürlich durch die großen Sprünge möglich ist, das ist die Move Action die man vollführen kann. Auch da hat Kemco leider etwas daneben gegriffen. Zwar gehen die vielen Moves leicht von der Hand, aber zum einen sehen sie unspektakulär aus und kommen auch nicht mit einem so tollen Bonussystem daher wie noch in 1080. So verliert auch der extra dafür vorgesehene Stunt Challenge schnell an Reiz. In diesem Modus beginnt Ihr auf einem entsprechenden Kurs der Big Jump heißt. Hier springt Ihr aus einem Hubschrauber und müßt nun versuchen Punkte zu sammeln. Dabei bekommt Ihr zum Start eine Zeitvorgabe. Diese würde aber nie reichen um in das Ziel zu kommen. Durch die jetzt ausgeführten Moves bekommt Ihr aber jeweils eine Zeitgutschrift.
Allein schon durch diese Zeitvorgabe und das wenig motivierende Punktesystem kommt aber nie der Suchtfaktor wie bei 1080 zum Vorschein. Einzig die Möglichkeit ungewohnt einfach einen 1080 zu bringen macht Spaß. Aber das ist zuwenig um auf Dauer zu Begeistern. Auch kann man nicht einfach den Kurs nehmen den man will sondern muß sich durcharbeiten. Man beginnt halt auf dem Big Jump Kurs und muß 2000 Punkte bringen um überhaupt zum nächsten zu kommen. Danach steigt die Punktevorgabe auf 5000 und so weiter und so weiter. Wäre das Punktesystem besser gelöst würde der Modus auch Spaß machen. Aber so will der Funke wie bei 1080 nicht so richtig rüberspringen. Hier hätte man mehr draus machen müssen. Wer einen Snowboardbegeisterten Freund hat der kann sich mit ihm auf allen Strecken messen. Dabei stehen euch im 2P Modus alle Versionen der Strecken zur Verfügung. Besonderheit ist der dabei vertikal geteilte Bildschirm, der sich positiv auf die Übersichtlichkeit auswirkt. Geschwindigkeitsmäßig hat man keine Einbußen hinzunehmen, nur einige grafische Details wie der fehlende Himmel und einige fehlende Randbebauungen. Nebel hat man keinen. Wenn, dann so wie man ihn vereinzelt auch im 1P Modus hat. Aber auch hier ist es wie z.b. bei V-Rally. Hat der Freund das Spiel noch nie gespielt und Ihr schon relativ lange dann vergeht eurem Partner schnell die Lust. Gerade die hinteren Kurse im Hard sollten schon gut gemerkt sein. Hat man nun alle Cups durch und man will in den Options mal schauen wie denn nun die eigenen Zeiten aussehen der wird überrascht. Selbst mit dem Tiny Fahrer ist es ungemein schwer die eingespeicherten Programmiererzeiten zu knacken. Hier muß man wirklich zum einen Perfekt fahren und zum anderen jede zeitbringende Abkürzung nutzen. Um aber die alle erstmal zu finden kann man sich ruhig mal eine ganze Nacht dafür reservieren. Und selbst dann muß alles stimmen.
So kann man zu Twisted Edge Snowboarding einige Meinungen bilden. Wer nach 1080 auf einen weiteren Move Snowboarder gewartet hat der wird enttäuscht. Dieser Modus ist leider nicht so umgesetzt das man ihn auf Dauer nutzt. Wer dagegen auf anspruchsvolle Strecken und Herrausforderungen steht der sollte ruhig mal einen Blick riskieren. Denn gerade die hinteren Strecken bieten ein verzwicktes und abwechslungsreiches Streckendesign und sorgen für langen Fahrspaß. Wäre die grafische Umsetzung besser würde es noch mehr Spaß machen. Aber hier kann TES nicht überzeugen. Vor 1080 wäre dies sicher anders gewesen. Aber jetzt muß sich jeder Snowboarder an 1080 messen lassen. Sehr toll finde ich das Feature mit den Streckenteilen die sich erst nach und nach zeigen. So sollte Motivation aussehen. Auch die vielen Cups, Fahrer und Boards die man erfahren kann geben dem Spiel das gewisse etwas. Auch das man gegen 3 Snowboarder fährt ist von Vorteil und macht mehr Spaß als nur gegen einen zu fahren. Das Rumble Pak wird gut unterstützt und rüttelt auch glaubhaft ja nach untergrund. Der Sound zeigt Stärken und Schwächen. Alles in allem lebt TES sehr von seinem hervorragenden Competitionmodus der lange begeistern kann. Denn vor allem überall zu gewinnen ist nicht so einfach wie man denkt. Gerade kleine Fehler oder ein paar fehlende km/h machen die Sache oft Spannend. Wer also auf Fahraction steht sollte ruhig mal einen Blick riskieren. Wer auf Stunt und Move Action steht sollte lieber auf einen besseren Vertreter in dieser Hinsicht warten.

Time Trial Wettbewerb zu Twisted Edge Snowboarding

Hilfen zu Twisted Edge Snowboarding

Wertung

Matthias Engert
(24.03.1999)

Magazin64@aol.com