Lesereinschätzung zu Shadowman

Von Oliver Mühleisen .

"Michael, der König" - oder besser Mike, leRoi hat gesiegt ! Die Prophezeiung hat sich erfüllt und dennoch ist die Welt der Sterblichen vor der Bedrohung von Legion gerettet. Noch sind die Eindrücke ganz frisch und SHADOWMAN wird sicherlich mir gut im Gedächtnis bleiben. Fast schon unüberschaubar waren die Wege in der Schattenwelt, so manches Rätsel oder weiteres Vorgehen hat mich stundenlang aufgehalten oder gar ungeduldig gemacht. Es ist ein sehr gutes Spiel geworden und Acclaim hat sich wahrlich Mühe gegeben, nach Turok nun auch Mike bzw. Shadowman zum Kultstatus zu erheben. Was ist denn so gut an diesem Spiel ?

Nun, da fällt mir sofort die atmosphärische Storydichte ein. In diesem Punkt zieht SHADOWMAN vom Start weg mit ZELDA gleich. Es gibt kein Erlebnis, welches nicht in die Story hineinpaßt. Dann natürlich folgt die Optik in High-Res und die geniale deutsche Sprachausgabe, die die Untertitel eigentlich unnötig machen. Die Zwischensequenzen sind sehr gut und recht häufig. In diesem Punkt kann SHADOWMAN es durchaus mit einem CD-ROM Spiel aufnehmen.

Dann kommt sofort die Levelgestaltung. Durchweg durchdacht und sehr bwechslungsreich. Von der dunklen Unterwelt bis hin zu hellen Freiluftarenen wird alles aufgeboten. Die Steuerung ist fast immer sehr gut, die künstliche Intelligenz mancher Gegner ebenso. Ein forderndes Spiel, welches selbst nach erfolglosem und erneutem Suchen, wie es nun weitergehen kann, immer ermuntert es wieder und wieder zu probieren.

Aber auch die Soundkulisse spricht absolut für einen Pflichtkauf dieses Spieles. Manchmal fordernd, manchmal beängstigend, manchmal erlösend und fast schon erhaben und manchmal auch gar nichts. In der Kombination wirkt die Musik extrem passend zum Spielverlauf und so mancher Ohrwurm ist da unbewußt auch in mein Gehirn vorgedrungen. Aber Shadowman ist auch gleichzeitig Mike leRoi - und der ist sterblich. Wie alle weltliche Dinge, so hat auch dieses Spiel ein paar Mankos, die zum Teil auch recht ärgerlich sind. Besonders in den höheren Leveln ist die Kollisionsabfrage bei Türen oder bei Geländern nicht immer optimal. Da bleibt man schon hängen, obwohl einem der Gegner unter Feuer nimmt. Ärgerlich auch, dass in der deutschen Version keine Rumble Pak Unterstützung vorhanden ist, obwohl das Spiel und die Verpackung damit wirbt und darauf hinweist. Dies ist wirklich schlecht, denn gerade dieses Spiel schreit förmlich nach dem Rumble Pak ! Die Begründung mag technischer Natur sein bzw. aufgrund der Cardridge bedingt sein. Auf die eine oder andere Text- oder gar Sprachausgabe hätte ich aber im Tausch dann lieber verzichtet. Ein Triple-A Produkt mit diesem Hype im Vorfeld darf sich diesen Patzer eigentlich nicht erlauben. Zudem man ja sonst sich so extrem viel Mühe auf Genauigkeit und das Zusammenspiel von Geschichte und Spielbarkeit gemacht hat.

Leider hatte ich auch einen Totalausfall - einen Absturz des kompletten Spieles. Dies war dann leider extrem ärgerlich. Verständnis bringe ich für das Herabsinken der Framerate auf, wenn man gleichzeitig eine Seele aufnimmt, die aufgeladene Shadowgun abfeuert und zwei Gegner auf einen ballern, während man voll speed durch eine große Halle läuft. Doch wenn sich ein Gegner mit einer dunklen Seele im Leib, die man natürlich sich erkämpfen möchte, dann auch noch in einer Rampe graphisch stecken bleibt und dann unbesiegbar wird - egal was man auch tut, dann sind das so Momente, wo man am Liebsten das Modul herausziehen und entsorgen möchte. Ebenfalls nervend sind die Rücksetzpunkte (wenn es die denn gibt). Besonders wenn man noch nicht in der Lage ist auf glühenden Kohlen oder gar in der Lava zu laufen. Selbst ein "Ableben" tief in einem Level läßt einen fast immer von ganz vorn beginnen. Obwohl manche Dinge oder Waffen nicht erklärt werden im Handbuch, erfährt man im Laufe des Spiels ihre Bedeutung - auch wenn die Neugier groß ist, heißt es dann abwarten und weiterspielen. Die Hilfestellung im Spiel (und lt. Booklet) heißt u.a. Jaunty oder Nettie. Doch schade, dass beide oft nur immer das Gleiche erzählen oder witziges - kaum was konkretes. Jaunty wiederholt sogar mehrmals den selben Monolog und selten gibt es wirkliche Hinweise, was man nun als nächstes tun soll. Selbst mit allen 120 Seelen im Leib fordert Jaunty einen noch auf, andere zu finden. Gut, vielleicht mag er damit Legion gemeint haben, der ja fünf Stück inne hat - doch dann wären es im Spiel dann insgesamt 125 Seelen, die man finden müßte. Und dem ist nicht so.

Den Höhepunkt des Spieles erreicht man mit Erlangung des Lava-GADīs. Damit entschärft man auch die nervigen Rücksetzpunkte erheblich. Trotz der Möglichkeit per Teddy sich an bereits besuchte Levels zu warpen, bleibt einem zum Besiegen des Gegners, neben einem guten Gedächtnis wo das oder jenes Sargtor denn nun war und wie man da hin kommt, nur das genaue und öftere Absuchen bereits besuchter und bestandener Levels - mit jeweils neu generierten Gegnern ! Etwas seltsam finde ich persönlich auch, das der High-Res-Modus bei mir zumindest immer vor jedem Laden eines Speicherstandes neu bestätigt werden mußte und dies nicht mit abgespeichert wurde. Schon seit Turok 2 kenne ich das Problem des Überhitzens des Expansion-Pakīs. Nach ein paar Stunden fiel bei mir öfters die automatische Anvisierung und das Anzeigen des Statussymbols am rechten Bildschirm aus. Im Kampf ist dieser Umstand sicherlich nicht gerade fördernd. Auch die sog. Superwaffe "Violator" ist eher ein Gag und hat neben den anderen Vodoo-Waffen und "echten" Waffen keine oder selten Bedeutung.

Jemand, der dieses Spiel nicht hat, der könnte jetzt meinen, dass SHADOWMAN dann doch nur Mittelmaß ist. Dem ist absolut nicht so ! Dieses Spiel hat so eine Menge Inhalt und Forscherdrang nebst Levelgestaltung und guter Musikunterstützung, dass die obigen Fehler nur bedingt das Gameplay und den Spielspaß beeinflussen können. Klar sagen manche Kritiker, dass es sich hierbei eigentlich nur um die Kombination der hübschen Archäologin Lara Croft und des Einzelkämpfers Turok handelt. Sicherlich sind viele Ideen aus diesen Spielen mit heraus entstanden und auch eingebaut worden. Doch diese Kombination ist hervorragend gemacht und durch den Handlungsstrang und des Einbaus des Themas "Vodoo" nebst dem Humor und der Menschlichkeit von Mike leRoi ergibt sich wahrlich ein neues Spiel, welches mit Ausdauer, Kampfgeist und Denksportaufgaben ein echtes Vergnügen und eine Bereicherung für jeden N64-Besitzer darstellt.

Mit dem erfolgreichen Abschalten aller Kolben im Maschinenraum ist das Spiel im Grunde nach bereits zu Ende. Denn der finale Endkampf ist eher ein Abklatsch der Anstrengung dessen, was Shadowman im Vorfeld hat schon leisten müssen. Obwohl ich selber nur ein durchschnittlicher Spieler bin, hat der Endkampf max. drei Minuten gedauert. Etwas fade ist allerdings der Abspann. Ein wenig Turok 1 und das wars dann auch. Wer glaubt, einen imposanten Abspann oder gar alle Levels im Schnelldurchlauf sehen zu können, der irrt sich. Ein Abspeichern nach erfolgreichem Besiegen von Legion ist (wie bei Zelda) nicht möglich. Es gibt keinen Extra-Cheat, keinen Bonus - einfach nichts. Ein wenig mehr Lohn für die nächtelange Arbeit hätte ich mir da schon gewünscht. Dennoch wird dieses Modul nicht im Schrank für alle Ewigkeit landen. Eines Tages wird es sicherlich wieder heißen: "Legion ist mein Name, denn unser sind viele ! So war es früher, so ist es jetzt und so wird es immer sein !"

Euer Oliver M.

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