Messebericht zur
ECTS in London 1999

London rief und alle kamen. Noch nie zuvor wurde das Olympia Center im Stadtteil Kensington nahe der britischen Hauptstadt mit solch einer Menschenflut überrollt. Die in den letzten Jahren oft in die Kritik geratenden europäische Spitzenmesse lief – äBack to the roots" – in altbekannter Höchstform auf und keiner wollte sich dieses Großereignis entgehen lassen. Einzig und allein die E3 (L.A.), die Tokyo Game Show und die <> Spaceworld präsentieren Videospiele in solch einem gigantischen Umfang. Nimmt man es genau, sind Messen allein dem weiten Feld des Entertainment gewidmet – jeder zeigt halt was er hat! Die Highlightspiele sind im Vorfeld bekannt, auch wenn die Firmen ziemlich spärlich Testmustern, in den finalen vier Wochen vor einem Event herausgeben. Ohne lange Umschweife: Spektakuläre Newcomer und Überraschungshits bot uns die ECTS nicht! Das war eigentlich auch gar nicht von Nöten, da ein großer Anteil der Unterhaltung, der Firmenpflege und letztendlich den After-Show-Parties ans Herz gelegt wird. Und dem Spaß, konnte sich nun wirklich keiner entziehen.
Um von ganz vorne zu Beginnen, starten wir mit Samstag den 04. September – meinem Anreisetag. Nachdem Britisch Midway mit kompetenter Flugbegleitung und kurioser Hutausstattung der Stewardessen (die spinnen die Engländer; wobei dieser Spruch auf der Reise nicht nur einmal gefallen ist) landete der Riesenvogel im 45 Minuten vom Stadtzentrum entfernten Heathrow. Zum idealen Unterkunftsort avancierte das Regent Palace Hotel am Piccadilly Circus, das gegenüber dem extrem teueren London mit fairem Übernachtungspreis und benutzerfreundlicher Verkehrsanbindung aufwartet. Am verbleibenden Nachmittag, und zu angebrochener Frühabendstund, gesellte man sich ins ortsansässige Segaworld (die bittere Konkurrenz) und verbrachte den Abend mit der restlichen deutschen Fachpresse, die sich in diversen Pubs zusammenfand. Hier war unter anderem auch Videospielveteran und Factor 5 Mitglied (Rogue Squadron; Earthworm Jim) Julian Eggebrecht anzutreffen, dem man erste Informationen über Nintendos neusten Geniestreich – Projekt äDolphin" – abluchsen konnte. Kompakte – und vor allem offizielle – Informationen dazu findet ihr demnächst auf unseren Seiten. äHumoristische Überschattung" des Abends war der Brandfall beim Spieleparadies des blauen Igels (Segaworld), daß mit einer halbstündigen Sperrung und einem völligen Verkehrschaos die Stadt beglückte. Ein Spektakel sondergleichen! Hämische Kommentare unterlasse ich mir jedoch, da die Präsentation und der Umfang, das teuere Spielvergnügen (ein Spiel kostet 3 DM) voll und ganz rechtfertigt. Wie an den verbleibenden drei Abenden wurde es sehr spät, doch eine Messe rief gegen unseren Willen um 07.00 Uhr zum Aufstehen. Pünktlich zwei Stunden später inspizierte man schon das Gelände.
In zwei gigantischen Hallen, stachen Sony und Nintendo mit ihrer ausfallend großen Standbebauung aus dem Wust der ganzen kleineren Firmen hervor. Big N splittete ihren Stand in die Konsolen Game Boy und N64 auf. In einer Art Darkroom, wurden die neusten potentiellen Referenzkandidaten Donkey Kong 64, Perfekt Dark und Jet Force Gemini vorgestellt. Auf mehreren Konsolen konnte man den Griff zum freien Joypad wagen. Was auf der IFA noch im stillen Kämmerlein präsentiert wurde, offenbarte die ECTS zeitlich unbeschränkt. Ohne jedes einzelne Game explizit vorstellen zu wollen (dazu sind ja die Previews und Tests), faszinierte der riesige Hype um die Pokιmon Serie, Destruction Derby, Turok Rage Wars, Rayman 2 und Resident Evil 2. Absolutes Highlight war jedoch der Besuch des berühmten Mario-Schöpfers Shigero Miyamoto . Mr. Zelda genehmigte sich auf dem Nintendostand ein kurzes Stelldichein, daß auch so manch alteingesessenen Kenner zur Faszination regte. Schmerzlich vermißt wurden jedoch eine opulente After-Show-Party, die unter dem großen Nintendologo geführt wurden. Hier muß man auch einmal anerkennende Worte für die Konkurrenz finden, die mit zwei luxuriös ausgestatteten und spektakulär aufgezogenen Events den Sonntag- und Montagabend vergingen ließen. Im Laufe der drei Messetage klapperte ich alle namhaften – und auch noch alle unbekannten – Entwicklerfirmen und ihre Stände ab, so daß man einen sehr großen Eindruck über das kommende Software-Lineup und die angestrebten Zukunftstrends bekam. Dabei sammelte man tonnenweise Pressematerial und kleinere Goodies ein, die jedoch am Flughafen für Aufregung sorgten, da die eingepackten äAbendlektüren" das vorgeschriebene Maximalgewicht bei der Gepäckmitnahme überschritten. Aber durch eifrige Überredungskünste – äich brauche das wirklich alles!" – und duzenden Kilo als Handgepäck, wurde auch dieser Umstand gemeistert. Kleine weitere Impression am Rande: Als wichtigstes Messemitbringsel avancierte unangefochten das mobile Telefon, ohne das man auf dem weitläufigen Gelände verzweifelt und desorientiert umhergeirrt wäre. äJodafone" (kein Witz) sorgte für eine konstante – und kostspielige – Verbindung mit Kontaktmenschen und Freunden.
Nachwort: Wie euch sicher schon aufgefallen ist, habe ich in meiner Berichterstattung mehr Präferenzen auf das Flair, die Umstände und die subjektiven Eindrücke gelegt. Diese fehlen mir persönlich all zu oft in äherkömmlichen" Messeberichten. Die eher grobe Behandlung der Top Nintendotitel merzen wir selbstverständlich in den einzelnen Preview- oder Reviewartikeln wieder aus. Abschließend möchte ich mich bei allen PR-Leuten für die nette Verpflegung und den freundlichen Umgang bedanken und weiterhin auf eine gute Zusammenarbeit hoffen. Dank außerdem an Jan-Henning, Moritz, Sanka und Peter, mit denen ich London erkundete und das ein oder andere Goodies abstauben konnte. Letztendlich natürlich noch ein recht herzliches Dankeschön an Matthias, der mir den Platz für dieses Forum sponsorte. Nächstes Jahr auf ein Neues, soviel ist jetzt schon sicher...

Alexander Olma
(22.09.1999)

Magazin64@aol.com