Hier mal sehr interessante Gedanken zum Thema 3rd Partys aus dem CW:
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Eigentlich ist der mangelnde 3rd-Party-Support Niemandes Schuld, es ist ein strukturelles "Problem". Es ist im Wesentlichen eine Kalkulation der 3rd-Party-Entwickler bzw. insbesondere der (großen) Publisher.
An der Technik bspw. liegt es nicht bzw. kaum. Man muss die Situation nur mal mit der vom GameCube vergleichen. Am Anfang der Generation hat die Wii noch vielversprechende und auch teurere Projekte wie ein Red Steel von den 3rds bekommen, der GameCube am Anfang hingegen auch Ports bzw. Multientwicklungen wie Burnout 1 & 2 oder TimeSplitters 2 & 3. Doch in beiden Fällen ist der Support abgebrochen. Die Erinnerung trügt hier einfach. Nach zwei Jahren hat auch der GameCube praktisch keinen richtig guten 3rd-Party-Support mehr gehabt. Klar, absolute Massenware wie NfS und Fifa fand ihren Weg, aber wo waren denn Burnout 3: Takedown, Burnout Revenge, die GTAs (die ja auch ihren Weg auf die Xbox gefunden haben) und all die anderen nennenswerten Titel? Die sind auch da alle nicht mehr erschienen. Trotz einer Leistung höher als die des Marktführers. Trotz einer Hardwarebase vergleichbar mit der der Xbox.
Also zur Kalkulation: Diese ist auf Angst begründet. Nintendo hat schon immer gezeigt, dass sie alleine, egal ob theoretisch auch nur ein 3rd-Party die Konsole unterstützt, immer eine Plattform schaffen können, mit der sie Gewinn einfahren. Man denke bspw. aus heutiger Sicht daran, welche Spiele ein NES erfolgreich gemacht haben. Aus heutiger Sicht war das praktisch im Alleingang der gute alte Mario v.a. mit Super Mario Bros - unterstützt von Link.
Denken wir an das SNES. Hier waren es nahezu im Alleingang Super Mario World, evtl. die FFs in Japan, die DKCs v.a. im Westen.
Das N64 war zwar längst nicht mehr so erfolgreich (weil Nintendos eigene Spiele zu der Zeit weniger massenmarkttauglich waren), aber wenn man mal ehrlich ist, dann hat wohl eine weit, weit, weit überwiegende Mehrheit der N64-Käufer die Konsole wegen Super Mario 64, GE, Perfect Dark, DK64 oder Ocarina of Time gekauft. Es wird wohl kaum jemanden geben, der auch nur wegen einem 3rd-Party-Titel zu einem N64 gegriffen hat, genau wie beim NES und beim SNES (damals vllt in Japan abgesehen von SQE - aber SMB z.B. war alleine schon Schwergewicht genug).
Denke man z.B. an den GameBoy. Zuerst Tetris und die Mario Lands im Alleingang, dann Pokémon im Alleingang. Wer hat bitte, wenn er an den GameBoy denkt, noch großartig 3rd-Party-Titel im Hinterkopf?
Und dann auch der weniger erfolgreiche GameCube. Wer hat ihn sich schon wegen etwas anderem gekauft wie TWW, F-Zero, StarWars, Mario Kart oder Smash Bros.? Ein 3rd-Party-Titel hat hier wohl nahezu nie den Ausschlag gegeben (abgesehen vllt von den REs, also eigentlich nur RE0, REmake und RE4 in der Anfangsphase - aber die waren ja auch Teil eines Exklusivdeals und somit nicht richtig "3rd-Party").
Man sieht also: Stets waren in sicherlich deutlich über 75% der Fälle Nintendotitel die Titel, die die Leute zum Kauf einer Nintendokonsole bewegt haben - und nahezu nie auch nur ein einziges 3rd-Party-Spiel. Das sieht man schon daran, wenn man sich nur mal überlegt, welche Spiele von den damaligen Plattformen auch heute noch im Hinterkopf schlummern.
Vergleichen wir doch das mal bspw. mit den Sony-Plattformen: Bei PS1 und PS2 waren es Titel wie Ridge Racer (Namco), Metal Gear Solid (Konami), Final Fantasy (Square Enix), GTA (T2/Rockstar), NfS (v.a. PS1, EA) und Tekken (Namco), die für die Leute Kaufgründe waren. Die 3rd-Party-Kaufgründe waren hier schlicht in der Überzahl, einzig ein Gran Turismo ist einer der wenigen 1st-Party-Kaufgründe, wenn nicht gar der einzig große.
Bei Nintendo könnte man sogar soweit gehen, den Erfolg der verschiedenen Nintendokonsolen überhaupt gar nicht am 3rd-Party-Support (der war zumindest bei N64 und GCN wenn überhaupt eher Symptom als Auslöser) festzumachen sondern einzig und allein an der Massenmarkttauglichkeit der Nintendospiele. Ein Super Mario Bros oder auch ein Super Mario World, Star Wing oder 2D-Zelda waren Spiele, die auch von Einsteigern genossen werden konnten, die jeder sofort verstanden hat - und die trotzdem von den heutigen Coregamern gemocht wurden. Doch mit dem Sprung in die 3D-Welt ist dies verloren gegangen, der Einstieg war plötzlich - verglichen mit früher - unheimlich komplex, die Einzigen die, die diese "Mühe" auf sich genommen haben waren entweder Spieler-Veteranen, die sowieso nicht mehr einsteigen mussten - oder bzw. vor allem aufgeschlossene, technikinteressierte Heranwachsende, die sich ihre erste Konsole gekauft haben - und für die war eine als "cool" geltende PlayStation das weit attraktivere Produkt - egal wie gut ein OoT oder SM64 auch war/ist.
Bei der Wii ist man wieder zur Massenmarkttauglichkeit zurückgekehrt - und feiert bahnbrechende Erfolge: Wii Sports, NSMB Wii & Co. zeugen davon.
Doch warum erzähle ich all das? Nun, die Tatsache, dass stets und immer nahezu nur Nintendosoftware Nintendohardware erfolgreich gemacht hat, ist ein riesiges Problem für 3rd-Party-Hersteller. Klar, richtig gute Software verkauft sich auch super (siehe RE4 z.B.) - aber aus ökonomischer Sicht ist eine Nintendoplattform stets unberechenbar. Ein Zelda, Mario, WiiSports, WiiFit oder Metroid ist einfach in Punkto Systemsellerqualitäten und überhaupt Qualität durch einen 3rd nur mit enormem finanziellen Aufwand (und damit Risiko) zu schlagen. Es ist nahezu unmöglich, dass ein 3rd-Party-Spiel auf einer Nintendokonsole für die Konsole einen solchen Status erreicht wie bspw. ein Metal Gear Solid für die PS1 oder ein GTA für die PS2 (trotz Xbox-Ports). Kurz: Wer sich eine Nintendokonsole kauft, der kauft sich auf jeden Fall zuerst einmal alle guten Nintendotitel - und erst in zweiter Priorität 3rd-Party-Titel und entsprechend davon nur die richtig, richtig, richtig guten, denn ein jeder unterliegt ja Knappheit was den Geldbeutel betrifft.
Im Vergleich dazu ist bspw. eine PlayStation die viel attraktivere Plattform für einen Entwickler, jeder 3rd-Party-Entwickler hat eine reelle Chance das Spiel oder eines der Spiele der jeweiligen PlayStation zu entwickeln - schlicht, weil die 1st-Party-Seite nicht derart dominant ist.
Und genau deshalb wünschen sich viele Bosse großer Publisher (und auch mittelgroßer) insgeheim den Tod von Nintendo und ihren Plattformen, Nintendo ist mit Abstand (!) der größte Konkurrent der 3rd-Parties. Nichts anderes. Und das war schon immer so. Und wird auch so bleiben. Und das ist gut so.
Es hätte nämlich für fast jeden 3rd nur Vorteile, wenn Nintendo aufhören würde zu existieren: Denn für die 3rds ist es eine Gefahr, dass eine Nintendokonsole Marktführer wird und somit die Hardwarebase der 3rd-Party-freundlicheren Plattformen dadurch deutlich geringer wird. Denn auf einer PS3, PS2 oder PS1 z.B. lässt es sich als 3rd prinzipiell viel leichter Geschäfte machen und es lassen sich dort viel leichter Marken etablieren (siehe z.B. Modern Warfare, Metal Gear Solid, Grand Theft Auto), ist aber dort die Hardwarebase zu gering, dann ist nicht mehr genug Platz für alle Publisher und das bedeutet den unausweichlichen Tod einiger Entwickler und Publisher, solange sie sich nicht auf einer Nintendoplattform etablieren können - was unheimlich schwer und risikoreich ist, da man auf einer Nintendoplattform entweder richtig (großes Budget, vieeeel Werbung, seeehr gute Qualität) einsteigt oder schlicht neben der Nintendosoftware untergeht. Wer aber das Risiko eingeht, der kann zwar auf einer Nintendoplattform schlicht richtig gute Geschäfte machen - aber es wäre für die 3rds aus kurzfristiger ökonomischer Sicht das Beste, wenn wie gesagt das Nintendo wie es ist aufhören würde zu existieren. Und wer unterstützt schon bereitwillig seinen größten systematischen Konkurrenten?
So sehr manch' Entwickler auch die kreativen Möglichkeiten auf einer Nintendokonsole als genial empfindet, so schlimm ist eine Nintendo-Plattform für einen Ökonomen, der in erster Linie zu einer möglichst hohen Wahrscheinlichkeit seine Firma über die Runden retten will.
Dieses ganze Zielgruppengeschwafel ist doch pure Heuchelei, die Wahrheit ist schlicht, dass die 3rds Angst vor einer Nintendodominanz haben, weil sie entweder nicht bereit sind, das Risiko einzugehen, auch nur zu versuchen direkt gegen die Nintendotitel anzutreten oder weil sie schlicht nicht mit der Qualität von Nintendo mithalten können.
Klar, durch billige Portierungen und risikofreie billige Casualtitel nimmt man nebenher halt noch die Profite von der Wii mit, die man sich risikofrei besorgen kann, der Rest wird ignoriert.
Um also diese 3rd-Party-Situation zu ändern, müsste Nintendo praktisch seine Seele verkaufen (d.h. die eigene Software praktisch künstlich zurückhalten oder kleinhalten - vollkommen hirnrissig, das würde den Tod von Nintendo bedeuten) - oder wirklich Geldkoffer bei den 3rds abliefern - aber dann könnte man die Spiele gleich selbst entwickeln. Und solange Nintendo massenmarkttaugliche Spiele (s.o.), die qualitativ hochwertig sind, neben die guten alten Coregames im Angebot hat, laufen die Konsolen sowieso einwandfrei - also besteht sowieso kein Handlungsbedarf.