SoulBringer hat geschrieben:Viel exklusive Software von 3rd Party Entwicklern braucht eh niemand zu erwarten, die Zeiten sind vorbei.
Das Hauptproblem derzeit, und noch mehr in den nächsten Jahren, ist imo das folgende: Die Konsolen werden immer verschiedener, bieten immer mehr Alleinstellungsmerkmale, die nur durch Exklusiventwicklungen richtig genutzt werden können, während gleichzeitig die Entwicklung – insbesondere eines AAA-Titels - immer teurer wird, wodurch Exklusiventwicklungen selbst bei guten Verkäufen nicht mehr rentabel sind.
ZombiU zum Beispiel. Bisher mindestens 300K mal verkauft, wohl mehr als 10% aller Wii-Besitzer haben es, und noch dazu ist es nur ein Sparten-Titel, überdies ohne Onlinemodus, etc. Überdies waren die Wertungen nicht so toll.
Für sich gesehen daher absolut zufriedenstellende Verkaufszahlen; auf früheren Konsolengenerationen hätte der Pubslisher da mehr als zufrieden damit sein können. Aber heute ist es doch zu wenig, um die – selbst bei einem so vergleichsweise "günstigen" Titel – Produktionskosten wieder einzuspielen.
PS4 und X720 werden anfangs auch nicht so verbreitet sein. Und ich habe auch große Zweifel, ob die sich überhaupt noch einmal so vergleichsweise schnell verkaufen wie X360 und PS3. Abgesehen von richtigen Hardcore-Zockern und Grafikfreaks, kann ich mir vorstellen, dass es nicht so einfach wird, der großen Masse der Spieler zu kommunizieren, dass sie diese Konsolen sofort haben müssen. Aber das ist eine andere Sache.
Was ich ja eigentlich sagen wollte: Wie Konsolen immer verschiedener werden.
In der Ära PS2-Xbox-GCN-DC waren alle Konsolen gleich. Alle Hersteller arbeiteten auf EIN Ziel hin, die Entwicklung des bestmöglichen Systems für Videospiele "wie man sie kannte". Das waren in erster Linie solche Games, die man heute wohl als "Coregames" bezeichen würde.
Dabei wollten die Konsolenhersteller die bestmögliche technische Grundlage bieten, für einen bestmöglichen Preis andererseits. Das war also selbstverständlich immer ein Abwägen zwischen Leistung und Preis. Auch der Veröffentlichungszeitpunkt spielte natürlich eine Rolle: tatsächlich waren "neuere" Konsolen in aller Regel auch stärker. DC, PS2, GCN, Xbox. Klar, die letzten beiden sind fast gleichzeitig erschienen, aber der GCN war durchaus "älter", weil Nintendo in wohl früher entwickelte, sich aber die Veröffentlichung hinauszog. Und die Xbox war dafür auch deutlich teurer.
WIE genau man nun die beste Leistung erreichte, dabei variierten die Ansätze. Sony setzte auf die komplizierte Architektur mit den Co-Prozessoren, und auf DVD natürlich, Nintendo wollte ein kompaktes, einfaches System ohne Flaschenhälse, Microsoft's Box war da sehr viel altmodischer aufgebaut, bot aber reine "Power" und natürlich die Festplatte, usw. Auch die Controller liefen alle aufs selbe hinaus: jeder Hersteller hatte seine eigene Vorstellung, was nun genau am besten wäre, aber man hatte sich dem bis heute aktuellen Standardmodell schon weit angenähert.
Darüber hinaus waren sämtliche Features der Konsolen "mehr oder weniger gleich", und was verschieden WAR, das war in erster Linie erneut einem abwägen der Kosten zuzurechnen. Natürlich wusste auch Sony, dass 4 Controlleranschlüsse ein Vorteil gewesen wäre, aber man meinte halt, man könne darauf verzichten. Natürlich wusste auch Nintendo, dass ein DVD-Player ein kleiner Vorteil gewesen wäre, aber man meinte, man spart die ca. 10 Euro Lizenzgebühr lieber ein und bietet die Konsole günstiger an. Usw. Nintendo wollte sich rein aufs Spielen konzentrieren, Sony wollte Multimedia und hat gerade in Japan tatsächlich auch von der DVD-Funktion profitiert, aber es war genauso eine logische Entwicklung im Bezug auf Games. Wie auch die Festplatte und Microsofts Xbox-Live. Auch beim Online gab es ja keinen wirklichen Unterschied: alle Hersteller WOLLTEN ERSTMAL Onlinegames. Microsoft hatte Erfahrung vom PC und hat von Anfang an voll drauf gesetzt, dafür aber auch Geld verlangt. Sony wollte punkten, indem man weniger, dafür aber umsonst anbietet. Und Nintendo hatte ja sehr wohl auch Onlinepläne, der GCN war mit seinen Anschlüssen voll drauf ausgelegt, und überdies (oft vergessen) in Europa mit PSO sogar die ERSTE Konsole jener Generation, mit der man online spielen konnte (DC ausgenommen). Aber dann hat man sich halt entschieden, da keine größeren Ressourcen reinzustecken; erst recht nicht, als der GCN dann eh schon nicht mehr ganz rund lief.
Was ich unterm Strich sagen will: So "verschieden" auch diese Generation schon war, so gab es doch DAS Idealmodell einer Konsole. Und die Unterschiede, die da waren, waren fast nur Unterschiede begründet in Kompromissen, vor allem unter Berücksichtigung von Kosten und Aufwand; und darüber hinaus spielten u.a. Erscheinungstermin und Vor-Erfahrungen der Unternehmen eine Rolle (Sony hatte berechtigtes Interesse daran, DVD zu promoten, MS hatte Online-Erfahrungen, Nintendo den Fokus auf "Spielspaß für die ganze Familie", was damals noch NICHT mit "casual" gleichzusetzen war.
Doch mit der nächsten Generation änderte sich das. Eigentlich schon vorher auf den Handhelds, wo der "ungewöhnliche" (und Nintendo sah ihn anfangs ja durchaus selbst als eine Art Experiment an und behielt sich vor, bei Misserfolg einen neuen "GameBoy" zu bringen) DS gegen die eher konventionelle PSP antrat. Und so überhaupt dem Alternativkonzept der Wii erstmal den Weg ebnete.
Über die muss ich natürlich nicht viel sagen; jeder weiß, wie "anders" die war. Wichtig ist aber, dass das nicht nur die beiden dominanten Aspekte betraf: komplett anderer Steuerung einerseits, limitierte Technik zugunsten eines niedrigeren Preises andererseits, sondern das komplette Look & Feel. Da gab es nicht mehr einfach ein zweckmäßiges Hauptmenü, dazu den Spielen zu "dienen", sondern das gab es etwas "Besonderes". Kanäle. Non-Game-Kanäle auch. Virtual Console. Pinnwand. MIIS!! Und viel mehr.
Doch wie gesagt: Die Andersartigkeit der Wii ist eigentlich offensichtlich. Wichtig ist, dass auch PS3 und X360 sich stärker voneinander unterschieden. Und da meine ich eben gerade nicht die Games - denn siehe oben: Exklusiventwickler wurden für Drittherssteller ein Problem - sondern das Konzept der Konsolen. Im Vergleich zur Wii mögen das hier nur Details sein, aber trotzdem finde ich es auffällig, dass beider Hersteller nicht nur ein durchaus unterschiedliches Image pflegen, sondern auch versuchen, ihren Konsolen, insbesondere der Benutzeroberfläche, ALLEINSTELLUNGSMERKMALE zu geben. Das ist naheliegend: Die Möglichkeiten für Games sind auf beiden Konsolen sehr ähnlich. Praktisch identisch. Selbst First- und Second-Party-Spiele ähneln sich auf beiden Systemen sehr. Und Multiplattformtitel sind in aller Regel eh absolut identisch. Es gibt praktisch keine großen AAA-Games mehr, die ohne das unmittelbare Zutun von Sony und MS für nur eines der System exklusiv kamen (ich spreche jetzt noch von der Zeit vor Kinect und Move). Anders als noch in der letzten Generation ist auch grafisch keine nennenswerter Unterschied mehr zu sehen: Grafik wird schon länger stärker durch die Fähigkeiten der Entwickler und ihr Budget limitiert, als durch die Hardware.
Abgesehen von guten Exklusivtiteln, in denen dann MS und Sony aber direkt involviert sind, gibt es also nur diese anderen Alleinstellungsmerkmale, die einen Spieler dazu verleiten sollen, nun gerade DIESE Konsole zu kaufen, und nicht die andere. Ich brauche die jetzt nicht alle aufzuzählen, die können Multiplattformspieler ja selbst. Aber insbesondere an Microsofts "Mii-Kopie" will ich erinnern, an das hochentwickelte, aber kostenpflichtige Xbox Live natürlich eh weiterhin, und all den zusätzlichen Services, denen wiederum das PSN gegenübersteht, und ganz, ganz wichtig: Playstation Home. DAS war so ein VERSUCH, etwas neues, besseres zu bieten, was die Konkurrenz nicht hat.
Und dann ging das aber erst richtig los: PS Move und Kinect versuchen zwar beide, an den Erfolg der Wii anzuknüpfen, sind aber doch grundverschiedene Konzepte. Es es nicht mehr genug, einfach DEM Modell für eine neue Steuerung zu folgen, nicht nur darum es zu perfektionieren und einen draufzusetzen, sondern es ANDERS zu machen. Das trifft natürlich vor allem auf Kinect zu, weniger auf Move, aber auch letzteres hat ein paar Eigenarten.
Puh, um jetzt mal zum Ende zu kommen. Mit der nächsten Konsolengeneration scheint sich das noch zu verstärken. Die WiiU ist natürlich eh schon mal wieder "anders", und rein leistungstechnisch zwar jetzt noch "gleich", aber nicht mehr lange. Aber nach den bisherigen Infos werden sich wohl auch PS4 und X720 STÄRKER voneinander unterscheiden, als PS3 und X360 das taten. Kinect wird auf MSs Konsole wohl zur Pflicht werden und tief ins System integriert, und Sony kommt sicher auch nicht mit leeren Händen.
Die Hardwareleistung wird wohl eh höher sein als alles, was die Entwickler anfangs wirklich nutzen können (war schon auf der letzten Generation so, als zB viele Games der ersten Generation auf der Box überhaupt nur einen Prozessorkern nutzten) und somit die Grafik absolut identisch aussehen. Man muss also – abgesehen von First- und Second-Party-Exklusivtiteln - mit Alleinstellungsmerkmalen punkten (und bestensfalls dem Preis natürlich). Besonderheiten im Interface, Features des Betriebssystems, Community-Features, was auch immer. Genau wie die WiiU mit ihrem Gamepad (das im Vergleich zur Wiimote damals ja sogar schon eher nur ein subtiles Alleinstellungsmerkmal ist) werden wohl auch PS4 und X720 ihre ganz eigenen "Special Features" mitbringe.
NUR WER SOLL DIE WIE NUTZEN!?!?!? First- und Second-Party-Games natürlich. Wie auch auf der WiiU. Aber Dritthersteller!? Die können natürlich weiter ihre Multiplattformgames mit Standardsteuerung als kleinstem gemeinsamen Nenner für alle Konsolen bringen. Evtl. ein paar Extra-Features (Minigames...). Aber ein Spiel wirklich noch auf die ganz besonderen Features einer Konsole zuzuschneiden, es so sehr darauf zuzuschneiden, dass es NUR auf DIESER Konsole richtig spielbar ist, das wird man sich abseits von kleinen, kreativen Downloadtiteln wohl nicht mehr leisten können. Schließlich wird die Entwicklung mit den neuen Konsolen ja nur NOCH VIEL TEURER als die Entwicklung eines ZombiUs jetzt war.
Das ist also die Zwickmühle die ich sehe: Alle Konsolen bringen immer neue, originelle, einzigartige Features mit sich, die speziell angesprochen und richtig ausgenutzt werden wollen – womit alle Systeme eigentlich geradezu nach Exklusiventwicklungen VERLANGEN, d.h. vielmehr als das in der PS2-Xbox-GCN-Ära der Fall war, als unterm Strich doch alle Konsolen irgendwie gleich waren. Damals hatte zwar jede ihre zwei, drei kleinen Nachteile, aber keine hatte DAS Feature, dessen Unterstützung bedeutet hätte, dass das Game auf den anderen Konsolen nicht machbar gewesen wäre.
Und auf der anderen Seite werden die Entwicklungen immer teuer. Wenn sie schon auf der WiiU zu teuer sind, damit Exklusivität noch rentabel wäre, dann wird die Entwicklung auf PS4 und X720 sogar NOCH teurer werden. Und in den Folgejahren mehr und mehr; da werden die bald kommenden Launchtitel vermutlich noch ein Witz sein und Vergleich.
Also was tun? Exklusivität ist nicht länger rentabel; große Games MÜSSEN Multiplattform kommen. Und überdies auf ein breites Publikum zielen. Das heißt, dass all die wirklich interessanten und einzigartigen Features - gerade im Sachen Interface - von allen drei Konsolen vermutlich kaum richtig genutzt werden, zumindest nicht mehr als mit Gimmickstatus (wie zB eine Map auf dem WiiU-Gamepad, was zwar oft ECHT HILFREICH ist, aber doch nicht eben eine Revolution), weil man für eine wirklich gute Nutzung das Spiel von Beginn an daraufhin entwickeln muss (wie bei ZombiU geschehen). Nur kleine Entwicklungen, v.a. auf den Downloadplattformen, und eben Exklusivtitel unter direkter Beteiligung von MS, Sony und Nintendo werden das noch können.
Man braucht sich also imo keine Hoffnungen zu machen, dass Third-Parties noch große Games exklusiv bringen. Nicht für WiiU (die Wii hatte da den Vorteil, dass die Entwicklung darauf wirklich noch sehr günstig war, und die Bedienung natürlich ENORM anders, und man zudem Marktführer war) und auch nicht für PS4 oder X720. Bestenfalls erhält die WiiU einfach AUCH die Multiplattformtitel, die auch für die anderen Konsolen kommen. Egal ob das nun jetzt noch Ps3 und X360 sind, oder später Ps4 und X720. Das ist imo das Wichtige, auch das, worum Nintendo sich bemühen muss. Aber was echte Exklusiventwicklungen angeht, so wird das bei allen 3 Plattformen wohl die Aufgabe des Konsolenherstellers sein. Und weil nur diese Games exklusiv kommen, werden auch nur diese die Alleinstellungsmerkmale der Konsolen wirklich nutzen.
Das wiederum könnte ein weiteres Problem für Third-Parties werden, die damit ins Hintertreffen geraten könnten. Ein Teufelskreis... ^^ Sie MÜSSEN multiplattform entwicklen, aber sie SOLLTEN auch die Special Features nutzen. Andererseits besteht bei First-Party-Games das Problem: können die überhaupt noch rentabel sein, wenn man dafür ein ähnliches Budget nutzt, wie die Third-Parties für Multiplattformtitel nutzen? Klar ist es immer auch die Aufgabe von First-Party-Games einfach nur die Konsole zu pushen, und so können sie sinnvoll sein, auch wenn sie ihre Kosten nicht direkt mit den Softwareverkäufen wieder einspielen. Aber trotzdem sind dem Grenzen gesetzt; gerade dann, wenn auch die Konsolen unter Herstellungspreis verkauft werden...
Man kann also insgesamt sagen, ganz unter Strich: Das Problem des gegenwärtigen und noch mehr des zukünftigen Spielemarktes sind die immer höheren Produktionskosten.
Die einzige Möglichkeit, die wieder einzuspielen, ohne sie zu senken, ist mehr Spiele zu verkaufen. Doch scheinen die Konsolen da mittlerweile an eine Grenze gestoßen, nachdem nun sogar der Casual-Markt erobert ist und zudem neue Akteure auf den Plan träten (Smart Phones, Open Source und Android Konsolen, Smart-TV, etc). Die einzige Option sehe ich da in ganz neuen Märkten, wie etwa China, Indien, und signifikantes Wachstum in Lateinamerika und Osteuropa.
Gut..., der Beitrag wurde jetzt viel länger als geplant, und war eh nicht wirklich "geplant", und noch dazu unter Zeitdruck geschrieben, aber ich hoffe, er war nicht allzu blödsinnig...
