Final Fantasy VII
Wie bereits zuletzt geschrieben sind meine Spielerfahrungen mit dem Klassiker Final Fantasy VII zu Ende gegangen. Der letzte Boss wurde erledigt und die Welt schlussendlich gerettet. Zeit also, in einem finalen Bericht mich ein letztes Mal ausführlich mit dem Spiel zu beschäftigen und es im Gesamten zu reflektieren, vor allem auch vor dem Hintergrund, dass es damals ja ohne Ende in den Himmel gelobt wurde und einen nicht zu leugnenden Einfluss auf die JPRG-Landschaft genossen hat - die entscheidende Frage wird also wohl sein, inwieweit es diesen Erwartungen auch heute noch gerecht werden kann. Zum besseren Verständnis habe ich diesen Bericht in zwei Teile untergliedert: als erstes werde ich mich den diversen Gameplay-Elementen widmen, bevor danach das Herzstück des Spiels, also die Story, genauer unter die Lupe genommen wird, um dann zum Schluss ein endgültiges, persönliches Fazit zu ziehen. Los geht's!
Das Spiel besitzt eigentlich alles, was man von einem JRPG erwarten kann. Eine relativ große Weltkarte mit einer Vielzahl von verschiedenen Städten, die nur darauf warten erkundet zu werden, und Zufallskämpfe. Sehr gelungen finde ich vor allem den Aufbau des Spiels. Der Anfang nimmt den Spieler noch an die Hand und führt ihn auf ziemlich linearen Pfaden durch die Stadt Midgar, bis man danach zum ersten Mal auf die Weltkarte gelangt und sich an das typische Städte-Erkunden macht. Dies wird allerdings später dadurch gesteigert, dass man mit fortschreitenden Fahrzeugen immer mehr und sukzessive die Weltkarte frei und nach Herzenslust erkunden kann. Alles baut auf einander auf und man freut sich über jedes Geheimnis, welches man entdeckt oder über jede neue Stadt, die man findet. Nur an manchen (sehr wenigen) Stellen wird das Spiel meiner Meinung nach zu kryptisch, sodass man teilweise planlos und ohne ein nahes Ziel auf der Weltkarte umherwandert, was sich dann recht frustig gestaltete. Klar, ist auch, dass bei einem 50-Stunden-Spiel nicht jeder Abschnitt genauso überzeugen und durchgängig motivieren kann, aber ich denke das ist normal und kann nicht wirklich als objektives Argument gelten - schließlich gefällt dem einem Spieler der Abschnitt besser und einem anderen wiederum eben nicht - ich persönlich empfand beispielsweise die Stadt Gold Saucer als sehr anstrengend und einen regelrechten Motivationskiller. Was mir allerdings hingegen sehr imponiert hat, war der Abwechslungsreichtum im Spiel und zwar nicht bloß im Level- und Städtedesign, sondern auch in Hinblick auf das Gameplay allgemein. In fast jeder Stadt gibt es etwas neues zu tun, sodass man mit vielfältigen Aufgaben konfrontiert wird - ob man nun eine Verfolgungsjagd auf dem Motorrad hinlegen muss, mit dem Snowboard eine Piste runter rast, ein Chocobo fängt, rechtzeitig ein Passwort mit Tastenkombinationen erraten muss oder sich für eine Undercover-Mission in einer Militärparade bestimmte Gewehr-Parade-Bewegungen aneignen muss. Mir fallen noch viele weitere Beispiele ein, die aufzeigen, dass das Spiels eigentlich zu keinem Zeitpunkt langweilig wird.
Ich selbst habe übrigens etwa 52 Stunden gebraucht, um den Abspann zu erblicken, man kann aber sicherlich nochmal 50 Stunden ins Spiel stecken, wenn man alle Sidequests erledigen, alle optionalen Bosse besiegen, alle Waffen/Materia/Limit-Moves finden und alles auch noch aufleveln möchte. Mich hat es jetzt aber nicht allzu sehr angesprochen, weil ich einfach an der Geschichte und dem Universum darum interessiert war.
Auch das Kampfsystem hat mir gefallen, nur darf man natürlich keine Abscheu für Zufallskämpfe hegen, um sich voll auf das Spiel einlassen zu können. Das Active-Time-Battle-System funktioniert in den Kämpfen selbst jedenfalls wunderbar und vor allem das Magie-System in Form von Materia funktioniert prächtig. Es gibt einfach unzählige Zauber und Kombinationsmöglichkeiten, mit denen man verschiedenen Strategien im Kampf ausprobieren kann und wo jeder auf seine Kosten kommen sollte. Dadurch dass man beim Voranschreiten immer neue Materia kaufen oder auch in Dungeons finden und diese gezielt aufleveln kann, fühlt man sich mit der Zeit immer mächtiger und ist richtig motiviert. Apropos Aufleveln: das Spiel ist relativ leicht. Ich selbst habe ja immer, weil es einfach meine gängige Spielweise ist, regelmäßig meine Charaktere trainiert, habe mir aber auch sagen lassen, dass die ganzen Bosse auch ohne extra Training sehr gut zu meistern sind - ich selbst hatte wirklich Null-Probleme. Manch einer würde hier sicherlich Kritik ansetzen, aber bei einem rundenbasierten RPG ist es mir persönlich viel wichtiger, die Story voranzutreiben, als ständig an irgendwelche Endgegner-Brocken zu scheitern, muss aber auch jeder für sich selbst entscheiden. Herausfordernd wird es wohl erst, wenn man sich absichtlich handicapt, indem man beispielsweise den meisten Zufallskämpfen aus dem Weg geht.
Das, was mich wohl am meisten am Spiel gestört hat, hat allerdings auch indirekt mit dem Kampfsystem zu tun: die Begrenzung der eigenen Party auf nur drei Charaktere. An sich finde ich diesen Umstand gar nicht so schlimm, doch gibt es hin und wieder Abschnitte, wo man vom Spiel gezwungen wird, bestimmte Charaktere mit in die Party aufzunehmen. An diesem Punkte kommt eben kein vierter Charakter ins Team, sondern man muss diesen gegen einen seiner gut trainierten, regelmäßigen Mitglieder austauschen, was die Kämpfe danach oftmals nicht mehr so geschmeidig werden lässt und deshalb schlichtweg nervt. Glücklicherweise kommt auch dieser Punkt nur ziemlich selten im Spiel vor.
Gut, so viel also vielleicht zum Gameplay an sich. Kommen wir nun also zum eigentlichen Herzstück des Spiels: der Story! Ich möchte dabei so fortfahren, dass ich zunächst einmal die wichtigsten Handlungsstränge (ich hoffe, so prägnant wie möglich) in einem Text nochmals zusammenfasse, damit man nochmal sieht, worüber ich eigentlich rede, und erst danach die eigentliche Reflexion über die Geschichte und deren Präsentation anschließe. Here we go!
Im Zentrum der Geschichte steht ein übler weltweiter Konzern namens Shinra. Sie haben in der so genannten "Mako"-Energie eine wichtige Energiequelle gefunden und fördern sie entsprechend exzessiv zu Tage. Jedoch gibt es viele, die davon überzeugt sind, dass der Konzern auf Dauer den PlanetEN zu sehr ausbeutet und ihm großen Schaden anrichtet - zumal auch viele einfache Menschen in den Slums unter Shinras Monopolherrschaft leiden. Man schließt sich in dieser Ausgangslage als Söldner und Hauptprotagonist Cloud einer Rebellgruppe an, die sich zum Ziel gesetzt hat, den Planeten von Shinra zu befreien und nun versucht, die Haupt-Makoreaktoren in Midgar durch terroristische Angriffe zu sabotieren und lahm zu legen. Schon bald trifft man auf das Blumenmädchen Aeris - wie man später herausfindet, ist sie die letzte Überlende einer alten Rasse: die Cetra. Sie konnten damals, bevor sie ausstarben, mit dem Planeten sozusagen kommunizieren - in Final Fantasy VII wird nämlich der Planet als einer Art lebender Organismus vorgestellt. In ihm fließt der sogenannte Lebensstrom - eine Art spirituelle Energie, aus der alles Leben entsteht und in die alles vergangene Leben zurückfließt, welches aber vom Planeten auch dazu genutzt werden kann, um seine Wunden zu heilen. Die Shinra-Leute haben ein großes Interesse daran, Aeris in ihre Finger zu kriegen, da sie als letzte Cetra-Überlende sie in das sogenannte "verheißene Land" führen könnte, wo es nach dem Mythos eine extrem starke Verdichtung der Mako-Energie gibt. Zuvor gefangen genommen, kann man bloß aus den Fängen der Shinra entkommen, weil der übermächtige Soldat "Sephiroth" in das Hauptquartier eindrang und dort alle masakrierte.
Wie man in einem Flashback erfährt, war Sephiroth einst der stärkste Soldat der Shinra-Armee SOLDIER, zu dem der Hauptcharakter Cloud aufgesehen hatte und deswegen ebenfalls SOLDIER beitreten wollte. Bei einem gemeinsamen Einsatz in Nibelheim überschlagen sich jedoch die Ereignisse und der Nibelheim-Vorfall gilt wohl als eines der zentralsten Elemente des Spiels. Dort fand Sephiroth anhand von versteckten Unterlagen diverser vergangener Wissenschaftler heraus, dass er bloß das Produkt eines Experiments darstelle. Ihm wurden noch im Mutterleib "Jenova-Zellen" injiziert, durch welche er eben jenen Zuwachs an physischen Kräften zu verdanken hatte. Von nun an sollte jedes SOLDIER-Mitglied diese Prozedur unterlaufen, nachdem man gesehen hatte, welchen Erfolg man mit Sephiroth hatte.
Doch woher stammen überhaupt diese Zellen? Sie wurden dem Wesen "Jenova" entnommen - eine Kreatur, die von Wissenschaftlern im Eis gefunden wurde. Es handelt sich dabei um eine Art außerirdischen Virus, welcher vor etwa 2000 Jahren aus dem All auf die Erde gestürtzt ist, der jede äußerliche Form aus den Erinnerungen seiner Beute annehmen kann und nur einem Instinkt folgt: die Rasse des jeweiligen Planeten zu vernichten. Den damals noch lebenden Cetra gelang es jedoch unter großen Anstrengungen dieses Jenova-Wesen zu versiegeln, welches eben erst 2000 Jahre später von den Wissenschaftlern gefunden wurde und dessen Zellen man zu nutzen versuchte. Dabei wurde der Körper von Jenova im Nibelheim-Reaktor konserviert - Sephiroth lernte diese Wahrheit und seine Herkuft und wurde dadurch so wütend und hasserfüllt, dass er das Dorf niederbrannte und in den Reaktor eindrang, um sich den Kopf des Jenova-Körpers, seiner Mutter, zu holen. Nur Cloud konnte ihn damals in letzter Sekunde aufhalten, indem er ihn zusammen mit dem Kopf in den Lebensstrom unter ihm stieß. Dies hatte allerdings folgenden Effekt: Jenovas und Sephiroths Bewusstsein verschmolzen im Lebensstrom zu einer neuen Persönlichkeit zusammen und Sephiroths Wille war nicht nur groß genug, um seinen Körper über 5 Jahre hinweg am Nord-Krater neu zu formieren und zu regenerieren, er konnte mit seinem Willen auch die auf der Welt verblienden Jenova-Körperteile und Zellen aus dem Hintergrund heraus steuern - dies war der berüchtigte Nibelheim-Vorfall vor 5 Jahren.
Zurück in der Gegenwart wird man nun allerdings mit einem weitaus größerem Problem konfrontiert. Sephiroth - bzw die von Sephiroths Willen gesteuerte "Jenova-Puppe" - möchte mit Hilfe einer alten, schwarzen Materia einen Meteoriten auf den Planeten stürzen zu lassen, da der Planet daraufhin versuchen würde, seine riesige Wunde mithilfe der Lebensstrom-Energie verheilen zu lassen. Sephiroth möchte dann allerdings im Zentrum dieser Wunde stehen, um die so frei gewordene Energie zu absorbieren und zu einer Gott-ähnlichen Kreatur zu werden. Aeris, die sich davon stiehlt, um einen Versuch zu unternehmen die Meteoriten-Beschwörung zu verhindern, wird allerdings in einer traurigen Sequenz von Sephiroth ermordert.
Man ist von nun also selbst auf der Suche nach einer Lösung, die den Meteoriten aufhalten würde. Nach einiger Zeit erfährt das Team jedoch, dass es Aeris kurz vor ihrem Tod bereits geglückt ist, eine weiße Magie, ebenso stark wie der Meteorit, zu beschwören, die jedoch von dem immer noch sich nach dem Nibelheim-Vorfall regenerierendem Sephiroth geblockt wird. Es gilt also ihn zu besiegen - und dieses Mal ist es auch der echte Sephiroth, den man besigen muss und eben keine Jenova-Form, wie es zuvor immer der Fall war. In einem letzten Gefecht kann man auch tatsächlich Sephiroth im Nord-Krater pulverisieren und die weiße Holy-Magie kann auch endlich frei werden. Sie kommt allerdings zu spät, um den Meteoriten aufzuhalten, welcher droht, die gesamte Welt zu vernichten. In einem letzten Aufbegehren rührt sich jedoch der Planet und lässt den Lebensstrom aus der Erde sprießen, welcher zum Metoeriten fließt, die Holy-Magie verstärkt und das große Unheil in letzter Sekunde abwehren kann. Die Welt ist gerettet.
So! Das war in etwa der Plot dieses Spiels, welcher natürlich nicht so einfach gestrickt erzählt wird, sondern aus vielen wohl dosierte Wendungen, Enthüllungen und immer tieferen Verstrickungen besteht. Auch die Erzählstruktur ist nicht immer chronologisch, sondern greift auch diverse Flashbacks (und am Ende sogar ein Flash Forward)auf, die sogar teilweise spielbar sind und auf diese Weise erlebt werden. Aber nicht nur die Inszenierung an sich, finde ich gelungen - ich finde die Geschichte einfach grandios!
Das Thema Umwelt und das Überleben des Planeten spielt natürlich die zentrale Rolle und ist auch heute noch brandaktuell, weshalb ich das moderne und futuristische Setting als sehr gut gewählt ansehe. Wenn man das Spiel einschaltet und in dieser riesigen Stadt landet, spürt man förmlich die Hoffnunglosigkeit des Planeten, die sich in den Farben und der Musik widerspiegelt - allein da, hatte das Spiel mich schon durch seine einzigartige Atmosphäre fesseln können. Vor allem empfand ich es als einen tollen erzählerischen Kniff, den Planeten zu personifizieren, welcher sich mithilfe des Lebensstroms selbst wehren konnte und so die Frage aufkam, ob sich der Planet auch gegen den Menschen wehren würde. Was mich aber an der Geschichte am meisten fasziniert hat, ist der gesamte Jenova-Komplott. Ich finde die Idee eines unheimlichen Wesens aus dem All einfach extrem creepy und auch absolut passend als das Element, welches alle Handlungfäden am Ende zusammenlaufen lässt - boah, allein der Gedanke bereitet mir Gänsehaut, zumal ja auch alles langsam und mit viel Spannung enthüllt wird, ein toller Schachzug! Klar, die gesamte Idee ist total abgefahren und zudem auch extrem verworren, weswegen ich mich auch immer wieder in die Thematik einlesen musste, um genau zu verstehen, wie alle Charaktere miteinander zusammenhängen, aber ich stand da total drauf und fand es schon beim ersten Schauen des Advent Childern-Films, der mich schließlich erst zu FF VII geführt hatte, einfach unheimlich und faszinierend.
Ganz ehrlich: es ist doch völlig hirnrissig und bescheuert ständig solche seitenlangen Berichte zu schreiben, wie ich es getan habe

Aber ich habe es getan, weil es mir so großen Spaß gemacht, in dieses stimmige Universum einzutauchen. Nicht jeder wird die Handlung mögen und ihr in ihrem Detailgrad komplett folgen wollen, aber sie hat einen klaren Bezug zu unserer Welt, durchlebt immer wieder emotionale Höhepunkte, besitzt drei-dimensionale Charaktere (inklusive eines interessanten Hauptcharakters), bietet spannende Wendungen und bleibt aber gleichzeitig noch im Grundthema straightforward.
Bleibt noch die Frage, wie das Spiel mit seinen nun schon 15 Jahren gealtert ist. Man muss natürlich schon sagen, dass die Polygonklötzchen als Figuren nicht mehr allzu ästhetisch rüberkommen und in einigen Sequenzen zielmlich mickrig wirken, aber dennoch war ich stellenweise beeindruckt, wie man es trotzdem geschafft hatte mithilfe einfacher Animationen die Geschichte flüssig zu erzählen. Auch die vorgerenderten Filmszenen sind heute noch sehr schön anzusehen und gut inszeniert, weshalb man durchaus erahnen kann, mit welch einem Ausmaß das Spiel die Leute Anno 1997 beeindruckt haben muss. Grafisch sind außerdem noch die vorgerenderten Hintergründe der Umgebungen sehr schön anzusehen und auch die Effekte in den Kämpfen gehen in Ordnung. Vor allem bleibt aber auch heute noch der Soundtrack der absolute Burner, welcher es perfekt schafft die Atmosphäre des Spiels klanglich auszudrücken. Die Geschichte bleibt ja ohnehin zeitlos und ist in ihrer Dringlichkeit vermutlich sogar aktueller denn je, sodass man meiner Meinung nach sagen muss: grafisch zwar nicht mehr ganz so schön, aber immer noch so gut inszeniert, dass es eigentlich keines Remakes bedarf.
So, kommen wir zu den letzten Worten. Mein Interesse an Final Fantasy VII wurde vor 5 Jahren durch den nachfolgenden Film geweckt, sodass ich in Fragmenten wusste, wie die Geschichte grob ablaufen würde und welche Elemente enthalten sein würden. Ich kannte natürlich auch den extremen Hype um das Spiel, sodass es fragwürdig war, ob es meine Erwartungen erfüllen könnte, aber ich kann nun, da ich es endlich mal selbst spielen konnte, mit Recht behaupten, dass es das geschaft hat. Es besitzt alle nötigen Gameplay-Elemente, die ein stimmiges und abwechslungsreiches Bild ergeben, aber eben vor allem eine Story, die zwar total abgefahren ist, aber immer genug Bezugspunkte bietet, sodass man ihr stets folgen möchte. Ich bin begeistert!